Farbfotos Hafenszenen aus Nordafrika?

Begonnen von Kuestenjaeger, 28 November 2007, 17:10:50

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kgvm

Danke für die schnelle Antwort, Theo.
Ist ja eine abenteuerliche Geschichte. Schon in Oran angekommen, dann wieder zurück nach Melilla, dann mit neuer Besatzung wieder nach Algier ...

kgvm

Erhalte soeben aus Italien die Nachricht, dass das zweite Schiff auf Bild 10 (hinter der "Jaedjoer") als die italienische "Diadora" identifiziert wurde. 206 BRT, gebaut 1908 als österreichisch-ungarisch "Lika". 22.09.42 schwer beschädigt in Bengasi durch Fliegerbomben und dort dann am 18.11.42 selbst versenkt.

Kuestenjaeger

Bin beeindruckt,was man so alles entdecken kann auf diesen Fotos!

kgvm,VIELEN DANK von mir an Deinen ital.Informanten! :TU:)

mhorgran

Könnte die Pier (ehem. Schiff) auf Bild 09 der ehemalige Dampfer "Maria-Eugenia" sein? Sie ist am 17.09.40 durch britische Flugzeuge in Bengasi versenkt worden und wurde später als Notpier benutzt.

Kuestenjaeger

Passend zum Thema,möchte ich mal etwas posten zu den deutschen Soldaten,die zum Entladen der Schiffe in Afrika eingesetzt wurden.
Als ein Beispiel folgender Bericht,dieser steht natürlich nicht für jeden Soldaten.

.....................................
aus der Chronik der Nachrichten-Abteilung 190 (Schiffartillerie Post)

Erhard Naumann,Jahrgang 1921

überlebte den Untergang der "Neptunia",mit dem "Geleitzug 56" wurden mit den Schwesterschiffen "Vulkania" und "Ozeania" zusammen etwa 8000 Mann transportiert;
der Bericht geht aber über mehrere Seiten
.....................................

"BENGASI

30.November 41

Jedenfalls bin ich jetzt ein richtiger Hafenkuli geworden.
Die dazu erforderliche Kraft wird durch ein reichliches Essen erhalten.
Kalte Verpflegung bekommen wir alle 2 Tage.
Heute haben wir empfangen:
Wurstkonserven,Butter,Käse,Marmelade,Thunfisch,Schokolade,Zigaretten und 1 Liter Bier (Münchner Hofbräu).
Der Thunfisch ist eine Delikatesse,schmeckt wie Gänsebraten und ist mit Gemüse und Tomatensoße angerichtet.
Für uns 3 Mann standen auf dem Tisch:
250 Gramm Butter,eine 1 Kilo-Dose Thunfisch,850 Gramm Schweinefleisch,375 Gramm Käse und 3 Liter deutsches Bier.
Ich glaube,es würde Euch Angst und Bange werden,wenn ich mal nach Hause komme und die Brote nach der jetzigen Gewohnheit belege."
...........
Vermutlich wurden die einheimischen Arbeitskräfte mit weit weniger Luxus bezahlt,wenn nicht gar nur mit Geld oder nur Naturalien.
An der Front wurde teilweise gehungert und es gab nicht mal genügend Trinkwasser.
Vielleicht hat da jemand noch mehr Infos?

Spee

@Kuestenjaeger,

du bist damit einer Sache auf der Spur, der eine der ganz großen Legenden des Afrikafeldzuges als Unwahrheit enttarnt. Nicht die Versorgung über See war das Problem des Afrikakorps, sondern die katastrophale logistische Lage in Nordafrika selbst. Aber das konnte man nach der Niederlage, so meine Vermutung, den Italienern nicht so schön in die Schuhe schieben.
Nachweislich lagen Ende 1942/Anfang 1943 allein bis zu 60 Tagessätze Verpflegung (für die komplette Afrika-Armee!) in den Häfen, welche aber nicht abtransportiert werden konnten, da kein Transportraum (LKW) zur Verfügung stand. Dieses Problem gab aber nicht erst seit dieser Zeit, sondern war seit Beginn des Einsatzes des Afrikakorps vorhanden.

Einheimische Arbeitskräfte wurde wohl recht gut bezahlt/versorgt, für ganz bescheidene Arbeiten (Räumung von Blindgängern etc.) holte man sich gern Juden.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Kuestenjaeger

Das stimmt,Spee,werde bei mir im Forum noch einige Sachen posten,gerade gelesen in der Chronik,wo es um die Versorgung der Soldaten geht und es existiert ein gravierender Unterschied zwischen den wirklichen Fronttruppen und den Verbänden im Hinterland oder wie hier die Nachrichtentruppe.
Eben gerade habe ich noch von riesigen Lagern bei Tripolis gelesen,wo es fast alles gab und es nach den Arbeitseinsätzen die Soldaten aufs Strengste kontrolliert wurden,das ja keine verzeichnete Dose nach aussen gelangte.
Vermutlich verhielt es sich genauso mit der Muni und dem Sprit.

Tripolis:

"Benzinlager Petrolibya"

"Munitionsdepot Fatma"

"Verpflegungslager Fatma"  (Kommentar im Buch: "grosse Hallen mit Lebensmitteln und Getränken aller Art,z.B.: Obstkonserven,Orangensäfte,Schokolade und andere Leckerbissen")

"Verpflegungslager Tagiura" 20 Km ostwärts von Tripolis (Lebensmittel und Gerät = Sandsäcke,Spaten,Stacheldraht)

Daran sieht man dann auch wieder,das es Unmengen an Transportraum erfordert hätte,um wirklich alles auszuliefern.
.......................................................

(kleine Abschweifung,Fotos sieht man nur nach dem Einloggen:Spee,da Du den Anstoss gegeben hast,hier SD in Tunis finden sich Fotos von diesen Räumkommandos und eines der seltenen Fotos eines SD-Mannes (unifomiert) in Nordafrika )

mhorgran

Hallo
Den Schiffsentladungen mangelte es die überwiegende Zeit an LKWs zum Abtransport der Güter. Das ist den KTBs der Seetras in Nordafrika oft erwähnt. Und LKWs wurden von der dt. / it Armee bzw. den Luftwaffen zur Verfügung gestellt.
Nächstes Nadelöhr war der Transport Häfen -> Front. Dabei wurde möglichst auf Küstentransporte auf kleineren Schiffe (wie Jaedjoer) oder Küstenseglern zurückgegriffen. Das funktionierte allerdings nur solange die Luftlage einigermaßen ausgeglichen war.

Einer der Mythen"schöpfer" war Rommel oder das DAK / PAA selbst.
laut KTB des Chef der Seetransportstellen Nordafrika am 27.11.42
Zitat"Umso verwunderter und ungehaltener bin ich über die Tagesmeldung des AOK vom 26.11.42. Darin heißt es unter Ziffer 4, daß die Betriebsstofflage wegen schleppender Ausladungen in Tripolis sehr angespannt sei. Ich habe darauf folgendes F.T. abgegeben
An O.Qu.PzA
...
In Tagesmeldung AOK vom 26.11. Ziffer 4
wird gemeldet, daß Betriebsstofflage wegen schleppender Ausladungen in Tripolis sehr angespannt. Stelle fest, daß es richtig heißen müßte: "Wegen Mangel an LKWs". Löschleistung weit größer als Abnahme.
Gestern über 400 Tonnen auf Kais vollkommen Verstopfung verursacht.
Erbitte in Zukunft vor solchen Meldung Fühlungsnahme mit mir.
Chef der Seetransportstellen Nordafrika.


Es ist immer wieder das Gleiche: Für unzulänglichkeiten von anderen Seiten versucht man bequemerweise, der Kriegsmarine die Schuld zuzuschieben."
Ähnlich wird auf den italienischen Verbündeten oft Versagen vorgeworfen wo deutsche Fehler ursächlich für den Rückschlag war. Dafür werden italienische Erfolge, zb. italienische 8,8 Batterien, deutscher Flak zugeschrieben (zb. während der Gazalaschlacht).

Arbeitskommandos deutscher Einheiten wurden, laut KTBs Seetras, sehr oft eingesetzt.

Spee

@Kuestenjeager + mhorgran,

danke für die zusätzlichen Infos.
Wie gut zu sehen ist, die Geschichte des Afrikafeldzuges ist noch lange nicht geschrieben, da sich Legenden und Mythen immer noch als Wahrheiten behaupten.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

SchlPr11

Vom SchlPr.11:
Zum Thema passend aus dem KTB SKL:

"10.08.1942
...
Kdo. Pz. Armee Afrika hat in Verkennung der Verhältnisse Tagesleistungen in Tobruk bei OKW/W.F.St. als unzureichend bezeichnet und unberechtigten Vorwurf gegen Kriegsmarine daran abgeleitet. Entsprechend Vorschlag op M hat W. F. St. Vorwurf  als unberechtigt zurückgewiesen. Leistungen in Tobruk übertreffen in Wirklichkeit alle früher erreichten Ziffern und zwar lediglich infolge Eingreifens tatkräftiger Führung Dt. Markdos Italien."

Dieses setzt sich in Folge weiter fort.

REINHARD

Kuestenjaeger

Toll,Reinhard,passt perfekt dazu!  :MZ:

mhorgran

Die deutschen Ladeleistungen in Tobruk / Tripolis / Bengasi waren höher als die vergleichbaren englischen.

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