Flops beim Kaiser

Begonnen von Teddy Suhren, 26 Januar 2010, 17:20:52

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Teddy Suhren

Hai

Mich würde mal intressieren ob es in der Kaiserlichen Marine ähnliche Flops gab wie z.B. später die Flottenbegleiter.
Also Schiffe oder Boote deren Seeverhalten schlecht war oder deren Aufgabenbereiche auch immer weiter gesteckt wurden sodass am Ende gar nichts mehr ging. Schlechte Antriebsanlagen o.ä usw.?
Gruß
Jörg

WoWs Nick: Teddy191

MichiK

Gab es, Teddy, gab es zur Genüge!

Avisos Meteor und Comet:
ZitatSehr schlechte Seeschiffe, schon bei Mittelwetter sehr unruhig, [...] Starke Vibrationen der Aufbauten bei hoher Fahrt, [...] Im Frontdienst nur unter günstigsten Wetterbedingungen verwendbar, daher nur äußerst kurz im Dienst.

Torpedokanonenboot Jäger:
ZitatSchlechtes Seeschiff, manövrierte schlecht, drehte nicht besonders. [...] Bewährte sich nicht
Wurde auch nach sechs Jahren wieder verkauft.

Unvergessen natürlich auch die Panzerkorvette Oldenburg...

Wobei ich - gerade zu den Flottenbegleitern - doch noch einen Unterschied sehe:
Die meisten Kaiserlichen "Krücken" entstanden zu einer Zeit, als sich die bekannten Grundformen von Linienschiff, Panzerkreuzer, geschütztem Kreuzer und Zerstörer noch nicht verfestigt hatten und alle Marinen der Welt noch sehr am Suchen waren. Die Oldenburg ist natürlich schlicht am fehlenden Geld gescheitert...

Gruß!
Michi
ROMANES EVNT DOMVS!

Urs Heßling

Zitat von: Teddy Suhren am 26 Januar 2010, 17:20:52
Mich würde mal intressieren ob es in der Kaiserlichen Marine ähnliche Flops gab wie z.B. später die Flottenbegleiter.
Also Schiffe oder Boote deren Seeverhalten schlecht war oder deren Aufgabenbereiche auch immer weiter gesteckt wurden sodass am Ende gar nichts mehr ging. Schlechte Antriebsanlagen o.ä usw.?

darunter fallen auch die Torpedoboote der Serien V 1-V 6, G 7-G 12 und S 13-S 24, genannt "Lanskrüppel", http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Lans

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

MichiK

Die Lanskrüppel habe ich auch kurz in Erwägung gezogen, dann aber doch wieder verworfen.
Klar stellte es einen Rückschritt dar, daß diese Boote wieder kleiner gebaut wurden als ihre Vorgänger, deswegen waren sie aber trotzdem noch lange nicht unbrauchbar, nur halt schwächer auf der Brust als nötig.

Andere Kandidaten - die ich persönlich aber auch nicht in den gleichen Sack wie die berüchtigten Flottenbegleiter stecken würde - wären die A I Torpedoboote, UB I und UC I U-Boote und die FM Minensuchboote. Die waren alle Ad-Hoc-Antworten auf ganz spezielle Kriegsereignisse, dementsprechend mussten sie einfach gewisse Eigenschaften aufweisen (z.B. der geringe Tiefgang bei den FM Booten) die dann an anderer Stelle zwangsweise zu Problemen führten (FM Boote: Zu schwache Verbände, schlechte Seefähigkeit). Interessanterweise gelten die UB I und UC I Boote - obwohl ihre Leistungsdaten eigentlich wirklich grottig waren - weder als "mißlungen" noch waren sie bei ihren Besatzungen unbeliebt!

Teddys Frage laäßt da auch viel Spielraum offen, was man letztendlich als Flop ansieht und was nicht...
Michi
ROMANES EVNT DOMVS!

Teddy Suhren

Hai

Kaiser Klasse von 1900?
Gruß
Jörg

WoWs Nick: Teddy191

MichiK

Nö, nicht daß ich wüsste:
ZitatVorzügliche Seeschiffe, recht steif, angenehme Bewegungen; manövrierten gut, drehten sehr gut, Fahrtverluste gegensees gering [...]
Einziger mir bekannter Kritikpunkt ist das 24cm Hauptkaliber. Da muß man aber auch sehen, daß a) natürlich die Erfahrungen aus dem Russisch-Japanischen Krieg noch nicht vorlagen und b) die Kaiserliche Marine immer von recht geringen Gefechtsentfernungen ausgegangen ist, wo höhere Kadenz durchaus von Vorteil sein mag.

Michi
ROMANES EVNT DOMVS!

Leutnant Werner

Ist mein Gebiet, also lass ich mal was dazu ab:

Avisos Meteor und Comet: Bei diesen Schiffen hat man zu viel in eine zu kleine Hülle reingemacht. Und diese Hülle war dann auch noch ungünstig geformt. Die haben dann halt stark vibriert bei Volllast. Weil wegen der mangelhaften Hochseefähigkeit in der Hochseeflotte nicht brauchbar wurden diese Schiffe im Küsten- bzw. Hafenschutz eingesetzt, und das nicht nur kurz (bitte schön).

Aviso Jagd ("Jäger" war ein Versuchstorpedoboot und hier sicher nicht gemeint): Kein Flop. Flottendienst für 15 Jahre. Die Schwester, Wacht, sank 1901 im Flottenmanöver nach 13 Jahren Flottendienst. Okay, die waren nass, aber "Fahrtverlust gegensee gering". Schnelle gepanzerte Torpedokanonenboote mit einer ausreichenden Bewaffnung sind kein Flop.

Zentralzitadellpanzerschiff (Schlachtschiff) Oldenburg: Übrigens (laut Gröner) ein "leidliches Seeschiff". Bei diesem Schiff war zuvorderst die Artillerie-Aufstellung altertümlich. Sogar Brasilien hatte vor Indienststellung Oldenburg zwei Turmpanzerschiffe mit "en-echelon"-Aufstellung in Dienst gestellt. Fehlkonstruktion, daher = Flop.

Alte Kaiser-Klasse: Haupt-Kritikpunkt ist der (nach französischem Vorbild flächenmäßig) zu dünne, dafür aber zu dick aufgeführte Gürtelpanzer. Große Flächen des Überwasserschiffs waren nicht gepanzert. Dies hätte im Gefecht zur starken Verbreitung von Bränden bei Beschuss mit HE-Munition geführt. Auch war der Kohleverbrauch relativ hoch. Die einheitliche Bewaffnung mit schnell feuernden Kanonen ist zur Zeit der Indienststellung nicht wirklich ein Nachteil. Bei Tsushima hätten sich diese Schiffe bei entsprechender Führung sicherlich bewährt. Später wurde die Schwäche der HA tatsächlich ein Nachteil.

Große Kreuzer der Victoria-Louise-Klasse: Geschwindigkeits-Flop, denn im Dienst erreichte nur HANSA die Konstruktionsgeschwindigkeit von 19 Knoten. Als Schulschiffe und zuvor im Auslandsdienst dennoch bewährt.

Echte Flops: Glattdeckskorvette Charlotte (bei Indienststellung obsolet).



Schaarhörn

Was meint Ihr zum Kanonenboot OTTER?

ZitatDer Neubau erhielt den Namen "Otter" und lief am 7.6.1877 vom Stapel. Nach der ersten Indienststellung und der Überführung nach Kiel unter dem Kommando von Oberleutnant Piraly ergaben umfangreiche Probefahrten eine so geringe Seefähigkeit, dass zum Erreichen von Wilhelmshaven der Weg durch den Eider-Kanal dem Seeweg um Skagen vorgezogen wurde. Deshalb wurde die "Otter" am 19. Juni 1878 vorerst vom Dienst zurückgezogen. Ein Transport nach China bei dem das Schiff zerlegt werden sollte, wurde aufgrund technischer Schwierigkeiten fallengelassen. Wegen dem dadurch bedingten Einsatz in Heimatgewässern, verzichtete man auf den vorgesehenen Einbau der Takelage. Von 1880 bis 1886 wurde die "Otter" ohne offizielle Indienststellung als Tender für das Artillerieschulschiff "Mars" eingesetzt. Hierbei brachen während eines Übungsschießens mehrere Decksplanken woraufhin die Geschütze demontiert wurden. Die "Otter" war somit nicht nur das kleinste, sondern auch das einzige nicht salutfähige Kriegschiff der Kaiserlichen Marine.

Mehr dazu unter

http://www.kartonwerft.de/Otter.htm

SCHAARHÖRN

Q

Auch das Grosse Torpedoboot 1916, das dann erst nach dem Weltkrieg von den Franzosen und Italienern verwendet wurde hatte sehr schlechte Seeeigenschaften. Zumindest fuer die Nordsee, die Italiener waren jedoch zufrieden bei Mittelmeerverhaeltnissen.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

Spee

@Q,

woher hast du das mit den schlechten Seeigenschaften?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Q

Vom Z-Vor Band eins also den bis 39´. Hat mir Peter K mal als Scann geschickt. Ausserdem sollen die in Vollausruestung nurnoch 29 statt der 36,9 knoten gefahren sein.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
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mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

bodrog

#11
Mir dünkt, dass die FL(Fernlenk)-Boote sich im Einsatz (auch auf Grund der unzureichenden Steuerungsmöglichkeiten) als nicht besonders erwiesen haben. Beim Monitor HMS Erebus am 28.10.1917 wurde nur die Bulge beschädigt. Und der Einsatz gegen die Mole von Nieuport am 01.03.1917 war wohl ein Zufallstreffer. Insgesamt gesehen also eine sehr sehr mäßige Erfolgsbilanz. Ich glaube irgendwo  :? auch gelesen zu haben, dass die Einsatzbedingungen (Sichtigkeit, Wetter, spätes Entdecktwerden etc.) schon sehr optimal sein mußten, um überhaupt auszulaufen. Ähnlichkeiten zu den dt. Sprengbooten des II. WK sind dabei sicherlich rein zufällig  :-)

Und bei den FM(Flachgehenden Minensuchboote)-Booten muß man wohl von einer ausgesprochen Fehlkonstruktion ausgehen. Gröner Bd. 2: "Infolge der geringen Seefähigkeit, des wenig widerstandsfähigen Materials u. a. Mängel verzichtete man nach Entwicklung des neuen Bugschutzgerätes für M-Boote noch 1918 vor Kriegsende auf Fertigbau von 19 Booten." Und Conway 1906-1921 kritisiert den Entwurf ebenfalls.

MfG

Ulli

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