Das erste Turbinen-Grosskampfschiff der Kaiserlichen Marine

Begonnen von halina, 12 April 2012, 13:37:49

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halina

moin , mit diesem Beitrag soll an die schiffbautechnischen grossen Leistungen der Konstrukteure und des Werftpersonals aus damaliger
Zeit erinnert werden und die in der britischen Admiralität für erhebliches Aufsehen sorgte .
Die Insellage Grossbritanniens und der damit verbundenen Versorgung und Schutz des Eilandes mit den grossen Übersee-Besitzungen
mit ihren Stützpunkten erforderte schon seit mehr als 200 Jahren eine starke Flottenstärke der Roayl-Navy . Besonders die um 1900
einsetzende starke Aufrüstung der kaiserlichen Marine,vorangetrieben von Kaiser Wilhelm II führte zu einem Flotten-Wettrüsten zwischen
England und Deutschland in deren Verlauf die deutschen Seestreitkräfte weltweit den zweiten Platz belegten , so dass die britische Seite
angesichts dieser Bedrohung mit dem Bau neuer Grosskampfschiffe konterte .
Da auch die Antriebsleistung der bisher eingebauten 3-4 Zylinder-Expansionsmaschinen nicht beliebig für grössere Schiffseinheiten
gesteigert werden konnte und auch keine höheren Geschwindigkeiten zu erreichen waren , nutzte man in England die von Charles
Parsons auf seinem Versuchsboot Turbinia gemachten positiven Erfahrungen mit seiner von ihm entwickelten dreistufigen Turbine aus
mit der Anweisung seitens der Admiralität , dass auf alle ab 1905 in Dienst zu stellenden grösseren Einheiten mit Turbinen-Antrieb
auszurüsten seien .
Im Februar 1906 wurde dann die "HMS DREADNOUGHT" der Roayl- Navy übergeben , allgemein als der Prototyp eines Schlachtschiffes
bezeichnet , wohl auch auf Grund seiner Artillerie mit 10 x 30,5 cm - Geschützen , einer Verdrängung von ca. 18.000 t erreichte es mit
einer schwachen Turbinenleistung von ca.27.000 WPS gerade mal 22,4 Kn .
Die kaiserliche Marineleitung in Kenntnis dieser Neubauserie begann nun auch mit dem Entwurf eines vergleichbaren Grosskampf-
Schiffes ,wobei man sich zunächst nicht über die Bewaffnung einigen konnte . Am 22.6. 1907 wurde dann der Bau als Grosser Kreuzer
vom Kaiser genehmigt.

"SMS von der TANN"  lief am 20.3. 1909 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss als Einzelschiff von Stapel und wurde am 19.2. 1911
                               als Grosser Kreuzer (oder auch Schlachtkreuzer) in Dienst gestellt . Es war das erste deutsche Grosskampfschiff
mit Turbinenantrieb und einer beachtlichen Leistung von ca. 79.000 WPS auf 4 Wellen , womit eine Dauerleistung von 27 kn und eine
Höchstgeschwindigkeit von 28,12 kn erreicht wurde , dies war zu diesem Zeitpunkt in dieser Klasse Weltrekord . Bei einer Verdrängung
von ca. 20.000 t betrug die Länge 172 meter und die Breite 26,6 m . Die Hauptartillerie bestand aus 8 x 28 cm- Geschützen in vier
Doppeltürmen und einer starken Mittelartillerie von 10 x 15 cm - Geschützen . Der Gürtelpanzer hatte eine Stärke von bis zu 250 mm
und gegen Minentreffer wurde ein Doppelboden eingezogen auf 75% der Kiellänge . Im Vergleich mit dem am 20.3. 1908 in Dienst
gestelltem britischen Schlachtschiff  "HMS INVINCIBLE" welches mit einer Verdrängung von ca. 18.000 t und einer Turbinenleistung
von ca. 45.000 WPS eine Geschwindigkeit von max. 26 kn erreichte und nur eine Armierung von bis zu 152 mm hatte war die "von der
TANN" diesem Schiff an Kampfstärke überlegen . Neben der Hauptartillerie von 8 x 30 cm Geschützen war jedoch die Mittelartillerie mit
16 x 10,2 cm Geschützen äusserst schwach ausgelegt .
Nach Abschluss der Probefahrten begann am 20.2. 1911 die erste grosse Auslandsreise nach Südamerika mit Besuchen in Argentinien
und Brasilien , am 6. 5. Eintreffen in Wilhelmshaven ohne grössere technische Probleme . Erwähnenswert auch die Teilnahme an der
internationalen Flottenparade in Spithead vom 20.-29.5. 1911 , danach Flottendienst .
Mit der Teilnahme an der Skagerrakschlacht im 1. Aaufklärungsgeschwader unter Konteradmiral Franz Hipper und dem Kommandanten
Kpt.z.S. Hans Zenker war der Grosse Kreuzer erfolgreich und versenkte nach langem Gefecht am 31.5. 1916 das britische Schlachtschiff
"HMS INDEFATIGABLE" mit einer Verdrängung von ca. 20.000 t . Nach einigen Treffern von 34,3 cm + 38,1 cm Granaten fielen wegen
technischer Defekte alle 28 cm- Türme aus , davon konnten jedoch 3 nach kurzer Zeit wieder gefechtsklar gemacht werden . Mit 600 t
Wasser im Schiff erreichte es mit eigener Kraft Wilhelmshaven , wo die Instandsetzungen innerhalb kürzester Zeit vom 2.6.-29.7.
durchgeführt wurden .   Bis zur Auslieferung nach Scapa Flow waren keine einsätze mehr zu verzeichnen , nach der Versenkung am
21.6.1919 wurde das Schiff 1930 gehoben und auf der Werft in Rosyth von 1931-34 verschrottet . Die geborgene Schiffsglocke befindet
sich am Marine-Ehrenmal in Laboe .
In Weiterführung der erfolgreichen Konzeption wurden 1911 + 1912 die Grossen Kreuzer "SMS MOLTKE" und "SMS GOEBEN" in Dienst
gestellt die auf der Hamburger Werft Blohm & Voss von Stapel liefen . Diese hatten jedoch eine grössere Verdrängung von ca.23.000 t
eine Länge von 186 metern und eine Turbinen - Antriebsleistung von ca. 85.000 WPS , womit eine Spitzengeschwindigkeit von 28,4 kn
erreicht wurde , auch die Feuerkraft erhöhte sich auf 10 x 28 cm Geschützen in 5 Zwillingstürmen . Diese 2 Einheiten gehörten zu den
modernsten und schnellsten Grosskampfschiffen der Kaiserlichen Marine und wurden auch mit ihrer eleganten Linienführung oft als die
schönsten Kriegsschiffe dieser Zeit bezeichnet .
                                                                                                                              es grüsst Halina











" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

halina

hallo , im Anhang noch einige Fotos zum Thema

Bild # 1   "HMS READNOUGHT"  1906 , das erste Schlachtschiff der Roayl Navy mit Turbinenantrieb                  public domain

Bild # 2   "SMS von der TANN"  1911 ,das erste deutsche Grosskampfschiff mit Turbinenantrieb , vor Südamerika ankerliegend .

Bild # 3   "HMS INDEFATIGABLE" 1909  am 31.5.1916 vom Grossen Kreuzer "von der TANN" versenkt .               public domain

Bild # 4   "SMS MOLTKE"  1912 über die Toppen beflaggt mit Besatzung in Paradeaufstellung beim USA-Besuch     "          "

Bild # 5   Der Grosse Kreuzer "YAVUZ SULTAN SELIM I " ex "SMS GOEBEN" 1936 bei der Flottenparade vor Malta    "          "

Bild # 6   Die Flaggen und Wimpel die von Schiffen im Kaiserreich von 1871-1918 geführt wurden                          "          "

                                                                                                                                                            es grüst Halina


                                                                                               






                                                                                                                                                                     
                                                                                                                                                                       


" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

Spee

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Urs Heßling

moin,

ich bin Deiner Meinung, Thomas  :wink:

nur ein Beispiel
Zitat von: halina am 12 April 2012, 13:37:49
... und versenkte nach langem Gefecht am 31.5. 1916 das britische Schlachtschiff "HMS INDEFATIGABLE"

1) auch "Indefatigable" war per Definition ein Schlachtkreuzer
2) Feuereröffnung I. AG um 15:48, entscheidender Treffer der vdT und Explosion der "Indefatigable" um 16:02-16:03 = 15 Minuten

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Teddy Suhren

Hai

Elegante Linienführung bei EnEchelon? - Naja.
Die Aussage kenne ich eigentlich erst ab Derflinger.
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

halina

hallo, es ist richtig dass die HMS  INDEFATIGABLE nach 15 Minuten gesunken ist , aber die gesamte Gefechtsdauer der
Von der TANN war sicher länger , denn es wurden insgesamt 170 Salven vom Kaliber 28 cm verschossen.
                                                                                                                                                             Gruss Halina
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

redfort

moin,
bin mit  Thomas einer Meinung !
Besondern die Fotos !  [wiki][/wiki] lässt grüßen. :wink:
Gruß, Axel

Luftwaffe zur See

harold

...ich dachte doch mal, daß unser Forum die fröhlich-bramarbassierende "Mythen-Bildung" zu Schiffen jedweglicher Provenienz gründlich erledigt hätte.
Schade um diesen netten Ansatz!
Aber unser grauer Wikipedia-Repetitor mag uns sicherlich noch allerlei an Mores lehren, von den' wir maritim Unbeleckten bislang noch nie nix gewußt hätten, oder?
----
Zitat: ,"79.000 WPS auf 4 Wellen , womit eine Dauerleistung von 27 kn und eine Höchstgeschwindigkeit von 28,12 kn erreicht wurde, dies war zu diesem Zeitpunkt in dieser Klasse Weltrekord",
... minz-miauh-mioh : aus den 42.000 iPS (für normalerweise Dauerleistung über vier Stunden = 24.8 kn) werden schwupps-di-wupps 79.000 WPS (is ja gut, unter aller Forcierung ist sie ja mal für eine Stunde unter 79007 iPS auf 27.4 kn gelaufen...) aber als Norm, "Weltrekord", ... nöh, Kinners. So nicht...
----
Ich hab' vor etwa einem Monat mal unser neues Mitglied "halina" ein wenig zurückstutzen müssen, was seine eher verwirrenden (und teils grob falschen) Angaben zu den deutschen Panzerschiffen und leichten Kreuzern anging,
mich verwundert es, dies nun auch hier im Bezug zur kaiserlichen Marine tun zu müssen.

Fehl- oder Falsch-Angaben schaden unserem Forum.   :MG:




4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

halina

hallo harold , ich möchte Dich doch sehr bitten in Deiner Wortwahl als "MODERATOR" die im Forum gewünschte
Höflichkeit zu beachten . Ausserdem möchte ich Dir empfehlen zukünftig vor Einstellung Deiner Kritik zunächst mal
die verschiedenen Publikationen anzuschauen . In Wiki ist klar angegeben :  Die "von der TANN" erreichte bei einer
sechsstündigen Dauerleistungsfahrt 27 kn und ein max. Speed von 28,12 kn . Wenn Dir diese Angaben nicht zusagen
bitte um Intervention bei WIKIPEDIA und weiteren Adressen .
                                                                                                                        Gruss Halina
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

Spee

@Halina,

du beziehst dich wohl nur auf Wiki, oder?
"Publikationen" würde ich das sicher nicht nennen und ein Blick in die verwendete Literatur im Index des Wiki-Artikel sollte einem schon die Augen öffnen. Wirklich tiefgreifend brauchbares ist nicht dabei (Griessmer z.B. fehlt völlig).
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Leutnant Werner

Einige Sachen, die Halina schreibt, kann man schon so sehen.

- war ein äußerst ausgewogener Entwurf, und wenn man Schlagkraft, Panzerung und Geschwindigkeit mit der Tonnage in Beziehung setzt, dann hat die kaiserliche Marine mit der vdT ein Schiff bekommen, dass sicherlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis darstellt
- Linienführung: vdT war auch ein sehr eleganter Entwurf, am Besten kommt das bei dem Gemälde raus, wo sie in Spithead zusammen mit einem Geschwader britischer Dreadnoughts abgebildet ist.
- En-Echelon-Aufstellung: Die Bestreichungswinkel waren sehr viel besser als beim ersten Batch der Invincibles
- allgemein bekannt, dass die vdT mit sehr großer Überlast gefahren werden konnte. Meiner Erinnerung nach war die Höchstgeschwindigkeit dabei aber (immer noch sehr beiendruckende) 27,4 Knoten.


halina

harold , die in Deiner Antwort mir hingeworfene Unterstellungen , ich hätte zum Schaden des Forums grob falsche und
verwirrende Angaben gemacht in meinen Beiträgen "die Panzerschiffe der Kriegsmarine" und "die leichten Kreuzer der
Kriegsmarine" werde ich so nicht akzeptieren . Ich möchte Dich bitten hierzu eine Stellungnahme abzugeben ,auch ist
festzustellen, dass Du zu diesen Beiträgen doch gar keine Antworten eingestellt hast, in denen Deine Vorwürfe
begründet sein könnten , was soll also dieser diskriminierender RUNDUMSCHLAG bewirken ??                             mfg
                                                                                                                                                                                                                       
                                                                                                                                                                             
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

halina

hallo Spee , auch von anderen sind entsprechende Angaben zu entnehmen siehe
                                                                                                                       http:// www.worldnavalships.com
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

smutje505


harold

Servus Halina,
was ich persönlich meine: unreflektiertes Abschreiben aus Wikipedia führt zur "Mythenbildung", und
daraus entstehende Fehlinformationen werden hier nochmalig fixiert;
für die Funktion des Forums als Informations-Pool ist dies ... nun, eher nachteilig.
Die entsprechenden Beispiele habe ich andernorts schon kritisiert; hier in diesem Fall ginge es darum, einfach mal kurz nachzurecherchieren, in welchen Größenordnungen die Leistungsdaten im Umfeld wirklich sein könnten - oder wann ein Schiff wirklich in Dienst gestellt wurde - für mich sind dies Indizien, dass jemand nicht weiter in die Sache eintauchen mag; oder: lieber eigene (Flüchtigkeits-)Fehler verteidigt, als der Sachlage gerecht zu werden.-

Möglich wäre (hier in diesem thread):

- ein Vergleich, aus welch verschiedenen Design-Vorgaben die jeweiligen Konstruktionen entstanden sind, und was später dann von diesen Vorgaben auch taktisch oder strategisch umgesetzt werden konnte (oder: was eben auch nicht! - siehe Falkland und Skagerrak);
- interessant dazu auch die ausführlichen Vorstudien zu beiden genannten Battle cruisers bzw Großen Kreuzern;
- neben dem schon von Spee genannten Axel Grießmer möchte ich dazu auch noch D.K. Brown empfehlen (From Warrior to Dreadnought, und The Grand Fleet) - in beiden Werken eine Fülle von Daten dazu!;
- aus Koop/Schmolke detaillierte Decksauszüge und Schnitte der VdT zu interpretieren, ein Gleiches aus DK Brown für Invincible;
- ... elektrische vs. hydraulische Ansteuerung von Schwenkwerken, Wellendrehzahlen bei direkt wirkendem TU-Antrieb, etc ...

Wir haben eine Fülle von Aspekten, die weit über das "Quartett-Spiel-Denken" hinausgehen (Wummen oder Speed, was sticht?); nicht dass ich dir jetzt dieses "Quartett-Denken" generell unterstelle... aber manchmal schon recht nahe dran, oder?



4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

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