Operation Hannibal / Pillau-Gotenhafen / Feb. 1945 / kleine Schiffe

Begonnen von huldrych, 28 Dezember 2025, 15:17:15

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huldrych

Sehr geehrte Foristen,
bei der Recherche der Fluchtgeschichte meiner Familie aus Ostpreußen hänge ich an einem Detail fest. Meine über 90jährige Tante (die letzte Überlebende meiner geflüchteten Vorfahren) erinnert sich, dass in Pillau der Zugang zum rettenden Schiff "eher flach" war. Ich habe ihr - als Erinnerunbgshilfe - ein Bild der H 27 (San Mateo) mit der Sanga (das Bild wurde hier bereits diskutiert) gezeigt, worauf sie sofort kommentierte "Auf keinen Fall wie beim linken sondern eher wie beim rechten, vielleicht noch flacher."
Daraus schließe ich, dass es sich um ein Schiff von maximal 1500 BRT gehandelt haben kann, denn alle darüber liegenden Schiffe liegen eindeutig höher im Wasser. Dann habe ich die hier, im HMA, zu findende Liste der Flüchtlingsschiffe durchgesehen (https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/ostseeflucht/beschreibung.php?active_ostsee=fahrten) und die Schiffe heraus gesucht, die (a) im Zeitraum 10.2.45 bis 22.02.45 Pillau verließen, (b) nach Gotenhafen fuhren und (c) weniger als 1500 BRT haben. Weggelassen habe ich das Minensuchboot "M 204", die Kriegsfischkutter "KFK 497" und "KFK 497", sowie das Kleinboot "Pfundbudenberg". - In der angefügten Datei habe ich die in Frage kommenden Schiffe zusammengestellt. Zu einigen habe ich aber nur spärliche Informationen finden können.
Falls jemand noch weitere Informationen für mich zur Verfügung haben sollte, wäre ich dankbar, diese zu bekommen.
Alles Gute - auch im neuen Jahr!
Uli

Darius

Hi Uli,

ist die Option berücksichtigt, dass die Abtransportierten zunächst über flachgehende Fahrzeuge (Pionierfahrzeuge, MFP, ...) vom Hafen auf die etwas weiter draußen wartenden Seeschiffe im Pendelverkehr verbracht wurden?
Habe es zwar selbst nicht überprüft, ob in Pillau so verfahren wurde, wäre aber eine Option, wie sie möglich wäre.

:MG:

Darius


TW

Hafen Pillau war selbst für große Passagierschiffe zugänglich; erst recht also für kleinere Schiffe.
Die im Haff operierende MFP brachten ihre Passagiere immer nach Pillau Hafen.
Abfahrten von Pillau Reede sind mir nie untergekommen.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

huldrych

Hallo Darius,
deine Überlegung trifft für andere Häfen (z.B. Hela, Sassnitz o.a.) durchaus zu. Aber das angefügte Bild zeigt, dass in Pillau selbst große Schiffe wie die "Robert Ley" mit einer Seitenhöhe von über 20 Metern und 27.288 BRT anlegen konnten. Auch in Fluchtberichten wird das berichtet.

SchlPr11

Hallo,
von HANS ALBRECHT WEDEL gibt es Fotos von der Übernahme Flüchtlinge in Pillau über eine kurze Stelling vom Kai auf das Schiff unterhalb seines Kranes. Aus gewissen Gründen kann ich es hier zusammen mit weiteren nicht zeigen.
Auch M 388 halte ich in diesem Zusammenhang der Darstellung für möglich.
PFUNDSBUDENBERG als Schlepper mit etwa Kai hohem Deck auch denkbar - REINHARD

huldrych

Noch einmal muss ich auf Darius' Überlegung zurückkommen ...

Im Samlandbrief 80 (1983), S. 43f. habe ich folgende Aussage von "Kapitän zur See Kühler" gefunden:

"Die Flüchtlinge strömten im wesentlichen aus dem Samland, aus Königsberg und aus Heiligenbeil in die Stadt. Die Flüchtlingsmassen flossen mit Hilfe der Marine auf drei verschiedenen Wegen aus Pillau wieder ab:
- auf dem Landweg über die Nehrung, wofür ein verstärkter Übersetzverkehr über das Tief erforderlich war,
- in Kurzstreckentransporten über See nach Danzig, Gotenhafen und Hela sowie
- in den großen Seetransporten nach Westen.
Mit Beginn der Seetransporte am 25.1.45 und je mehr Pillau selbst in Frontnähe geriet, verstärkten und konzentrierten sich die Luftangriffe auf die Stadt und auf das Hafengebiet. Diese Angriffe verringerten den ohnehin nicht mehr ausreichenden Wohnraum in Pillau ständig; sie forderten starke Verluste und erschwerten es, in das Chaos der Flüchtlingsmassen Ordnung für den Abtransport zu bringen. Erschwerend war auch, daß die Luftangriffe zwangen, die großen Dampfer auf Seereede zu lassen und einen Zubringerdienst mit Leichtern - zunehmend nachts - zu organisieren, was die Einschiffungen sowohl für die Transportleitung als auch für die Flüchtlinge selbst sehr komplizierte."

Darius


huldrych

Ich bin immer noch an den Details einer möglichst plausiblen Bestimmung des Schiffs, das meine Großmutter "Mitte Februar" 1945 von Pillau nach Gotenhafen brachte. Im Moment recherchiere ich zur Irmtraut Cords.
Im angefügten Auszug aus dem Lloyd's Register für die Jahre 1939/40 steht bei der Irmtraut Cords in der letzten Spalte folgende Angaben: (a) moulded depth: 22'9 ft. (6,93 m); (b) freeboard: 1'4¼ ft. (0,41 m); (c) corresponding draught: 21'4¾ ft. (6,52 m). Wenn ich das richtig verstehe, hatte die Irmtraut Cords bei voller Ladung eine Tiefgang von 6,5 m und lediglich eine Freibordhöhe von 0,4 m. Das kommt mir wahnsinnig wenig vor, zumal wenn ich die ebenfalls angefügten Bilder damit vergleiche.
Weiß jemand Rat?

Beate Adomeit

Liebe Foristen,

ich möchte für meinen 89-jährigen Vater gerne Lücken in der Familiengeschichte schließen.

Er heißt Dieter Adomeit und wurde gemeinsam mit seiner Mutter in einem schwedischen Kohlenfrachter von Pillau nach Wolgast evakuiert. Der Abfahrtstag in Pillau muss ein Datum zwischen dem  23. Februar und dem 15. März 1945 gewesen sein.

Seiner Erinnerung nach war es ein kleiner Frachter, der im Frachtraum wohl nur Platz für 300 Menschen bot. Er erinnert sich aber daran, dass eine lange Leiter in den dunklen Frachtraum führte. Der Frachter soll etwa zwei Wochen auf der Ostsee unterwegs gewesen sein.

Kolportiert wird auch, dass der Kapitän und seine Mannschaft danach wieder nach Pillau fuhren, um weitere Zivilisten zu retten. Dort wollten ihn offenbar SS-Leute nötigen, sie zu evakuieren. Er habe das abgelehnt und sei daraufhin erschossen worden.

Die Listen der Operation Hannibal sind offenbar nicht die richtigen. Hat vielleicht jemand Tipps, wie und wo ich weiter recherchieren kann? Ich würde mich sehr freuen.

Urs Heßling

moin, Beate,

Zitat von: Beate Adomeit am 31 Januar 2026, 02:52:43von Pillau nach Wolgast
...
 Der Frachter soll etwa zwei Wochen auf der Ostsee unterwegs gewesen sein.
Die Fahrtstrecke von Pillau nach Wolgast beträgt unter Berücksichtigung der damaligen sogenannten "Minenzwangswege" etwa 250 Seemeilen.
Das schafft auch ein sehr langsam fahrendes Schiff in weniger als zwei Tagen.
Selbst wenn das Schiff warten mußte, um sich einem Geleitzug anzuschließen, scheinen mir zwei Wochen eine extrem lange Zeit zu sein

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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