Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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Gabler

#930
Urs:

genau das Bild habe ich auf der S-Boot-Seite gefunden, allerdings in kleinerer Auflösung, danke.

Nachtrag: Anbei eine Aufnahme des FuMO71-Gerätesatzes aus der Funkmessgerätekunde (M.DV. 291). Man sieht oben die beiden Antennentäger wie auf dem Boot, allerdings von hinten mit den Antennenanschlüssen...

Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Zur Versuchsantenne auf Gneisenau:

Habe mir jetzt mal die Zeichnungen etwas genauer angeschaut. Was meine oben geschätzten Dimensionen betrifft, so habe ich mich ordentlich verschätzt. Aber eins nach dem anderen:

Die Zeichnung stammt von der Bauwerft in Kiel und wurde am am 22.06.1938 fertiggestellt. Die Abnahme erfolgte v. Konstruktionsamt d. Kriegsmarine. Der Begriff "NVA-Gittergerät" diente sicherlich der äußerlichen Tarnung. Der Ausleger ist genau bemaßt, er wurde von der Werft gebaut. Die Antenne hingegen ist nur in ihren Umrissen dargestellt, sie wurde wohl von der NVA geliefert. Dennoch mussten die Dimensionen der Werft bekannt gewesen sein, denn die Anordnung befindet sich auf Höhe der Vormarsplattform. Dort war aber bereits außen eine umlaufende Antenne angebracht, die mit mehreren Antennenspreizern nach außen aufgespannt wurde, funktional praktisch wie Salinge. Die Antenne mit dem Ausleger mußte zwischen zwei dieser Spreizer hineinkonstruiert werden, der Abstand zu dem vorderen Spreizer beträgt auch gerade 70mm. Wäre schön blöd, wenn die Antenne da nicht hineinpassen würde.

Der Topf für die Lagerung des Drehspiegels ist bemaßt, er ist 800mm lang und hat einen Durchmesser von 640mm. Damit kann man die Antennendimensionen digital einfach vermessen: Die eingezeichnete Höhe beträgt 1,8m, die Breite 3,6m!

Die Antennenfläche beträgt 6,5qm und damit deutlich mehr als die zu der Zeit noch gültige OKM-Vorgabe von 4qm. Das Breiten-/Höhenverhältnis beträgt 2:1 wie bei den übrigen Seetakt-Antennen. Sie ist größer als die etwa zur selben Zeit auf Graf Spee verbaute Seetakt-Antenne für 60cm Wellenlänge (vermessen zu 1,4m x 3,0m, 4,2qm). Übertragen auf eine 2x10-Dipolantenne würde mit dieser Vergrößerung eine Erhöhung der Wellenlänge auf 72cm einhergehen. Für eine 80cm-Seetakt-Antenne sind die Dimensionen zu klein, aber zu der Zeit galt noch die Obergrenze der Wellenlängen von 60cm. Ich halte es daher für durchaus möglich, daß die tatsächlichen Maße dieser Versuchsantenne denen der Spee-Antenne entsprach.

Was ich noch entdeckt habe: Die Draufsicht zeigt, daß der Antrieb für die Drehantenne ganz schlicht aus einem Seilzug besteht, der an der Vormarsreling durch ein Auge geführt und offensichtlich von Hand (über eine Kurbel?) betrieben wird. Zudem ist noch eine Befestigungsklampe auf der Innenseite der Reling vorgesehen zum fixieren der Antenne. Aus diesem Aufbau ergibt sich ein recht beschränkter Schwenkbereich von etwa 0° (voraus) nach etwa 90° backbord querab. Hätte man damit den kompletten Horizont absuchen wollen, so hätte man gleich 4 dieser Konstruktionen an jeder Ecke am Gefechtsturm anbringen müssen.

Schließlich zu dem "Schleifring". Nach etwas genauerem Studium der Zeichnung sieht das für mich so aus, als wäre dieser Schleifring keineswegs für irgendwelche elektrische Übertragungen vorgesehen, denn er ist auf der Grundplatte aufgeschweißt. Es sind auch sonst keinerlei elektrische Bauteile oder Anschlüsse erkennbar. Es handelt sich offenbar um das untere Lager des Antennendrehstabs, in technischer Formulierung ein Axial-Gleitlager. Sowas habe ich jetzt auch noch nie gesehen, als Reibpaarung offenbar Stahl auf Stahl, eher primitiv das ganze. Das erklärt sich für mich nur mit dem provisorischen Charakter der Anlage. Elektrische Impulse einer Funkmessantenne wurden damit sicherlich nicht übertragen.

Grüße

Gabler

Leopard2A6EX

Danke Frank - wie immer äußerst interessant! 👍 🙏

An Reinhard - SchlPr11: deine Fotos "Ostsee Schifffahrtsarchiv" mit Gneisenau und auch den Tbooten / leichten Kreuzern mit den frühen Funkmess-Antennen: kann man die irgendwie erwerben und wenn ja zu welchen Konditionen?

Viele Grüße

olpe

Hallo zusammen,
... gute Recherchen und interessante Ergebnisse! Dank an alle Beteiligten ... top :MG: ...

Zitat von: Urs Heßling am 13 Februar 2026, 10:05:54
Zitat von: Gabler am 12 Februar 2026, 23:54:50Aufgeführt sind 18 S-Boote mit FuMO62=Hohentwiel S
Sehr interessant top
Gibt's davon auch nur ein Foto ?
... Bilder von S-Booten mit FuMO 62 "Hohentwiel" habe ich leider noch nicht entdeckt ... auch in Beute- und Trophäenbeständen bzw. Reparationen (Richtung UdSSR) nicht. Allerdings ein nicht uninteressantes Bild eines deutschen R-Bootes mit Funkmessantenne (s.u.) ...

Bildunterschrift: "Gehobenes deutsches Schnellboot im Schwimmdock im Hafen von Konstanza, 1944". Es ist möglicherweise bei der Räumung der Stadt im August jenen Jahres - neben anderen Marineeinheiten - selbstversenkt worden. Die Antenne deutet auf ein FuMO 71 "Lichtenstein (Seetakt)" hin, bemerkenswert der Versatz der Säule nach Steuerbord.
(Q Bild: Slg. OLPE; forums.airbase.ru).

Grüsse
OLPE

Gabler

Hallo Olaf,

tolles Fundstück! Das sieht ganz nach einer drehbare Antenne aus und müßte demzufolge ein FuMO 72 sein. Das "Ei" hinter dem Reflektor hatten wir hier auch schon mal in Zusammenhang mit irgendwelchen italienischen Einheiten, die ebenfalls mit einem FuMO 72 ausgestattet waren. Da gab es auch Bilder mit denselben Konturen.

In der M.Dv.950 vom August 1943 heißt es dazu, das Gerät sei noch "in Entwicklung", die Ausstattung sollte daher danach vorgenommen worden sein...

Bei Trenkle gibt es zwei Aufnahmen zu den Lichtensteingeräten auf S-Booten, dann eine Zeichnung für Ausstattung VP-Boote mit FuMO 72 nach NVK und ein Foto Lichtensteinanlage von einem Museum in Finnland...

Grüße

Gabler

Urs Heßling

moin,

Zitat von: olpe am 19 Februar 2026, 21:22:36... Bilder von S-Booten mit FuMO 62 "Hohentwiel" habe ich leider noch nicht entdeckt
Auf den Fotos der "Letzten Flaggenparade" (ca. 3/4 nach unten scrollen) sieht man mehrere Boote mit einer an einer Art Arm befestigten und im 70-Grad-Winkel schräg aufgestellten viereckigen "Platte" ... Könnte das ein FuMO 62 "Hohentwiel" sein ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

SchlPr11

Hallo,
nach Durchsicht diverser Bestände und Nachlässe kann ch diese Motive im Zusammenhang mit FUMO an Bord von S-Booten zeigen:
- S 112 mit Montagegestell ausgerüstet bei Schlichtingwerft Travemünde in Vorbereitung für FUMO-Ausrüstung
- S xxx angeblich in Ostende mit einem "Stengel" über dem Brückenaufbau - FUMO?
- S xxx (meiner Meinung nach nicht S 112) mit Antennenanlage in anderer Konfiguration
Ich schau mal weiter für Interessantes - REINHARD

olpe

#936
Hallo,
Zitat von: Gabler am 20 Februar 2026, 10:58:27tolles Fundstück! Das sieht ganz nach einer drehbare Antenne aus und müßte demzufolge ein FuMO 72 sein.
... Frank ... :TU:) :MG: ...

Zitat von: Gabler am 20 Februar 2026, 10:58:27... ein Foto Lichtensteinanlage von einem Museum in Finnland...
... prima Bild ... top ... sieht man auch nicht jeden Tag ...

Zitat von: Urs Heßling am 20 Februar 2026, 11:45:28Auf den Fotos der "Letzten Flaggenparade" (ca. 3/4 nach unten scrollen) sieht man mehrere Boote mit einer an einer Art Arm befestigten und im 70-Grad-Winkel schräg aufgestellten viereckigen "Platte" ... Könnte das ein FuMO 62 "Hohentwiel" sein ?

... schwer zu sagen, ich würde eher sagen nein. Die ,,Platten" sind nur undeutlich zu erkennen. Die FuMO 62 ,,Hohentwiel S" besaßen eine fast quadratische Fläche und waren gerade auf einer Säule angeordnet. Ein Bild existiert im Buch ,,Die deutschen Funkmeßverfahren bis 1945" Ausg. 1979, dt., S. 173). Hier eine Auflistung der Marine-,,Hohentwiels" nach [Trenkle] mit den Antennenabmessungen:
  • FuMO 61 "Hohentwiel U" (für U-Boote)
        Antenne (H/B): 1,0 m x 1,4 m
  • FuMO 62 "Hohentwiel S" (für VP-, S-, und R-Boote)
        Antenne (H/B): 1,5 m x 1,6 m
  • FuMO 63 "Hohentwiel K" (T-Boote, größere Einheiten)
        Antenne (H/B): 2,0 m x 2,4 m
  • FuMO 64 "Hohentwiel L" (,,Land", mit ,,Chinese"-Drehstand)
        Antenne (H/B): 8,0 m x 2,0 m
  • FuMO 65 "Hohentwiel U1" mit Rundsuchbetrieb (U-Boote)
        Antenne (H/B): 1,0 m x 1,4 m

Eine Skizze verdeutlicht die Antennenform und Dipolanordnung:
(Q link: www.gyges.dk)


Grüsse
OLPE

Urs Heßling

moin,

Zitat von: SchlPr11 am 20 Februar 2026, 14:26:34- S xxx angeblich in Ostende mit einem "Stengel" über dem Brückenaufbau - FUMO?
Das ist ein Boot vom Typ S 30 der 2. S-Fltl im 2. Halbjahr 1940 oder Frühjahr 1941 ...
ich glaube, da war von einer Ausrüstung der Schnellboote mit FuMB oder FuMO noch keine Rede

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Gabler

Zitat von: olpe am 20 Februar 2026, 20:46:49

Grüsse
OLPE


Diese dänische Gyges-Seite ist sicherlich die "aktuellste" Darstellung deutscher (Land-)Funkmessanlagen aus dem 2. WK, der Betreiber soll auch noch eine Zeitlang mit Fritz Trenkle in Kontakt gestanden haben. Dahinter steckt bestimmt wie so oft ein irrsinniger Zeitaufwand für die Recherche, die sich nur passionierte Privat-Hobbyforscher wie wir nehmen können. Auch die Seite mit den Antennenzeichnungen als Erkennungshilfe ist ausgesprochen hilfreich. Für die Landanlagen hat er offenbar fotografische Vorlagen, da kommen die Zeichnungen schon ausgesprochen gut hin, bis auf die Anzahl der Dipole. Dort hat er wohl die jeweiligen Äste der Dipole als komplette Dipolantennen aufgefasst und kommt so auf falsche (doppelte) Zahlen: Statt jeweils 4 Reihen Dipole bei den 2x4m- bzw. 2x6m-Antennen gab es in Wirklichkeit nur 2 Reihen á 10 bzw. 16 Dipole.

Die Hohentwiel-Antenne für das FuMO62 ist hingegen eine Bordanlage und die einzige Aufnahme, die ich gefunden habe, findet sich auf S.172 bei Trenkle, sie ist dort am Mast eines Vorpostenboots befestigt. Aufbau und Aufteilung passen zur obigen Darstellung, aber auch hier sind 4 Zeilen Dipole eingezeichnet, wo in Wirklichkeit nur 2 Zeilen á 6 Ganzwellendipole vor den Reflektor montiert waren. Aus den erforderlichen Zwischenräumen ergibt sich auch die Mindestbreite des Reflektors, sie beträgt 5*27=135cm, zzgl. Überstand links und rechts, und so kommt man auf eine Antennenbreite von 160cm. Die minimale Bauhöhe ergibt sich aus den beiden übereinander liegenden Ganzwellendipol-Längen (2x54cm=108cm) zzgl. Zwischenraum und Überstand. Die Antenne könnte also auch etwas flacher ausfallen, aber wenn bei Trenkle die Maße 150x160cm stehen, wird das wohl schon stimmen, zumal auch das Höhen-/Breitenverhältnis fast quadratisch ist. Es könnte aber sein, daß der Reflektor für die S-Boote schon noch etwas verkleinert wurde, vielleicht auf nur 120x160 oder gar 110x140, also nur etwas größer als die U-Boot-Antenne.

Das bringt uns zurück zu den S-Boot-Aufnahmen: Ich habe mal einen Ausschnitt der Aufnahme von S112 mit dem sogenannten "Montagegestell" von der Werft in Travemünde aus Reinhards Beitrag #935 vergrößert. Vielleicht ist das Wunschdenken, aber ich meine tatsächlich die Bauteile einer (liegenden) FuMO-Antenne erkennen zu können:

Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Wir sehen zum einen auf der Rückseite eine ganz typische Fachwerk-Rahmenkonstruktion aus Rundstahl (1), die den eigentlichen Antennenspiegel, also den Reflektor (2) stützt. Auf der Oberseite wiederum sehen wir eine Vielzahl von Stützen (3), an denen m.E.n. die jeweiligen Äste jedes Dipols befestigt sind. Sie sind stets paarweise gruppiert. Zählt man die Paare durch, so kommt man auf 6 Paare eher weiter vorn, und 6 Paare eher weiter hinten. Das entspricht genau der Dipolanzahl der Hohentwiel-Antenne des FuMO62! Abgesehen davon  kann man in der ganz rechten Reihe ganz schwach sogar noch ein Stück der Antennenverdrahtung erkennen (4).

Weiter sind rechts und links noch zwei große Bügel (5) angebracht. Meiner Spekulation nach dürfte sich diese Antenne in "Ruhestellung" umgeklappt liegend auf dem Dach des Fahrstands befinden und sollte bei Inbetriebnahme von Hand senkrecht aufgeklappt werden, dafür die beiden Bügel. Damit sollte man die eigene Radarsignatur etwas vermindern können (Stichwort Seezielgranatensammelkasten), wenn des Gerät nicht in Betrieb ist - das alles aber reine Mutmaßung. Aber zumindest gut anhören tut es sich, oder?

Zum Vergleich die FuMO61-Hohentwiel-U-Antenne für die U-Boote:
Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Grüße

Gabler

olpe

Hallo,
Zitat von: Gabler am 26 Februar 2026, 15:54:32Diese dänische Gyges-Seite ist sicherlich die "aktuellste" Darstellung deutscher (Land-)Funkmessanlagen aus dem 2. WK, der Betreiber soll auch noch eine Zeitlang mit Fritz Trenkle in Kontakt gestanden haben.... da kommen die Zeichnungen schon ausgesprochen gut hin, bis auf die Anzahl der Dipole. Dort hat er wohl die jeweiligen Äste der Dipole als komplette Dipolantennen aufgefasst und kommt so auf falsche (doppelte) Zahlen: Statt jeweils 4 Reihen Dipole bei den 2x4m- bzw. 2x6m-Antennen gab es in Wirklichkeit nur 2 Reihen á 10 bzw. 16 Dipole.
... jo, der damalige Gyges-Betreiber Col. Michaël Frederik Svejgaard hat sich bei den Skizzen viel Mühe gegeben ... Beim Einzeichnen der HF-Speiseleitungen (mit Mitteneinspeisung) wäre ihm bestimmt der Lapsus mit der Anzahl der Dipole aufgefallen, dass es sich letztlich um zwei Hälften jeweils eines Ganzwellendipols im Antennenfeld handelt(e). Leider kann Svejgaard da nichts mehr machen, er verstarb bereits im Dezember 2020 ... R.I.P.

Zitat von: Gabler am 26 Februar 2026, 15:54:32Das bringt uns zurück zu den S-Boot-Aufnahmen: Ich habe mal einen Ausschnitt der Aufnahme von S112 mit dem sogenannten "Montagegestell" von der Werft in Travemünde aus Reinhards Beitrag #935 vergrößert. Vielleicht ist das Wunschdenken, aber ich meine tatsächlich die Bauteile einer (liegenden) FuMO-Antenne erkennen zu können ...
... gut gesehen und beschrieben! ... :TU:) ... Bei genauerem Hinsehen und bei einer farblichen Markierung der einzelnen Stützstäbe (ich zähle auch 24 - für 12 Dipole) ist der Gedanke einer umgeklappten FuMO 62-Antenne durchaus naheliegend. Einen (möglichen?) Drehsäulenansatz konnte ich allerdings nicht erkennen ...

Soweit.
Grüsse
OLPE

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