Gefrierfischdampfer in Deutschland 1933-1945

Begonnen von TW, 09 September 2025, 12:16:50

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Zu diesem Thema wurde ich angeregt durch einen Wiki-Artikel über den deutschen Fischdampfer "Weser" (BX 267):
1938 stellte die Hanseatische Hochseefischerei in Wesermünde den für damalige Verhältnisse großen Fischdampfer "Weser" in Dienst. Am 25. November 1939 wurde das Schiff durch eine Minenexplosion stark beschädigt.

ZitatDie notwendige Reparatur nahm man zum Anlass, den Trawler zum Versuchsschiff für die Tiefkühlkonservierung von an Bord erzeugten Fischfilets umzubauen. Zu diesem Zweck wurde eigens die Gefriertechnische Gesellschaft deutscher Hochseefischereien in Wesermünde gegründet, an der sich alle namhaften Fischdampfer-Reedereien beteiligten. Beim Umbau wurde das Schiff mit einer Baader-Filetiermaschine für eine Verarbeitungsleistung von 1,6 Tonnen pro Stunde, einer umfangreichen Kälteanlage für eine Gefrierguttemperatur von −20 °C und entsprechenden Tiefkühlladeräumen sowie einer Fischmehlanlage ausgerüstet. Bis auf die Auslegung als Heckfänger verfügte das Schiff damit im Wesentlichen über alle Einrichtungen, die sich erst 25 Jahre darauf bei vergleichbaren Fischereischiffen durchsetzen sollten.

Fisch war bis 1939 angesichts begrenzter Kühltechnik ein hygienisch heikles Produkt, das meist nur in verarbeiteter Form, als Marinade, Räucherware oder Konserve, den Weg zum Konsumenten fand. Auch seine hohe Saisonabhängigkeit erschwerte den Absatz der Frischware. Ein Umschwung setzte ein, als durch die Versorgungskrise des Winters 1935/36 Fisch als Eiweißträger und Ersatz für Fleisch an Bedeutung gewann. Ende 1936 sah der Vierjahresplan eine Verdoppelung der deutschen Fischfänge bis 1940 vor, sollten Fangflotte und Fischindustrie großzügig ausgebaut werden. Doch zum einen gelang es der Fischwirtschaft nicht, die Menge der Anlandungen plangemäß zu erhöhen, denn die Steigerung betrug von 1936 bis 1938 lediglich 20 Prozent. Die Aufrüstung der Marine und der parallel intensivierte Walfang ließen das Programm am Mangel von Seeleuten und der immer offenkundigeren Überfischung der Bestände scheitern. Parallel begann man im Deutschen Reich – auch unter Versorgungsaspekten für die Wehrmacht – ab 1939 mit dem Aufbau einer Tiefkühlkette.

Kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam die deutsche Hochsee-Fischerei abrupt zum Erliegen, da Trawler ihre Hauptfanggebiete vor Island, in der Barentssee und in der Nordsee nicht mehr erreichen konnten. Marine- und Luftkriegsführung, einschließlich der von beiden Seiten verlegten Minenfelder, sowie die Requisition von Trawlern und die Einberufung von Fischern brachten die Offshore-Fischerei der meisten europäischen Nationen nahezu zum Stillstand. Sobald Deutschland und Großbritannien im Krieg waren, kam diese Entwicklung sicherlich für niemanden überraschend; tatsächlich stellte sie lediglich eine Wiederholung dessen dar, was bereits 1914 geschehen war. Dennoch unterscheidet sich die Situation in Deutschland in Bezug auf Fischerei und Fischkonsum in den Jahren 1939–45 in zwei Punkten vom Ersten Weltkrieg: Erstens hatte das nationalsozialistische Regime versucht, den Fischkonsum auf verschiedene Weise im Rahmen ihrer Autarkiepolitik in den 1930er Jahren zu steigern, und zweitens konnte die deutsche Kriegswirtschaft nach 1940 weiterhin auf erhebliche Fischlieferungen aus den besetzten Ländern, insbesondere aus Norwegen, zählen.

Schnellgefrieren, das in den 1920er Jahren (in den USA) entwickelt wurde, bewahrte die Qualität, den Geschmack und das Aussehen von Lebensmitteln besser als frühere Techniken. Nach 1933 ermutigten die Nationalsozialisten in Deutschland das Schnellgefrieren, da es versprach, die Versorgungsprobleme während des Krieges zu lösen und mit ihren Ideen über Modernität, Effizienz und Zentralisierung übereinstimmte. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten sie das Gefrieren, um die landwirtschaftlichen Produkte besetzter und verbündeter Gebiete in eine kontinental-europäische Wirtschaft (Großraumwirtschaft) unter deutscher Kontrolle zu integrieren. Obwohl von besetzten Bevölkerungen hätte erwartet werden können, dass sie die von Deutschland geführte Verbreitung des Schnellgefrieren ablehnen, deuten französische Reaktionen auf diese Initiativen darauf hin, dass einige besetzte Menschen sie positiver interpretierten. Französische Experten sahen das deutsche Schnellgefrieren als Fortsetzung von Vorkriegsprojekten und als Investition für die Nachkriegszeit, als sie hofften, dass Frankreich neue Infrastrukturen nutzen würde, um eine Schlüsselstellung in einer breiteren europäischen Lebensmittelwirtschaft zu erlangen.

Der französische Fall deutet darauf hin, dass die lokalen Reaktionen auf das deutsche Engagement im Schnellgefrieren komplexer waren als einfache Zusammenarbeit oder, alternativ, ein Nebeneinander von expansionistischen Ambitionen und lokalem Groll. Der Kriegszeit war Parameter (= Vorbild) transnationaler Entwicklung, Übertragung und Austausch, und die Interaktionen während des Zweiten Weltkriegs könnten die Tür für die Verbreitung des Gefrierens in den folgenden Jahren geöffnet haben.

Ich wüsste gerne mehr über deutsche und französische Frostfischtransporter und Tiefkühlanlagen in deutschen, norwegischen und französischen Häfen und möchte Euch einladen, hier zu dem Thema weitere Bausteine zu sammeln.

Danke für Euer Interesse,
Thomas

P.S.: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/1165868377
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#1
Dr. Peter Dittrich * 1940, Historiker und Autor

"Eiswerke und Kühlhäuser in den Bremerhavener Fischereihäfen"
Wirtschaftsverlag N. W. Verlag für neue Wissenschaft, 2012,
Inhaltsverzeichnis : https://de.book-info.com/isbn/3-86918-169-9.htm

"Neue Erkenntnisse über die deutschen Kühlschiffe"
50 Jahre unkorrekte Geschichtsschreibung der deutschen Kühlschifffahrt
Inhaltsverzeichnis : https://d-nb.info/1233377213/04

"Eis, Fischmehlfabriken, Klippfischwerke, Tiefkühlfisch und Kühlhäuser"
In: 125 Jahre Fischereihafen und Fischereihafen-Betriebsgesellschaft, Bremerhaven (2021).
Hrsg: Fischereihafen-Betriebsgesellschaft in Kooperation mit der Schifffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft Bremerhaven
Bremerhaven : Müller Ditzen, 2021, 159 Seiten, Illustrationen
Ist in dem Buch was drin zur Gefrierschiffahrt 1933-1945 ?
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

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Hamburg (ex Ilmar) (Wikipedia)

Die Hamburg war das erste deutsche Fischereifabrikschiff. Sie sollte als Mutterschiff und Fabrikschiff für eine Flotte von Fischdampfern vor Grönland dienen. Die Hamburg wurde 1939/40 aus dem Frachtschiff Ilmar umgebaut.

ZitatAm 31. Oktober 1939 übernahm die Hochseefischerei-Gesellschaft Hamburg, Andersen & Co. aus Hamburg das Schiff und ließ es nach Umbenennung auf den Namen Hamburg bis Anfang 1940 zum ersten Vollfroster-Fabrikschiff umbauen. Es war als Fischereimutterschiff in der Flottillenfischerei vor Grönland vorgesehen und wurde mit Filetieranlagen für eine Verarbeitungsleistung von 50 Tonnen pro Tag, einer umfangreichen Kälteanlage für die Tiefkühlkonservierung von an Bord erzeugten Fischfilets, entsprechenden Tiefkühlladeräumen für rund 1500 Tonnen Fisch und einer Fischmehlanlage sowie Fischöl, bzw. -trananlage ausgerüstet. Da das Schiff aber kriegsbedingt nicht auf den vorgesehenen Fanggründen arbeiten konnte, setzte man es ab 1940 vor Norwegen ein. -- Am 3. März 1941 wurde die Hamburg im Zuge der Operation Claymore vom britischen Zerstörer Tartar in Osan, Svolvær versenkt.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

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#3
Entwicklung des Tiefkühlgeschäftes in den deutschen Fischereihäfen / Tönnies, Fritz.
In: Schiff & Hafen. - Hamburg - Bd. 18 (1966), 4, S. 263-267, Illustrationen
Bin nicht sicher, ob dieser Aufsatz die Geschichte (1933-1945) berücksichtigt.
Hat Jemand dieses Heft von "Schiff und Hafen"?
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

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Französische Fischerei in der Besatzungszeit (1940-1945)

Jean-Christophe Fichou, Bretonische Fischer während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945)
Dieser Artikel handelt nicht von Gefrierfisch, sondern mehr von Konserven.
Ist aber nichtsdestoweniger sehr interessant und lesenswert.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Rheinmetall

Wow, interessantes Thema !
Danke für den Anstoß.  :TU:)

Ich denke Fisch war in Kriegszeiten ein "dankbares Lebensmittel" da es anders als Fleisch oder Gemüse nicht einer Aufzucht bedarf und ebenfalls lebenswichtige Inhaltsstoffe lieferte.
Dahingegen stand eben wie schon beschrieben der Mangel an Schiffen & Besatzungen, sowie war die Gewinnung durch die Feindseligkeiten wesentlich erschwert.

Würde mich freuen mehr hierüber zu lesen.  :-D

Beste Grüße,
                    Matze
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

TW

#6
Hans Mosolff, "Der Aufbau der deutschen Gefrierindustrie" ist ein Handbuch zur Tiefkühlwirtschaft, herausgegeben von Hans Mosolff und erschienen im Jahr 1940 oder 1941, das die Entwicklung und die Technologien der deutschen Tiefkühlindustrie während der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert, insbesondere mit Fokus auf die Versorgung der Wehrmacht.

Ole Sparenberg, "Segen des Meeres": Hochseefischerei und Walfang im Rahmen der nationalsozialistischen Autarkiepolitik
Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 86, 2012 --/>/> zum Download (kostenlos)

Ulrike Thoms, "The Innovative Power of War: The Army, Food Sciences and the Food Industry in Germany in the Twentieth Century"
In: Food and War in Twentieth Century Europe, Routledge, 2011, 16 Seiten
Die deutsche Armee war 1914 mit einer enthusiastischen Stimmung in den Krieg gezogen; jedoch kehrten die Soldaten am Ende des Krieges erschöpft und unterernährt zu ihren hungernden Familien zurück. Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs hatte deutlich die Fragilität der nationalen Nahrungsmittelwirtschaft Deutschlands demonstriert, und daher begann das nationalsozialistische Regime von Anfang an, seine Ernährungsstrategie zu planen. Sehr bald nach der Machtübernahme der Nazis begannen sie, Forschungsinstitute im Bereich der Agrarforschung stark zu subventionieren. Ein großes und umfassendes Forschungsprogramm zu Züchtung, Lebensmittelherstellung und Physiologie wurde ins Leben gerufen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung wurde gegründet, und die Finanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde erhöht. Schließlich wurden 1936 neue Zeitschriften wie die Zeitschrift für Ernährung und die Zeitschrift für Gemeinschaftsverpflegung gegründet.

Birgit Pelzer-Reith and Reinhold Reith, "Fischkonsum und ,,Eiweißlücke" im Nationalsozialismus"
Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Jg. 96. Bd., H. 1 (2009), pp. 4-26 (23 pages)
Dieser Aufsatz ist ein Beitrag zur Diskussion über den Konsum im nationalsozialistischen Deutschland und befasst sich mit der Entwicklung der Lebensmittelversorgung, indem es das Beispiel des Fischkonsums untersucht. Protein ist ein wesentliches Ernährungselement, und wie bei Fetten musste auch große Mengen davon importiert werden. Nazi-Ideologen sahen Fisch als eine "unerschöpfliche Quelle" tierischen Eiweißes. Das Papier skizziert zunächst die Vorschläge, die sie gemacht haben, und die Maßnahmen, die sie ergriffen haben, um mit dem Proteinmangel umzugehen, indem sie die Hochseefischerei ausbauten, den Bedarf an Importen reduzierten und den Fischkonsum im Verlauf des Vierjahresplans erhöhten. Aber der Ausbruch des Krieges führte zu einem Zusammenbruch der Hochseefischerei und erforderte eine Umstrukturierung des Fischkonsums. In den folgenden Jahren hing der Fischkonsum in der Kriegswirtschaft von der Einfuhr von Fischlieferungen aus besetzten Ländern (Norwegen, Dänemark und Frankreich) und dem Importgeschäft mit Portugal, Italien und der Türkei ab. Daten zu Importen und Rationierung zeigen, dass der Fischkonsum nicht in der Lage war, einen signifikanten Beitrag zu den Proteinbedürfnissen der Bevölkerung zu leisten.

Julia S. Torrie, "Frozen Food and National Socialist Expansionism"
Article in: Global Food History, Vol. 2, 2016, Pages 51-73, --/>/> https://doi.org/10.1080/20549547.2016.1128872
Die Schnellfriertechnik, die seit den 1920er Jahren entwickelt wurde, bewahrt die Qualität, den Geschmack und das Aussehen von Lebensmitteln besser als frühere Techniken. Nach 1933 förderten die Nationalsozialisten das Schnellfrieren in Deutschland, da es versprach, die Versorgungsprobleme während des Krieges zu lösen und mit ihren Vorstellungen von Moderne, Effizienz und Zentralisierung in Einklang stand. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten sie das Einfrieren, um die Agrarprodukte der besetzten und verbündeten Gebiete in eine kontinentaleuropäische Wirtschaft (Grossraumwirtschaft) unter deutscher Kontrolle zu integrieren. Obwohl man erwarten könnte, dass die besetzten Bevölkerungen sich gegen die von Deutschland geführte Verbreitung des Schnellfrierens wehrten, deuten französische Rückmeldungen zu diesen Initiativen darauf hin, dass einige der besetzten Menschen diese eher positiv interpretierten. Französische Experten sahen das deutsche Schnellfrieren als Fortsetzung von Kriegsprojekten und als Investition für die Nachkriegszeit, in der sie hofften, dass Frankreich neue Infrastrukturen nutzen würde, um eine zentrale Position in einer breiteren europäischen Nahrungsmittelwirtschaft zu gewinnen. Nach der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen dem nationalsozialistischen Expansionismus und dem schnellen Einfrieren, analysiert dieser Artikel die Reaktionen auf deutsche Initiativen im Gebiet La Rochelle an der Westküste Frankreichs. Der französische Fall deutet darauf hin, dass die lokalen Reaktionen auf das deutsche Engagement im schnellen Einfrieren komplexer waren als einfache Zusammenarbeit oder, alternativ, ein Nebeneinander von expansionistischen Ambitionen und lokalem Groll. Der Kriegszeit war Teil längerer Muster transnationaler Entwicklung, Übertragung und Austausch, und die Interaktionen während des Zweiten Weltkriegs könnten die Tür für die Verbreitung des Einfrierens in den folgenden Jahren geöffnet haben.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#7
Interessanter Hinweis:
Das Einfrieren wurde trotz Einwänden sowohl der Konserven- als auch der Weißblechindustrie entwickelt, die um den potenziellen Verlust von Marktanteilen fürchteten. 1937 führten Forscher am Reichsinstitut für Lebensmittelfrischhaltung in Karlsruhe Schnellfrierexperimente in Zusammenarbeit mit "Nordsee", einem Fischverarbeitungsunternehmen, durch. Der Staat half auch, "Solo-Feinfrost" zu gründen, das sich auf das Einfrieren für die Armee konzentrierte. Die Firma "Solo-Feinfrost" war eine deutsche Tochter von "Unilever" (Pelzer-Reith and Reith, "Fischkonsum," 13). Zu den Aktivitäten von "Unilever" im Dritten Reich siehe Forbes, "Multinational Enterprise, 'Corporate Responsibility'", 149–67 and Wubs, "Unilever's Struggle for Control", 57–84.

Und eine weitere Frage:
Hat Jemand genauere Kenntnis über die Kühltransporter Eisberg ex nl. Ponza ; Eisblink ex nl. Jeannette und Eisfisch ex sw Pan Gothia ?
Waren diese Fischtransporter Glieder der Tiefkühlkette ? Wo könnte ich Informationen über die Installationen dieser 3 Kühltransporter finden ?
Eismeer ex Wandrahm fuhr nicht als Kühltransporter.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

maurice voss


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#9
MS Eisberg ex Ponza * 1940 ; 499 BRT
27.Juni: Erfasst von der KMD Rotterdam
Für das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Einsatz als Gefrierfischtransporter bei der 'Frachtengemeinschaft Norwegen' vorgesehen.
Umbau und Einsatz des Schiffes werden von dem beauftragten Fachschaftsleiter der Hochseefischerei, Dir. Robert Ahlf, geleitet, dem auch die Bewirtschaftung des Schiffes übertragen ist.
Bereederung durch die 'Nordsee' Deutsche Hochseefischerei AG., Cuxhaven.

April 1942: In Cuxhaven als EISBERG in Dienst gestellt.
August 1942: Beginn der Einsatzes als Fischtransportschiffes auf der Strecke Hammerfest - Hamburg.
12. Aug. 1942: In der Lister Bucht mit einen fremden unbekannten, getaucht fahrenden U–Boot zusammengestoßen.
27. Juli 1943: In Hamburg bei Luftangriff beschädigt.
30. Juli 1943: Weitere Schäden in Hamburg durch Fliegerangriff.
26. Nov. 1944: Vor Norwegen auf Grund gelaufen. 27.Nov.: Mit Schäden durch eine norwegische Bergungsfirma geborgen.
09. Mai 1945 : Bei Kriegsende in Aarhus.

Danke, Maurice  :MG:
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

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#10
MS Eisblink ex Jeannette * 1918 ; 431 BRT
--/>/> https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=9862.msg201477#msg201477

13. Mai 1940: Bei der Besetzung auf der Weft "Welgelegen" in Harlingen vorgefunden.
25. Mai 1940: Nach Ende der Reparatur von der Hafenüberwachungstelle Harlingen zur Prise erklärt .
      Später nach Unterzeichnung der Sonderregelung erhielt die Reederei das Schiff zurück, legt es aber in Harlingen auf.
19. Feb. 1941: Erfasst von der KMD Rotterdam. Der Dampfer wird dem Reichsernährungsministerium z.V. gestellt und zum Gefrierfischtransporter umgebaut.
Die Betreuung des Umbaus und der Einsatz für die 'Frachtengemeinschaft Norwegen' erfolgt durch den beauftragten Dir. Robert Ahlf (Reichsfachleiter
der Hochseefischerei) und die Bereederung wird von diesen an die 'Nordsee' Deutsche Hochseefischerei AG., Cuxhaven übergeben.
01. Jan. 1942: Zur Durchsetzung der deutschen Kaufabsichten wird dem bereits in Verkaufsverhandlungen stehenden Reeder von der KMD Rotterdam nur noch die halbe Schiffsmiete bezahlt.

Feb./ Mrz. 1942: Für 80.850 Gulden ans Deutsche Reich verkauft.*
Sep. 1942: Unter deutscher Handelsflagge als EISBLINK in Fahrt gebracht.
13. Dez. 1942: Bei Arnöy-Feuer auf Grund gelaufen und beschädigt,
Sep. 1943: Ins SSR Cuxhaven als EISBLINK für die Frachtengemeinschaft Norwegen Andersen & Co. KG, "Nordsee" Deutsche Hochseefischerei AG,
Vereinigte Tiefkühlgesellschaften Lohmann & Co. KG in GbR  eingetragen. Bereederung weiterein durch die "Nordsee" Deutsche Hochseefischerei AG.,
Cuxhaven.
18. Feb. 1944: Vor  Hanstholm-Feuer mit 2 Schiffen zusammengestoßen.
12. Mai 1944 : Durch bisher unbekannte Kriegseinwirkung nochmals beschädigt.
11. Sep. 1944: Bei Lödingen auf Grund gelaufen.
09. Mai 1945 : Bei Kriegsende lag das Schiff in Narvik.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#11
Kleiner Exkurs zu Kühltransporten mit der Eisenbahn:
Transporte von Gefrierkost zwischen Frankreich und Deutschland wurden ja in der Regel mit der Eisenbahn und nicht per Schiff durchgeführt. Auch hier durfte die Tiefkühlkette nicht unterbrochen werden. Ob das in Kriegszeiten immer zu gewährleisten war ?

Kühlwagen werden nach Art der Kühleinrichtung eingeteilt in:
- Wärmeschutzwagen ohne Kühleinrichtung
- Kühlwagen mit Kühlbehältern, das Kältemittel ist meist Wasser- oder Trockeneis
- Maschinenkühlwagen mit eigenen Kühlaggregaten

Kühlwagen mit Kühlbehältern haben das Problem der ungenauen Kühltemperatur, da die Kälte nur durch Luftzirkulation verteilt wird. Das eingesetzte Kühlmittel, Wasser- oder Trockeneis, gewährleistet eine Temperatur von +4 °C bis −18 °C. Sie finden Verwendung für den Transport von Fleisch, Bier oder Seefisch.

Maschinenkühlwagen verfügen über Kühlaggregate, mit denen eine Solltemperatur vorgegeben werden kann; diese kann zwischen +20 °C und −30 °C liegen. Sie waren in der Zeit 1936-1945 meines Wissens aber noch nicht verfügbar.

Nähere Informationen:
https://eisenbahnwesens.de-academic.com/1474/Kühlwagen
https://de.wikipedia.org/wiki/Geestemünder_Eiswerke

Kleine Reminiszenz für die Bremerhavener Butjer: Bahnhof Wesermünde Fischereihafen (1936)

In Deutschland kam es 1921 zur Gründung der privaten Kühltransit A. G. mit einem Park von 1200 bis 1500 Kühlwagen und mit Kühlhäusern in Leipzig, Berlin, Hamburg.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Urs Heßling

moin,

Zitat von: TW am 10 September 2025, 22:04:0512. Aug. 1942: In der Lister Bucht mit einen fremden unbekannten, getaucht fahrenden U–Boot zusammengestoßen.
List auf Sylt hat keine "Bucht" ... als Ort der o.a. Strecke wäre es aus navigatorischer Sicht fragwürdig

Könnte der Listafjord gemeint sein ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Urs Heßling

moin,

Zitat von: TW am 10 September 2025, 22:19:47Sep. 1942: Unter deutscher Handelsflagge als EISBLINK in Fahrt gebracht.
13. Dez. 1942: Bei Arnöy-Feuer auf Grund gelaufen und beschädigt
Ich konnte Arnöy-Feuer in der Liste der norwegischen Leuchttürme nicht finden.

Vermutlich auf der "Doppelinsel" Nord- bzw, Sor-Arnoya (rechte Kante AF 3833 ) am Verkehrsweg von Bodö nach Süden

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

TW

#14
Konventionelle Methode der Fischkonservierung
Die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gängige Methode bestand darin, dass die Fischer den geschlachteten – also ausgenommenen – Fisch auf dem Fischdampfer in einem Lagerraum in Fächern immer abwechselnd mit einer Lage Eis schichteten, so dass der Fisch auf einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt (als ideal galten +2° bis 3°C) gehalten wurde. Das gemahlene Eis, das möglichst in Eisfabriken keimfrei aus Trinkwasser hergestellt wurde, hatte der Fischdampfer vor der Reise in seinem Heimathafen geladen. Nach der Auktion im Hafen wurde der Fang anschließend mit frischem Eis für den Versand – üblicherweise in speziellen Eisenbahnwaggons – in Weidenkörbe verpackt.

Versuche zu ihrer Verbesserung
Es gab durchaus Versuche und Möglichkeiten, die bisherige Frischhaltetechnik zu verbessern. Beispielsweise wurden größere Fischdampfer mit einer kleinen Kühlanlage ausgerüstet, die das Schmelzen des Eises verlangsamte, die allerdings den Fisch leider austrocknen ließ.

In verschiedenen Ländern ist in dieser Zeit mit desinfizierenden Zusätzen zum Eis wie Chlor, Natriumhypochlorit, Wasserstoffperoxid, Ozon, Kohlensäure, Benzoesäure usw. experimentiert worden, ohne dass dies bis 1940 zu einem gängigen Verfahren geführt hätte.

Offenbar fand die Behandlung mit Wasserstoffperoxid bald eine größere Verbreitung, und an sich ging hiervon keine Gesundheitsgefahr aus, allerdings bot sich mit dieser Methode die Möglichkeit, den Verbraucher über Alter und Qualität der Fische zu täuschen. ,,Im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren, die die hierdurch ermöglichte Aufarbeitung verdorbener Fische nach sich ziehen", so das Reichsgesundheitsministerium 1939, ,,muß vor der Anwendung von Wasserstoffperoxyd zur Auffrischung von Fischen dringend gewarnt werden."

Ein weiteres Verfahren, das 1936 die Nordsee Deutsche Hochseefischerei und die Reichsbahn nach guten Erfahrungen in den USA und Großbritannien sowie längeren eigenen Experimenten einführten, war die Verwendung von Trockeneis also gefrorenem CO2. Auch hier wurde das normale Eis nicht ersetzt, sondern man verpackte die Fische wie bisher für den Eisenbahntransport mit Eis und hängte jedoch zusätzlich mit Schnüren Trockeneispakete an die Decke des Bahnwaggons. Das beim Auftauen entstehende gasförmige CO2 sank nach unten und verdrängte die Luft in und um die Fischbehältnisse, womit es erstens durch die Kühlung das Schmelzen des Eises verhinderte und zweitens durch die Verdrängung des Luftsauerstoffes den Fisch vor Bakterienwachstum, Fliegen und Oxidation schützte. Trockeneis galt als relativ teuer und stand Mitte 1936 nur im Fischereihafen Wesermünde zur Verfügung, aber die Einführung in Cuxhaven und Hamburg-Altona war vorgesehen.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

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