Die geheimnisvolle Mission des Tankers Spichern.

Begonnen von cam, 17 Mai 2026, 13:16:16

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cam

Kollegen.
Im September, Oktober und November 1942 fuhr der Tanker Spichern dreimal mit Blockadebrechern, jedoch nicht nach Japan. Alle drei Fahrten dauerten nicht länger als vier Tage – er kehrte nach Angriffen von Flugzeugen des Küstenkommandos zurück. Können Sie mir bitte die Gründe dafür erklären? Mich interessieren vor allem die Missionsziele und der Verlauf der zweiten Fahrt vom 9. bis 13. Oktober. Zu dieser Zeit tobte in der Biskaya eine Schlacht zwischen britischen Flugzeugen und U-Booten und vier deutschen Schiffen – der Rio Grande, Spichern, Burgenland und Irene. Es ist schwer festzustellen, wie viele Angriffe jedes einzelne Schiff erlitt.

cam

TW

Aus den KTB's der SKL:

12.9.1942: ,,Spichern" wurde 1040 Uhr in BF 9717 von 3.T-Fl. aufgenommen. Infolge Bombenwirkung in Nähe des Schiffes Backbordmotor unklar.

12.10.1942: Das Auftreten der Uboote vor Kapstadt und die entzifferte engl. Funkmeldung, in der ,,Uckermark" und "Spichern" als Ubootsversorgungsschiffe bezeichnet werden, lassen mit Sicherheit planmäßige Suchaktionen engl. und USA-Streitkräfte im Südatlantik erwarten. Nach Verkehr und Wetter liegen die Suchgebiete für den Gegner im Wartegebiet ,Komponisten'.

03.11.1942 Chef Skl Qu A berichtet, daß der Führer auf Grund des vorgelegten Berichtes über Auslaufschwierigkeiten des Blockadebrechers "Spichern", unzureichende Flak-Armierung und Fehlen einer Funksprecheinrichtung zur Verständigung mit eigenen Luftstreitkräften bemängelt hat.
08.11.1942 Blockadebrecher "Spichern" verlegt auf Außenreede St. Nazaire, um am 9/11. Ausreise anzutreten.
11.11.1942 Um 0110 Uhr meldete ,,Spichern" schwere Beschädigung durch Bombentreffer und Ansteuern der spanischen Küste mit langsamer Fahrt aus 0855 West 4418 Nord.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

cam

Danke, Thomas. Wenn ich es richtig verstehe, war die SPICHERN ein U-Boot-Versorgungsschiff und kein Blockadebrecher, und genau diese Mission versuchte sie durchzuführen.

TW

#3
SPICHERN ex norw. Motortanker KROSSFON wurde von der Kriegsmarine zum Hilfstrossschiff umgebaut.
Ab Januar 1941 im Einsatz für Trossschiff-Verband Nord (also nicht nur für U-Boote vorgesehen).
Nach den Missgeschicken von 1942 (zu viele Funksprüche, von ULTRA erfasst) offenbar keine weiteren Einsätze als Versorger, diente nur noch als Tank-Lager.
August 1943 in Brest durch Luftangriff beschädigt. Anschließend in Brest als Blockschiff (= Sperrung der Hafeneinfahrt) versenkt.

Spichern, KTB Jan-Jun 1941, Feb-Mar 1942, Sep-Nov 1942 (with gaps), Jan 1943: PG 70787-794, roll 3113
Im NARA Guide steht: roll 3025. Das ist falsch. Richtig ist: roll 3113
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

cam

Zitat von: TW am 17 Mai 2026, 18:25:29Ab Januar 1941 im Einsatz für Trossschiff-Verband Nord (also nicht nur für U-Boote vorgesehen).
Handelte es sich also um ein Versorgungsschiff der Kriegsmarine für U-Boot-Jäger im Nordatlantik? Ist bekannt, wen die SPICHERN im Herbst 1942 versorgen sollte? Und falls es sich um ein Schiff der Kriegsmarine handelte, hätten ihre Einsätze von Zerstörern begleitet werden müssen. Außerdem wurde sie zumindest im November bei Auslaufen und Rückkehr von Zerstörern der 3. und 5. Flottille eskortiert.

TW

#5
Ich habe erst vor wenigen Minuten das KTB SPICHERN gefunden. Die angegebene Rolle im NARA-Guide war falsch.
Über den Auftrag im September 1942 steht nichts im KTB. Geleit durch VP 401, 410 und 415.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#6
Über den Auftrag im Oktober 1942 steht nichts im KTB. Geleit durch M 27, M 28 und Sperrbrecher 175.
Ausführlicher Gefechtsbericht ist vorhanden.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

TW

#7
Über den Auftrag im November 1942 steht nichts im KTB. Geleit durch M 28, M 32, M 254 und Sperrbrecher 137.
Ausführlicher Gefechtsbericht für den 10./11.11.1942 vorhanden. Ich glaube, der Bericht im Anhang ist aus dem KTB Maschine.
Die Verfilmung durch NARA ist etwas chaotisch.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

cam

Zitat von: TW am 17 Mai 2026, 19:27:25Die angegebene Rolle im NARA-Guide war falsch.
Über den Auftrag im September 1942 steht nichts im KTB.
Thomas, vielen Dank! Dieser Angriff wurde von einer Whitley M/502 (Sergeant Cooper) durchgeführt. Es gab einen weiteren Angriff: Am 12. September um 6:45 Uhr wurde ein Tanker von einer Wellington der 304. Staffel (Sergeant Sitsinsky) angegriffen, die das Schiff mit acht 250-Pfund-Bomben deckte.

condor_64

Hallo zusammen,

Spichern sollte ebenso wie andere Tanker Nährfette (Walöl, Bohnenöl, Rapssaatöl usw.) aus Japan und der Mandschurei (Dairen) holen. Stand Sommer 1942 war hierzu der Einsatz von 9 (!) Tankern ab Europa und 2 aus Japan geplant (siehe Anhang), ab September den ganzen Winter durch.
Spichern mußte abbrechen, Germania ging bei der Ausreise verloren, Hohenfriedberg (beladen mit 11606 t Kokosnußöl) bei der Einreise, nur Uckermark und Brake erreichten dann Japan.
Der Einsatz der anderen Tanker wurde dann auch wegen der prekären Treibstofflage in Europa gestrichen.

Grüße
Ralf

TW

Verrätst Du mir Die Quelle Deiner Ausschnitte, Ralf ?
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

cam

Zitat von: condor_64 am 18 Mai 2026, 02:03:26Der Einsatz der anderen Tanker wurde dann auch wegen der prekären Treibstofflage in Europa gestrichen.
Ralph. Danke für die Information. Soweit ich weiß, wurde die Operation zur Versorgung Japans im Dezember 1942 eingestellt, nachdem alliierte Schiffe im Atlantik von den Blockadebrechern CORTELLAZZO und GERMANIA abgefangen worden waren und britische Saboteure am 14. Dezember in Bordeaux die Schiffe TANNENFELS, PORTLAND, ALABAMA und DRESDEN mit Magnetminen beschädigt hatten (Operation Frankton).

cam

Ein interessanter Punkt: Squadron Leader Thomson (Wellington S/172), der die SPICHERN in der Nacht vom 10. auf den 11. November traf, vermerkte in seinem Bericht, dass der Tanker unter Ballast stand!

BE Corijn

Hi all,

I have the following on the page of HMS Unique which was lost in October 1942;

At 0845A/13 (0945B/13 = German time), the German tanker Spichern (9323 GRT, built 1935, code name 'Elm', former Norwegian Krossfonn captured on 26 June 1940 by raider Widder) reported that a loud explosion was heard followed by a large column of water about 2000 meters away to port. From the same direction a torpedo track was seen. The Commanding Officer ordered hard to port and the torpedo was observed to run on a parallel course and miss about 50 metres from the port side. Fire was opened with 10.5 cm and 3.7 cm guns. Position of the attack was 46°54'N, 06°03'W.
At 0855A/13 (0955B/13 = German time), a loud noise similar to a depth charge was heard and two more torpedo tracks were observed at about 3000 metres astern on the port side. They missed the port side by 70 metres. Position of these attacks as reported by Spichern was 46°54'N, 06°03'W.

Spichern was on her way back to France after she had been damaged by Allied aircraft while attempting to pass the Bay of Biscay for operations in the Atlantic on 12 October 1942. Shortly after these submarines attacks (at 1045 hours), her escort to St. Nazaire, the German minesweepers M 24, M 32 and M 152 joined her. Later (at 2345 hours) Sperrbrecher 175 joined for the last part of the passage into St. Nazaire. Spichern anchored in St. Nazaire at 0031/14.

At 0852A/13 and 0854A/13, HMS Ursula (Lt. R.B. Lakin, DSC, RN), while in position 46°32'N, 05°55'W, heard two loud explosions. This position was about 23 nautical miles from the position reported by Spichern.

The torpedo attack on the Spichern was not reported by any other submarine on patrol at that moment. The attacker must have been HMS Unique (Lt. R.E. Boddington, RN). No enemy report was received from Unique. It therefore is possible that HMS Unique was lost during the attack on Spichern. What is reported by Spichern looks like two attacks with two torpedoes each. It seems like that during the first attack one of the torpedoes fired prematured possibly damaging Unique. It seems likely Unique was able to fire another two torpedoes at the Spichern. Possibly the second explosion heard by Spichern was the demise of HMS Unique (Lt. R.E. Boddington, RN).

HMS Ursula also reported hearing faint rumbling noises between 1100A/13 and 1300A/13.

cam

Zitat von: TW am 17 Mai 2026, 19:40:20Über den Auftrag im Oktober 1942 steht nichts im KTB.
Es ist weiterhin unklar, warum die SPICHERN den Ausbruchsversuch abbrach, während die BURGENLAND, die mit ihr Bordeaux verlassen hatte, ihn fortsetzte. Anscheinend manövrierten beide Schiffe vom 10. bis 12. Oktober im Zentrum der Biskaya.

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