Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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fsimon

Die Gliederung liest sich sehr vielversprechend 😀

olpe

#901
Hallo,
Zitat von: fsimon am 04 Januar 2026, 16:05:35... aus post #886:
Woher schließt Du, dass Bismarck und Prinz Eugen den Vorgänger der Minimumpeilung also den früheren "Leitlinienpeilzusatz" (LPZ) nebst Leitlinienpeilgerät (LPG und dazugehörigen Umschalter (LPU) hatten? Und was ist bisher über dieses Verfahren bekannt? Nutzte es auch eine Form der Antennenteilung zum Empfang?
... einige wenige Hinweise sind aus ,,GEMA-Berlin", Von Kroge, S. 117/118 und 132 ersichtlich:

Zu LPZ (Leitlinienpeilzusatz)
Zitat Beginn:
Die GEMA hatte schon 1935 die Vorteile der Peilung durch Vergleichen der Empfangsspannungen von zwei verschwenkten Antennen erkannt. 1937 belegte sie ein Peilverfahren mit einem Patent, wonach die Charakteristik eines Strahlergebildes, dessen Hälften periodisch verschiedenphasig angeschaltet wurden, geringfügig geschwenkt werden konnte. Mit dem Zusatzgerät für Leitlinienpeilung LPZ wurden Funkmeßgeräte, vorwiegend Seetaktgeräte, ergänzt.
Zitat Ende.

Zu LPU (Umlaufschalter)
Zitat Beginn:
Unter der Bezeichnung LPU stand ein motorisch angetriebener Umlaufschalter mit Kontaktpaaren zur wechselseitigen Anschaltung der Empfangsantennen zur Verfügung. Die beiden Antennenhälften waren über eine Umwegleitung verbunden. Synchron mit den Antennen wurde die Ausgangsspannung des Empfängers so an ein Peilbeobachtungsgerät gelegt, das zum Vergleichen die Zeichen als Kehrbild oder als versetzte Zeichen dargestellt werden konnten.
Zitat Ende.

Zu LPB (Leitlinienpeilgerät, auch Kürzel LPG möglich)
Zitat Beginn:
Da die Vorteile der einen oder der anderen Darstellungsart umstritten waren, entwickelte die GEMA das Leitlinienpeilgerät LPB für beide Verfahren; die versetzten Zeichen standen auf einer waagerechten Zeitlinie, die Kehrbilder auf einer senkrechten. Die Luftwaffe fand die Kombination beider Darstellungsarten so gut, daß sie bei den Peilbeobachtungsgeräten der Flum-Geräte beibehalten wurde.
Zitat Ende.

Zu LPZ und LPU für ,,Freya"
Zitat Beginn:
Im Herbst 1940 mußte die GEMA noch eine spezielle Entwicklung für die Luftwaffe beginnen, die aus Erprobungen resultierte, die Diehl mit seinem Kommando gemacht hatte. Zum Ausrichten von Leitscheinwerfern, die wegen der noch fehlenden Flak-FuMG nur mit einem akustischen Peilgerät, dem Ringtrichter-Richtungshörer (RRH), geführt werden konnten, ließ Diehl an einen Scheinwerfer provisorisch links und rechts je zwei Dipole zum Empfang der Rückstrahlung eines Freya-Gerätes montieren. An diese Antennen schaltete er zur Vergleichspeilung den Leitlinienpeilzusatz LPZ93 mit dem Peilumschalter LPU94. Damit konnte er die Rückstrahlung von Flugzeugen direkt mit dem Scheinwerfer, nach der Seite im Vergleichspeilverfahren, nach der Höhe mit Maximumpeilung, lokalisieren.
Zitat Ende.

Im Hinblick auf die Frage, ob diese Gerätschaften auf BS und PG eingerüstet waren, konnte ich leider in der Quelle nichts entdecken.

Soweit.
Grüsse
OLPE

olpe

Hallo,
Zitat von: PS am 02 Februar 2026, 00:04:52I wonder if thats the "Scheinwerfer Parasit" you mention above. Picture of that device added. From a expired ebayauction.
... das Bild zeigt in der Tat den "Scheinwerfer Parasit" mit einem Fragment einer ,,Freya"-Antenne mit einem Dipolfeld (Array). Siehe auch:
--/>/> klick Festungswerke Cuxhaven

Die Antenne arbeitete ,,halbaktiv", nur auf Empfang und nutzte die Zielreflexionen der Abstrahlung anderer ,,Freya"-Geräte der Stellung (nach David Pitchard: "Durch Raum und Nacht"). Der runde Deckel auf dem Bild, auf den Dein Pfeil zeigt, deute ich eher als abgenommene und abgelegte Abdeck- bzw. Schutzhaube des Scheinwerfers. Die Kabel laufen wohl zufällig da drunter weg.

Im Text (bzw. Zitat) im post #902 unten ist möglicherweise das Versuchsmuster von Leutnant Diehl gemeint, der jeweils zwei Dipole rechts und links am Scheinwerfer anmontieren ließ.
In ,,Die deutschen Funkmeßverfahren bis 1945" von Fritz Trenkle (Ausg. 1979) S. 55 ist ein Bild des "Scheinwerfer Parasit" enthalten, allerdings mit einem anderen, einfacheren Gestell zur Befestigung der Dipole. Auch die Montage am Boden erscheint eher provisorisch. Aus urheberrechtlichen Erwägungen ist eine Kopie des Bildes in den post problematisch ...

Grüsse
OLPE


PS: Vielleicht ist es besser, die posts hierzu in den thread ,,Radar gestern und heute" zu verschieben ...

Gabler

#903
Zur Funkmess-Ausstattung auf Bismarck und Prinz Eugen:

Im Vormars auf BS verbaut war das Dete-g-Gerät Nr. 11 (2000Hz Tastfrequenz, ein FuMG39). Besteller für Nr. 11 war laut Dete-Liste v. 27.11.39 die KM-Werft Kiel, also vmtl. auch dort hinzuliefern.

Geplante Auslieferung gemäß Dete-Liste v. 04.04.40 sollte zunächst der 20.04.40 sein. Gemäß Abnahmeprotokoll erfolgte die Dauerprüfung aber erst vom 27.05.40 bis 30.05.40, und zwar ohne das Gerät V/W 100/12318 (letzteres vmtl. Seriennummer), das ist die Antenne mit Tragkonstruktion, sowie ohne das gepanzerte T-Gerät T105/6305 (welches bekanntlich den Sender enthält). Das Protokoll datiert vom 13.06.40. Lieferschein habe ich noch keinen gefunden. das Gerät war zu diesem Zeitpunkt aber wohl noch in Berlin. Die Stückliste vom 05.07.40 habe ich mal beigefügt.

Neben den Geräten R100 (Netzteil), N101 (Empfangsteil) und W/A, bzw. M100 (Antennenabgleichkasten) und zwei Kühlgeräten U101 wurde ausgeliefert das Gerät "Ersatz P", Typ P90, also ein Peilgerät. Dieses Gerät ist NICHT Teil der Grundausstattung des Gema-Gerätesatzes FuMG39, sondern Zusatzausstattung. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was es mit dem Gerät P90 auf sich hat und schon, keine 90 Jahre später, wissen wir, wie Bismarck gepeilt hat :-)

Es fällt nebenbei auf, daß in der Stückliste das Auswertegerät O mit dem Beobachtungseinsatz OB und der Messkette OK fehlt. Dieses wurde dem Gerätesatz von Nr. 11 entnommen und schon am 06.05.40 als zusätzliches Gerät mit dem Gerätesatz Nr. 8 gemäß Dete-Liste v. 04.04.40 wohl dem Zerstörer Z20 mitgegeben. Ein Einsatz OB wurde im Gerät N probeweise eingebaut aber wohl nicht mitgegeben. Wann und wodurch der Bismarck-Gerätesatz schließlich vervollständigt wurde, ist nicht überliefert. Schließlich ist im Gerät N101 (Empfänger) enthalten der Phasenschiebereinsatz NP100, was üblich für die Vorseriengeräte FuMG39 war, es gab zu dem Zeitpunkt noch nicht das Z-Gerät.

Die Gerätebezeichnung P90 habe ich bei v. Kroge nicht finden können. Olpe hat ja schon sehr übersichtlich die Bestandteile des Feinpeilzusatz´ herausgefischt. Ich will noch ergänzen, daß der Feinpeilsatz offenbar mehrere Entwicklungsschritte durchlaufen hat, die sich auch in den Bezeichnungen widerspiegeln:

Gemäß S. 86 bestand Anfang 1938 der serienmäßige (!) Feinpeilzusatz zu dem Zeitpunkt aus einem Gestell "ZS" mit den Bestandteilen Peilgerät ZSS, Peilbeobachtungsgerät ZSB und Peilantennenumschalter ZSU. Im Herbst 1939 wurde auf dem GEMA-Turm in Köpenick eine Anlage für Vergleichspeilung installiert mit Anzeigen als Kehrbild- und als Nebenbild (A/N). Die Peilgenauigkeit gegen Flugzeuge lag dort bei 0,2°. Daraus entwickelt für die Marine wurde die "Seeart"-Anlage mit dem Antennenumschalter ZSU2 und dem Peilbeobachtungszusatz ZSB2 mit einem Bildrohr DG9 (s.S. 103). Schließlich:  Ich lese v. Kroge so, daß der schon erwähnte Leitlinienpeilzusatz "LPZ" und der Umschalter "LPU" sowie das Beobachtungsgerät "LPB" offenbar die Bezeichnung für die Geräte des Modelljahrs 1940 darstellen, also schon die mindestens dritte Entwicklungstufe der Leitlinienpeilung. Das käme zeitlich dem möglichen Ausrüstungszeitpunkt von BS und PG am nächsten. Jedoch, nichts davon findet sich in den Stücklisten.

Mehrfach erwähnt wurde schon, daß die ersten 7 Dete-Geräte der GEMA schon im Januar 1939 zur Auslieferung bereit standen, und zwar auf Wunsch der Marine noch ausdrücklich ohne Feinpeilzusatz. Die Geräte Nr. 8 (Z20), Nr. 9 (SAS Sassnitz), Nr. 10 (Prinz Eugen Vormars) und Nr. 11 (Bismarck Vormars) haben hingegen ALLESAMT das schon genannte P-Gerät "P90". Dieses muß also im Frühjahr 1940 bereits produziert worden sein (Prüfzeitpunkt Gerät Nr. 8 mit P-Gerät 23.04.40) und KANN damit nicht nach dem  Mininumverfahren funktioniert haben, da dieses wie erwähnt erst im Juli 1940 erstmalig versuchsweise verbaut wurde.

Das Gerät "P90" findet sich leider auch nicht in der Geräteliste des Marine-Nachrichten-Arsenals (MNA) in Thale/Harz. Dort sind ansonsten sämtliche Bauteile der Funkmessanlagen für die Kriegsmarine inklusive Einschüben aufgeführt und zwar auch mit der Herstellerbezeichnung. Diese reichen bei den P-Geräten aber nur von P101 bis P105, aller Wahrscheinlichkeit nach chronologisch beziffert. Ein Gerät P90 dürfte demnach ein früheres, eventuell provisorisches oder Versuchsgerät sein, das würde ja passen zur Einführung Anfang 1940. Mit dem Begriff "Ersatz-P" weiß ich aber auch nichts anzufangen, vielleicht war einfach nur ursprünglich ein anderes Gerät P vorgesehen.

Für das P-Gerät gibt es laut MNA-Liste die Einschübe PB 105 für Gerät P105/110 von AEG, dabei dürfte es sich um das bekannte PB-Gerät für Minimumpeilung handeln, sowie einen Einschub PS111 von der Gema, womöglich ein Steuergerät (dafür sprich der zweite Buchstabe S), das wird der zweite Einschub auf der rechten Seite des P-Geräts sein. Weiter hinten sind noch aufgelistet ein Gerät PE100 "Gemse" für Gerät P103/104 sowie PE101. Die Gemse ist wohl ein Bestandteil der Kennungsabfrage (also wmgl. "E"=Erkennungsabfrage)...

Zu den Zeitpunkten: Das Gerät Nr. 10 für PG ist v. 11.04.-13.04.40 in Köpenick geprüft worden, das Protokoll datiert vom 25.04.40 und stellt das Gerät abholbereit. Die Stückliste mit dem Gerät P90 stammt vom 10.05.40. PG ist zweieinhalb Monate später am 01.08.40 ID-gestellt worden mit fertig gebauten E-Meß-Drehhauben. Ich würde fast sicher annehmen, daß hier der aufgeführte Leitlinienpeilzusatz eingebaut wurde, der Zusatz für Minimumpeilung war zu dem Zeitpunkt noch im Entwicklungsstadium. Nicht viel mehr Zeit bei Bismarck: Nach der Abnahme v. 13.06.40 konnte das Dete-Gerät nocht gar nicht eingebaut werden, da die Hauben noch nicht montiert waren, was erst im Oktober/November 1940 in Kiel geschah. Der Feinpeilzusatz für Minimumpeilung war aber erst im  November/Dezember lieferbar...

Puuh. Wenn Ihr geschafft seid, dann bin ich es auch...

Grüße Gabler

Gabler

Folgt man der Bezeichnungslogik des Peilgerätesatzes von 1938, so müssen wohl im Gestell ZS das eigentliche Peilgerät ZSS (das zweite S steht vmtl. für Steuergerät) und das Beobachtungsgerät ZSB (B wie Beobachtungsrohr) wohl als Einschub verbaut gewesen sein. Beim späteren Peilgerät für das Minimumverfahren sind folgende Geräte erforderlich: "Gestell" P-Gerät, darin als Einschub Beobachtungsgerät PB und Steuergerät PS. Daraus würde ich jetzt schließen, daß für das Vorgängermodell ca. 1940 vmtl. ebenfalls ein Gerätegestell bzw. -schrank mit Namen P oder LP vorhanden gewesen sein mußte, in den das Beobachtungsgerät LPB und der Leitlinienpeilzusatz LPZ eingebaut wurde. Das wäre jedenfalls schlüssig. Bei den beiden Gerätesätzen für Leitlinienpeilung kämen als externe Zusatzgeräte nur noch die jeweiligen Peilumschalter hinzu, während für die Minimumpeilung zusätzlich noch das Peilumlaufgerät und das Kippgerät erforderlich sind. Zusammengefasst in Kennbuchstaben gab es wohl folgende Gerätesätze für Feinpeilung:

1938:

ZS = (ZSB+ZSS) + ZSU

Leitlinienpeilung mit Kehrbildverfahren

Ende 1939:

ZS = (ZSB2+ZSS) + ZSU2

Leitlinienpeilung mit Kehrbild- und Schnittbildverfahren

Ca. 1940:

(L)P (?) = (LPB+LPZ) + LPU

Leitlinienpeilung mit Kehrbild- und Schnittbildverfahren (?)

11/12 1940:

P = (PB+PS) + PU + WRg + Kippgerät

Leitlinien-/Vergleichspeilung mit Minimumverfahren

So hätten wir mal die Buchstaben sortiert  :BangHead:

Gabler

Damit zurück zur Rekonstruktion des Einbaus der Funkmessgeräte auf Bismarck: In der extrem umfangreichen 5-teiligen Dokumentation über die Besatzung der Bismarck von 2021 gibt es im zweiten Teil neben ausgewählten Lebensläufen einige technische Beschreibungen und Zeichnungen. Ein Auszug des Buchs ist im Netz veröffentlicht, auf dem eine sehr schöne Schnittzeichnung durch eine der Drehhauben angefertigt ist, die ich niemandem :-) vorenthalten möchte:

Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Die Quelle für diese Zeichnung mit dem Buchangebot findet sich hier: https://www.diebismarck.de/Teil_2.html

In dieser Zeichnung ist praktisch jedes Bauteil im Innern der Haube beziffert und bezeichnet, bis auf - das Dete-Gerät :-) Hier sind alle Teile "5" als "Bedienelement Funkmessantenne" bezeichnet. Trotzdem ist das sehr anschaulich, und wir machen nun einfach da weiter, wo diese Veröffentlichung aufhört:

Die Tatsache, daß das Gerät T laut Protokoll gepanzert war (s.o.), bedeutet, daß der Sender nicht im Innern der Haube eingebaut wurde, sondern wie schon bei anderen Gema-Konstruktionen direkt hinter der (V/W-)Antenne ausserhalb der geschützten Haube. Die Position dafür findet sich genau zwischen den beiden Schwenklagern für die Antenne, welche daher nicht durchgängig über einen Scharnierbolzen verbunden sind, wie dies zunächst auf den Zeichnungen den Eindruck erweckt hatte.

Betrachtet man dazu die Werks-Schnitt- bzw. Einbauzeichnung in dem Bereich, so kann man genau dort, wo das Schwenklager ist, ein rechteckiges Gebilde erkennen, das m.M.n. die Draufsicht des (gepanzerten) T-Geräteschranks darstellt. Von da führt auf der Oberseite eine dickeres Rohr nach links heraus. Da ist m.M.n. die Kühlluftzufuhr; die Gema-Sender hatten bekanntlich eine geschlossene Umluftkühlung. Eine der beiden Kühlschlangen "U101" findet sich an der Haube seitlich hinten links. Das bedeutet, die Kühlluftleitungen müssen irgendwie dorthin geführt worden sein. In der Bismarck-Fotodokumentation von Josef Kaiser, die hier schon erwähnt wurde, ist fälschlich von der Kühlschlange als einer "Kühleinrichtung" gegen das Beschlagen der Optiken die Rede. Das hat sich der Autor aber nicht selbst ausgedacht, so ist diese Aufnahme im Bundesarchiv falsch beschriftet. Allerdings hätte man schon da vielleicht darauf kommen können, daß das nicht passt, denn jeder von uns stellt im Winter im Auto die Heck- oder Frontscheibenheizung an, wenn die Scheiben beschlagen sind, und nicht etwa eine Heckscheibenkühlung. Elektrische Scheibenheizungen und Scheibengebläse für PkW gab es übrigens auch schon vor dem Krieg.

Ein weiteres, flaches Gerät befindet sich unmittelbar links neben dem T-Schank: Das ist vmtl. der Antennenabgleichkasten W/A (Typ M100) aus der o.g. Liste. Dort werden die Speiseleitungen der beiden Antennenhälften zusammengeführt, bevor sie gemeinsam zum Empfänger gelangen. Das Peilgerät P(90) meine ich auf der rechten Seite der Haube bereits identifiziert zu haben, da sich direkt davor ein Handrad befindet, das man eigentlich nur zum Peilen benötigt. Hinter dem Sattelsitz ist nach meinem Dafürhalten eine Antriebswelle vmtl. mit einem Kardangelenk zu sehen, vmtl. um damit die Zug-/Schubstange zum Antennenpendeln zu bedienen. IM AVKS-Bericht heißt es im übrigen wörtlich: "Das EM-II-Gerät mit Seitenpeilgerät einschließlich Zusatzgeräten nimmt in seiner heutigen Ausführung sehr viel Platz in Anspruch" (s.S. 93, Kap. 107).

Im Abnahmeprotokoll sind diese Zusatzgeräte leider nicht aufgeführt. Für Leitlinienpeilung wäre dies wie oben aufgelistet nur der Antennenumschalter LPU, für Minimumpeilung sind dies die Geräte Peilumlaufgerät WRg (1/5)und Kippgerät sowie der Peilumschalter PU. Diese Geräte sind, obgleich doch recht groß, auch nicht in der Werft-Schnittzeichnung zu identifizieren, sie müssten sich sicherlich in unmittelbarer Nähe des P-Geräts irgendwo auf der rechten Seite befunden haben. Nur wo, ich sehe da keinen Platz dafür! Seht selbst, ich habe die bereits weiter oben beschriftete Werftzeichnung noch um das T-Gerät und die hier getroffenen Feststellungen ergänzt:

Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Die im Beitrag #874 von mir selbst aufgeworfene Frage nach dem Datum der Zeichnung:
ZitatDie Schnittdarstellung datiert wohl auf den 25.07.40 (trotzdem ist das P-Gerät offenbar schon vorgesehen, welches erst ab Dezember 1940 nachgerüstet wurde?)
hat sich insofern erledigt, als daß wir nun wissen, daß Peilgeräte für Vergleichspeilung schon im Frühjahr 1940 und nicht erst Ende dieses Jahres vorgesehen waren und daher das Zeichnungsdatum nicht in vermeintlichem Widerspruch zur Einführung der Feinpeilung steht. Daher würde ich mittlerweile doch recht sicher davon ausgehen wollen, daß das P-Gerät auf Bismarck keine Minimumpeilung enthielt, sondern stattdessen die schon beschriebene Leitlinienpeilung mit Kehrbildanzeige, vielleicht sogar mit zwei Bildschirmen und damit zusätzlich mit Schnittbildanzeige, also der A/N-Anzeige, so wie für das Gerät LPB beschrieben. Aus dem tollen Fund von Leopard, RM6_2051 habe ich zwei schöne anschauliche Darstellungen dieser beiden Verfahren auf zwei Bildschirmen extrahiert:

Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.
Das ist genau dieselbe  Darstellung wie für das P-Gerät der Freya-Geräte, die die GEMA für die Luftwaffe produziert hat. Dort wurde das Kehrbildverfahren übrigens als "Grobpeilung" bezeichnet und das A/N- bzw. Schnittbildverfahren als "Feinpeilung". Der Zeitverlauf der Entwicklung spricht durchaus dafür, daß eine solche Anzeige in dem P-Gerät P90 verbaut war, wie übrigens auch die Bezeichnung selbst, die den beiden von olpe gefundenen Gerätebezeichnungen LPZ93 und LPU94 für die Luftwaffe ähnelt.

Zum Abschluß nochmal ein Blick in das Abnahmeprotokoll für das Dete-Gerät Nr. 10, ebenfalls ein 2000Hz-Gerät (=FuMG39), welches in die Vormarsdrehhaube von Prinz Eugen verbaut wurde und das doch dieselbe Ausstattung, selbst mit dem "Ersatz-P" genannten Peilgerät P90/9026 aufweist. 9026 ist wahrscheinlich die Seriennummer, sie liegt nur geringfügig unter der für das Bismarck-P-Gerät (9037). Anzunehmen somit, daß die Meldung des Oberfunkmeisters Voelkel vom 15.05.41, nach der er mit dem "N.V.K.-Peilzusatz, Type 11/40" am 16.04.41 halb aufgetauchte U-Boote auf Entfernungen bis 70hm mit genauer Seite feststellen konnte, wahrscheinlich auf der Bedienung des Geräts mit der Bezeichnung P90 beruht und das damit baugleich mit dem auf Bismarck verbauten P-Gerät war.

Das wäre jetzt mal alles zum Thema Funkmess auf Bismarck von meiner Seite. Das ist alles viel Dickbrettbohrerei, aber wenn man keine Quellen aus erster Hand mehr zur Verfügung hat, muß man es eben von hinten durch die Brust ins Auge versuchen...

Grüße und schönes Wochenende

Gabler

Leopard2A6EX

#906
Danke Gabler - große Klasse, super Arbeit wieder!! 🙏

Btw: weitere "Zuteilung von Bord-DeTe-Anlagen"-Listen (wie die für die Geräte 1 - 120 von 1940/41) sind bis jetzt nicht aufgetaucht wenn ich das richtig verstanden habe? Gerade was die späteren Calais- und SeeArt-Geräte angeht, wäre das sehr interessant, wer wann was mit welcher Ausstattung/Modulen erhalten hat.

Edit: "der Sender außerhalb der geschützten Haube". Wurde das Gerät und damit die Anlage an sich dadurch anfällig für äußere Einflüsse wie Spritzwasser - evtl verbunden mit begrenzter Zugänglichkeit für Wartung (da außen)?

desertfox

Bin hier nur stiller Mitbeobachter aber was hier an Infos rüberkommt gaaaanz Toll

Ist echt interessant  top  top  top

Weiter so und Grüße vom Desertfox

Gabler

Hallo Ihr zwei!

Vielen Dank für die netten Worte. Solange es Spaß macht, mache ich das gerne.

Leopard:
Die Liste der Dete-"Nah"-Geräte (also Dete-g bzw. Dete I) reicht bis November/Dezember 1941. Mit diesen 120 Geräten war glaube ich der erste Auftrag zur Serienfertigung abgeschlossen. Ob danach die weiteren produzierten Seetakt-Geräte auch in Listenform noch an das OKM geschickt wurden? Sicher gab es dafür offizielle Aufträge und auch Abnahmen, aber womöglich muß man da anderswo suchen. Es gibt noch eine vergleichbare Liste mit Dete-"Fern"-Geräten, also Dete-II, bzw. Dete-f bzw. Flum-Geräten und es gibt eine Liste für die Aufstellungsorte der Landanlagen, der sog. "Calais"-Anlagen. Mehr habe ich bisher auch nicht gefunden. Die mir vorliegenden Gema-Akten sind sehr lückenhaft, wohl "bereinigt" worden, von wem auch immer.

Zitat von: Leopard2A6EX am 07 Februar 2026, 02:00:34"der Sender außerhalb der geschützten Haube". Wurde das Gerät und damit die Anlage an sich dadurch anfällig für äußere Einflüsse wie Spritzwasser - evtl verbunden mit begrenzter Zugänglichkeit für Wartung (da außen)?
Die Sendergehäuse waren schon von Haus aus wasserdicht konstruiert worden, das hatte die Marine der GEMA ins Lastenheft geschrieben. Die Panzerung war sicherlich gegen Beschuß vorgesehen. Die Gehäuse waren offenbar so schwer, daß sie nicht auf dem Werksgelände in Berlin-Köpenick in zusammengebautem Zustand getestet werden konnten (das NVK hatte dort eine Abnahmestelle eingerichtet), sondern erst in der Bauwerft zusammengesteckt wurden. Die Zugänglichkeit erscheint mir auch unklar. Auf der Aufnahme in der MDV Funkmessgerätekunde ist zu erkennen, daß die "Schnellverschlußklappen" auf der Rückseite angebracht waren, die Einsätze waren also von hinten zugänglich. Auf einer Farbaufnahme der Reste einer FuMO3-Antenne in Norwegen:
http://www.deutschesatlantikwallarchiv.de/radar/technik/fumo_1-5.htm
ist die Öffnung ebenfalls auf der Rückseite. Wenn das bei den kombinierten Hauben auf BS, PG und TP nicht geändert wurde, so mußte der Zugang wohl von innen über das Innere der Haube erfolgen. Bei dem vorn "integrierten" und gepanzerten Kofferanbau auf Spee für den Sender war das jedenfalls so. Aber in den Hauben ist ja alles zugebaut, wie man aus der Einbauzeichnung erkennen kann.

Übrigens, Schmalenbach schreibt, daß auf PG beim zweiten Gerätesatz achtern (Dete-g-Nr. 15) der Sender im Innern der Haube montiert werden konnte. Daraus kann man folgern, daß dort kein Feinpeilzusatz vorgesehen war, weil sonst der Platz wie vorn nicht ausgereicht hätte. PG hat allerdings  im Sommer 1942 nicht nur vorn, sondern auch achtern eine neue, diesmal nicht mehr schwenkbare, sondern feste Antenne erhalten, wenn auch mit denselben Maßen (2x4m) wie zuvor. Das kann man beim Vergleich der Bilder aus den USA mit der Werftzeichnung und den frühen Aufnahmen einschließlich Rheinübung klar erkennen. Ein möglicher Grund dafür war, doch noch eine Feinpeilung in den achteren Stand einzubauen, das wurde aber wohl nicht durchgeführt.

Das ist alles, was ich so aus dem Kopf dazu sagen kann.

Grüße

Gabler

Thoddy

Zitatdiesmal nicht mehr schwenkbare, sondern feste Antenne erhalten, wenn auch mit denselben Maßen (2x4m) wie zuvor.

Ich meine was gelesen zu haben, dass einige Antennen schwenkbare Antennendiagramme hatten. 
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

mhorgran

Bezüglich Post 874
https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?msg=463647
letztes Bild mit dem Titel "Gestänge aS FuG.jpg"
ist die Sitzanordnung seltsam (für mich)
von links nach rechts
 E-Richtmann fein -- E-Richtmann grob -- Höhenrichtmann -- Seitenrichtmann

die Sitzrichtung von Höhenrichtmann -- Seitenrichtmann scheint nach hinten zu gehen
weiter unten gibt es auch noch zwei Sitze deren Sitze nach vorne weisen.


Gabler

Hallo mhorgan,

schau Dir vielleicht auch die andere Darstellung in Beitrag #905 an, die ist vielleicht etwas übersichtlicher. Tatsächlich waren in diesen kombinierten Hauben Bedienplätze für sage und schreibe 7 Mann eingerichtet, davon 4 allein für den optischen "Richt- und Entfernungsmesser", abgekürzt "RuEM" und 3 für das Dete-Gerät, wobei sich 2 Plätze in der hinteren, aber 5 Plätze in der vorderen Hälfte befanden. Die schwarzen Bezeichnungen auf den Sitzen sind originale Beschriftungen, die roten sind von mir nachgetragen und beschreiben die von mir vermutete Funktion des jeweiligen Bedieners des Dete-Geräts anhand Erscheinungsbild und Beschreibung aus dem AVKS-Bericht.
Während die Sitze für die Dete-Leute sich vor den jeweiligen Geräten befinden, sind die 4 Plätze für die Bediener des Basisgeräts jeweils zu zweit auf jeder Seite des Basis-Geräts eingerichtet. Tatsächlich sind in diesem Gerät auch zwei Optiken integriert, eine große mit einer Basis von 10,5m (zumindest auf dem Vormars) und eine zweite mit etwas kleinerer Basis, glaube etwa 6m. Deshalb sind auf den beiden seitlichen Auslegern auch insgesamt 4 Linsen zu erkennen. Und für jede Optik gibt es zwei Richtleute für Seite und Entfernung, daher die Mannstärke.

Gruß Gabler

Gabler

Zitat von: Thoddy am 10 Februar 2026, 13:33:46Ich meine was gelesen zu haben, dass einige Antennen schwenkbare Antennendiagramme hatten. 
Ja, bekannt sind die festen Antennen des FuMG41 gU bzw. FuMO29 für die U-Boote, da waren die Spiegel an der Turmvorderseite montiert. Der Effekt war aber wohl überschaubar, bei einem Öffnungswinkel von etwa 20° konnte das Diagramm nur um etwa 10° geschwenkt werden, so daß insgesamt nur ein Bereich von +/-30° zur Seite erfasst werden konnte. Um den gesamten Horizont abzusuchen, mußten die Boote einen Vollkreis fahren.

Nicht sicher, aber wahrscheinlich ebenso war das bei den FuMO28 für die S-Boote, die eine feste und gepfeilte Antenne bekommen haben. Drehspiegel kamen erst später.

Weiter noch bekannt sind Umtastvorrichtungen in Form sogenannter Kompensatoren für die riesigen fest ausgerichteten Mammut-Anlagen FuMO51/52 sowie die Wassermann-Anlagen. Bei letzteren jedenfalls diente die Umtastung der Höhenmessung.

Die einzige Bordanlage mit Höhenpeilung, die mir bekannt ist, ist die zeitweilig im Sommer 1942 eingerichtete Höhenpeilanlage auf Prinz Eugen. Die beiden seitlichen Antennen, links senkrecht, rechts um 45° nach oben ausgerichtet, waren ganz offensichtlich auch fest angebaut und nicht dreh- oder schwenkbar, deshalb vermute ich auch dort Antennenumtastung auch wenn das nirgends so beschrieben wird. Wie sonst könnte man mit einer festen Antenne die Höhe messen?

Im Prinzip waren auch die großen SeeArt-Antennen, die ab Anfang 1944 auf den schweren Einheiten eingerichtet wurden, für Umtastung zur Höhenmessung vorgesehen. Es ist mir aber nichts darüber bekannt, daß solche Messungen mit Bord-Geräten der Gema durchgeführt wurden. Möglich wäre es gewesen, das Equipment war vorhanden (Gerät "HP"), wurde aber anscheinend nicht verbaut.

mhorgran

Danke Gabler
Ja, das kleinere Bild hatte ich übersehen.

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Gabler am 11 Februar 2026, 09:26:18Nicht sicher, aber wahrscheinlich ebenso war das bei den FuMO28 für die S-Boote, die eine feste und gepfeilte Antenne bekommen haben. Drehspiegel kamen erst später.
Bitte einmal Genaueres dazu :MZ:

Ich weiß nur vom FuMO 81 Berlin auf Schnellbooten

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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