11. Schiffstammabteilung Stralsund

Begonnen von alo41, 13 März 2017, 23:05:36

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smutje505

Hallo Paule ich habe nichts zu den Bildern erklärt ich weis das das keine Bilder der KM bzw. VM sind.
Bitte lies erst die Frage von t-geronimo !

smutje505


Nordmeer

Hallo,

Ich danke Euch für die Erklärung zur weissen Uniform. Daß ein Bordpäckchen kein Jausenbrot ist, ahnte ich ;), kannte ich doch schon den Begriff des U-Boot-Päckchens. Von wegen Ausgehuniform, da lag ich ja schön daneben! Also weißes Arbeitshemd und Arbeitshose für die Sommermonate an Bord. Wie praktisch!! Wer wusch bloß all die weißen Uniformen?  :zz: Aber da Männer von der Marine auch nähen können... Das nehme ich zumindest an. Oder wer sonst hat all die Dienstgrad-, Laufbahn- und anderen Abzeichen angenäht? Oder gab es jedesmal ein neues Kleidungsstück?

Eigentlich war die weisse Uniform ja ein Nebenschauplatz. Gibt es auch Info zu Dauer, Ablauf und Art der Rekrutenausbildung?
Ich fand im F.d.W. noch dieses kurze Zitat zum Thema:

...Aus dem Zeugnis eines meiner Verwandten erschließt sich Länge und Umfang der Ausbildung:
"vom 8.7.1944-23.10.1944=108 Tage 4./1. Schiffstammabt. Stralsund:
Exerzierdienst, Dienstkenntnis, Waffenkunde, Seemannschaft."...

In diesem Fall waren es dann wohl an die dreieinhalb Monate des Exerzierens und Schulbankdrückens.

Gruß,

Viktoria

M-54842

Zitat von: Nordmeer am 24 November 2020, 14:55:17
Vielleicht kann ja noch jemand etwas zu Dauer und üblichem Ablauf der Rekrutenzeit in dieser Zeit anmerken.

Mein Großvater sprach immer von der Rekrutenkompanie und die Gruppe bezeichnete er als Korporalschaft.
Seine Grundausbildung bei der 13. SStA dauerte von April bis Oktober 1939, wobei die Vereidigung am 20. Mai 1939 stattfand. Bilder im weißen Bordpäcken sowie der "geliebten" feldgrauen Uniform habe ich auch. Im Jahr 39 war es allerdings so, dass sich die Matrosen eine eine Paradeuniform anfertigen ließen, die selbst bezahlt werden musste. 
Die Grundausbildung spielte sich vorwiegend auf dem Exerzierplatz, im Gelände, auf/in den Sporteinrichtungen, dem Schießplatz und im Unterrichtsraum, aber auch schon auf dem Wasser (Kutterpullen und Segeln) ab.
Wozu das ganze gut war, hat der Korvettenkapitän Giese in seiner Schrift "Die Kriegsmarine ruft" festgehalten. Ich gebe das mal zum Verständnis und zum Eintauchen in die damalige Zeit im Original wieder:
"Gewiss, der Soldat der Kriegsmarine wird in seinem späteren Berufsleben wenig oder gar nichts mehr mit dem Exerzierplatz zu tun haben, denn sein Element wird das Schiff und das weite Meer sein, das er auf seinen Planken durchfährt. Aber eins wird ihm, ganz gleich welche Laufbahn er auch einschlägt, auf welchen Platz ihn später der Dienst stellen mag, für immer am wirksamsten bleiben, die Grundschule nämlich, die ihm dieser Exerzierplatz vermittelt und die jeder Soldat durchmachen muss, der später einmal in seinem Leben als Vorgesetzter vor der Front stehen soll. Aus diesem Platz hat Preußens und Deutschlands Soldatentum seit Jahrhunderten seine ganze Kraft und Stärke gezogen. Er ist der Nährboden echten Soldatentums und Mannestums, der Grundpfeiler soldatischen Mutes und menschlicher Charakterstärke.
Auf diesem Platz also tut auch der junge Soldat der Kriegsmarine seine ersten militärischen Schritte. Hier lernt er die Grundbegriffe kennen und verstehen, welche die Grundlage des soldatischen Lebens ausmachen. Auf dem Exerzierplatz und im Gemeinschaftsleben in der Kaserne spinnen sich die ersten Fäden, die zu der späteren unsichtbaren, aber umso unzerreißbareren Kameradschaft führen. (...)
Nicht jeder gliedert sich gleichermaßen leicht in das militärische Leben ein, denn hier heißt es ja von Anfang an, das eigene Ich zurückzustellen und nur der Gemeinschaft, ihren Anforderungen und ihren Zielen zu leben. Wie jeder Beruf, so hat naturgemäß auch der des Soldaten seine heiteren und ernsten Seiten. Es ist nicht so, dass der Soldat nicht nur seine Pflicht und sein persönliches Eigenleben kennen soll. Aber die Pflicht wird und muss stets allem anderen voran stehen.
Diese Pflicht lernt der junge Soldat hier in der Kaserne und auf dem Exerzierplatz von der ersten Minute an kennen. In aller Frühe, wenn in den Bürgerhäusern noch tiefste Ruhe herrscht, gellen die Pfiffe der wachhabenden Unteroffiziere durch die weitläufigen Kasernengänge und wecken die Schläfer, die vielleicht eben noch von allem anderen, nur nicht vom Dienst träumten. >>Rise, rise! Komm hoch, komm hoch!<< heißt es da, und wenn auch das nachfolgende >>Allüberall zurrt Hängematten<< hier noch nicht gleichbedeutend mit dem Zusammenlegen der auf dem Schiff noch vielfach als Schlafstätte gebräuchlichen Hängematten ist, sondern das Klarmachen der Kojen und Bettstellen bedeutet, so weht dem jungen Soldaten der Kriegsmarine mit diesem Befehl ein Wind an, der ihn schon frühzeitig an seinen wahren Beruf erinnern soll. Da heißt es blitzschnell raus aus den Kojen, unter die frische kalte Dusche und antreten zum Frühsport, der die Glieder löst und Körper und Sinne frei macht für den bald einsetzenden Dienst.
Nach einem kräftigen Frühstück, das einfach, aber reichlich ist, geht es dann auf den Kasernenhof hinaus, auf dem der junge Soldat als erstes einmal richtig gehen lernt. Ja, wirklich, gehen lernt! Denn was er bis jetzt als Gehen bezeichnet hat, ist, militärisch gesehen, ja etwas anderes. Dann kommt die Ausbildung am Gewehr und später vielleicht am Maschinengewehr und an anderen Waffen des modernen Landkrieges. Denn auch diese muss der junge Soldat der Kriegsmarine beherrschen, weil auch ihn der Dienst vielleicht einmal an Stellen stellt, an denen nur diese Waffen entscheidend sind. Denken wir nur an die zahlreichen Kämpfe und Gefechte, die Landungstruppen unserer Kriegsmarine in den früheren Kolonialkämpfen des Reiches, im Weltkriege an Flanderns Küsten und jetzt in diesem Kriege wieder in Norwegen, in Narvik und an den Küsten Hollands, Belgiens und Frankreichs zu bestehen hatten. Sie alle haben Zeugnis dafür gegeben, dass der Soldat der Kriegsmarine, wenn es sein muss, wie an Bord so auch an Land seinen Mann zu stehen weiß.
Nach dem Dienst auf dem Kasernenhof und im Gelände folgen dann der theoretische Unterricht in allem, was der angehende Seemann und Soldat in seinem künftigen Dienstleben kennen und wissen muss, folgt auch der Zeugdienst, bei dem selbst die ungefügigste Hand es lernt, die Uniform und das Zeug selbst in Ordnung zu halten. Immer aber wechselt der militärische Dienst mit ab mit sinnvoll eingesetzten Freizeitstunden, in denen nicht nur die Kameradschaft, sondern auch der Einzelne mit seinen Neigungen und Veranlagungen zum Recht kommen."           


M-54842


joern

Zitat von: Nordmeer am 24 November 2020, 14:55:17
Hi Alo und alle!

Vielleicht kann ja noch jemand etwas zu Dauer und üblichem Ablauf der Rekrutenzeit in dieser Zeit anmerken.

Beste Grüße,

Viktoria

Hallo,
hier mal ein konkreter Dienstplan der Rekrutenausbildung aus der 7.Schiffsstammabteilung 1941. Ich denke, dass sich die Ausbildung in den verschiedenen Schiffsstammabteilungen sehr ähnelten. Die Ausbildung 1941 dauerte in Stralsund/Dänholm 103 Tage.
Grüße Joern

smutje505

hier noch ein Bild Bordpäckchen weiß und 2.Geige im Sommer der VM

Nordmeer

Vielen herzlichen Dank für alles, was Ihr hier noch zusammengetragen habt! Jetzt hat diese Rekrutenzeit für mich schon ein deutlicheres Gesicht erhalten.

Zitat von: M-54842 am 24 November 2020, 20:22:33
Wozu das ganze gut war, hat der Korvettenkapitän Giese in seiner Schrift "Die Kriegsmarine ruft" festgehalten. Ich gebe das mal zum Verständnis und zum Eintauchen in die damalige Zeit im Original wieder:

Es ergeht mir genau, wie Du sagst. Auch mir ist das Eintauchen in diese Zeit wichtig für das emotionale und athmospärische Verständnis der Menschen und Situationen.

Zum Text des Kapitäns: Er gibt einen sehr schönen und realitätsnahen Einblick sowohl in das Denken als auch die Praxis dieser Ausbildung. Einiges würde heute der Zeit gemäß anders ausgedrückt werden, dennoch gibt es immer noch Menschen, für die ihre Pflicht zuerst kommt, da sie die Notwendigkeiten des größeren Ganzen vor ihr Ego stellen.

Persönliche Anmerkung: Ich kann nicht umhin, immer auch an die andere Seite der Medaille zu denken: Wenn diese Pflicht auch Kämpfen und Töten beinhaltet wie im Soldatentum, dann darf das Pflichtbewußtsein, das man fördert und an das man appelliert, allerdings nicht ausgenutzt werden. Das bedeutet, daß es dann an höherer und höchster Stelle zur Pflicht gehört, sehr sehr sorgsam damit umzugehen. Ich will übrigens gerade beginnen, Günther Prien: Mein Weg nach Scapa Flow (aus meines Vaters Nachlaß) zu lesen und bin gespannt, was mich da erwartet.

ZitatSelbst war der Mann
Ich hatte das schon vermutet, in Analogie zum Nähen... Danke für das herrliche Bild!


Zitat von: joern am 25 November 2020, 09:34:01
hier mal ein konkreter Dienstplan der Rekrutenausbildung aus der 7.Schiffsstammabteilung 1941
Hallo Jörn!

Der Dienstplan ist natürlich wirklich anschaulich und aufschlußreich. Die Dauer der Ausbildung stimmt auch ungefähr mit dem weiter oben zitierten Zeugnis überein (103 bzw. 108 Tage). Nach diesem Dienstplan wäre mein Lieblingstag als junger Mensch wahrscheinlich der Mittwoch gewesen ;)

Zum Zeugdienst noch eine kleine Fundstelle:
--/>/> Zeugdienst auf Kreuzer Emden (Bild auf S. 332)


#smutje505:

Danke für die bildliche Gegenüberstellung von blauer und weißer Uniform. So sieht das Bordpäckchen weiß schon mehr nach Arbeitskleidung aus als auf meinem Gruppenbild weiter oben.


Grüße,

Viktoria

joern

Hallo,
zum Zeugdienst hier auch mal 2 Fotos von der Gorch Fock 1934.
Grüße Joern

alo41

#24
Zitat von: Nordmeer am 24 November 2020, 14:55:17
Ein weiterer Aspekt, den ich nicht klären konnte, betrifft die oben erwähnten "Gruppen". Darüber habe ich nirgendwo etwas gefunden. Seine Aufzeichnungen geben stets "11.Schiffsstammabteilung, 16. Gruppe" an. Ich weiß, daß es in den Schiffsstammabteilungen numerierte Kompanien gab. (Weiß jemand zufällig mehr darüber?) Gruppe scheint eine zusätzliche untergeordnete Gliederung gewesen zu sein. Unter einem Bild steht dann auch "mein Gruppenführer".

Vielleicht kann ja noch jemand etwas zu Dauer und üblichem Ablauf der Rekrutenzeit in dieser Zeit anmerken.

Hi,
It is difficult to find anything about the organization of training units. I have tried to get some information from the "Die Geschichte der 11. Schiffstammabteilung" that I posted.

The very first recruits came on 1 Nov. 1938.
Vereidung on 8 Dec. 1938
Abteilungsapell in grey on 30 Jan. 1939 (91 days, probably two weeks from release of the troops. The paper was probably printed right after this date to be ready for the release)
There were four Kompanie numbered 1, 2, 3 and 5 (The 4. Kompanie was probably meant to be set up later). Each Kompanie had 52 Stammpersonal and three officers.
There were 5 Kaserne 1. Westende, 2. Zeebrügge, 3. Ostende, 4. Lombartzyde, 5. Brügge, probebly one for each Kompanie.

I estimate the Abteilungsapell photo to show around 2000 soldiers.
One Kompanie is then ~500 men, 445 of them being recruits.
One Gruppe is ~16 men giving ~28 Gruppe in a Kompanie
There are then maybe 4 Zug with 7 Gruppe each in a Kompanie or something similar.

Alternatively:
There are 42 lower rank Stammpersonal in a Kompanie on the photos. If they are two (Gruppenfürer and Stellvertreter?) for one Gruppe, then there are 21 Gruppe in a Kompanie and 336 recruits.

I would think there were four 16 Gruppe 11. Schiffstammabteilung, one for each Kompanie. Is there any Kompanie number or Kaserne name mentioned? I can see Brügge on a lifie boye in one of mine photos.

I am sure there is someone who knows this better.

/Alo
Antworte im deutsch, bitte

Nordmeer

Zitat von: alo41 am 26 November 2020, 12:32:48
I would think there were four 16 Gruppe 11. Schiffstammabteilung, one for each Kompanie. Is there any Kompanie number or Kaserne name mentioned? I can see Brügge on a lifie boye in one of mine photos.

Hi Alo,

many thanks for taking the time and doing the math.  :ML:

Leider fand ich keine Erwähnung der Kompanienummer oder des Kasernennamens. Mittlerweile fand ich aber auf einem Photo einer 16. Gruppe (Photos 12+13 ganz unten) von 1944 folgende Beschriftung auf der Rückseite: "2./3. S.St.A. Stralsund Schwedenschanze 16. Gruppe mit BtsMt Burkholtz".

Es gab die Gruppen also wirklich! Auch hier ist keine Kompanie angegeben. Vielleicht war es nicht üblich, weil die Rekruten einer Kompanie ohnedies immer unter sich waren. Zur nachträglichen Identifizierung wäre allerdings stets neben der Kompanienummer auch der Jahrgang notwendig. Es sei denn, die Kompanien wären über die Jahre immer weiter laufend numeriert worden.

Die Stärke einer Gruppe war wohl, wie Du sagst, ca. 15-16 Personen. Auf meinen beiden Bildern des 1. Landgangs sind es jeweils 14 Rekruten plus 1, der photographiert hat (?). Auch das verlinkte Photo zeigt 14 Rekruten (plus Photograph?).

Grüße,

Viktoria


Urs Heßling

moin,

Zitat von: Nordmeer am 26 November 2020, 15:49:10
Leider fand ich keine Erwähnung der Kompanienummer oder des Kasernennamens. Mittlerweile fand ich aber auf einem Photo einer 16. Gruppe (Photos 12+13 ganz unten) von 1944 folgende Beschriftung auf der Rückseite: "2./3. S.St.A. Stralsund Schwedenschanze 16. Gruppe mit BtsMt Burkholtz".

Es gab die Gruppen also wirklich! Auch hier ist keine Kompanie angegeben.
Meiner Ansicht nach ist in "2./3. S.St.A. Stralsund" die "2." die Nummer der 2. Kompanie der 3. Schiffsstammabteilung.  So wird das im militärischen Schriftverkehr geschrieben

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Nordmeer

Zitat von: Urs Heßling am 26 November 2020, 15:58:44
Meiner Ansicht nach ist in "2./3. S.St.A. Stralsund" die "2." die Nummer der 2. Kompanie der 3. Schiffsstammabteilung.  So wird das im militärischen Schriftverkehr geschrieben

Danke Urs,

Du wirst es nicht glauben, genau das ist mir vor 1 Minute selbst aufgegangen! Zumal es in Stralsund-Schwedenschanze nach dem, was ich finden konnte, nur eine 3. SStA gab, keine 2. (Ich dachte zuerst, es habe unterwegs eine Umbenennung gegeben.) Ich eile also zum Korrigieren, aber siehe da - Urs war schneller. Vielen Dank für die Korrektur.

Gruß,

Viktoria

alo41

Zitat von: Nordmeer am 26 November 2020, 15:49:10
Es gab die Gruppen also wirklich! Auch hier ist keine Kompanie angegeben. Vielleicht war es nicht üblich, weil die Rekruten einer Kompanie ohnedies immer unter sich waren. Zur nachträglichen Identifizierung wäre allerdings stets neben der Kompanienummer auch der Jahrgang notwendig. Es sei denn, die Kompanien wären über die Jahre immer weiter laufend numeriert worden.

I am sure the numbering of the Kompanie was not changed each year. That part of the organization was probably fixed with the Stammpersonal. The Gruppen were then filled three (or four?) times a year with new recruits. This part of the training was, as I understand it, the same for every recruit. They then left for more spiralized training in other places before being stationed at a unit. They did probably not retain the Kompanie or Gruppe number from the S.St.A. at that point.

/Alo
Antworte im deutsch, bitte

Deichkind

Hallo!
Gab es eigentlich auch für die SSA KTB´s und wenn ja, haben sie sich für Stralsund ganz oder in Teilen erhalten?
Danke!
Deichkind

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