Flaggschiff "Peter der Große"

Begonnen von kalli, 23 März 2004, 21:01:24

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Scheer

ZitatZu jeder Waffe gibt es ein gegenwirkendes Pedant.

Deshalb dachte ich eben auch an einen begeitenden Verband für die Kirov´s. Analog zu den amerikanischen Verbänden wäre eine relativ gute Absicherung erreicht gegen Angriffe durch Über- sowie Unterwassereinheiten und auch durch Flugzeuge.
Mit dem Unterschied des massiven, weitreichenden Vernichtungspotentials auf sowjetischer Seite.
Ein Potential in dieser Größenordnung hatten die Amerikaner meines Wissens nach nicht.
Hier zeigt sich deutlich der Unterschied der verschiedenen Strategien. Amerika musste (wie im zweiten Weltkrieg) die Nachschubwege zum Kriegschauplatz Europa (und hier wäre der Schauplatz gewesen, da beisst die Maus keinen Faden ab) offen halten. Ihre Flotte war in erster Linie auf Sicherung der Meere konzipiert.
Die Sowjetunion mußte (wie die Deutschen im 2.WK) dieses Herrschaft knacken. Also mußen zuallererst auch die Flottenträger bekämpft werden, trugen diese doch die Luftherrschaft auf die See hinaus. Der Aufbau einer eigenen mächtigen Trägerflotte war für die Sowjets wahrscheinlich zu schwierig und aufgrund ihrer Aufgabe auch gar nicht so erwünscht. Also beschritt man den Weg der "Träger-Killer". Eben die Kirov´s.
Rein Seestrategisch gesehen sind die Kirov´s in meinen Augen ein gelungener Wurf. Ich denke mal, das nach Bekanntwerden des Bau´s der sowj. Schlachtkreuzer auf amerikanischer Seite die Köpfe mächtig geraucht haben.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte mir vorstellen, daß die Reaktivierung der Iowa´s und deren Ausrüstung mit Tomahawks der Versuch einer Gegenreaktion war. Quasi eine Notlösung um den Kirov´s etwas in irgendeiner Weise gleichartiges entgegen zu stellen.
Aber trotzdem wäre eine Kirov für eine Iowa ein mehr als ernstzunehmender Gegner.

kalli

Du sprichst damit ganz be -oder unbewusst das Problem des Gleichgewichts der Kräfte im Kalten Krieg an. Waffe - Gegenwaffe gleich  Rüstungsspirale, beiderseitiger Wahnsinn, Höchstleistungen im Forschungs- und Entwicklungspotential, unbegrenzte finanzielle Mittelbereitstellung für die Rüstung ( es gab den Begriff im Rahmen des Rüstungswettlaufs der hiess Totrüstung. Das hiess :Wir Amerikaner rüsten sehr teuer und ihr Russen müßt das dann auch -aber ihr haltet das nicht durch und so besiegen wir euch dann auch wirtschaftlich,weil irgendwann der Zeitpunkt kommt, dass die Bevölkerung nach Nahrung schreien wird ) Und dann ist das Regime tot. Irgendwie ist das ja auch aufgegangen. Das erklärt auch, warum es solange gebraucht hat, bis unter anderen Bedingungen die zu Sowjetzeiten begonnenen Atom- Raketen- Kreuzer Indienst gestellt werden konnten.

kalli

ZitatAuf den Bildern, die das Heck einer KIROV zeigen, sieht man eine Einbuchtung am Heck. In der Mitte dieser Einbuchtung erkennt man (besonders auf dem sw-Photo des ersten Postings) ein rundes Gebilde. Sieht aus wie eine Torpedoausstoßvorrichtung. Von den Proportionen scheint mir das aber für ein Torpedorohr zu groß zu sein.
Weisst du wofür dieses Gebilde dient? Hat es einen Grund, das es diese Einbuchtung in der Heckkonstruktion gibt?
@Scheer,
ich habe diese Frage im russischen Forum "tsushima" an Scharnhorst gerichtet. Hier ist seine Anwort, die er mir gestern ( passenderweise  :D )gemailt hat.
Hi, Mr. Kalli
There is not "Pyotr Veliky" on photo. The ship has two 100mm guns aft, but "Pyotr" has twin 130mm. I think, there is one of early Project 1144 sisterships - perhaps "Kirov".
The round thing on ship's stern in the National Emblem, which was settled on every Soviet ships.

Good luck!
Scharnhorst

kalli

Aus bekanntem Anlass habe noch mal versucht, neueres russisches Material zur Pjotr Velikij zu bekommen. Der jüngste erreichbare Artikel stammt von Alexander Grigorjew und Viktor Mjasnikow.
Nach der Schilderung der bekannten Vorgänge bezüglich Kurojedows kommen sie zu folgenden Aussagen und Schlüssen :
Kurojedow stand und steht nach den Katastrophen und Pannen der letzten Jahre und Monate ( Kursk, Versagen von 3 strategischen Raketen u.a.m. ) mit dem Rücken an der Wand.
Um die Verantwortung auf andere ab zu wälzen, hat er mit seinen Äußerungen und Maßnahmen eine in der Geschichte der sowjetischen und russischen Streitkräfte einmalige Situation heraufbeschworen. Diese Situation ist verbunden mit einem kaum zu reparierenden Prestige – Verlust. Gleichzeitig wird die Absicht vermutet, dass Kurojedow Konkurrenten oder Widersacher diskreditieren wollte, also die klassische Form einer Intrige. ( Inwieweit seine Widersacher auch mit Tricks arbeiten sei dahingestellt. )
Zur Sicherheit der Atomreaktoren schreiben die Autoren sinngemäß :
Ohne die prinzipiell von Atomreaktoren aus gehenden Gefahren zu unterschätzen, wurden nach den gewonnenen Erfahrungen bei den ersten Nuklearantrieben umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen entwickelt und gebaut.
Dazu erklärte Admiral Popow, dass die Reaktoren so sicher sind, dass sie sogar bei einer solchen Katastrophe wie bei der Kursk nicht explodieren können. ( sind sie auch nicht )
Ein Experte, der seinen Namen nicht veröffentlichen will erklärte, dass nach den Reaktorproblemen der ersten Atom- U- Boote die Sicherheitseinrichtungen an den Energieanlagen drastisch erhöht und verändert wurden. Das System wurde vielfach verstärkt. Im Falle der Gefahr wird der Reaktorblock automatisch in einen mächtigen Stahlsarkophag eingeschlossen.

Mich beruhigen die Aussagen zur Reaktorsicherheit keineswegs, weil sie prinzipieller Natur sind.
Es spricht aber sehr viel dafür, dass die Vorgänge um die Pjotr Velikij nichts mit aktuellen Fragen der Sicherheit des vorhandenen Nuklearantriebes zu tun haben. Jedenfalls habe ich bislang dazu nichts gefunden.

Scheer

Im Grunde ist es doch so, daß die russische Marine bereits vor der Kursk-Katastrophe einen enormen Prestigeverlust hinnehmen mußte. Ich errinnere nur an die Berichte über die vor sich hin gammelnden Atom-U-Boote der Nordmeerflotte. Diese zeigten dem Westen doch schon einige Zeit vorher den desaströsen Zustand in dem sich große Teile der russischen Marine derzeit befindet.
Vieleicht kann man die getroffenen Aussagen betreffs des Zustandes der PdG as eine Art massiven Hilfeschrei ansehen. Vielleicht versuchten hier einige verantwortungsvolle Personen der Welt klarzumachen, daß ohne Hilfe aus dem Westen die Atom-Flotte der Russen in nächster Zeit vor dem katastrophalen Kollaps steht. Und da, wie du ja schon mal erwähntest, die Mühlen in der russischen Bürokratie (und auch der Marineführung) recht langsam mahlen, wäre eine Warnung vor dem Kollaps irgendwo in den Weiten der Büros verschwunden.
Also wird so laut gebrüllt, daß es jeder hören kann, auch bei uns, und das man aufschreckt. Natürlich ist dies ein Wagnis und kann die Karriere kosten, aber wer weiß, vielleicht hat der gute Mann damit ein gutes Werk getan.

kalli

@Scheer,
das mit dem Hilferuf klingt schon einleuchtend. Ich gebe aber zweierlei zu bedenken.
1. entspricht sowas nicht der russischen Mentalität, die trotz aller Schwierigkeiten Schwächen äußerst ungern eingesteht.
2. kam dieser Hifeschrei vom Oberbefehlshaber- und die eigentlich Betroffenen distanzieren sich.
Das sind für mich die Ungereimtheiten in deiner These.

Scheer

Nun ja,
zu 1. Ausnahmen bestätigen ja manchmal die Regel.
zu 2. Selbst der Oberbefehlshaber hat ja noch mindestens einen über sich, welcher die Angelegenheit am liebsten unter den Tisch kehren würde

kalli

heute habe ich wieder eine mail von Scharnhorst aus Russland erhalten. Ich fragte nach einem Foto mit Heckansicht, das das Emblem zeigt. Hier seine Anwort :
ZitatHi, Mr. Kalli
Sorry? but I haven't got any photograph of Soviet ships with good view of National Emblem.

Good luck!
Scharnhorst
Mal sehen, ob ich woanders erfolgreicher sein werde.

kalli

Na wer sagts denn. Es ging schneller als ich dachte. Hier ist ein Foto mit Heckansicht. Am unteren Bildrand ist ganz deutlich das sowjetische Hoheitsabzeichen zu sehen.

kalli

Weil ich gerade beim Thema war, habe ich noch weitere Fotos zu bieten. Sie zeigen die Marschflugkörper des Typs P- 700 Granit ( SSN- 19 Shipwreck ) beziehungsweise die Abschussvorrichtungen dafür.
Einige Angaben dazu :
Länge : 10 m
Durchmesser 0,85m
Gewicht : 7.000 kg
750 kg hochexplosiver konventioneller Sprengstoff
oder
500 kt nukleare Zerstörungskraft
Reichweite 625 km
Geschwindigkeit : 2800 km/h





kalli

Neben der Bewaffnung mit Mittelstreckenraketen gibt es auf den Schiffen der Orlan- Klasse auch noch diese Waffensysteme :




Scheer

Also ein Hoheitszeichen. Tja, auf einem der ersten Bilder konnte man das sehr schlecht erkennen. Dort hatte das wesentlich mehr Ähnlichkeit mit einem Ausstoßrohr für Photonentorpedos auf einem klingonischen Schlachtschiff. Mhh, das gehört aber wohl eher auf ein Star Trek Forum.  :D

Auf jeden Fall sind die Bilder absolute Klasse.
Danke an Kalli, dem unermüdlichen Jäger und Sammler, der seine Beute mit uns teilt.

kalli

tja so ist das, da denkt man ein geheimes Waffensysthem entdeckt zu haben, dass allen westlichen Analysten durchgegangen ist und dann entpuppt sich das Ding als ein blechernes Staatsabzeichen. Peinlich, peinlich ..Aber unsere ( in der Zahl wachsenden ) russischen Freunde haben es mit wahrem Humor betrachtet.

kalli

Ich hatte in Russland mal wieder nachgefragt, ob es Neuigkeiten zum Thema gibt. Hier die Antwort :

Lieber Kalli,
von dem Skandal um die ,,Peter der Grosse" habe ich weiter nichts gehört. Das kann damit zusammenhängen, dass ich die Angelegenheit nicht speziell verfolgt habe, wohl eher aber damit, dass man in der russischen Flotte nach wie vor versucht, derartige Sachen unter den Teppich zu kären.

Scheer

Tja, da stellt sich die Frage ob es sich nun nur um ein Strohfeuer handelte, oder ob man nach dem Grundsatz "aus den Augen aus dem Sinn" handelt.

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