Krise Ukraine/Krim

Begonnen von Albatros, 28 Februar 2014, 20:08:57

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kalli


Tostan

Zitat von: Matrose71 am 19 März 2014, 16:05:40
Was mich am aller meisten stört oder was ich gerne mal von den "Russland" Unterstützern erklärt haben möchte ist, wie man über 3-4 Monate einen Volksaufstand von ungefähr 100000-500000 Leuten aus dem Ausland organisieren kann, wie es dem Westen, EU und der Nato vorgeworfen wird.

Man kann.

Man kann nicht von außen eine Revolution anzetteln, aber man kann ,wenn schon ausreichend Unzufriedenheit im Land vorhanden ist, durch Unterstützung(Geld, Informationen, Ausbildung) von Schlüsselfiguren die Stimmung so weit aufheizen, dass es zu einem Umsturz kommt. Wird auch gern gemacht und in der Ukraine von beiden Seiten(Westen+Russland). Eine wichtige Rolle dabei spielen "sogenannte" NGOs. Sogenannte in Klammern, weil Sie im Gegensatz zu echten NGOs von Parteien und Staaten bezahlt werden und einen ausdrücklichen politischen Auftrag haben. Auch die deutschen Parteinahen Stiftungen gehören dazu.

Zitat von: Matrose71 am 19 März 2014, 18:06:23
Das ganze wird aus meiner Sicht erst relevant, wenn es noch einen Konflikt gibt (Ostukraine, ganze Ukraine etc), der mit einer gewaltsamen Annexion endet. Dann wird es heiß und es gibt richtige Sanktionen, mit für beide Seiten beschriebenen Konsequenzen.

Das Problem ist, was kann Kiew jetzt machen? die Flotte ist "beschlagnahmt", Staatsunternehmen auf der Krim auch. Das Militär wird blockiert, Politiker welche zum Verhandeln auf die Krim wollen, werden nicht rein gelassen.

Mich wundert es, dass die Ukraine die Krim nicht schon blockiert. Strom, Wasser und Gas(transfer von Russland) gibt es erst wieder, wenn es Verträge darüber gibt, Verträge darüber erst, wenn alle strittigen Punkte geklärt wurden. Grenzposten mit "Dienst nach Vorschrift" etc. pp. Das das absolut nicht passiert, kann nur mit Massiven Drohungen Russlands zu tun haben.
Denn derzeit gehört die Krim de facto nicht zur Ukraine, bezieht aber vor allem Strom und Wasser aus der Ukraine, ohne dass es eine Abrechnung gibt.

Zitat von: RePe am 19 März 2014, 22:50:10
Ich habe bei Betrachtung des Ablaufs der Krim-Annexion durch Russland den Eindruck bzw. sogar Verdacht, dass dieses Vorgehen schon lange so geplant war und Putin nur auf die günstige Gelegenheit gewartet hat.

Den Verdacht habe ich schon länger. Siehe die Situation 2008 in Georgien. Natürlich hat Georgien angefangen, aber so schnell und hart wie Russland reagiert hat - das geht nicht ohne fertige Pläne und Bereitschaft. Schon da hatte ich den Verdacht, dass die Pläne fix und fertig waren und Russland auch wusste wann es Zeit zum zugreifen wird. Bzw. dass jemand sogar Saakaschwili zu der Aktion "ermuntert" hat.
Genauso jetzt wieder - die Geschwindigkeit mit der das ganze durchgezogen wurde lässt sich nur damit erklären, dass die Pläne schon länger fix und fertig waren und die beteiligten entsprechend instruiert, die Truppen(diese unmarkierten sogenannten Sebstverteidigungstruppen der Krim) in Bereitschaft waren.

Ich glaube auch, dass Russland Pläne für andere Regionen bereit hält und nur darauf wartet, dass die dazu passende Situation eintritt bzw. daran arbeitet, die Wahrscheinlichkeit für passende Situationen zu erhöhen. Und ich glaube auch, dass die Krim alleine nicht das Optimalziel für Russland in der Situation ist, da geht noch mehr, im Optimalfall der ganze Osten und Süden bis nach Odessa ... damit hätte man eine Landbrücke nach Transnistrien, wo auch schon seit Jahrzehnten auf Russische "Befreier" gewartet wird.

Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung....

der erste

Ich lese gerade die Biographie von Ryschkow, letzter Regierungschef der UdSSR, "Mein Chef Gorbatschow". Da taucht auch die Krim auf und wie Jelzin sie verscherbelt hat. Ich stell die beiden Seiten aus dem Abschnitt mal ein. Ansonsten liest sich das Buch sehr interessant, es behandelt die letzten Jahre der SU.

Hades

#243
Zitat von: suhren564 am 19 März 2014, 17:59:23
Woher will Deutschland innerhalb eines halben Jahres die Infrastruktur/Logistik herholen, um einen Ersatz für russisches Erdgas/Erdöl zu haben. Zu welchem Preis bekommen wir es dann? Wer in Deutschlan verdient am Boykott und wer verliert ?

ich habe dir Antwort auf diese Frage im "Focus" gefunden:

"Die Beratungen in Brüssel werden sich auch darum drehen, wie die EU ihre Abhängigkeit von russischen Gas- und Ölimporten reduzieren kann. Als Alternative gelten eine höhere Produktion von Wind- und Sonnenstrom, die Ausbeutung heimischer Schiefergasvorkommen sowie die Einfuhr von Flüssiggas aus den USA und dem Nahen Osten."

Besonders amüsant ist die Aussage über Wind- und Sonnenstrom  :-D

"Der größte natürlicher Feind der Politiker ist Sachverstand. Das gilt parteiübergreifend und wird ergänzt durch Faktenresistenz und Ausblendefähigkeit." (Prof.Dr. Friedrich Karl Ewert)

Besorgniserregender ist aber dieser Artikel, der die Folgen der seit Jahren falschen Russland-Politik des Westens beschreibt:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/militaerbuendnis-china-und-russland-naehern-sich-strategisch-an-a-959430.html
Servus
Lothar

smutjekalisch

Herr Schröder und sein grüner Dackel haben uns an die Russen verkauft und das müssen wir nun ausbaden. Der Russe dreht uns den Gashahn zu wenn er dann möchte und da helfen keine Sanktionen und andere Spinnereien. Lasst den Russen die Krim. die Bewohner dort haben das so gewählt.
Gott gebe mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, dass Eine vom Anderen zu unterscheiden.

MP

Smutjekalisch, so einfach kann man sich das auch wieder nicht machen ... hier mal zwei Auszüge aus Wkipedia:

"Nach Artikel 2 Ziff. 4 der Charta der Vereinten Nationen vom 26. Juni 1945 ist ,,jede gegen die territoriale Unversehrtheit [...] eines Staates gerichtete [...] Androhung oder Anwendung von Gewalt" verboten. Daraus folgt das grundsätzliche völkerrechtliche Verbot von Okkupation und Annexion."

"Annexionen gegen den Willen der Bevölkerung und das Verbot von Annexionen, wenn die Annexion von der Bevölkerung gewünscht wird, stehen im Konflikt mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker.

So kommt Wolfgang Benedek beispielsweise zu dem Ergebnis, dass gemäß dem Gewaltverbot der KSZE-Schlussakte es Serbien verboten sei, die Republika Srpska zu annektieren (genauso wie Kroatien die Föderation Bosnien und Herzegowina), selbst wenn die Bevölkerung dieses Teilstaates dies in einem Referendum wünsche (wenn Bosnien und Herzegowina dem nicht zustimmt).[9]"

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Spee

Servus,

So kommt Wolfgang Benedek beispielsweise zu dem Ergebnis, dass gemäß dem Gewaltverbot der KSZE-Schlussakte es Serbien verboten sei, die Republika Srpska zu annektieren (genauso wie Kroatien die Föderation Bosnien und Herzegowina), selbst wenn die Bevölkerung dieses Teilstaates dies in einem Referendum wünsche (wenn Bosnien und Herzegowina dem nicht zustimmt).[9]"

Das ist ja eine putzige Begründung. Wie konnte dann der Kosovo von einem souveränen Staat ohne UN-Mandat von der NATO abgetrennt werden?

Btw. in einem viertel Jahr ist Fussball-WM, der neue Ballermann-Song wird gekürt und Gas-Preise sind wegen Sommertemperaturen völlig uninteressant.
Krim war was noch mal?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

AND1

@ smutjekalisch
Putin (Gehard Schröder: Ein lupenreiner Demokrat... schließlich wird er von Gazprom gut bezahlt, hat Mrd.€-Gas-Verträge abgeschlossen vor seinem Neuwahlen Coup um im Falle einer Niederlage finanziell ausgesorgt zu haben ohne den Bundestag oder Parlament zu fragen oder zu diskutieren)
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13884.0.html :MZ:

MP

@ Spee

Ich glaub, dabei geht es mehr um den rechtlichen Zusammenhang, als darum, ob das Beispiel wirklich Wirklichkeit ist ...
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

bettika61

Hallo,
um die Meinungsvielfalt in der einseitigen Berichterstattung der Medien  zu bereichern, ein persönlicher Beitrag von Wladimir Komojedow, den @kaschube29 (Axel)  http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,21464.msg240272/topicseen.html#new
vorgestellt hat  :MG:
ZitatWladimir Komojedow ist eine interessante Person: er war von 1998 - 2002 Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, ehe er beim seinerzeitigen Oberbefehlshaber der russischen Seekriegsflotte (Kurojedow) in Ungnade fiel. Inzwischen sitzt Komojedow in der russischen Staatsduma, in die er über die Kommunistische Partei Rußlands kam (Komojedow ist aber kein Parteimitglied!). In der russischen Staatsduma ist er Vorsitzender des Ausschusses für Verteidigung.
Komjodew hat persönliche Kontakte in  Flensburg. Der Beitrag ist  ein persönliches Telefongespräch mit  Kapitänleutnant Bernhard Walter Mroß aus Harrislee http://www.mrosz.de/wgt/ von diesem aufgezeichnet ,  übersetzt und mit seiner Zustimmung hier veröffentlicht.
ZitatAnruf und ca. 10-minutiges Telefonat am 18. März 2014, um 19:20 Uhr (23:20 Uhr Moskauer Zeit), auf dem Handy von Dolmetscheroffizier Kapitänleutnant Bernhard Walter Mroß aus Harrislee durch Admiral Wladimir Petrowitsch Komojedow, ehemaliger Befehlshaber der Russischen Schwarzmeerflotte und jetziger Vorsitzender des Komitees für Verteidigungsfragen der Staatsduma – unmittelbar nach der Rede von Staatspräsident Wladimir W. Putin und der Angliederung der Krim an Russland vor der Versammlung der Staatsduma – Mroß ist auf der Fahrt zur Versammlung der MVFF im O-Heim in Flensburg-Mürwik (im Augenblick des Anruf in Höhe des Alten Friedhofs in Flensburg):

Originalton: ,, Hallo Bernhard, hier ist Komojedow, Wladimir Petrowitsch – ich komme gerade von der Sondersitzung der Staatsduma in Sachen Angliederung der Krim. Ich muss Dir kurz berichten von der feierlichen Sitzung. Putin hat eine große Rede gehalten und er erwähnte auch als Beispiel für die Krim die deutsche Wiedervereinigung, da hat auch das Volk den Beitritt zur Bundesrepublik durch Abstimmung erwirkt. So ist es auch mit der Krim-Bevölkerung. Die Sowjetunion bzw. Russland haben alles getan, um das Recht des deutschen Volkes in einem gemeinsamen Staat zu leben zu verwirklichen. Dafür sollten die Deutschen uns Russen dankbar sein. Wir sind alle stolz und bewegt, dass uns dieser Vereinigung der Krim mit Russland gelungen ist. Zum Abschluss der Sondersitzung der Staatsduma haben wir die Nationalhymne gesungen. Es war alles sehr bewegend."
,,Bernhard, weißt Du, ich bin zur Hälfte Ukrainer (,,Hohol") und zur Hälfte Russe und habe mich aber immer als Russe gefühlt. Meine Mutter war als ,,Ostarbeiterin" in Deutschland, mein Vater war in deutscher Kriegsgefangenschaft. Ich hätte Grund gehabt nachtragend zu sein, war ich aber nie, Du weißt es, denn ich habe euch Deutschen immer die Hand entgegengestreckt, habe alles getan, damit wir uns gegenseitig verstehen. Du warst mit Jutta und der Familie Neitzel bei uns auf der Krim, ich war bei Euch zu Hause eine ganze Woche lang Gast. Aber auch sonst haben wir immer einen sehr guten, menschlichen Umgang bei allen Begegnungen miteinander gepflegt. Dafür bin ich dankbar. Ich bitte Euch alle, habt für uns Russen Verständnis, wir sind und wollen Freunde mit euch Deutschen bleiben, auch in für beide Seiten schwierigen Zeiten. Wir kennen uns seit 1993, da war ich das erste Mal bei Euch in Flensburg in Deinem Haus zu Gast. Du warst immer ein guter Vermittler und Dolmetscher zwischen unseren Marinen und Völkern, dafür danke ich Dir."
,,Bernhard, sage allen meinen Freunden in Deutschland, den Admiralen Boehmer, Braun, Horten und Engelmann, dem Kapitän zur See von der Goltz und der Familie Neitzel, aber auch allen anderen, die mich kennen, sie mögen doch bitte Verständnis für unser Handeln als Russen aufbringen. Wir wollen Freunde bleiben."
,,Weißt Du, in Kiew sind an der durch einen Putsch an die Macht gekommenen Regierung Faschisten bzw. Bandera-Leute beteiligt. Die von der ,,Swoboda"(Freiheit)-Partei das sind Faschisten, das wollen wir nicht wieder erleben müssen, mit diesen Menschen wird es keine Verständigung geben. Wir wollen keinen Faschismus, wir haben genügend darunter gelitten."

,,Bernhard, ich will Dich nicht weiter aufhalten, fahre zu Deiner Versammlung der Marinekameradschaft, aber das musste ich Dir alles berichten und sagen. Wir bleiben Freunde und grüße mir herzlich Jutta, aber auch die Neitzels – ich umarme Dich - Tschüß
"


Erläuterung:
Bandera-Leute - nach Stepan Andrijowytsch Bandera, Politiker, Partisan, Nationalheld in der Westukraine, in der Ostukraine gilt er als Nazi-Kollaborateur, Verbrecher. Er wurde von einem Agenten des sowjetischen KGB, am 15. Oktober 1959, in München, mit einer pistolenähnlichen Waffe, die Blausäure versprühte, umgebracht und auch in München beerdigt.

Text und Foto wurde mir von W.Brandes aus Harrislee zu Verfügung gestellt  :MG:

Grüsse
Beate
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Urs Heßling

moin,
seeehr interessant  top  Danke  :MG:

Auch wenn es (nur) eine (von mehreren) Sichtweise darstellt ... ist es glaubhaft.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

TomBorkum

Es ist schon interessant wenn der Anschluß der Krim an Russland mit der deutschen Wiedervereinigung verglichen wird. Da weis ich wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Wenn ich mich richtig erinnere war die deutsche Wiedervereinigung zwar vom Volk ausgegangen, wurde aber erst über Verhandlungen (2+4 Gespräche) manifestiert und vertraglich geregelt.

Auch maschierten in die ehemalige DDR keine vermummten Bundeswehrsoladaten klammheimlich ein um die Kontrolle über Schlüsselpositionen zu übernehmen. Ebenfalls wurde keine Angehörigen der Volksmarine unter Waffengewalt gezwungen ihre Schiffe zu verlassen.

Ich denke, es gibt da so gravierende Unterschiede, dass ein solcher Vergleich nicht nur hinkt, sondern sich in jeder Form verbietet.

Viele Grüße
Tom

Ulrich Rudofsky

Um den Frieden in der Welt zu erhalten muss man ja manchmal etwas aufgeben und keine Rache (Sanktionen?) vollziehen!   :O-|

Doch man muss sich wundern ob das mit dem Anschluss von Taiwan an China und ein paar anderen Inseln und Seegebieten so friedlich ausgehen wird. 

PS: Die ,,Scheidungen" von Venedig, Schottland, Texas und die Spaltung von Kalifornien auf 3 oder 4 Bundesstaaten (ohne Erdbeben), ist ja non problema.   :ROFL:
Ulrich Rudofsky

hillus

#253
Hallo,

ich bin wieder gesund und munter in Hannover gelandet und damit zurück von einem wunderschönen Urlaub auf Mallorca, speziell in Cala Ratjada. Da sind nicht solche Bettenburgen wie in Cala Millor, Can Picafort,m Alcudija usw. Ich mag die Individualität und alles das, was man noch einigermaßen so gelassen hat um zu erahnen, wie es früher mal war.

Im Thread möchte ich nicht mitdiskutieren, denn die Spanne von grober Unsachlichkeit, Eklektizismus bis hin zur Sachlichkeit ist mir doch zu groß.
Ich habe auch das Telefongespräch von meinem guten alten Marinekameraden Bernhard W. Mroß vorliegen, das er mir persönlich übersandte. Ich habe relativ lange mit Admiral Komojedow Kontakt gehabt, aber immer wenn er in Deutschland war, hatte ich keine Zeit. Da musste ich noch helfen, unser Bruttosozialprodukt zu vermehren. Wenn ich die Meinung von Tom Borkum lese, ob er lachen oder weinen soll hinsichtlich des Vergleichs mit der deutschen Wiedervereinigung, dann weine lieber, denn dann hast Du den Gesprächsinhalt nicht begriffen und kolportierst Vergleiche hinein, die nach außen recht gut aussehen, aber wo Dir wohl der letzte Beweis fehlt, ob es wirklich so war. Aber nichts für ungut, ich achte Deine Meinung und ich hoffe, Du verträgst meine auch. Damit will ich es genug sein lassen, denn ich möchte keine neue Diskussion vom Zaun brechen.

Hauptgrund meine Antwort war eigentlich noch etwas zu Admiral Komojedow zu sagen. Axel erwähnte bereits, dass er von 1998 bis 2002 Befehlshaber der Schwarzmeer Flotte war. Ihm wurde zum Verhängnis nicht sein damals angeschlagener Gesundheitszustand, d. h. er war nicht mehr 100% Seedienst tauglich, sondern der neue Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte, Admiral Kurojedow, später Flottenadmiral. In früheren Dienstjahren war Komojedow der Vorgesetzte von Kurojedow und hat ihn wohl mehrfach strammstehen lassen. Das vergaß Kurojedow nie. Mit seiner Avancierung zum Oberbefehlshaber war der Tag gekommen, ihm ein Bein zu stellen. Der Tag sah so aus, dass Komojedow, viel erfahrener als Kurojedow, mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden war. Kurojedow forderte nun den Rücktritt von Komojedow, der nicht im Mindesten daran dachte, seinen Posten aufzugeben. Also schrieb Kurojedow an Putin, den Befehlshaber der Schwarzmeer Flotte seines Postens zu entheben, denn es kann keinen Befehlshaber geben, der nicht Seedienst tauglich ist. So einfach ging das!!!
Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst baute er sich eine neue Existenz auf, die gar nichts mit dem Wasser zu tun hatte. Er baute sich eine Autowerkstatt auf, die Autos mit Benzin- bzw. Dieselantrieb auf Gasantrieb umbaute. Er brachte es auf immerhin 24 Werkstattangehörige.  Erst ca. 2005 nahm das Verteidigungsministerium wieder Kontakt mit ihm auf und ist seither ein gefragter Berater in Sachen Entwicklung der Seekriegsflotte bzw. direkter Abgesandter der Russischen Föderation zu Kontakten mit anderen Flotten. Er lebt in Sewastopol.

Hier noch einige Lebensdaten von Admiral Wladimir Petrowitsch Komojedow:

- geboren 14.08.1950 in Nikopol, Dnepropetrowsker Oblast (Ukraine)
- 08.1967 Eintritt in die Seekriegsflotte
- 06.1972 Beendigung der höheren Seeoffiziersschule imeni M.W. FRUNSE, Laufbahn Minen-Torpedo
- anschließend Gefechtsabschnittkommandeur GA-2/3 auf MPK-85, danach Wachoffizier auf gleichem Schiff
- Kommandant MPK-150 der 64. Küstenvorfeldbrigade der Baltischen Flotte
- 06.1977 Beendigung der höheren Kommandeursschule der Seekriegsflotte, danach Kommandant SKR KRECHET der 26. Brigade UAW-Schiffe, weiter Kommandant MPK-85 der 24. Abteilung UAW-Schiffe der BF
- Chef des Stabes der 24. Abteilung UAW-Schiffe
- 1981 Abteilungschef der 24. Abteilung UAW-Schiffe der 64. Küstenvorfeldbrigade der Flottenbasis Baltijsk
- 06.1986 Beendigung der Seekriegsakademie imeni A. A. Grechko
- anschließend Chef des Stabes der 26. Brigade UAW-Schiffe
- 11. 1985 Brigadechef der 64. Küstenvorfeldbrigade der Flottenbasis Baltijsk
- 1987 Chef des Stabes der Flottenbasis Baltijsk
- 1988 erster Divisionschef der neu gebildeten 32. Division UAW-Schiffe der BF
- 06.1992 Beendigung der Akademie des Generalstabes imeni K. Je. WOROSCHILOV
- anschließend Befehlshaber des Baltischen Geschwaders gemischter Kräfte
- 1995 Befehlshaber der Baltischen Flottenbasis (früher Flottenbasis Baltijsk)
- 1996 Chef des Stabes der Baltischen Flotte
- 1997 1. Stellvertreter des Befehlshabers der Nord Flotte
- 04.07.1998 Befehlshaber der Schwarzmeer Flotte bis 04.10.2002
- 12.2007 Mitglied des Verteidigungskomitees der russischen Duma
- Er ist Vorsitzender des Komitees für ukrainische/russische Freundschaft

Das ganze sollen noch Fotos abrunden, die von 1993 stammen, als der damalige Konteradmiral Komojedow mit dem Sovremennyy-Zerstörer NASTOYCHIVYY in Kiel war. Da werden auch noch andere bekannte Gesichter zu sehen sein.

Bis bald

hillus

TomBorkum

@Hillus

Schön wenn Du der Meinung bist das ich nicht verstehe, und das ich Dinge nicht richtig sehe! Ich kann wohl somit davon ausgehen, das Du Parallelen in der Deutschen Einheit und dem russischem Vorgehen siehst und scheinbar auch billigst.

Wir leben in einem, Gott sei Dank, freiem Staat, in dem jeder seine Meinung kundtun darf. Also akzeptiere ich Deine Meinung - und  - bleibe bei meiner!

Mit militärischer Gewalt einen anderen, freiem, etwas zu nehmen um anschließend den Schutz der ".... Bevölkerung" vorzutäuschen ist ein Verbrechen! Wenn Du aber meinst, dass das mit der deutschen Einheit gleich zu setzen ist, dann unterstütze die russische Haltung. Rechne aber auch damit, dass die Türken demnächst in Kreuzberg und Neukölln einmarschieren um die Interessen der türkischen Minderheit zu schützen. Ein Vorgehen, dass Du sicher verstehen und unterstützen wirst.

Wie war das: Du warst auf Mallorca und konntest Dein Hotel frei wählen? War das in den 80ern "drüben" , sorry für den Ausdruck, auch möglich??  ;-)  Ja vergleiche ruhig, was in Deutschland damals gegangen ist und was auf der Krim heute geht  ---- auch wenn meine Meinung in Deinen Augen unsachlich ist. Es ist trotzdem MEINE MEINUNG!

Viele Grüße
Tom

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