Empfehlung: Parshall/Tully "Shattered Sword"

Begonnen von t-geronimo, 03 Januar 2009, 00:24:18

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t-geronimo

Hier im Forum ist das Buch ja schon häufiger lobend erwähnt worden, und darum will ich es kurz etwas ausführlicher vorstellen.
Ich habe es nämlich endlich auch gelesen.  8-)

Jonathan Parshall & Anthony Tully:
Shattered Sword: The Untold Story of the Battle of Midway
The Japanese Story of the Battle of Midway


Als Taschenbuch (aber in DIN-A4-Größe!):
# Taschenbuch: 568 Seiten
# Verlag: Free Press; Auflage: Reprint (15. November 2007)
# Sprache: Englisch
# ISBN-10: 1574889249
# ISBN-13: 978-1574889246
# Größe und/oder Gewicht: 24,9 x 17,5 x 3,8 cm

Als gebundene Ausgabe:
# Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
# Verlag: Free Press (22. Dezember 2005)
# Sprache: Englisch
# ISBN-10: 1574889230
# ISBN-13: 978-1574889239
# Größe und/oder Gewicht: 25,7 x 18 x 4,6 cm


Das Buch umfaßt 24 Kapitel sowie einen sehr umfangreichen und detallierten Anhang wie Daten zu allen japanischen Trägern und Flugzeugen sowie eine lückenlose Liste aller Jägerstarts und -Landungen auf allen vier Trägern.

Zum Inhalt:
Parshall/Tully (P/T) haben das detailierteste Buch über die Schlacht von Midway geschrieben, das ich kenne, da sie mehr Quellen zur Verfügung hatten und ausgewertet haben.
Von der Vorgeschichte, über die Planung, die Ausführung und die Folgen des japanischen Angriffsplans wird die gesamte Midway-Geschichte Minute für Minute geschildert und analysiert.
Dazu werden als erstes die japanischen Schiffe, ihre Technik und Taktik und ihre Handhabung beleuchtet. Wie funktionierte solch ein Träger? Welche Technik stand zur Verfügung, welche Limits hatte sie? Wie wurden sie eingesetzt?
Auch auf Militär- und im speziellen auf Marine-Doktrinen wird eingegangen und ihre Rolle in der Schlacht aufgezeigt. Warum hat Nagumo entschieden, wie er entschieden hat? Hat er versagt oder das System? Hätte ein anderer anders gehandelt?
Als nächstes kommen der japanische Schlachtplan, seine Geschichte und seine Alternativen an die Reihe. Warum der Angriff auf Midway? Warum die Aleuten-Operation? Was hätte stattdessen angegriffen werden können?
Nach der Operation und der Schlacht selber, die naturgemäß den größten Teil des Buches umfaßt, werden dann noch die Folgen und mögliche Alternativen dabei genauestens untersucht und dargestellt. Was bedeutete die Schlacht unmittelbar und mittelbar? Auf taktischer und strategischer Ebene? Was waren die Konsequenzen?

Die Autoren bedienen sich dabei wie schon gesagt eines umfangreichen Quellenmaterials wie Original-Dokumenten und andere Büchern.
Dabei haben sie zitiert, wo es sich anbot.
Aber vor allem, und das machen P/T schon auf den allerersten Seiten klar, zeigen sie auf, wo andere Werke fehlerhaft in Daten oder in Schlußfolgerungen sind, und seien sie von namenhaften Autoren wie Fuchida/Okumiya.
Eine Liste der existierenden Fehler und falschen Behauptungen:
- Als die tödliche US-Attacke kam, waren die Japaner nur Minuten davon entfernt, einen Gegenangriff zu starten bzw. die Flugdecks waren voll mit Flugzeugen
(dazu sind sie wegen der vielen Jägerstarts und -landungen gar nicht gekommen)
- wenn die Japaner eine 2-Phasensuche am Morgen des 4.6. gestartet hätten, wären die US-Träger rechtzeitig entdeckt worden
(die gabs damals noch gar nicht)
- Der verspätete Start des Tone-Aufklärers Nr. 4 führte zum Untergang
(andere Fehler bei der Aufklärung waren gravierender und ohne seinen späten Start und abgeänderten Kurs hätte Tone-4 gar nichts gefunden)
- wenn Nagumo nicht entschieden hätte, auf Landattacken umzurüsten, hätte ein rechtzeitiger Gegenangriff erfolgen können
(dazu wäre er wegen fast pausenloser Luftangriffe mit immer neuen Jägerstarts und -landungen sowie der Wiederaufnahme der Midway-Bomber wohl gar nicht gekommen)
- Das Opfer von Torpedo-Schwadron 8 war nicht umsonst, weil es die japanischen Jäger auf Seeniveau herunter holte
(der Angriff war fast eine Stunde vorher und danach kam noch eine Torpedo-Schwadron; beide verzettelten lediglich die Jagdabwehr und viele japanische Zeros waren verschossen, aber auf Höhe wären sie wieder gekommen)
- die japanische Flieger-Elite wurde bei der Schlacht ausgelöscht
(die meisten überlebten; genaue zahlen zu allen Verlusten im Anhang)
- Yamamoto hat Nagumo wichtige Informationen vorenthalten
(Nagumo hatte mehr als Yamamoto, nur hat er nichts damit angefangen)

All diese Fehler werden Punkt für Punkt analysiert und wiederlegt.

An Bildern ist das Buch etwas spärlich ausgestattet, an Kartenmaterial und Skizzend ausreichend und ausführlich.

Die Sprache ist sehr vokabelreich und daher nicht immer ganz einfach zu lesen.


Zusammenfassend ist diese Buch meiner Meinung nach ein Meilenstein in der Marine-Literatur, der es echt wert ist so genannt zuwerden. Ein brillanteres Buch habe ich lange nicht gelesen.
Wer die Geschichte der Schlacht von Midway wirklich und ausführlich kennenlernen möchte, kommt an diesem Werk nicht vorbei.
Leider gibt es momentan noch keine deutsche Übersetzung.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Leutnant Werner

Guck ich mir an, wenn ich bei Dir vorbeikomme :-D

Woelfchen

Hört sich sehr interessant an.
Vielleicht habe ich es demnächst auch.  :roll:

Urs Heßling

Hallo, t-g,

@Fehler und falschen Behauptungen: - Das Opfer von Torpedo-Schwadron 8 war nicht umsonst, weil es die japanischen Jäger auf Seeniveau herunter holte
(der Angriff war fast eine Stunde vorher und danach kam noch eine Torpedo-Schwadron; beide verzettelten lediglich die Jagdabwehr und viele japanische Zeros waren verschossen, aber auf Höhe wären sie wieder gekommen)

wenn die Angriffe der Staffeln der Enterprise und Hornet die Jagdabwehr verzettelten und dazu führten, dass sich viele jap. Jäger verschossen hatten, waren diese "Opfergänge" m.E. tatsächlich nicht umsonst - oder ?

nicht alle "Mythen-Killer", so sehr wir sie begrüßen, müssen auch richtig sein.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

t-geronimo

Es ging das Seeniveau!!
Und das stimmt nicht, ist aber in einigen Publikationen so zu lesen.  :wink:
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Big A

Das Lob für das Buch ist eindeutig gerechtfertigt!
@ Torpedo 8:
Alle Angriffe der USN führten dazu, dass die Trägers tändig manövrieren mussten und wenn sie denn mal den Wind richtig hatten mussten sie ihre CAPs und sonstigen Flugzeuge aufnehmen. Eine neue Angriffswelle konnte nicht bewaffnet, geschweige denn gestartet werden, im Buch ausführlich belegt.
Die jap. CAP war a: zu undiszipliniert ("trigger-happy") und stürzte sich auf die die anfliegenden USN- Maschinen, statt ihre zugewiesenen Sektoren zu verteidigen und b: litt sie unter grottenschlechten Kommunikationsmitteln. So kam die erste Warnung vor einem Luftangriff häufig durch die bunte Flak der Schiffe statt über Radio. CAP oder Fighter-Coordination war fast gleich Null.


Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Urs Heßling

Hallo, Thorsten und Axel,

ich habe das Buch von P und T in keiner Weise kritisiert, das kann ich gar nicht, denn ich habe es noch nicht gelesen.

Es geht mir nur um die Logik: Wenn das stimmte, was Ihr beide schreibt, wären die Angriffe der VT-8 und -6 eben doch nicht umsonst gewesen (also wäre der Mythos "richtig", wenn auch de facto anders begründet als in der klassischen Midway-Literatur).

So oder so sind die Angriffe der Torpedostaffeln bei Midway und der Zerstörer der TG 77.4.3 bei Samar gegen Übermacht die großen Beispiele der Tapferkeit in der amerikanischen Marine.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

t-geronimo

Dann wäre das doch ein prima Geschenk zu Deinem nächsten Geburtstag, Urs.  :MZ:
Mußt Du mal irgenwie Deine Partnerin dezent auf dieses Thema hier aufmerksam machen... :-D
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Ritchie

Die Autoren haben übrigens für März ein ähnlich umfassendes Wewrk über Leyte 44 angekündigt :)

Big A

ZitatDie Autoren haben übrigens für März ein ähnlich umfassendes Wewrk über Leyte 44 angekündigt

Kann's ehrlich kaum erwarten, wenn die Qualität auch nur annähernd so ist...

Zitatdenn ich habe es noch nicht gelesen
kann ich Dir ausleihen, komm' doch auf einen Rees an BB mal vorbei

Am interessantesten fand ich die Aufstellung der Schiffe, die tatsächlich aufeinander treffen konnten, 4 Träger der IJN gegen drei plus Midway der USN, es herrschte fast Parität.
Ausserdem waren die IJN Träger nach fast sechs Monaten ununterbrochener Operation ziemlich ausgelaugt, was auch durch die vglw. kleinen Fliegerkontigente auf den Trägern zu erkennen ist

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Urs Heßling

Hi,

@t-g
Habe ich gemacht - wird bestellt (aber eigentlich habe ich keine Lust, noch 7 Monate zu warten)

@BigA
ich nehm` Dich beim Wort

@neues Buch zu Leyte 44
da wird es dem armen Halsey aber an den Kragen geh`n ...

Gruß, Urs
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Big A

#11
Zitat@BigA
ich nehm` Dich beim Wort
Tu das, Tass' Kaff' is' immer da

Zitatda wird es dem armen Halsey aber an den Kragen geh`n ...
Wird auch Zeit! Der wird mE sowieso viel zu hoch gehandelt.
War wie McArthur eben ein Liebling der Medien

Axel
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Urs Heßling

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