Kolonien in Afrika

Begonnen von TD, 07 Juni 2020, 06:04:47

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TD

Hallo zusammen,

suche seit langer Zeit eine Aufstellung der afrikanischen Küstenkolonien Kriegsbeginn 1939.

Es waren ja wohl über 100 deutsche Schiffe und Boote welche dort durch die "Feindmächte"
am 3.9.1939 beschlagnahmt wurden und 1940 als "gute Prise" zumindest hauptsächlich durch
britische Prisenhöfe eingezogen wurden.
Soll sich um ca. 120 britische Prisen und gut 20 französische Prisen gehandelt haben vom
bei Lindenau in Memel gebauten Stahlkanu bis zum Schnellboot.

Erst einmal Dank

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Urs Heßling

#1
moin,

Zitat von: TD am 07 Juni 2020, 06:04:47
suche seit langer Zeit eine Aufstellung der afrikanischen Küstenkolonien Kriegsbeginn 1939.
Es waren ja wohl über 100 deutsche Schiffe und Boote welche dort durch die "Feindmächte"
am 3.9.1939 beschlagnahmt wurden und 1940 als "gute Prise" zumindest hauptsächlich durch britische Prisenhöfe eingezogen wurden.
Soll sich um ca. 120 britische Prisen und gut 20 französische Prisen gehandelt haben vom bei Lindenau in Memel gebauten Stahlkanu bis zum Schnellboot.
Ich melde an diesen Zahlem meine Zweifel an.

Die Liste "Verluste deutscher Handelsschiffe" in der Chronik ist schon relativ erschöpfend.
Da erscheint in Afrika nur der Verlust der Hagen am 8.9.1939 in Durban.
In Shanghai dagegen gab es schon am 3.9.1939 vier Zugriffe.

Richtig zu Buche schlugen dann die Übernahmen der Schiffe in den niederländischen Kolonien am 10.5.1940 (am Tage des deutschen Einfalls in die NL)

... und von einem deutschen Schnellboot in Afrika (1939) weiß ich nichts.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

ufo

Diese Zahlen passen auch so gar nicht zusammen mit einem Artikel im "The American Journal of International Law", 'British Prize Cases 1939-1941, Josef L. Kunz, Vol. 36, No. 2 (April 1942), pp. 204-228.

Der Autor untersucht die im laufenden Kriege aufgezeichneten Prisenfaelle und schreibt hierzu:

"True, compared with the enormous amount of prize cases during the war of 1914-1918 (3) in Great Britain (4)
France (5),' Germany (6) and Italy (7), the number of British prize cases so far re-ported (acht) is comparatively very small (9)"

und fuehrt dann in Fussnote Nummer (9) aus:

"They are not more than 34, of which 28 were decided in the British Prize Court in London, one in India, one in Newfoundland, two in Australia and two in South Africa."

So recht passen diese Zahlen nicht zu den angeblichen Afrikanischen Prisen.

Ufo


Urs Heßling

moin

Zitat von: ufo am 08 Juni 2020, 16:04:48
"They are not more than 34, of which 28 were decided in the British Prize Court in London, one in India, one in Newfoundland, two in Australia and two in South Africa."
Das wiederum kommt mit den Angaben der Chronik recht gut hin, die für 1939 vierzehn (14) und für 1940 dreizehn (13) in See entstandene Prisenfälle nennen.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

TD

#4
Liebe Freunde,
ungläubige Shiplover.

Jetzt kennen wir uns hier schon fast 15 Jahre und einige glauben es
schreibt die "Märchentante".

Schnellboot:

Ist das Handelsschnellboot BAKOLLE  5 t

der Reederei Afrikanische Frucht GmbH., Hamburg.

BAKOLLE wurde von der britischen Verwaltung in Tico im Kamerun beschlagnahmt
und später vom Prisenhof Nigeria als gute Prise eingezogen.

TICO war ja wie Shanghai ein Sonderfall bei der Deutschen Schiffsregisterführung.
Obwohl normal kein deutsches Gebiet gab es dort Deutsche Schiffsregister.

Hier das größte Schiff aus TICO unter deutsche Flagge:


ms  LIKOMBA    DJZJ  Februar/März 1939 G. Renck jr. KG, Hamburg  (641)   199/96  564/272  275   36,186,782,392,50 m   1 Mot. HD 2Te 3x300/420    225   Hanseatische Mot. GmbH, Hamburg   ?   (BB 10.3.1939/21.3.1939) "Likomba" Afrikanische Frucht Co. AG (Reederei F. Laeisz GmbH), Hamburg (DEU). (21.4.1939) Heimathafen nach Tico verlegt. 30.8.1939 an Santa Isabel, aufgelegt und später weiter nach Fernando Po. 13.1.1942 hier mit Hilfe der Spanier durch ein englisches Prisenkommando aufgebracht (ebenso Leichter ,,Bulundi" und italienisch SS ,,Duchessa d'Aosta") und durch einen Zerstörer abgeschleppt. ,,Malakal" Ministry of War Transport (Elder Dempster Line Ltd.) in London (GBR). Januar 1946 Ministry of Transp. (wie vorher). 1948 Liberianische Regierung, Monrovia (LBR). 1948   "President Tubman" Monrovia Industrial & Maritime Co., Monrovia. Juni 1954 "Strandöy" H. Kvale, Bergen (NOR). Februar 1957 "Hjelmen" Skips AS Hjelmen (R. O. Dyrstad), Florö. März 1966 "Friland" O. H. Ökland PR, Haugesund. März 1969 S. Jacobsen PR. März 1972 O. H. Ökland PR. November ,,Höievarde". Juni 1982 PR B. & R. Ökland. Mai 1984 AS Fagerheim. Mai 1985 ,,Torsjö" T. Torkelsen, Haugesund. Juni 1986 ,,Ormsjö". Dezember 1987 A. Nilsen. Januar 1988 PR Lillegutt (Supply Service Management AS). November 1989 ,,Viran F" A. G. H. Holmquist, Stockholm (SWE). Etwa um 1990 (GMB). Letzte Nachricht vom Juli 1991 aus Banjul Hafen und 1997/98 im LR gestrichen.
  Zu den "Überfall" in Fernando Po hatte ich im Archiv des Auswärtigen Amtes, damals noch
in Bonn, einige tolle Berichte gefunden.

Bei den Schiffsverlusten in Afrika bin ich für die Verluste am 3.9. 1939 jetzt schon bei 120 Fahrzeugen, versuche No.116 bis 120 irgendwie anzuhängen. ( sonst muss Jemand helfen! )
Werden auf jeden Fall noch weitaus mehr werden wenn ich die seitenlangen Aufzeichnungen
des Prisenhofes Nigeria eingearbeitet habe mit den vielen afrikanischen Schiffsnamen.
Dazu ggf. noch eine Anzahl Kleinschiffe der Reederei Woermann aus Hamburg welche aber
wohl größtenteils noch vom Prisenhof Nigeria abgeurteilt wurden.

@ Urs,
vier Schiffe Shanghai ?

@ Ufo

Dank für die Angabe:

"The American Journal of International Law", 'British Prize Cases 1939-1941, Josef L. Kunz, Vol. 36, No. 2 (April 1942), pp. 204-228.
So etwas suche ich immer für alle Nationen,  außer Deutschland und Finnland.

Viele Grüße

Theo

...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Urs Heßling

#5
moin, Theo,

Zitat von: TD am 09 Juni 2020, 05:36:26
Schnellboot: Ist das Handelsschnellboot BAKOLLE  5 t
Ah ja  :O/Y

Zitat von: TD am 09 Juni 2020, 05:36:26
@ Urs,
vier Schiffe Shanghai ?
Gemäß Chronik am 3.9.1939 interniert:
Elbhof (1853 BRT)
Hanna (1040 BRT)
Möhlenhof (3407 BRT)
Pelikan (781 BRT)

Ich nehme einmal an, daß sich unter den 120 Schiffen und Booten mehrteilig Boote befanden.
Meines Wissens gab/gibt es Untergrenzen für den Eintrag in das Handelsschiffregister, unter Anderem eine Länge von 15 m

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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