Treibstoffversorgung der Kriegsmarine 1935 bis 1945

Begonnen von Grubert, 07 Juli 2005, 08:14:17

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Peter K.

... dazu Raeder im Führervortrag am 29.03.1940:

Göring habe festgestellt, daß die Ölvorräte des Heeres und der Wirtschaft im Mai, die der Luftwaffe im Juli aufgebraucht seien. Die Marine müsse mit ihren großen Dieselölvorräten aushelfen!
Raeder erklärte seine Bereitschaft dazu nur auf ausdrücklichen Führerbefehl hin, damit nicht später der Vorwurf einer ungenügenden Bevorratung durch die Marine erhoben werden könnte. Außerdem verurteilte er das Wirtschaftsministerium, daß sich im Frieden völlig von Standard und Shell abhängig gemacht habe und ständig versuchte, die Ölankäufe der Marine in Mexiko zu verhindern.
Raeder nennt außerdem folgende Marinevorräte:

am 16.03.1940:
300.000 t Heizöl
570.800 t Gasöl

am 01.10.1940:
290.000 t Heizöl
517.500 t Gasöl
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Thomas

Zitat von: Peter K. am 17 April 2007, 17:50:49
Außerdem verurteilte er das Wirtschaftsministerium, daß sich im Frieden völlig von Standard und Shell abhängig gemacht habe und ständig versuchte, die Ölankäufe der Marine in Mexiko zu verhindern.

Na da scheint ja wieder die linke Hand nichts von der rechten zu wissen.
Außenministerium - Wirtschaftsmininsterium - Kriegsmarine.

Wobei: in der Quelle geht es sogar um zu erwerbende Konzessionen, die an deutsche Handelskontakte zu knüpfen waren.
Das Ganze scheint sich in der unmittelbar darauf folgenden Brasilien-Krise zwischen dem Deutschen Reich und den USA ziemlich erledigt zu haben. Kaum 1 Monat später sind beide Staaten in dieser Frage aneinander geraten, es ging um deutsche Exportsubventionen und Handelskontakte nach Lateinamerika.

Spricht das eigentlich auch für eine Überseestrategie? Die Förderanlagen und Transporte wären ja im Krisenfall zu schützen gewesen ... Vorlauf auf Plan Z?

Schätze, da muss die Neukonzeption der KM nochmal überdacht werden  :wink:

Viele Grüße
Thomas

Zerstörerfahrer

Moin Moin,

vielleicht helfen da ja die NARA-Mikrofilme 2105 - 2107 weiter.
- Rohstoffbedarf der Kriegsmarine, 1937 - 1941: PG 33579-581, rolls 2105-07

Zerstörerfahrer

Moin Moin,

ich kram mal wieder diesen Thread aus, da ich in der " Geschichte des Admiral Ägäis " (NARA-roll 2632, PG 46161) einige interessante Aspekte der Selbstversorgung der Truppe gefunden habe. Es geht  um den Zeitraum 1941/42.

Zitat:
So gelang es im Laufe der Zeit einen Tankraum (in Saloniki, Anm.) von 12420 cbm Fassungsvermögen betriebsklar zu machen, von dem der Feldkommandantur 808 auf eigenen Gelände 1564 cbm und der Marine 10965 cbm, davon 8411 cbm für Dieselöl und 7545 cbm für Heizöl zur Verfügung standen. Dazu kamen 4 Tankleichter mit einem Fassungsvermögen von 2140 ts.

Die Versorgung mit flüssigem Betriebsstoff gestaltete sich in Piräus wesentlich leichter. Hierfür stand der Marine die in Perama gelegene Anlage der Shell-Companie-Hellas-Ltd in Athen zur Verfügung. Sie wurde am 16. Juli 1941 gepachtet und unbeschädigt verwaltungsmäßig von der Marine übernommen und umfaßte 8 Tanks mit einem Tankraum von rund 40000 ts, davon 23000 für Heiz- und 17000 für Dieselöl und 500 für Wasser.

In Kreta  erfolgte die Versorgung in Ermangelung eines Betriebsstofflagers aus in der Suchbucht liegenden Schiffen und Wracks.
Für Ölentnahme kamen die auf Grund liegenden Tanker Olna und Eleonore Maersk, sowie der Kreuzer "York" in Betracht, die Öl in Sprengtrichtern und Luken enthielten.

Der Heizölbedarf (für Kreta, Anm) konnte bis Mai 1942 aus den gewonnenen Beständen gedeckt werden. Als Tankraum diente das Vorschiff des auf Grund liegenden Tankers Olna, in das 200 cbm Dieselöl und 1000 cbm Heizöl eingelagert werden konnten. In seine Tanks flossen die aus dem Sprengtrichter des Tankers Eleonore Maersk vom italienischen Tanker Cerere abgepumpten 692 cbm Heizöl, während der nicht erfaßbare Rest mit einer Handpumpe in Fässer gefüllt wurde. Die auf diese Weise gewonnenen 2550 cbm Heizöl übernahmen die Fahrzeuge soweit wie möglich unmittelbar von den Wracks, wobei sie wegen Zerstörung der Pumpanlage auf dem Tanker Olna mit ihren eigenen Pumpen und fliegenden Schläuchen arbeiten mussten.
Zur Behebung dieser behelfsmäßigen Versorgung wurden die Arbeiten für ein, zehn 35 cbm und drei 1000 cbm Tanks umfassendes, modernes Tanklager in der Nähe der großen Mole bei
Suda in Angriff genommen, das den Schiffen noch während des Löschens die Bebunkerung ermöglichen soll. Nach Erschöpfung der aus Suda gewonnenen Vorräte erfolgte ihre Ergänzung von Perama aus.


Kosmos

hoffe das ist neu:
zur Kriegswirtschaft allgemein:
http://orbat.com/site/sturmvogel/WarEcon.html
darunter:
U.S. Strategic Bombing Survey:
http://orbat.com/site/sturmvogel/ussbsindex.html
darunter:
Strategic Air Attack on the German oil Industry:
http://orbat.com/site/sturmvogel/ussbsoil.html

mhorgran

Hallo
Im DRu2W Bd.5/2 - Seite 440 - ist folgendes notiert.
"Aufkommen an Mineralöl 1939-1944"
------insgesamt--davon-----Import---Erzeugung in
-----------------Synthese-----------besetzen Gebieten
1939----8.200----2.200------5.165---0
1940----7.600----3.348------2.075---0
1941---10.000----4.116------2.807---332
1942----9.500----4.920------2.359---370
1943---11.300----5.748------2.766---576
1944----6.830----3.830--------960---360

Auf Seite 439
"Die Treibstofferzeugung der Hydrier- und Synthesewerke 1938-1944"
(in 1.000 to)
--------------------1938----1939----1940----1941---1942----1943-----1944
Flugbenzin-----------63,6---218,8---591,2---970----1365,5--1867,6---965,7
Motorentreibstoff---766,4--1049,6--1288,8--1494,4--1584,8--1924,0--1127,5
--------------------------------------------------------------------------
Gesamterzeugung-----830,0--1268,4--1880,0--2464,4--2950,0--3791,6--2093,2

Die Zahlen passen nicht zusammen.
Sind noch andere Treibstoffarten synthetisiert worden?

grüße

Thomas

Die Zahlen 1938: 830 T-to bis 1944: 2093 T-to. betreffen die Produktion der Hydrier- und Synthesewerke an "Flugbenzin und Motorentreibstoffe".
Quelle: Statistisches Jahrbuch Berlin, 1944.

Die Zahlen des deutschen Mineralölaufkommens sind von Eichholtz, Deutsche Kriegswirtschaft, er bezieht sich auf synthetische Öle und stellt die Mineralölerzeugung aus Import, Eigenförderung und Synthese dar.

Nach Karlsch/Stokes, Faktor Öl, betrug die Ausbeute an Benzin etwa 60% des synthetisch hergestellten Mittelöls, zunächst wahrscheinlich etwas geringer. Der Rest (Differenz zu Eichholtz) müßten demnach andere systhetische Ölprodukte aus dem "Mittelöl" gewesen sein. Das wäre in etwa die Mengendifferenz der beiden Statistiken. Daneben galt ungefähr der Faktor 5 to Kohle = 1 to. Benzin.

mhorgran

Hallo Thomas
Danke für die Antwort. Das könnte es sein.

Allerdings spricht die obere Tabelle explizit von "Mineralöl" und nicht "Mittelöl".
In der Definition Mineralöl sind eben auch Flugbenzin .. beinhaltet.

grüße
stefan

Thomas

Hallo Stefan

ich gehe wirklich davon aus, dass es Eichholtz in der Addition (auch mit den Importen) um die Mineralölerzeugung (und das wäre tatsächlich Rohöl, Mittelöl etc.) vor Verarbeitung ging. Das wären dann die höheren Zahlen. Wenn dann zu Flugbenzin übergeleitet wird, ist das natürlich eine Teilmenge.

In der Reichs-Statistik mit den geringeren Zahlen sind dagegen mit Benzin nur "einige" synthetische Endprodukte dargestellt.

Ulrich Rudofsky

#129
Leider ist beinah alles in Englisch, aber die Texas A(griculture) & M(ining) University hat ein ganz interessantes Archiv - "Fischer Tropsch Archive" - ueber die Treibstoffproduktion in Deutschland waehrend dem 2. WK. (Unter "German Patent Applications" sind viele der urspruenglichen Patentantraege).

http://library.tamu.edu/portal/site/Library/menuitem.561a789b0905fbe57af793c719008a0c/?vgnextoid=cea853229d361010VgnVCM1000007800a8c0RCRD
http://www.fischer-tropsch.org/
http://www.fischer-tropsch.org/primary_documents/gvt_reports/gvt-reports_toc.htm
http://www.fischer-tropsch.org/primary_documents/gvt_reports/USNAVY/tech_rpt_333_45/Report-333-45.pdf

Ulrich Rudofsky

arilehnitz

Zitat von: Huszar am 11 Januar 2007, 11:42:54
Na, wenn einer praktisch alles von mir als Gegenleistung möchte, und natürlich alles für billig, würde ich auch abblocken!


Mit Werkzeugmaschinenen, Handelsschiffen, einigen Plänen, Technologien hab ich kein Problem - die können dann alles nachbauen - aber sobald es zu konkreten, fertigen Waffen kommt... No way! (wobei ich auch bei den Plänen nicht das Neueste verticken würde...)

mfg

alex


Hallo, ich bin hier eingerückt, weil ich mich für die so späte Zerstörung der Hydrierwerke im 2. Weltkrieg interessiere, mir ist die Quelle abhanden gekommen, daß es verzögert wurde von den Westalliierten um die Ostfront zu halten und den Verschleiß der Roten Armee zu erhöhen.
Und schreibe jetzt erstmal einen kleinen Beitrag zu sowj. Waffen/Artillerie.
Also ich habe zu DDR-Zeiten im AR-1 gedient und wir hatten das sowjetische Modell M-30 , bei uns damals unter dem Namen H-38 (sprich: cha - 38) im Bestand - und jedenfalls beim reinigen der Haubitze entdeckten wir unter den Holmen die Aufschrift (erhabene Walzprägung) Krupp AG Essen
Das hat uns und unseren Politoffizier erschreckt.

MfG arilehnitz


Urs Heßling

Zitat von: arilehnitz am 16 April 2010, 21:43:32
mir ist die Quelle abhanden gekommen, daß es verzögert wurde von den Westalliierten um die Ostfront zu halten und den Verschleiß der Roten Armee zu erhöhen.

Die Quelle interessierte mich allerdings auch (hört sich m.M. ein wenig nach Propaganda an)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Q

#132
Ein wenig??? Ist hier wohl stark untertrieben!

Meine Urgrossmutter wurde schon 1943 beim Angriff auf die Sudetendeutschen Hydrierwerke Brüx ausgebombt.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

Chrischnix

Moin Moin

Im Rahmen meiner Fahradtour konnte ich folgendes Bild ablichten.
Vieleicht interessiert es ja Jemanden ?
Schöne Grüße
Christian

Alles ist gut,
nur nicht überall,
nicht immer,
nicht für alle !

mhorgran

@arilehnitz
Die meisten Hydrierwerke lagen im Osten Deutschlands. Während die RAF / Bombercommand lange Zeit nicht Fähigkeiten hatte soweit entfernte Ziele punktgenau zu treffen fürchtete die USAAF / 8.Luftflotte fürchtete die deutsche Luftabwehr bei derart weiten Flügen ohne Jagdbegleitung. Dazu verringert der Treibstoffbedarf bei großen Entfernungen die Bombenlast. Weiter "glaubten" die allierten Luftwaffenkommandeure nicht an "Allheil"ziele welche den Krieg "alleine" entscheiden würden.


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