Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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Leopard2A6EX

376hm waren es wohl sogar. Mal wieder falsch erinnert..

Gabler

Dem Manne kann geholfen werden  :-D

Es waren sogar 376hm gegen die Sunderland. Auch eine amerikanische (?) Catalina aus Island wurde geortet. Der auf Bismarck eingeschiffte Krautwig schreibt übrigens in seinem EM-II-Erfahrungsbericht mit Gneisenau, daß die Drehgeschwindikgeit der Haube (minimale Umdrehungsdauer 3 Minuten) ausgereicht hätte, um Flugzeuge zu verfolgen. Da würde ich aber mal ein einschränkendes Fragezeichen dahinter setzen: Mit einer Winkelgeschwindigkeit von 2° pro Sekunde ging das wahrscheinlich nur auf große Entfernungen, nicht auf kleine, von einem Nachverfolgen bei Überflug ganz zu schweigen.

Leopard:

Schmalenbach schreibt in seinem Buch wörtlich:
Zitat...auf dem achteren Stand wird an der Achterkante des Großmastes ein FuMO 25 eingebaut. Die Antenne steht mit dem Antennendrehstand auf einem achteraus gerichteten Träger und ist von 35 über 180 bis 325° brauchbar (Kabelverbindung).
Der nicht erfassbare Bereich liegt als bei +/-35° voraus. Es wird aber nicht ganz klar, ob dies auf den vermeintlich eingeschränkten Schwenkbereich oder auf Abschattung durch die vorderen Aufbauten zurückzuführen ist. Tatsächlich habe ich leise Zweifel an der kabelverbindungsbedingten Nicht-Durchschwenkbarkeit der Anntene, ist doch der mittlerweile fotografisch sehr gute dokumentierte Aufbau der Drehsäule derselbe wie bspw. bei T35. In der OKM-Liste 06/1945 heißt es auch m.M.n. zutreffend "SAM-Säule", dort ist der Schwenkbereich mit "30°, 180°,220°" aber recht verwirrend angegeben, vmtl. von 30 über 180 nach 220°, aber das ist unsymmetrisch...
Da passt auch einiges nicht so ganz zusammen.

Natürlich hast Du recht, wenn man zwei Geräte, eins nach vorn, eins nach achtern wirkend zusammen nimmt, kommt man auf 360° Erfassbereich, aber mglw. eben nicht einzeln.

Was den Hochleistungssender betrifft: V. Kroge schreibt, daß der TS60 ab Juni 1943 ausgeliefert wurde, jedoch nicht von der Gema wie der Vorgänger TS6, sondern von Siemens. Der TS60 hat auch eine liegende, keine stehende Form und damit auch einen völlig anderen Sockel. Man konnte also nicht einfach die Röhren rausdrehen und austauschen, man mußte schon das komplette Sendergestell auswechseln. Ich kenne nur eine einzige Aufnahme eines solchen durchstimmbaren "Gisela"-Senders: Der hat genau wie die Freya-Sender eine Skala mit einem Zeiger vorn dran und ein Drehrad, mit dem man die Senderwellenlänge irgendwo zwischen 79 und 83cm einstellen konnte. Solche Merkmals sind bei dem Sender im PG-Vormars nicht vorhanden - es handelte sich also noch um ein Gerät des Entwicklungsjahres 1940 - ein FuMG40 mit TS6-Sendern, das im Sommer 1942 eingebaut und bis Kriegsende nicht mehr weiter modernisiert wurde! Es gibt weitere sichere Belege dafür (Empfänger, Antennen), daß Prinz Eugen keine Hochleistungssender verbaut hatte. Theorie und Praxis, jaja, aber es gibt wenig Grund zur Annahme, daß bspw. Graf Zeppelin 1943 Hochleistungsradargeräte erhalten hätte, wo doch der schon lang erfolgreich im Einsatz befindliche schwere Kreuzer Prinz Eugen bis zum Schluß nicht modernisiert wurde...

Das muß jetzt erstmal genügen, muß noch ein paar Kreuzerchen verdienen...

Grüße

Gabler

Leopard2A6EX

Ok - ich versuche zu folgen. Habe jetzt Kroge, Trenkle, und deine Antwort 946 zu T35 vor mir: grundsätzlich klingt in beiden Büchern vieles wohl immer einfacher, als es in der Praxis letztendlich war. Kroge schreibt das die TS60 mit dem Einschub Gisela ab Mitte 43 eingeführt wurde. Klingt für mich, wie an einem PC ein altes Laufwerk/Netzteil durch ein neues zu ersetzen. Alt raus - neu rein. 4 Schrauben 1 Stecker - fertig. Auch Trenkle schreibt lediglich von einer Nachrüstung.

So wie das jetzt verstanden habe, ist diese Nachrüstung am VormarsGerät bei Prinz Eugen nicht erfolgt. Dort wurde lediglich die größere SeeArt-Antenne verbaut. Dh die letzte Aufrüstung davor war die Umstellung von TS1 auf TS6 und der Einbau des Peilgerätes kurz vor Rheinübung, dann die Höherlegung um 1 Stockwerk um die Geräte aus der optischen Drehhaube raus zu bekommen und der kurzzeitige Versuch mit den Höhenmessern.

Bzgl des 25 am Mastausleger: auch in dessen Gerätesatz keine Hinweise auf einen Hochleistungssender (am Antennenfuß bzw im Funkmesshaus)? Trenkle schreibt den toten Winkel allein dem Mast zu - auch du gehst eher davon aus wenn richtig verstanden. Also dass dort zumindest ein Schleifring verbaut war und das Gerät an sich durchaus voll rotieren konnte - nur halt der Schatten durch Mast und Vormars.

Also beim Zeppelin 43 definitv keine großen Sprünge zu erwarten. Eine kleine Note bei Trenkle noch: das geplante FuMO31 Sophie welches wohl für die Hohentwiel aufgegeben wurde. Klingt vielversprechend. Man hätte wohl durchaus mehr gekonnt zu dem Zeitpunkt - vor Einführung der cm-Wellengeräte - wenn das Ganze ausreichend forciert worden wäre..

Gruß Frank


Sven L.

Hallo in die Runde,

zum Träger selbst:
Fertigstellung, bevor der Baustopp kam, war für April 1943 vorgesehen, die ersten Flugerprobungen sollten dann ab ca. September 1943 erfolgen.

Ich habe mich gestern selbst überrascht. Ich sah mir die beigefügten, ausklappbaren, Zeichnungen im Israel an und dort waren gleich auf dem ersten Faltblatt zwei Längsschnitte. Der obere zeigt den Zustand 1939 und der untere den von 1942/43 an. Vom letzteren habe ich den vorderen Mast fotografiert und füge diesen bei. Wie gesagt, ich habe mich selbst überrascht, ob der Radarantennen am vorderen Mast.
Hierbei misst die untere Antenne 3x1,4 m (L/H) und die obere hintere senkrechte 0,80x2,20 m und die vordere senkrechte 0,80x2,60 m. Diese unterschiedlichen Abmessungen machen mich doch stutzig. Gab es derartiges?

Im Israel findet sich textlich der Hinweis, dass bei einer Fertigstellung wohl Freya und Würzburg zum Einbau gekommen wären. Bei der großen Freya-Antenne von 6x6 m frage ich mich, wo die platziert worden wäre.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Clausewitz - Vom Kriege

Sven L.

Nachfrage bzgl. Antennen am Hauptmast.

Ich kenne nur Bilder von Freya, wo diese zweigeteilt zu je ~6x3 m sind. Frage: Sind das jeweils Sende- bzw. Empfangsantennen und könnte man diese auch getrennt aufstellen?
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Leopard2A6EX

Hallo Sven,

ich würde die Israel-Zeichnung jetzt mit der Aktualisierung der Werftzeichnung gleichsetzen und da ein Standard Seetakt mit erweiterter Drehsäule für die beiden Höhenfinder a la Prinz Eugen rein interpretieren. Wie Gabler schon schrieb, sollten beide Panels gleiche Abmessungen haben - durch die Anwinkelung des Einen wirken sie nur unterschiedlich hoch.

Sven L.

Hallo Leo

die Zeichnung im Israel ist (vom) Original. Planheft 67 von 1942/43. Bei Invenio hat man Zugriff auf das Planheft 70, welches sich in dem Bereich der Masten nicht von dem besagten aus Planheft 67 unterscheidet.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Gabler

Hi,

Nachrüstung von FuMB-Anlagen im Laufe des Jahres wäre wohl kein allzu großes Problem gewesen, die Anlagen waren ja sehr kompakt. Bei neuen Antennen hätte man in die Werft gemusst, auch das wäre wahrscheinlich noch möglich gewesen. Neben den Antennenträgern - also den Masten - hätte man auch noch ausreichend große Bedienräume nachrüsten müssen - auch das ging, gab es ebenso bei Prinz Eugen. Welche Konfiguration dann genau verbaut worden wäre, hing also vom genauen Zeitpunkt des Werftaufenthalts ab.

Zitat von: Sven L. am 22 April 2026, 18:22:01Nachfrage bzgl. Antennen am Hauptmast.

Ich kenne nur Bilder von Freya, wo diese zweigeteilt zu je ~6x3 m sind. Frage: Sind das jeweils Sende- bzw. Empfangsantennen und könnte man diese auch getrennt aufstellen?

https://www.radartutorial.eu/19.kartei/11.ancient/pic/img8511.jpg

Standardmäßig waren tatsächlich 2 Antennen übereinander montiert: Unten die Sendeantenne mit 6 vertikalen Ganzwellendipolen nebeneinander, darüber die Empfangsantenne, ebenso aufgebaut. Aufgrund der großen Wellenlänge (2,4m) ergeben sich als Mindestdimension eine Höhe jeder Antenne von 2,4m und eine Breite von 6m, zusammen also 4,8m x 6m (tatsächlich 4,8m x 6,2m). Hinzu kam bei den Landgeräten zumeist noch ein Anntenne für die Kennung (1m x 5m), so daß eine Freya-Antenne gegenüber einer Seetakt-Antenne dreimal so hoch und 1,5mal so breit war. Tatsächlich war auf dem Jägerleitschiff Togo eine solche Antenne am Bug verbaut, das war aber eine Einzelplatzlösung  :-D :

https://www.gyges.dk/Togo.htm

Die Antennen selbst waren separate Konstruktionen, man konnte sie also schon trennen, zumindest vertikal und sie wurden auch unterschiedlich weit auf den Masten ausgefahren. Aber an unterschiedlichen Stellen in einem Schiff? Wie will man da die Antennenrichtung synchron halten, um zu peilen?

Zitat von: Sven L. am 22 April 2026, 18:05:56Hierbei misst die untere Antenne 3x1,4 m (L/H) und die obere hintere senkrechte 0,80x2,20 m und die vordere senkrechte 0,80x2,60 m. Diese unterschiedlichen Abmessungen machen mich doch stutzig. Gab es derartiges?
Die Werftzeichnung von Leopard mit dem vorderen Mast ist detaillierter als die andere, das ist wahrscheinlich abgezeichnet. Sie zeigt wie schon geschrieben eine Seetakt-Antenne unten und darüber die beiden Höhenpeilantennen, die (in der Ansicht) linke dabei nur scheinbar kleiner, weil um 45° nach oben geneigt.

Zu den Maßen: Das Höhen-/Breitenverhältnis der Seetaktantenne beträgt bei den originalen Werftzeichnungen ganz genau 1:2, das ist sehr sicher eine 2mx4m-Seetaktantenne. Die frühe Seetaktantenne für 60cm hatte aber in der Tat eine Dimension von 1,4mx3m! Wenn Du die nicht vertan hast, dann ist entweder in dem späten Entwurf die falsche, weil frühe Antenne eingezeichnet, oder die Zeichnung ist nicht maßhaltig. Also entweder doch ein Platzhalter, wie olpe schon geschrieben hat, oder die Maße wurden bei der Vervielfältigung verfälscht. Weder Kopierer noch Scanner sind maßhaltige Kopiermethoden.

Die Höhenpeilantenne wäre wahrscheinlich nach nicht mehr verbaut worden, Prinz Eugen ist nach September 1942 wohl wieder im alten "Outfit" ausgelaufen, obwohl derzeit keine Fotos vorliegend. Es gab für diese Höhenpeil-Versuchsantenne auch keine eigene Bezeichnung oder gar FuMO-Typisierung, das spricht auch gegen eine geplante Weiterverwendung.

Wer möchte, kann ja mal die rechte seitliche Höhenpeilantenne von Prinz Eugen aus dem Anhang aus Beitrag #972 vermessen (das ist ein Auszug aus der Werftzeichnung): Die Seetakt-Antenne ist 4m breit, damit komme ich auf eine Höhe von ca. 3,5m für die rechte Höhenpeilantenne. Unter der Annahme einer 2x4m-Antenne auch auf dem vorderen Mast von Graf Zeppelin ergibt sich die Höhe der rechten senkrechten Höhenpeilantenne ebenso zu ca. 3,5m. Vermisst man nun die Abschrift, so passt das Längen-/Breitenverhältnis der Seetakt-Antenne nicht mehr, sie ist zu flach. Breite der Seetaktantenne und Höhe der Höhenpeilantenne allerdings stehen im richtigen Verhältnis, man kommt bei bekannter Breite von 4m in Pixeln umgerechnet wieder auf eine Höhe von 3,5m. Ergo: Entweder ist bei der Abzeichnung eine Ungenauigkeit unterlaufen, oder die Kopie ist nicht maßhaltig  :-o

Wenn Du die Maße bspw. für ein Modell benötigst, entnimm sie besser der originalen Werftzeichnung aus dem Bundesarchiv.

Grüße und sonnigen Nachmittag

Gabler

Sven L.

Hallo Gabler,

Danke für die umfangreiche Information.
Falls du jetzt noch einen Tipp hast wie/wo an den bekannten Masten eine Freya-Antenne angebracht hätte werden können, wäre ich dankbar. Die 3m Würzburgschüssel wäre ein geringeres Problem.
Im übrigen arbeite ich fast ausschließlich mit den Plänen von Invenio, sofern ich keine Originalen Werftpläne in meinem Bestand habe.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Gabler

#984
Hallo Sven,

zunächst in aller Kürze: für eine Freya-Antenne an einem der Masten von Graf Zeppelin fehlt mir offen gesagt die Phantasie. Grund: zu groß und zu schwer!

Nun die ausschweifende Antwort:

Von Anfang an war das OKM in Form des Schiffbauamts darauf erpicht, die Antennenmaße für die Funkmessanlagen möglichst klein zu halten. Es liegt vor ein Schreiben des OKM von Anfang 1936, das die Maße auf 2000mm x 2000mm (wörtlich), das sind 4 Quadratmeter begrenzt. Die Versuchsantennen von 1937 zum Beispiel waren noch deutlich kleiner als die erste "echte" Seetaktantenne von 1938 für 60cm auf Graf Spee. Jene hatte mit 1,4m x 3,0m eine Fläche von 4,2qm, also schon knapp über der Obergrenze.

Die ab 1939 produzierten größeren Seetaktantennen für 80cm, die auf allen größeren Schiffen verbaut wurden, hatten die Maße 2x4m, also 8qm. Da damit keine ausreichende Peilgenauigkeit für die Feuerleitung erreicht werden konnte, hatte man diese Antenne 1940 noch einmal vergrößert, genauer gesagt: verbreitert. Sie hatte nun die Maße 2m x 6,4m. Diese breite Antenne wurde beim NVK nach dem ersten Aufstellungsort "Calais"-Antenne genannt. Die Fläche betrug damit schon 12,8qm und dies war offenbar der Grund, weshalb diese breite Antenne - anders als bei Trenkle genannt - eben nicht für die Bordverwendung freigegeben wurde.

Das hat sich erst gegen Ende 1943 geändert. Anfang 1944 wurde sogar eine noch größere Antenne auf den schweren Schiffen verbaut - die SeeArt-Antenne. Sie hatte die Maße von 3,2m x 6,4m und wurde (konnte?) nur an den vorhandenen Drehsäulen der großen Schiffe montiert werden. Deren Fläche betrug nun 20,5qm. Um nun zum Punkt zu kommen: die klassische Freya-Antenne von 1939 hatte wie schon geschrieben die Maße 4,8m x 6,2m, also sogar fast 30qm Fläche, noch einmal 50% (!) größer als die ohnehin schon massive SeeArt-Antenne, und das noch ohne Kennungszusatz. Schau Dir die Aufnahmen von Prinz Eugen vom Kriegsende oder später an: Die SeeArt-Antenne war  eine riesige Antenne, aber dann noch eine Freya-Antenne...

Das ganze zur besseren Darstellung noch einmal in Tabellenform:

1937: div. Versuchsantennen        <4,0qm
1938: SeeTakt-Antenne 60cm        4,2 qm
1939: SeeTakt-Antenne 80cm        8,0 qm
1940: Calais-Antenne                12,8qm
1944: SeeArt-Antenne                20,5qm

1943: Freya-Antenne GZ?            29,8qm!

Mit diesem Größenvergleich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß es irgendwie in Rede stand, eine solche Antenne 1943 bei Graf Zeppelin zu verbauen, und schon gar nicht auf einem Ausleger an einem Mast. Zeichne Dir einfach mal die Maße mit Bleistift z.B. an den vorderen Mast ein, dann erhältst Du eine Vorstellung von den Dimensionen. Ich bleibe dabei: 2x4m-Seetakt-Antenne war Stand der Ausrüstungstechnik noch bis Ende 1943 und die angedeutete Höhenpeilung war nicht mehr aktuell zu dem Zeitpunkt.

Wann genau die SeeArt-Antenne zuerst eingeführt wurde, weiß ich nicht, der erste mir bekannte Nachweis stammt vom Februar 1944 auf Tirpitz und auf allen Schiffen, die diese Antenne führten, war sie an einer massiven Drehhaube montiert und nicht an einem Mast. Das ist der zweite Punkt abgesehen von der Größe, der gegen einen Einsatz einer Freya-Anlage an einem Masten auf Graf Zeppelin spricht: Das Gewicht.

Eine denkbare "modernisierte" Ausstattung Ende 1943, Anfang 1944 wäre m.M.n. vielleicht noch eine breite 2x6m-Calais-Anlage auf dem vorderen Mast mit verlängertem Ausleger vorn als Feuerleitantenne (s. Nürnberg) und achtern am Mast als Luftwarngerät ein FuMO 63 K - eben genaus so wie auf der Farbzeichnung von olpe, natürlich zusätzlich mit den konstruktiv eher unproblematischen FuMB-Antennen.

Btw: Auf "Togo" stand das Freya-Gerät mitsamt Ausfahrgerüst am Bug. Aber Togo war kein "Kriegsschiff" für den Einsatz in außerheimischen Gewässern, sondern ein umgebautes Frachtschiff, auf dessen Vordeck Platz war und das als mobiler Radarträger zum "Jägerleitschiff" (für die Luftwaffe wohlgemerkt!) umgebaut wurde. Daher auch die LW-typische Kombi Freya und Würzburg. Diese Geräte dienten also nicht dem Eigenschutz, sondern das Schiff war in das Frühwarnsystem der Luftwaffe (Himmelbett) eingebettet.

Außerdem: Noch 1944 hat man zur Luftwarnung für Tirpitz im Alta-Fjord zwar Freya-Geräte aufgestellt, aber an Land und nicht an Bord! Als das Schiff dann nach Tromsö verlegt wurde, blieben die Luftwarngeräte dort - mit entsprechenden Folgen für das Schiff.

Grüße

Gabler

Gabler

Zu Beitrag # 977:

Leopard: Ist kein absichtliches ignorieren, wollte nur den Faden nicht schon wieder unterbrechen. Aber ja, so sehe ich das auch. Hierzu:
Zitat von: Leopard2A6EX am 22 April 2026, 11:08:26Kroge schreibt das die TS60 mit dem Einschub Gisela ab Mitte 43 eingeführt wurde. Klingt für mich, wie an einem PC ein altes Laufwerk/Netzteil durch ein neues zu ersetzen. Alt raus - neu rein. 4 Schrauben 1 Stecker - fertig.
Auch das hab ich genau so aufgefasst wie Du. V. Kroge schreibt sogar, daß extra Steckverbindungen konzipiert wurden, damit man die Anschlüsse nicht mühselig lösen und neu verbinden mußte - ich stelle mir das auch so ähnlich vor wie bei den alten Autoradios, die man nur in den Schacht hineindrücken mußte mit allen Anschlüssen in einem Stecker hinten. Zumindest die abgeschirmten Antennenleitungen mußten aber wohl von Hand gelöst und umgesteckt werden.

Die Einsätze waren so konzipiert, daß sie von einem Mann herausgezogen und umgebaut werden konnten, das mußte also nicht etwa in der Werft geschehen. Auf den Bilden erkennbar sind spezielle Dreikantschrauben für die Befestigung, man brauchte also Spezialschlüssel. Das waren aber sicher unverlierbare Schrauben, die von hinten gegen Herausfallen gesichert waren: Man stelle sich vor, Gneisenau im Gefecht mit Renown, durch Einschläge und Erschütterungen die Röhren defekt - mitten im Gefecht schnell Ersatz einbauen und dann fallen die Schrauben heraus und kullern auf dem Boden des Funkmessstands herum - eher nicht vorstellbar, oder?  :TU:)


Sven L.

#986
Hallo Gabler,

vielen Dank für die umfängliche Ausführung über die Größe der Antennen.  :TU:)

Aber für mich von Interesse, gerade bei einem Flugzeugträger, ist nicht die Seezielartillerie, sondern die Luftraumüberwachung.
Wie sah es um Mitte/Ende 1943, Anfang 1944 mit Hohentwiel (FuMO 61) aus? Für die Schnellboote habe ich Bilder mit recht kleinen Antennen gesehen. Bei der Lage in der Höhe mit einer moderaten Reichweite. Bei Installation auf einem Träger in deutlich größerer Höhe sollte doch die Reichweite erheblich größer werden.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Clausewitz - Vom Kriege

Darius

Hallo zusammen,

sorry, falls dieses Dokument bereits bekannt sein sollte und hier diskuttiert wurde - ich habe keine Übersicht in diesem mächten Thema ► Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII.

Falls nein, hoffen ich, dass sich doch die eine oder andere Ergänzung zu den Fu.M.G.s rauslesen lässt - auch wenn wohl doch nichts zum radargelenkten Feuer beisteuern kann.
--/>/> Akte 235. Dokumente des funktechischen Betriebes der 3. Torpedobootsflottille für die Jahre 1942 – 1944


:MG:

Darius

Gabler

Hallo Sven,

verstehe schon, aber wie schon geschrieben, ein geeignetes taktisches Luftzielgerät gab es nicht.

Die ersten Seetakt-Geräte für den frühen Bauzustand konnten schon auch Luftziele erfassen, mit der Einschränkung der Nachverfolgbarkeit und nicht vorhandener Höhenmessung und im Prinzip auch zu geringer Reichweite für die hohe Geschwindigkeit der Flieger. Das Hohentwiel-Gerät FuMO 63 K mit der größeren Kreuzer-Antenne (2,4m x 2,0m) wie auf dem Bild von olpe zu sehen, war schon etwas besser, etwas höhere Reichweite, bessere Agilität und die Geräte bauten kleiner, waren zuverlässiger, aber eben auch ohne Höhenmess. Das Berlin-Gerät mit Panoramaanlage wäre eigentlich für die Luftraumüberwachung von der Leistung und Ausstattung her geradezu prädestiniert gewesen, die Antenne mit den kombinierten Stielstrahlern hatte jedoch ein explizit flaches Diagramm und war damit für die Luftraumüberwachung offenbar nicht zu gebrauchen. Man hätte eine andere Antenne verbauen müssen, aber wie das der Stand der Erprobung war, weiß ich nicht.

Als reine Frühwarngeräte mit Reichweiten je nach Anlage von 20 bis 90km wurden zu der Zeit die FuMB-Anlagen verbaut, jedoch funktionsbedingt ohne Entfernungsmessung und natürlich auch ohne Höhenmessung. Diese konnten dann die Seetakt-Geräte einweisen, aber ob das tatsächlich so praktiziert wurde, da bin ich mir nicht so sicher, habe jedenfalls gerade kein Beispiel aus der Praxis parat, obwohl auch die Zerstörer so ausgestattet waren. Vielleicht findet ja jemand einen entsprechenden Bericht.

Soweit bekannt als einziges bordgestütztes Flakleitgerät wurde auf Tirpitz eine Würzburg-Anlage verbaut, für die mit Euklid erst im Frühjahr 1945 ein geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand. das Hohentwielgerät wurde zumindest zur Entfernungsmessung auch für die Flak eingesetzt.

Also bordgestützte Luftraumüberwachung war ein echter Schwachpunkt in der deutschen Funkmesstechnologie. Das könnte schlicht daher kommen, weil es ja ab 1943 so gut wie keine weitreichenden Überwassereinsätze deutscher Einheiten mehr gab und die (immer knappen) Kapazitäten anderweitig gewinnbringender verwendet wurden.

Darius:  :TU:)  :MG:

Grüße

Gabler

charlie096

Hallo Zusammen,

Eine Frage was ist mit der Togo? Als Nachtjagleitschiff, jedenfalls war das die Aufgabe, der Togo.

Ich weiß nicht mehr genau und müsste auch erst richtig nachlesen

https://de.wikipedia.org/wiki/Togo_(Schiff,_1938)

Als kurz info den Wikipedia eintrag

Gruß Benny

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