Bitte um Auskunft zum Kaptän der Cap Arcona

Begonnen von ri_hh, 15 Mai 2020, 19:12:33

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ri_hh

Guten Tag,
ich bin neu in diesem Forum, meinen Gruß in die Runde.!

Ob ich in diesem Thread richtig bin, weiß ich nicht genau, er schien mir richtiger als die anderen...

Als Geschichtsinteressierte habe ich mich anlässlich des 75. Jahrestages des Dramas "Untergang der Cap Arcona" näher mit den damaligen Geschehnissen befasst. Einige Details erfuhr ich außerdem von einer Zeitzeugin, die als Kind die Bombardierung der Schiffe in der Neustädter Bucht miterlebt hat.

Seit einer Weile bin ich auf der Suche nach näheren Angaben zum aufrechten Kapitän Betram, aber es gibt so gut wie keine digitalisierten Informationen über ihn, auch in Büchern gehen sie kaum über das Ereignis um die Arcona hinaus.

Hier im Forum fand ich nun einen kleinen Hinweis zu einem  Ereignis, an dem er Ende '43 als Kapitän der Monte Rosa in Aarhus beteiligt gewesen ist und habe die kleine Hoffnung, jemand könnte mehr über ihn wissen, auch über seinen Verbleib nach Mai '45 oder ob er womöglich eigene Erinnerungen um die Geschehnisse in der Lübecker Bucht hinterlassen hat.

Kann mir jemand raten, wie/wo es sonst eine Chance gibt, etwas zu erfahren?
Ich würde mich sehr über Infos freuen.

Wünsche allen ein schönes Wochenende!
Ri

Urs Heßling

moin, ri,

wenn Du Personen suchst, mußt Du mit dem richtigen Namen suchen.
Der Mann hieß Bertram.

Er führte die Wilhelm Gustloff im August 1939 bei ihrer letzten fahrt in Friedenszeiten

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

klaushh

Moin!

Der Kapitän Heinrich Bertram lebte lt. Wikipedia von 1897 - 1956. Mehr steht dort auch nicht.

Gruß
klaushh

bettika61

#3
Hallo ri,
Willkommen im FMA  :birthday:
Auch in der heutigen Zeit können die digitalen Medien keine eigenen Recherchen ersetzen.
Hast Du in Neustadt bei Wilhelm Lange angefragt, gleiches   gilt für die KZ Gedenkstätte Neuengamme?
Welche Literatur wurde ausgewertet, welche Daten zu Bertram liegen Dir bereits vor?

ZitatHier im Forum fand ich nun einen kleinen Hinweis zu einem  Ereignis, an dem er Ende '43 als Kapitän der Monte Rosa in Aarhus beteiligt gewesen ist
--/>/> https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26430.msg306214.html#msg306214

Lt.wiki https://de.m.wikipedia.org/wiki/Monte-Klasse_(1924) :
ZitatMit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges lag sie unter dem Kommando von Heinrich Bertram ab Januar 1940 als Wohnschiff für die Kriegsmarine und Luftwaffe (Fliegeranwärterbataillon) inStettin
soll Bertram die Monte Rosa seit Kriegsbeginn geführt haben.
Oktober 1943 in Aarhus war er auch ihr Kapitän.
Bei den Truppentransporten 1942-43 der Monte Rosa waren auch Strafgefangene,Juden,Kriegsgefangene, Zwangssabeiter und Häftlinge dabei.

Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

ri_hh

Hallo und danke für eure Antworten.

Die genannten Daten hatte ich gefunden und über den Beitrag zu F. W. Lübke und H. Bertram aus 2016 kam ich an dieses Forum (google).
Monte Rosa war sein Schiff bis Anfang '45, vermutlich ab 1940, vor Kriegsbeginn war er Kapitän auf der Wilhelm Gustloff, zumindest auf deren letzter Fahrt als Passagierdampfer 1939.

Doch sonst wiederholen sich diese Daten, nichts anderes zu finden bisher. Aber ich fange erst an. :)

Von Wilhelm Lange wollte ich das Buch bestellen, aber der Tipp, direkt Kontakt aufzunehmen, ist gut, danke, Beate. Neuengamme weiß auch nicht mehr.
***

Was mich außerdem interessiert: Die erwähnte Zeitzeugin weiß, dass ein weißes, großes Tuch gespannt war auf der Cap Arcona, nur Minuten vor den Angriffen heruntergeholt (zwangsweise?).
Aus dem Buch des Überlebenden Rudi Goguel fand ich ein Zitat:
»Er [Heinrich Bertram, Kapitän der ›Cap Arcona‹] sagte [...] später aus, er habe ›bevor der Angriff auf das Schiff erfolgte, ... persönlich sein Bettuch als weiße Fahne am Signalmast‹ gehißt«, Goguel (1972), S. 54.

Offiziell soll dies verboten gewesen sein und wird nirgends sonst erwähnt, aber ich entdeckte Hinweise von zwei weiteren Zeitzeugen, die es zu bestätigen scheinen.
Wo könnte Kap. Bertram dies ausgesagt haben bzw. in welchem Archiv könnte danach gesucht werden?

Und was ist nach Mai '45 mit ihm passiert bzw. wie setzte sich sein Leben fort bis zum Tod 1956?

klaushh

Moin Ri!

Die Suche läßt sich nicht nur am Schreibtisch bzw. Laptop durchführen. Man muss sich auch direkt an Institutionen wenden, die möglicherweise Ausküunft geben können. Und das "wenden" bitte schriftlich!
Als vermutlicher Hamburger versuche es doch mal direkt bei der Hamburg-Süd und bei seiner letzten Arbeitsstelle:

https://www.abendblatt.de/archive/1956/pdf/19561010.pdf/ASV_HAB_19561010_HA_004.pdf

https://www.abendblatt.de/archiv/1956/article202926773/Kapitaen-Bertram-gestorben.html

Viel Erfolg und berichte weiter über deine Ergebnisse.

Gruß
klaushh

bettika61

Hallo Ri,
noch ein Rechercheansatz:
lt. "A Conspiracy Of Decency: The Rescue Of The Danish Jews During World War II"
von Emmy E. Werner
war Bertram nach dem Krieg im Verwaltungsrat des Norddeutschen Lloyd in Bremen
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Hallo rhi,
ZitatNeuengamme weiß auch nicht mehr.
Was soll das heißen,hast Du im Archiv von Neuengamme gesucht?

ZitatWo könnte Kap. Bertram dies ausgesagt haben bzw. in welchem Archiv könnte danach gesucht werden?
Es gibt einen Bericht von Bertram vom 31.01.1947, der ist in Neuengamme archiviert.
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

ri_hh

Ich bin euch sehr dankbar für diese Hinweise, Klaus und Beate.

Eine Adresse hatte ich schon in alten Hamburger Adressbüchern gefunden, nun gab es durch die alte Abendblattanzeige eine Bestätigung. Vielleicht gibt es noch Nachkommen...
Ja, vielleicht haben die Reedereien alte Unterlagen aufbewahrt. Irgendwann muss er vernommen worden sein zu dem Ereignis, könnte dazu das Hamburger Seegericht in Frage kommen?

Von einem 2. Offizier fand ich einen Bericht, der wiederum beim VVN Erinnerungen zu Protokoll gegeben hat, auch eine Anlaufstelle.
Klar, nur von zu Hause aus funktionieren Recherchen nicht, bin noch am Anfang und suche nach Anhaltspunkten und möglichen Fundstellen, ihr habt schon etwas weiter geholfen. :)

Und Norddeutsche Lloyd? Er war viele Jahre bei der Hamburg-Süd, aber dort hatte man nach dem Krieg erstmal keine Schiffe mehr. Allerdings gab es in der Zeit auch einen weiteren Kapitän mit gleichem Namen, etwas jünger und aus Kassel.

Emmy E. Werner kommt auf die Bücherliste.
Über das Schicksal der dänischen Juden hatte ich mal geforscht im Rahmen der Suche nach einer Hamburger Familie, die nach Dänemark geflüchtet, dann nach Theresienstadt verschleppt und gerettet worden war. Meist ist vom Diplomaten Duckwitz die Rede in diesem Zusammenhang. Sehr interessant, dass auch Bertram einen kleinen Beitrag leisten konnte.

Und während ich dies schreibe, ein weiterer Anhaltspunkt von Beate, vielen, vielen Dank! Als ich selbt in Neuengamme war, hatte ich Bertram noch nicht im Fokus, in den letzten Tagen alles gelesen, was als PDFs zur Verfügung steht, aber für so einen Bericht fahre ich gern selbst noch einmal hin.

Euch allen erstmal ein schönes Wochenende!
Ri
(die sich freut, dieses Forum entdeckt zu haben)

bettika61

Hallo rhi,
noch ein Tip, schon Arnold Kludas gefragt?
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

ri_hh

Beate, Herr Kludas wäre sicher eine gute Quelle, aber wie kommt man an den Herrn heran?
In Neuengamme bat ich nun um einen Termin für den Archivbesuch, mal schauen, ob sie bei den vielen Anfragen demnächst antworten können...
Grüße!

P.S.: Immerhin konnte ich nun dank klaushh erfahren, dass Herr Bertram nach 1945 noch lange aktiv gewesen ist und meine Befürchtung, er sei kaltgestellt worden, nicht zutrifft.

beck.Schulte

Ich halte mich im Forum so weit es geht heraus, aber als guter Bekannter und Mitstreiter von Arnold bitte mal dies zu beachten: Er ist 91 Jahre alt und sollte in Zeiten wie diesen nicht mit Fragen, die sich leicht woanders  klären lassen, belästigt werden. Zudem hat er schon vor Jahren den Großteil seines Archives an das DSM übergeben. Dort kam man wohl in Kürze wieder aufschlagen.

bettika61

Zitat von: ri_hh am 16 Mai 2020, 17:33:53
P.S.: Immerhin konnte ich nun dank klaushh erfahren, dass Herr Bertram nach 1945 noch lange aktiv gewesen ist und meine Befürchtung, er sei kaltgestellt worden, nicht zutrifft.
Hallo,
Die Todesanzeige "mein Mitarbeiter" gez.Lübke
war von Heinrich Lübke, Bruder von Friedrich Wilhelm Lübke , seinerzeit der o.g. Dienststellenleiter in Aarhus  8-)
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

ri_hh

Dafür habe ich volles Verständnis, dass der alte Herr nicht behelligt werden möchte! Ich kenne einige seiner Bücher, die Eindruck hinterlassen haben.
Vielleicht komme ich irgendwann auch nach Bremerhaven?

Und diese Info ist ja auch wieder interessant, Beate.
H. Lübke war sofort klar, aber dann so eine Verbindung...
Bei einigen Suchaktionen (besonders vor ein paar Jahren im Zus.hang mit dem Hamburger Stolpersteinprojekt) erlebte ich, wie "Zufälle" mitspielten und sich plötzlich Lücken schlossen, oder sogar mal ein Buch aus einem Regal fiel, in dem ich gesuchte Antworten fand.

Längere Zeit musste ich mich aus solchen Themen zurückziehen, weil es kaum noch auszuhalten war, aber ein langes Gespräch mit einer Augenzeugin, sehr wache alte Dame, die am 3.5.45 stundenlang die Geschehnisse in der Lübecker Bucht mit ansehen musste, hat mich bewogen, ein paar Fragen zu verfolgen.

Und zur offiziellen Geschichtsschreibung gibt es manchmal Widersprüche.

kalli


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