Alles 38cm oder was?

Begonnen von Josef, 04 Juli 2006, 19:21:47

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

harold

...dass bei einer gleichbleibenden Beschleunigung die Geschwindigkeit linear zunimmt...

Ohne jetzt allzusehr drauf rumreiten zu wollen - die Erdanziehungskraft, nimm mal die als eine Kraft an, die eine gleichförmige Beschleunigung verleiht. Einverstanden? (so als Parallele zur Kraft, die ein sich ausdehnendes Gas einem Objekt verleiht).
Und dann guck mal nach, unter "Fallgesetze" oder "Galieo Galiei" (der hat noch umständlich damit rumexperimentiert, dass er Steine aus verschiedenen Etagen des schiefen Turms zu Pisa fallen ließ, und mit den damaligen Methoden der Zeitmessung ganz beachtliche Schlüsse daraus gezogen).

So, aba jetz sag i nix mehr... :wink:

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Zerstörerfahrer

Bevor's euch da weiterqält, schaut mal kurz in den " Leitfaden für den Artillerieuntericht der Reichsmarine, Teil I: Ballistik " neuere Ausgaben heissen dann Kriegsnmarine, ändern aber nix an den physikalischen Grundlagen.

Im Anhang mal die Formeln für die Berechnung der Flugzeit und der Wurfweite, ohne den Einfluss der Luft.
Der Winkel wäre dann die Rohrerhöhung und g dann die Beschleunigung durch die Schwerkraft.

hsk1

Hallo Zerstörerfahrer!

Sag mal,woher bekommt man solche Fachliteratur?
Wenn ich mir mal solch ein Werk über Ballistik zulege,möchte ich schon ein Original aus den Jahren zwischen 1900-1945 haben.
Auf dem Flohmarkt bin ich bisher nicht fündig geworden.

MfG hsk1

Teddy Suhren

Hai

In meiner Physik Formelsammlung (Kuchling - Taschenbuch der Physik) steht das unter "schräger Wurf".  :wink:
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

hsk1

Hallo Teddy Suhren!

Zitat von: Teddy Suhren am 12 April 2007, 23:24:25
Hai

In meiner Physik Formelsammlung (Kuchling - Taschenbuch der Physik) steht das unter "schräger Wurf".  :wink:

Mir wäre ein zeitgenössisches Original doch lieber.

MfG hsk1


Zerstörerfahrer

Moin Moin,

@ HSK,

also da hätten wir :

" Leitfaden für den Artillerieuntericht in der Kriegsmarine "
Teil I: Ballistik
Teil II: Geschützmechanik
Teil III: Pulver und Sprengstoffe
Teil IV: Optisches Kriegsgerät


Einfach mal hin und wieder Ebay bzw. die Antiquariate abklappern.

Josef

@ ksk1
Ich fange mal mit dem letzten Absatz Deines Statements an. MR unseriös? Habe ich doch nicht geschrieben! Das gibt es noch andere Synonyme dazwischen, z.B. mit Vorsicht zu genießen, nicht ernsthaft, unglaubhaft u.sw.
Datenblätter: Wenn Du das Datenblatt mit den 35,7 Millisek. hast, kannst Du getrost WA 52/444 draufschreiben, das ist es nämlich. Ich habe übrigens die Signatur für die "B"-Version gefunden, sie lautet WA 52/453. Dass die Datenblätter Ungereimtheiten aufweisen, weiß ich ja, das geht ja aus meinem Eingangsstatement hervor. Ich hatte ja auch nachgefragt, ob jemand weitere Datenblätter hat, die das Ganze noch verwirrender gestalten. Ich habe das getan, weil ich mit meiner ständigen Frage "Wo steht das?", an einen Punkt gekommen bin. wo selbst den offiziellen Datenblättern nicht mehr zu trauen ist. Und genau darüber unterhalten wir uns hier. Ob wir es letztlich klären können, steht auf einem anderen Blatt.
Rohrpulver: Wenn Nathan Okun geschrieben hätte: "Laut Anweisung des ... vom..... wurde in der KM nur noch RPC 38 benutzt" wäre das für mich eine definitive Aussage, die ich prüfen könnte. So genieße ich diese Aussage nur mit Vorsicht.
Freundschaftlich
Josef

Huszar

Hallo, Leute,

Hatte jetzt Vormittags ein Firmen-Training, hatte also Zeit, etwa nachzudenken.

Problem hier:
Aussen-und Innenballistik werden ziemlich vermischt, bzw nicht differenziert. Reichweite ist Aussenballistik, und hat mit dem, was innerhalb des Rohres passiert, recht wenig zu tun.

Zweitens: Die Beschleunigung innerhalb des Rohres wurde bisher komplett ausgeklammert. Diese ist nicht linear, und nicht konstant! Nach Zündung steigt sie rapide an (hoher Gasdruck in kleinem Raum), und nimmt zur Mündung hin dann ständig, teilweise steil ab.
Insofern kann es durchaus vorkommen, dass bei gleicher Vo und zurückgelegte Strecke trotzdem eine kürzere Zeit innerhalb des Rohres verbracht wird  :-D


Reichweite wiederum hängt sehr stark vom Luftdruck, Temperatur, GEschossform und -Gewicht ab (und Höhenunterschied zwischen Ausgangs und Endpunkt - auf See durchaus zu vernachlässigen). 600Meter bei 36k sind kein unbedingt grosser Unterschied....

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

ufo

Alsooo ... ich hatte wohl letztens grad zu einem unglücklichen Augenblick in diesen Thread geguckt und ihn darum nicht recht Ernst genommen. Wie unartig. Aber man muss mir vergeben! Man konnte zeitweilig den Eindruck gewinnen es ginge hier fettgedruckt, kursiv geschrieben und unterstrichen (wie unterstreicht man eigentlich dreimal auf der Tastsatur?) um das wundertätige B-Schiff.
Ich sehe aber Harold hält den Thread tapfer auf Kurs!

Zur Ballistik:

Die beiden Datenblätter, so wie Josef sie vorstellt lesen sich ganz und gar verschieden!

Beide Rohre sollen drei geschrumpfte Lagen haben – soweit vermutlich (aber eben auch nur vermutlich) baugleich. Dann aber hat Variante A eine zusätzliche vierte Lage (wenn auch nicht aufgeschrumpft). Auch wenn die Lage nicht vorgespannt (also aufgeschrumpft) ist sondern spannungsfrei um das Rohr liegt, wirkt die beim Abschuss natürlich auf die innere Ballistik (der Teil Ballistik, der sich im Rohr abspielt).
Variante A sollte steifer sein, also beim Schuss weniger nachgeben. Damit wird für den Preis höheren Gewichts ein höherer Druck entstehen. Also sollten für gleichen Abbrand die Laufzeiten in A kürzer (!) sein als in B?! Variante B wird beim Schuss, solange die Granate im Rohr läuft mehr nachgeben können, also mehr Druck in elastische Verformung umwandeln, damit weniger Energie an das Geschoss abgeben.

Warum nun aber die Laufzeiten gerade umgekehrt sind – Variante B kürzere Laufzeit hat - keine Ahnung? Das ist so zumindest von der Physik her nicht offensichtlich. Eine mögliche Erklärung wäre dass die drei aufgeschrumpften Lagen in A und B eben nicht die selbe Vorspannung haben. Könnten die ,e' Varrianten der Geschützrohe ,Leichtbauversionen' gewesen sein, wo Krupp versuchte das spannungsfrei Mantelrohr (und damit heftig Gewicht) einzusparen durch grössere Vorspannunfg der aufgeschrumpften Lagen?


@hsk1

Das es nun nicht nur unmöglich sondern sogar fettgedruckt unmöglich ist, dass bei verschiedenen Laufzeiten in den beiden Rohren die gleiche Mündungsgeschwindigkeit herauskommt überrascht mich. Mir war nicht so klar dass das sogar fettgedruckt unmöglich ist.
(Verzeih mir meinen Hang zum Zynismus – ich werd' mich mal bemühen mich etwas zusammenzunehmen. Aber Fettdruck ist wie ein gutes Gewürz ... man verwende es sparsam!)

Nee – die Krux ist, dass es wenig Anlass gibt anzunehmen, dass die Beschleunigung linear ist. Da spielen viele Faktoren herein. Näher zur Mündung wird das Rohr mehr Energie in elastische Verformung verlieren und damit weniger Energie an das Geschoss abgeben. Die Beschleunigung wird also in irgend einer verzwickten Weise mit der Rohrlänge abnehmen. Da aber spielt dann wieder der unterschiedliche Rohraufbau von A und B hinein.

Zur Literatur: Das Quartet zum Artillerieunterricht ist echt nett! Nicht ganz so einfach zu finden wie sich das bei Rene anhört aber so hin und wieder hat man Glück. Die reichen aber entschieden nicht, um ein Seezielgeschütz von nennenswertem Kalliber auch nur ansatzweise berechnen zu können. Da ist halt die Frage wozu Du das brauchst. Möchtest Du wissen, was ein Artillerieoffizier der Kriegsmarine drauf haben musste, oder willst Du nachvollziehen, was die Theoretiker bei Krupp durchgerechnet haben.

Hähnert, ,,Geschütz und Schuss" ist nicht schlecht (letzte (dritte) Auflage glaube ich von 1940) Man muss aber verschachtelte Integrale mögen, um den gern zu haben.

Die unbedingte Suche nach ,zeitgenössischer' Literatur mache nur bedingt Sinn, wenn es um das Nachrechnen geht. Es gibt aus den 50ern und 60ern von den Wehrverlagen der DDR viel gute Literatur zur Artillerieballistik (innere wie äussere) und das ist im Wesentlichen nicht verschieden von dem Wissenststand von Krupp 1940.


@Josef

Wie lesen sich die Angaben zur Munition? Liegt die Hülse hinter dem eigentlichen Rohr; damit hinter dem eigentlichen Beschleunigungsweg oder ist sie Teil des Weges? In letzterem Falle hätte Variante B ja eine um gut sieben Zentimeter (etwa o.5%) kürzere Laufstrecke (820 mm in A  versus 892 mm in B). Damit könnte schon eine kürzere Laufzeit herauskommen auch wenn Rohraufbau B weniger Druck aufs Geschoss überträgt als A. 

@Harold

Die Richtlinien blablabla Hauptkampfentfernung Hefte A und H geben zumindest so ad hoc nichts her, was auf unterschiedliche Bautypen der 38cm schliessen lässt. Das in Heft H (Bis und Tirp) gegebene Datenblatt für 38cm S.K. C/34 scheint sich auf die Variante A zu beziehen und gibt ebenfalls die vielzitierten 820 m/s als Mündungsgeschwindigkeit an. Als Quellenverweiss hat das Datenblatt: 5 AKB 1861a zu A Wa A la 100/40 G.Kdos (macht der Verweiss irgend einen Sinn fuer Dich, Josef?)

Wenn ich am Wochenende Zeit und Musse finde blätte ich den Hähnert mal darauf hin durch, ob sich die innere Ballistik von A und B zumindest grob abschätzen lässt. Aber das geht natürlich auch nur in soweit als dass man annehmen muss, dass die Vorspannung der aufgeschrumpften Lagen bei beiden gleich ist.

@DST

Nun – die Artillerieoffiziere werden die Datenblätter zu ihren Kanonen aus eben zum Beispiel den Hauptkkampfentfernungs-Heftchen gehabt haben. Damit hatten die schon die Kenndaten wie Mündungsgeschwindigkeit unter Normbedingungen. Wie man die Innere Ballistik ihrer Wumme auch nur abschätzt werden die drei Tage nach der Prüfung wieder vergessen haben.
Das brauchte man, wenn man bei Krupp bei der Konstruktion arbeitete. Ein guter Artillerieoffizier musste eher ein guter Meteorologe sein, um abschätzen u können wo seine Granaten unter welchen Witterungsbedingungen denn ma so hinfliegen. 


Ja - ich fuerchte ich habe was die Ballistik betrifft eher mehr Verwirrung gestifftet als Klarheit verbreitet aber gerade Innere Ballistik ist auch nicht (hier koennte man Fettdruck verwenden, wenn man denn wollte) einfach.
Ja - und trotz fuenf Seiten Thread scheint ja niemand ein Datenblatt C zu haben (wat'n Glueck!).

Ufo

Herr Nilsson

Ich hab jetzt lange Zeit überlegt, ob ich das hier ungeprüft posten soll, da ich mich, falls ich mich verechnet habe, ziemlich blamieren werde:

Also, schaut man sich die beiden Datenblätter mal genauer an, so ist C/34 in sich halbwegs konsistent. C/34e allerdings ist in sich selbst ziemlich inkonsistent. Das heißt, dass z.B. das Rohrgewicht beider Datenblätter identisch ist. Summiert man die Einzelpositionen der Bauteile bekommt man für C/34 auch diesen Wert heraus. Bei C/34e ist die Summe jedoch eine andere, wobei allerdings das Gewicht der Rohrhalterung leider fehlt. Setzt man hilfsweise den Wert von C/34 ein kommt man auf eine nicht unerhebliche Abweichung. Das ist zwar nicht so tragisch, hat mich aber schonmal stutzig gemacht.

Das Datenblatt von C/34e sieht im Großen und Ganzen so aus, als hätte man die Werte von C/34 abgeschrieben und nur stellenweise angepasst. Im Gegensatz zu C/34 werden aber einige Größen in Bezug zu einander gesetzt. In einem nächsten Schritt habe ich mal diese Verhältniszahlen, die ja offensichtlich neu sind und daher am ehesten etwas mit C/34e zu tun haben sollten, mit den angegebenen Werten nachgerechnet. Uns siehe da, die Ergebnisse der Berechnungen weichen teilweise nicht unerheblich von den ausgewiesenen Werten ab. 
Ergebnis dieser gestrigen nächtlichen Rechnerei ist kurz gesagt folgendes: Das Verbrennungsraumvolumen bleibt gleich, das gesamte Seeleninnenvolumen wird aber geringer. Das bedeutet, dieser Volumenverlust muss komplett zulasten der gezogenen Lauflänge gehen. Nach meinen Berechnungen etwas über 16 cm. Wo bleiben denn nun diese 16+ cm? Wird das Rohr als ganzes kürzer? Das habe ich mich dann auch gefragt.

Der Durchmesser der Kartusche wird aber, wie richtig bemerkt, geringer und die Hauptkartusche entsprechend 7cm länger (das Verbrennungsraumvolumen bleibt ja gleich, das Ladungsgewicht übrigens auch). Die Vorkartusche ist ungefähr genauso lang wie die Hauptkartusche, macht also auch sagen wir mal weitere 7cm. Davor gibt es dann noch einen sich verjüngenden Hohlraum von ursprünglich knapp einem halben Meter Länge. Sagen mir mal weitere 3 cm Längenzuwachs. 7+7+3=17. Der ungefähre Längenzuwachs der Verbrennungskammer würde, wenn ich mich nicht komplett verrechnet habe, ungefähr dem Längenverlust des gezogenen Lauf entsprechen.
Bringt das irgendjemanden weiter, falls es denn richtig sein sollte?

Ich habe diese Zahlen letzte Nacht übrigens noch an Josef zwecks Kenntnisnahme geschickt. Mal sehen, ob er das genauso sieht,oder einen Fehler in meinem Gedankengang entdeckt.

Gruß Marc

Josef

@ alle

Hallo zusammen,
so langsam habe ich das Gefühl, dass jetzt alles kreuz und quer geht, weil unterschiedliche Wissenstände vorhanden sind oder Zeichnungen und Zahlen unbekannt sind. Ich schlage deshalb vor, dass ab sofort niemand mehr zu diesem Thema schreibt, bis zwei Dinge erledigt sind:
1. Ich werde Marc bitten, die Datenblätter und zwei Zeichnungen hier einzusetzen (Bei meinen PC-Künsten wird das nichts.
2.) Dann werde ich was dazu schreiben, was ich hoffentlich bis Sonntag erledigt habe (danach kann ich mich erst mal nicht mehr zu Wort melden, weil ich schon meine Vorbereitungen für Dortmund treffen muss

Ich denke, Ihr seid damit einverstanden

@ Herr Nilson

Hallo Marc,
sei doch bitte so lieb, scanne die Datenblätter WA 52/444 und WA 52/453 (Vorder- und Rückseite) ein und stell sie hier rein. An Zeichnungen benötigen wir aus Blatt 8 der "Unterrichtstafeln für Geschützkunde" die Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche sowie einen Ausschnitt aus der Zeichnung 3 AKR 765022. Hier genügt der Ausschnitt von Ende Bodenstück bis etwa zur Durchmesserangabe 910 mm.


So und nun bitte nicht mehr posten bis ich das Thema am 15.04 wieder freigebe
Freundschaftlich
Josef

Huszar

Sorry, für das Dazwischenfunken, da ich aber am WE recht wenig Zeit habe, hier einige einige Gleichungen, die ich einem ung. Aritilleriebuch gefunden habe:

Luftwiderstand:

E=c*p*A*f(v)

wo c=Widerstandskoeffizient der Granate, p(griechische Buchstabe)= Luftdichte, A=in Flugrichtung wirkelnde Obefläche der Granate und v=GEschwindigkeit ist.

Bremskraft der Luft:

a=E/m=c*p*(A/m)*f(v)

Wo A/m das reziprokWert der Querschnittbelastung (m/A) ist.

Hoffentlich sagen diese Gleichungen jemanden etwas, mir isses Chinesisch...

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Herr Nilsson

#73
WA52/444 C/34

Datenblätter entfernt, da keine Genehmigung zur Veröffentlichung vorlag.
t-geronimo

WA52/453 C/34e

Datenblätter entfernt, da keine Genehmigung zur Veröffentlichung vorlag.
t-geronimo


Ergänzende Zeichnungen

Zeichnungen entfernt, da keine Genehmigung zur Veröffentlichung vorlag.
t-geronimo

Gruß Marc

Josef

@ alle

So Leute, nachdem nun die Dokumente und Zeichnungen mit Marcs freundlicher Unterstützung eingefügt sind, folgen ein paar allgemeine Hinweise zu den Datenblättern und den Zeichnungen. 
Die Blätter kommen aus dem Werksarchiv (WA) Krupp. Im Kopf sind die Geschütztypen angegeben. Eingestellt sind:
- für die C/34 das Blatt WA 52/444, betitelt mit ,,WA 52/444 Vorderseite bzw. Rückseite"
- für die C/34e  das Blatt WA 52/453, betitelt mit ,,WA 52/453 Vorderseite bzw. Rückseite"
  Im Kopf der Blätter sind dazugehörige Zeichnungen aufgeführt, wobei die Zusätze ,,ohne   
  (mit) Druckr." nicht ganz klar sind, ich vermute, dass das Druckrand heißt. Hat jemand eine
  bessere Idee?
- ein Zeichnungsausschnitt aus der Krupp-Zeichnung 3 AKR 705022, betitelt mit ,,Teilzeich-
   nung 3 AKR 765022" (Die Zeichnung ist im Original 1 : 25, daher ließ sich hier nur der
   wichtigste Teil darstellen, so dass einige Gesamtmaße fehlen, auf die ich aber im Text
   eingehe).
- ein Ausschnitt aus dem Blatt 8 der ,,Unterrichtstafeln für Geschützkunde", hier betitelt mit
  ,,Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche" Die Zeichnung beinhaltet nur ein paar Maße.

Was gehört nun zu was? In beiden Datenblättern wird auf die auf die wichtige Schnittzeich-nung 3 AKR 765022 Bezug genommen, was sich bei näherem Hinsehen als unrichtig erweist. Das läst sich anhand zweier Punkte sehr schnell beweisen.
1) Zu dem dort angegebenen Durchmesser des Rohres von 445,7 mm am Stützansatz passt nur die WA 52/ 444.
2) Der Rohraufbau mit den Ringen A, B2 und B1 (der Ring B1 ist auf dem Ausschnitt nicht mehr drauf, er setzt aber den Ring B2 nach vorne fort) ist identisch mit der ,,Teilzeichnung Vor- und Hauptkartusche" und den in ,,WA 52/444 Rückseite" verwendeten Bezeichnungen. In ,,WA 52/453 Rückseite" ist nur von Mantel-Innen und Mantel-Aussen die Rede, also eine völlig andere Rohrkonstruktion mit naturgemäß anderen Gewichten.
Das Datenblatt WA 52/444 und die beiden Zeichnungen gehören also zusammen.

Im Folgenden gehe ich nun auf einige wichtige Begriffe, deren Besonderheiten und Maße ein:

Bodenstück
Das Bodenstück nimmt die Rohre und den Verschluss auf. Es hat eine Länge von 2450 mm und eine Höhe (ohne Hörner und Keile) von 1640 mm (siehe ,,Teilzeichnung 3 AKR 705022")

Stützansatz
Der Stützansatz findet sich im rechten Bildteil der ,,Teilzeichnung 3 AKR 705022", dort wo das Maß 445,7 angegeben ist. Er ragt 14 mm in den Verschlussblock hinein und gegen ihn legt sich der vorstehende Bodenring der Hauptkartusche. Vom Stützansatz  gehen später viele Maße aus. Deutlicher – weil größerer Maßstab – geht das aus der ,,Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche" hervor.

Rohrlängen
Das eigentliche Kernrohr ist das Futterrohr, es nimmt die Granate, die Vor- und die Hauptkar-tusche auf. Es ist gem. beider Datenblätter, incl. der 14 mm, 18405 mm lang. Da diese 14 mm ein überlappender Bereich zwischen Verschlussblock und Rohr sind, rechnen wir nur das lich-te Maß des Verschlusses von 1225 + 18405 = 19630 mm Gesamtlänge Rohr mit Bodenstück und Verschluss.
Die nächste Lage ist das Seelenrohr. Es wird in den Datenblätter ebenfalls mit 18405 mm angegeben, ist aber in Wirklichkeit – so auch in der Zeichn. AKR vermerkt (Maß nicht mehr drauf) – nur 18391 mm lang, weil – siehe ,,Teilzeichnung 3 AKR 705022"  – die 14 mm fehlen. Hier rechnen wir jetzt 18391 + das Außenmaß des Verschlussblockes von 1239 (diese 14mm!!) = 19630 mm. Auf die anderen Lagen brauchen wir hier nicht einzugehen.

Gezogener Teil
Der gezogene Teil wird in beiden Blättern mit15982 mm (von der Mündung nach hinten) angegeben. Beim Ansetzen der Granate wird diese nur bis zum Beginn ihrer eng aneinander- liegenden Führungsringe in den gezogen Teil geschoben (s. ,,Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche")

Geschossweg im Rohr
Der Geschossweg ist mit 16175 mm angegeben. Diese errechnen sich aus den 15982 mm + 193 mm (Länge der Führungsringe) = 16175 mm

Ladungsraum
Der Ladungsraum – in beiden Blättern unter Jv mit 2230 mm angegeben – schließt am Granatboden nach rückwärts an und beinhaltet den Verbrennungs- und Kartuschraum. Nach ,,WA 52/444 Vorderseite" und der ,,Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche" wären hier anzusetzen: Länge der Hauptkartusche (jeweils aus den WA) ./. Bodenstärke (da ab Stützansatz gerechnet wird) plus Vorkartusche plus Verbrennungsraum (beides aus Teilzeichnung Vor- und Hauptkartusche). Gemäß ,,WA 52/444 sind das 820 mm – 14 = 806mm; 806 + 850 + 475 mm = 2131 mm, uns fehlen 99 mm, die wohl zugunsten eines etwas größeren Verbrennungsraumes gingen.
Nach der ,,WA 52/453 Vorderseite" hieße das 892 mm ./. 13 mm Bodenstärke = 879 mm; 879 + 850 + 475 = 2204, hier fehlen uns nur noch 26 mm zugunsten eines größeren Verbren-nungsraumes. Wie sich das Ganze auf die Verbrennungsintensität auswirkt steht auf einem anderen Blatt, dazu werden uns unsere Rechenkünstler (Hallo Harold etc) wohl  was sagen können. Eine größere Hauptkartusche muss also nicht unbedingt ein längeres Rohr oder einen anderen Geschossweg im Rohr beinhalten. Zwangsläufig müsste aber zumindest das Futterohr für die schlankere Hauptkartusche (nur 420 mm nach WA 52/453) einen kleineren Innendurchmesser gehabt haben da sonst zuviel Energie nach hinten geht (Wo ist also die Zeichn. für das Rohr?).

Stützansatz bis Beginn Züge
Das Maß wird in den Blättern mit 2423 mm angegeben. Dieses bezeichnet die Länge vom Stützansatz bis einschl. der Führungsringe der Granate. Im Gesamten können wir also wieder rechnen 15982 + 2423 +1225 = 19630 mm.
   
Kartuschen
Alle Kartuschmaße sind Außenmaße!!! Nach der ,,WA 52/444 Rückseite" ist die Hauptkartusche 820 mm lang und hat einen Durchmesser von 445,3 mm. Abzüglich der Bodenstärke von 14 mm ergibt das ein Volumen von 0,125 cbm (die Stärke der Wandung ist nicht bekannt). Die etwas schlankere, aber längere Hauptkartusche nach der ,,WA 52/453" hat  0,122 cbm. Die Maße der Vorkartusche sind – wie ersichtlich – in beiden Blättern nicht angegeben. Hier müssen wir uns auf die Angabe in der ,,Teilzeichnung mit Vor- und Hauptkartusche" zurückziehen. Ein Rätsel gibt der große Gewichtsunterschied der Hauptkartuschen mit etwa 185 kg in ,,WA 52/444 Rückseite" zu den 108 kg in ,,WA 52/453 Vorderseite" auf. Mögliche Lösung: Das Gewicht der Hülse ist nicht enthalten!

Unstimmigkeiten
Die hier alle aufzuführen erspare ich mir, das seht Ihr auch selber. Auf zwei Dinge möchte ich aber eingehen:
Gewichtsangaben und Verhältnisse
Addiert man die Gewichte aus ,,WA 52/444 Rückseite"  von Mantel bis einschl. Druckringe kommt man auf 111460 kg Angegeben sind auf der Vorderseite aber 111000. Die starke Rundung ist wohl damit zu begründen, dass das genaue Gewicht für ein Datenblatt nicht so wichtig ist. Erst bei Einbau der Teile wurde genau gewogen, weil das für die Schwerpunktlagen von Bedeutung ist. Anders verhält es sich aber bei den Verhältnisrechnungen, hier z.B. das Verhältnis
Js/Jv  das in ,,WA 52/453 mit 6,85 angegeben ist, ich komme da trotz aller Rechnerei auf  6,908.

So, ich denke, ich habe Euch jetzt mit genügend Fakten versorgt und alle sind nun auf dem gleichen Level. Ich selbst melde mich erst mal für die Intermodellbau ab. Morgen muss ich schon laden. Die Zeit nutze ich gleichzeitig für die Reparatur meines oft spinnenden PC, der dazu schon heute Abend abgeholt wird. Ich werde also frühestens am 24.4. sehen, was so alles abgegangen ist.

Und nun ist das Thema wieder frei!!
Freundschaftlich
Josef     

Impressum & Datenschutzerklärung