Gefrierfischdampfer in Deutschland 1933-1945

Begonnen von TW, 09 September 2025, 12:16:50

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TW

#15
Einführung der Tiefkühlung vor 1929
Die Fischwirtschaft des Auslandes war Deutschland bei der Einführung der Tiefkühlung voraus. Zwischen 1910 und 1911 entwickelte der dänische Fischimporteur A. J. A. Ottesen erstmals ein praktikables Verfahren zum Tiefgefrieren von Fischen durch Eintauchen in eine auf ca. –21 °C gekühlte Sole. Fleisch von Schlachttieren wurde schon seit den 1870er Jahren tiefgekühlt z. B. von Südamerika nach Europa transportiert, aber die verwendeten Verfahren trockneten das weniger feste Fischgewebe in inakzeptabler Weise aus.

Obwohl die Tiefkühlung von fangfrischen Fischen direkt auf dem Fischdampfer oder auf Fabrikschiffen, denen kleinere Fischereifahrzeuge zuarbeiteten, sich erst in der Nachkriegszeit durchsetzte, gab es schon vor dem Krieg in verschiedenen Staaten – beginnend mit der norwegischen Karmøy – derartig ausgestattete Schiffe.

Theoretisch waren Fischdampfer mit Tiefkühlanlagen dem Betrieb von Anlagen an Land vorzuziehen, da die Qualität des Fisches bis zur Anlandung bereits gelitten hatte und nur Anlagen auf den Schiffen eine längere Fahrtdauer und somit die Nutzung weiter entfernter Fanggründe möglich machten. Dennoch wagte keine deutsche Reederei, in ein Versuchsschiff zu investieren, so dass der erste derartig ausgestattete Fischdampfer erst 1929 mit einem Darlehen der Reichsregierung gebaut werden konnte.

P.S. Ich habe zur norwegischen Karmøy im Internet bislang nichts gefunden, was ihren Einsatz als Fischtransporter und die dazu notwendigen Installationen betrifft. Kann jemand hier etwas zur Karmøy beisteuern ?
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#16
Fischdampfer Volkswohl * 1929, 493 BRT
Das ,Volkswohl' getaufte und von der Nordsee Deutsche Hochseefischerei bereederte Schiff war mit knapp 500 BRT und 50 m Länge deutlich größer als die zeitgenössischen Fischdampfer und auch die Bau- und Betriebskosten lagen erheblich höher. ,,Mit großem Tam-Tam wurde seinerzeit die erste Fangreise angetreten," so ein Bericht von 1932, der Erfolg blieb hingegen aus: Die Anlage, die nach dem Ottesen-Verfahren mit dem Eintauchen in tiefgekühlter Sole arbeitete und für den Betrieb auf einem bei Seegang rollenden und stampfenden Schiff vollkommen neu konstruiert worden war, befriedigte nicht und brachte nur stark deformierte Fische hervor. Zudem ließ sich die Tiefkühleinrichtung nicht an die täglich schwankenden Fangergebnisse anpassen, und schließlich war die Rentabilität nicht gegeben. Obwohl eine Anlage nach dem Birdseye-Verfahren wohl bessere Ergebnisse gezeigt hätte, erstarb, nachdem die ,Volkswohl' gründlich Fiasko gemacht hatte, das Interesse der deutschen Reedereien an dieser Technologie. Die Nordsee griff erst etwa 30 Jahre später 1960/61 die Tiefkühlung an Bord von Schiffen wieder auf.

VOLKSWOHL (Quelle: Abert)
* 1929 Deutsche Werke Kiel AG, Kiel ;
493 BRT ; Vermessung: 48,98 mL 8,79 mB, 4,37 mT ;
Nach Umbau 1934 ein Fassungsvermögen von 2500 Korb (vorher 4000 Korb)
20.12.1929 Reederei "Nordsee" Deutsche HF, Cuxhaven (DEU).
Versuchsschiff mit Tiefkühlanlage nach dem "Ottesen-Verfahren".
04.02.1933 Deutsches Reich (Reichsminister für Ernährung & Landwirtschaft).
16.08.1937 wiederum "Nordsee" Deutsche HF Bremen-Cuxhaven AG.
17.02.1938 Neuer Name: KEHDINGEN.
Mai 1938 bei den Nordseewerken zum Fischmehlfabrikschiff umgebaut. 
September 1939 zur Kriegsmarine: Etappenschiff Basis Nord (21.11.39),
Januar 1940 Nach Auflösung der Basis Umbau bei Rickmers,
August 1940 Sonderfahrzeug Cuxhaven, 19.8.1940 zurück nach Kiel.
1943 Wetterbeobachtungsschiff "WBS 6" (13.5.1943):
Anfang September 1943 Unternehmen "Schatzgräber"/ Franz Joseph Land,
26.08.1944 ab Tromsö zum Unternehmen "Edelweiß" / Ostgrönland,
01.09.1944 in Pos. 76.30 N 19.02 (SW-Spitze Große Koldewey Insel) selbstversenkt, um ein Aufbringen durch den US Eisbrecher "Northland" zu entgehen.

* Der nachfolgende Einwand von Urs ist richtig. Bei Abert steht "WS-Spitze", soll heißen "westl. Südspitze".
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Urs Heßling

Zitat von: TW am 11 September 2025, 15:17:36VOLKSWOHL (Quelle: Abert)
01.09.1944 in Pos. 76.30 N 19.02 (SW-Spitze Große Koldewey Insel) selbstversenkt, um ein Aufbringen durch den US Eisbrecher "Northland" zu entgehen.
Marinequadrat AA 2618 - die Positionsangaben zeigen eine kleine Differenz

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Darius

Hallo TW,

danke für die schöne Zusammenstellung zum Thema.


 :MG:

Darius

TW

#19
Ein neuer Versuch
Nach dem kostspieligen Volkswohl-Fiasko und nach 10 Jahren Tiefkühlung in der deutschen Fischwirtschaft kam 1935 ein Artikel in der ,,Deutschen Fischerei-Rundschau" zu dem Urteil, das Tiefkühlverfahren sei in Deutschland ,,auf dem toten Punkt angekommen."

Dennoch wurde weiter diskutiert, ob man in Zukunft an Bord des Fischdampfers direkt nach dem Fang (wie auf der Volkswohl) oder erst an Land im Fischereihafen (wie im Fall der Kühlfisch AG) tiefkühlen sollte. Tatsächlich wurden beide Wege beschritten, indem sich die Reederei Andersen & Co. mit der Hamburg sowie die Gefriertechnische Gesellschaft deutscher Hochseefischereien mit der Weser für die Tiefkühlung an Bord entschieden, während die Nordsee Deutsche Hochseefischerei einen landgestützten Betrieb aufbaute.

Andersen & Co. plante den fangfrischen Fisch auf See einzufrieren, aber anders als bei der Volkswohl sollten nicht Fang und Tiefkühlung auf einem einzigen Schiff kombiniert werden, sondern mehrere konventionelle Fischdampfer sollten, ähnlich wie beim Walfang, einem großen Fabrikschiff zuarbeiten.

Unter dem Namen Hamburg wurde ein Frachter zum Fabrikschiff umgebaut und mit Anlagen zur Filetierung, zur Fischmehlproduktion und mit Tiefkühleinrichtungen nach dem in Deutschland entwickelten Heckermann-Verfahren ausgestattet. Die Hamburg wurde allerdings erst 1940 fertiggestellt, so dass sie kriegsbedingt nicht mehr in der vorgesehenen Rolle in der Hochseefischerei zum Einsatz kam. Stattdessen arbeitete das Schiff nach der deutschen Besetzung Norwegens fest verankert als stationäre Fischfabrik bei Svolvær auf den Lofoten, bevor es dort 1941 durch einen britischen Angriff zerstört wurde.

Für die Zuarbeitung gab Andersen & Co. drei weitgehend konventionelle Fischdampfer unter den Namen Harvestehude, St. Georg und Bahrenfeld in Auftrag, von denen zumindest noch einer im August 1939 abgeliefert wurde.

Ein weiteres Schiff mit Tiefkühleinrichtungen, die Weser, gehörte der Gefriertechnischen Gesellschaft der deutschen Hochseefischereien, einem Zusammenschluss fast aller deutscher Reedereien und Fisch verarbeitenden Betriebe. Auch hier kam der Kriegsbeginn dem eigentlich vorgesehenen Einsatz des Schiffes auf weit entfernt liegenden Fanggründen im Nordatlantik zuvor. Die Weser entstand sogar erst als Umbau aus einem im November 1939 durch Minentreffer beschädigten Fischdampfer und wurde nur in der Ostsee eingesetzt, wo der Einsatz eines Tiefkühlschiffes angesichts der geringen Distanzen zwischen Häfen und Fanggründen eigentlich nicht lohnend war. Anders als die Hamburg (als einem reinen Fabrikschiff) fing die Weser selber, und im Unterschied zur Volkswohl von 1929 verfügte die Weser auch über Fischmehl- und Filetieranlagen, so dass sie statt einfachen gefrorenen Fischen tiefgekühlte 1-kg-Portionspackungen produzierte. Die Weser entsprach damit vom Prinzip her schon den (allerdings wesentlich größeren)  Fang-Fabrikschiffen, die die deutsche Hochseefischerei ab den 1960er Jahren einführte.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

HJH

Lieber Thomas,
der korrekte Name der Firma lautet "Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG", ab 23. Oktober 1940 "Andersen und Co. KG".
Vielleicht am Rande interessant:
Am 15. August 1938 wurde in Hamburg die Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG gegründet. Die Gründung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsgruppe Ernährung des Beauftragten für den Vierjahresplan, der Hauptvereinigung der deutschen Fischwirtschaft und dem Sonderbeauftragten für Wirtschaftsförderung und Vierjahresplan der Hansestadt Hamburg. Das Gründungskapital betrug 7 Mio. RM, Hauptgesellschafter war die Zigarettenfabrikantenfamilie Reemtsma mit den Herren Philipp F. Reemtsma und Hermann F. Reemtsma. Persönlich haftende Gesellschafter waren der Reeder Otto N. Andersen (Reederei C. Andersen) und der Fischgroßhändler Eduard Biedermann mit einer Beteiligung von je RM 10.000.-. Ihnen stand ein Arbeitsausschuß zur Seite, der sich aus den Herren Philipp F. Reemtsma, Hamburg, Senatsdirektor Essen, Hamburg, und Direktor Robert Ahlf, Wesermünde-Cuxhaven ("Nordsee" Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven AG), bildet.
Quellen u. a.:
Ernährungsministerium - Jahresbericht über die Deutsche Fischerei 1937, 1938 Berlin, S. 377
Hansa, 75. Jahrg. 1938, Nr. 43 (22.10.), S. 1954
Der Fischerbote - Norddeutsche Fischerei-Zeitung, 30. Jahrg. 1938, Nr. 11 (November), S. 391
Der Fischmarkt, 6. Jahrg. 1938, Nr. 11 (November), S. 305-306
Schiffbau, 39. Jahrg. 1938, Nr. 21 (01.12.), S. 412
Ernährungsministerium - Jahresbericht über die Deutsche Fischerei 1938, 1939 Berlin, S. 178
Hansa, 76. Jahrg. 1939, Nr. 1 (07.01.), S. 106
Hansa, 76. Jahrg. 1939, Nr. 18 (06.05.), S. 947

Außerdem waren es nicht drei Fischdampfer für die Zuarbeit sondern vier. Hier hast Du leider die UHLENHORST vergessen.
Zu diesem Dampfer vielleicht interessant:
Die Kriegsmarine übernimmt im September 1939 den Fischdampfer UHLENHORST, der sich für die Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG bei der Norderwerft Köser & Meyer als Baunummer 723 im Bau befindet. Die UHLENHORST gehört zum 52-m-Typ der Bauwerft. Das Schiff wird konstruktiv verändert und als sogenannter Vorbau der Mob-Fischdampfer fertiggestellt. Erstmalig wird zur Verbesserung der Sinksicherheit auf diesem Schiff ein wasserdichtes Schott im vorderen Fischraum eingebaut. Außerdem wird die Bewaffnung verstärkt, erste Fronterfahrungen und weitere Verbesserungen werden weitgehend berücksichtigt. Die UHLENHORST wird noch im September 1939 zu Wasser gelassen. Mit den Reederei schließt die Kriegsmarine im Nachhinein am 13. März 1940 einen entsprechenden Kaufvertrag ab, in dem als Übernahmedatum des Schiffes der 1. Dezember 1939 festlegt wird. Für die UHLENHORST wird ein Kaufpreis von 532.225 RM vereinbart.
Quelle für letzteres:
Schreiben Andersen & Co. vom 9. Februar 1943 an das Kriegsschädenamt für die Seeschiffahrt (StA Hamburg, 372-10/6, D 12-4)

Außerdem hatte die Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG im Jahre 1939 13 weitere Fischdampfer bei den Werften Norderwerft und Stülcken in Auftrag gegeben, die dann aber nicht gebaut und zurückgezogen wurden. Zur "Versorgung" der HAMBURG wurden dann Ende 1939/Anfang 1940 eine Reihe kleiner älterer Fischdampfer angekauft.

Und nun noch etwas zur HAMBURG: Der Ankauf war genau genommen nur eine "Notlösung". Ursprunglich hatte man bereits den Dampfer ADOLF LEONHARDT angekauft, der nach seiner Rückkehr im Herbst 1939 zum Fabrikschiff umgebaut werden sollte, was dann durch den Kriegsausbruch verhindert wurde. Als absehbar wurde, daß der Frachtdampfer ADOLF LEONHARDT in nächster Zukunft nicht übernommen und zum Fischfabrikschiff umgebaut werden konnte, sah man sich nach einem Ersatzschiff um und fand dieses in dem 5470 BRT großen Frachtdampfer ILMAR der Hamburg-Bremer Afrika-Linie, Bremen, der 1911 auf der Werft Bremer Vulkan, Bremen-Vegesack, als EMIR für Deutsche Ostafrika-Linie erbaut worden war. ILMAR wurde am 31. Oktober 1931 zum Preis von 680.000 RM angekauft. Nach der Übernahme im November 1939 wurde das in HAMBURG umgetaufte Schiff an die Deutsche Werft AG, Hamburg-Finkenwärder verholt, um zum Fischfabrikschiff umgebaut zu werden.

Schönen Gruß - Hans
 


TW

#21
Vielen Dank für Deine Korrekturen und Ergänzungen, lieber Hans.
Wie ich eingangs sagte, ist dieser Threat als Bausteinsammlung gedacht, nicht als fertiger Aufsatz.
Daher bin ich für alle Einwendungen dankbar.
Vielleicht kann man aus all den Bausteinen mal einen Aufsatz für das HMA machen.
Aber das mache ich nicht solo, da sollten schon ein paar Experten (wie Du) mitarbeiten.
Frage: Gibt es in Norddeutschland bemerkenswerte Museumsaktivitäten zu diesem Thema ?
Wenn ja, dann sollten wir hier darauf hinweisen.
Herzliche Grüße, Thomas

P.S.  Der Fischdampfer Uhlenhorst wurde bei der Kriegsmarine zunächst als Versuchsboot [wo, bei welcher Stelle?] genutzt; im Juni 1940 dann als U-Bootjäger bei der 17. UJ-Flottille eingesetzt und ging am 11. August 1943 bei Skudesnes durch Strandung (Sturm ? Havarie ?) verloren,.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#22
Und wer steckt noch dahinter ...?
Seit November 1937 besaß der britisch-niederländische Unilever-Konzern (Fusion der ursprünglich niederländischen Margarine Unie mit dem britischen Seifen- und Waschmittelhersteller Lever Brothers) einen bedeutenden Anteil der Nordsee Deutsche Hochseefischerei und strebte nach einer Mehrheitsbeteiligung, die jedoch von der deutschen Regierung abgelehnt wurde, so dass Unilevers Anteil 1941 nur 49 % des Kapitals entsprach.

Unilever erkannte, dass der Aufbau einer groß angelegten Kälteindustrie in Deutschland aufgrund des staatlichen Interesses an der Vorratswirtschaft leichter sein würde als in anderen Staaten, und ging zugleich davon aus, dass man hierfür erprobte und für die Großserienproduktion geeignete Anlagen brauchte. Da sich das Birdseye-Verfahren in den USA seit fast zehn Jahren für das Tiefkühlen von in Karton verpackter Obst-, Gemüse- und Fischprodukte bewährt hatte, erwarb Unilever nach einer USA-Reise von Nordsee's Generaldirektor Wilhelm Roloff im Herbst 1938 die Lizenz für die Birdseye-Anlagen von Frosted Foods, der für das Auslandsgeschäft zu ständigen Tochter des Patentinhabers General Foods. Die ersten Plattenfroster für Nordsee-Betriebe wurden im Frühjahr 1939 aus den USA geliefert, weitere ließ man in Lizenz bei der Firma Linde herstellen. Sowohl Import als auch Lizenz dürften nicht unbeträchtliche Devisenbeträge erfordert haben. Ebenfalls 1939 gründete Unilever zur Konzentration seiner deutschen Tiefkühlinteressen, die Fisch ebenso wie Obst und Gemüse umfassten, die Solo Feinfrost GmbH (ab 1960 ,,Iglo"), auf deren Verpackungen neben dem Markennamen Solo Feinfrost aufgrund der Lizenzbedingungen auch das Birdseye-Emblem zu sehen war.

Da in der Regel weder der Handel noch gar die Haushalte Kühltruhen besaßen, kamen die meisten Produkte jedoch aufgetaut zum Verkauf und nur ein kleinerer Teil der Produktion wurde in Form von gefrorenen Haushaltspackungen angeboten. Der größte Teil ging an Kantinen, Lazarette, Stabsstellen und Stützpunkteinrichtungen der Wehrmacht. Über die Verteilung an Feldküchen ist mir nicht bekannt.
Ein weiteres schönes Beispiel, wie ein westlicher, multinationaler Konzern die Nazis und ihren Krieg unterstützte.

Ich denke, an dieser Stelle bin ich mit meinen Kenntnissen am Ende.
Liebe Grüße  :MG:
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Urs Heßling

moin,

eine mini-Ergänzung zu diesen ausführlichen top  Texten

Zitat von: HJH am 12 September 2025, 10:18:47Die Kriegsmarine übernimmt im September 1939 den Fischdampfer UHLENHORST, der sich für die Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG bei der Norderwerft Köser & Meyer als Baunummer 723 im Bau befindet. Die UHLENHORST gehört zum 52-m-Typ der Bauwerft. Das Schiff wird konstruktiv verändert und als sogenannter Vorbau der Mob-Fischdampfer fertiggestellt. Erstmalig wird zur Verbesserung der Sinksicherheit auf diesem Schiff ein wasserdichtes Schott im vorderen Fischraum eingebaut. Außerdem wird die Bewaffnung verstärkt, erste Fronterfahrungen und weitere Verbesserungen werden weitgehend berücksichtigt. Die UHLENHORST wird noch im September 1939 zu Wasser gelassen. Mit den Reederei schließt die Kriegsmarine im Nachhinein am 13. März 1940 einen entsprechenden Kaufvertrag ab, in dem als Übernahmedatum des Schiffes der 1. Dezember 1939 festlegt wird. Für die UHLENHORST wird ein Kaufpreis von 532.225 RM vereinbart.
Quelle für letzteres:
Schreiben Andersen & Co. vom 9. Februar 1943 an das Kriegsschädenamt für die Seeschiffahrt (StA Hamburg, 372-10/6, D 12-4)

Zitat von: TW am 12 September 2025, 10:39:01P.S.  Der Fischdampfer Uhlenhorst wurde bei der Kriegsmarine zunächst als Versuchsboot [wo, bei welcher Stelle?] genutzt; im Juni 1940 dann als U-Bootjäger bei der 17. UJ-Flottille eingesetzt und ging am 11. August 1943 bei Skudesnes durch Strandung (Sturm ? Havarie ?) verloren

i.D. 10.12.1939 als Versuchsfahrzeug UJ 117, 1.1.1941 als UJ 174, 1.8.1941 UJ 1704, am 10.12.1942 bei Skudesnes aufgelaufen, am 11.12.1942 gesunken (Qu.: Gröner, DDK, Bd. 8/1, S. 192)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

TW

#24
Urs hat mit der Korrektur des Verlustdatums Recht. Ich habe das (falsche) Verlustdatum aus Gröner Band 5 entnommen.
Habe dann nochmal H.-J. Abert zu Rate gezogen:

UHLENHORST
September/12.11.1939 Norderwerft Köser & Meyer, Hamburg (723)
523 BRT / 198 NRT  -/- -
54,25mL, 8,42mB, 4,12mT 4,90mH

DESCHIMAG-Werk Seebeck, Wesermünde-Geestemünde
"Uhlenhorst", vom Stapel für die HF Hamburg Andersen & Co. KG in Hamburg (DEU),
nach der Fertigstellung zwangsverkauft (Vertrag vom 13.3.1940).
- 10.12.1939 Kriegsmarine: Uj 117/Versuchsboot
- 01.01.1941: Uj 174
- 01.08.1941: Uj 1704.
- 10.12.1942 in Pos. 59.07 N 05.15 O/Skudesnes gestrandet und 11.12. gesunken.

Ob aber die nachfolgende Info bei Abert richtig ist, wage ich zu bezweifeln:
Später geborgen, repariert ;
Oktober 1947 "Larwot" unbekannte Eigner, ? (GBR),
1948 "Sletnes" Rinovia Steam Fishing Co. Ltd. (J.R. Cobley), Grimsby.
III. Quartal 1960 Abbruch in England.

Norwegische Seiten beschreiben nämlich den Wrackzustand:
Det er rimelig værhardt i området så båten er brukket opp i flere deler. Forskipet er nokså helt, og hekken er også gjenkjennelig, men midtskipet og husene er bare skrot. Maskinen og kjelen ligger for seg.
Das Wetter ist in der Gegend ziemlich rau, sodass das Boot in mehrere Teile zerbrochen ist. Der Bug ist ziemlich heil, und das Heck ist auch erkennbar, aber der Mittelteil und die Häuser sind nur Schrott. Die Maschine und der Kessel liegen für sich.[https://geirmeister.net/uhlense.htm]

Karmoy fjord UJ1704 Uhlenhorst wreck.
Jedna se o valecnou nemeckou lod - lovce ponorek, potopenou kobercovym bombardovani za 2. svetove valky. Lod je rozbita na nekolik kusu. K videni velka kotva, motor, 2. dela a okolo nich spousty munice ruznych razi az do 220mm! Na dne lezi i kusy nemeckeho porcelanu.
Karmoy fjord UJ1704 Uhlenhorst Wrack.
Es handelt sich um ein deutsches Kriegsschiff - einen U-Boot-Jäger, der im Zweiten Weltkrieg durch Flächenbombardements versenkt wurde. Das Schiff ist in mehrere Teile zerbrochen. Zu sehen sind ein großer Anker, ein Motor, zwei Geschütze und um sie herum eine Menge Munition verschiedener Kaliber bis 220 mm! Unten liegen auch Stücke von deutschem Porzellan. [https://www.stranypotapecske.cz/lokality/lokaldet.asp?lok=1175]
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Urs Heßling

moin,

Zitat von: TW am 12 September 2025, 14:08:20- 10.12.1942 in Pos. 59.07 N 05.15 O/Skudesnes gestrandet und 11.12. gesunken.
Marinequadrat AN 2989

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

TW

#26
Mich würden noch die Kühlhäuser interessieren.
Das (inzwischen abgerissene) Union-Kühlhaus in Hamburg-Altona gehörte zu Unilever ?
Gab es in Wesermünde nur Eiswerke (F. Busse) oder auch ein Kühlhaus (Kühlhaus Frigus) ? Was soll man von diesem Eintrag halten ???
Gab es vor 1945 ein Kühlhaus in Cuxhaven ?
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

HJH

Zu LARWOT:
MOB. F. D. 3                                 1941 - 1945
   1938/39  Baunummer bereits belegt mit Fischdampfer für
            Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG,
            Hamburg                                         (Ge)
            Auftrag zurückgezogen
25./30.09.1939  Bauauftrag erteilt von Kriegsmarine
10.12.1940  Stapellauf
18.02.1941  Probefahrt
20.02.1941  Indienststellung
      1941  MOB. F. D. 3 = MARS
            Kriegsmarine:                                   (Ge)
            SCHIFF 31 bei B. S. O., Gruppe Nord
01.06.1943  NN 13
15.05.1944  V 6303 (irrtümlich erteilt)
26.07.1944  V 6309
   08.1945  in Hamburg
03.09.1945  brit. Beute
      1945  wahrscheinlich für Fischerei freigegeben
      1945  TIEFSEE
            Fisheries Control Group, Hamburg                (Ge)
            (Chart:) ...
      1945  Rückbaubeginn bei Deutsche Werft AG, Hamburg (Rückbau fotografisch belegt)
      1946  Rückbaustopp, übernommen von britischen Behörden
      194.  LARWOT
            ....                                            (Br)
10.10.1947  verkauft
      1947  SLETNES = GY 526
            Rinovia Steam Fishing Co. Ltd., Grimsby         (Br)
            (Mgr:) J. R. Cobley
   1947/48  umgebaut und Kessel auf Ölfeuerung umgestellt
            Vermessung: 524 BRT, 209 NRT
            180.1' x 27.6' x 14.2'
   10.1948  Fertigstellung
27.01.1960  mit Maschinenschaden 60 sm vor Aberdeen in
            Schlepp genommen vom brit. Fischdampfer
            NORTHERN FOAM = GY 490
30.03.1960  an Sunderland zum Abbruch bei Thos. Young &
            Sons (Shipbreakers) Ltd.


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