Des Kaisers schneller König

Begonnen von Sven L., 11 Juli 2016, 19:26:21

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FAUN

Zitat von: Peter K. am 21 August 2016, 18:38:44

Diese Aussage steht im Gegensatz zu
Harald FOCK, Schwarze Gesellen - Zerstörer bis 1914, ISBN 3-7822-0206-6, Seite 243:

Bei den Probefahrten der deutschen Marine wurde westfälische Kohle mit mindestens 8,3-facher Verdampfung verwandt, d.h. 1 kg dieser Kohle mußte im Versuchskessel der Kaiserlichen Werft mindestens 8,3 kg Wasser von 0° C in Dampf von 100° V bei Atmosphärendruck verwandeln.

Gibt es eine Quelle für die Verwendung walisischer Kohle zu diesem Zweck?

Fehlt im Zusammenhang mit den Versuchsbedingungen nicht noch eine Angabe? Für die Verdampfung benötigt man 637 kcal/kg, also 5.287 kcal für 8,3 kg Wasser. Westfälische Kohle lag so bei 7.500 kcal/kg mit dem unteren Heizwert, Ruhrkohle bei 7.650, oberschlesische  bei 6.900 und Yorkshire-Kohle bei 7.730. Vielleicht müßte noch ein Kesselwirkungsgrad erwähnt werden?

Zu der walisischen Kohle fehlen mir die Heizwerte, aber es gibt sie auch heute noch. Sie erfreut sich z. B. großer Beliebtheit bei den schweizerischen Museumsbahnfreunden. Die Kohle verbrennt nahezu rauchfrei und ist durch ihre Struktur, sie platzt im Feuer auf, für eine schnelle Glut gut. Leider fördert wohl nur noch eine Zeche.

Die Heizwerte sind aus: G. Bauer, "Der Schiffsmaschinenbau", Bd. 3, Verlag Oldenbourg, Berlin, 1941, S. 754

Peter K.

Zum Kesselwirkungsgrad schreibt FOCK in diesem Zusammenhang nichts. Er erwähnt aber, dass in europäischen Gewässern hauptsächlich deutsche und englische Steinkohle verbrannt wurde. Die beste deutsche Steinkohle wäre die westfälische gewesen, die beste englische die Wales-Kohle. Letztere wäre schwerer als die westfälische, hätte größere Heizkraft, gäbe weniger Rauch, neige aber stärker zum Backen. Deshalb müßten die Feuer niedriger gehalten und öfter aufgebrochen werden.

Zu den Heizwerten habe ich eine kleine Zusammenfassung erstellt, siehe Anhang.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

FAUN

Zur Ergänzung. Die walisische Kohle soll rückstandsfrei, also fast ohne Asche, verbrennen. Dieses wäre natürlich auch ein Argument, sie zu verwende.

Sven L.

Ich hatte heute einen Plausch mit TurboGeorg via Skype und konnte einige für mich unklare Dinge klären. Ich bin dabei die Informationen zusammen zu fassen und werde voraussichtlich morgen mehr dazu schreiben. Unter anderem geht es dabei um die Bestandteile einzelner deutscher Kohlesorten. Ich fasse es in einer Datei zusammen, mit welcher verschiedene Parameter berechnet werden können, wozu Luftbedarf usw. zählen.
Der Hinweis mit dem sehr geringen Ascheanteil der walisischen Kohle ist hierfür äußerst interessant, da es auch deutsche Kohlensorten mit einem ebensolchen niedrigen Ascheanteil gab.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Clausewitz - Vom Kriege

Herr Nilsson

Zitat von: Peter K. am 21 August 2016, 18:38:44
ZitatAlle deutschen Meilenfahrten vor dem Krieg wurden mit Welsh Kohle (Walisischer Kohle/Importiert) gefahren im Gegensatz zu den Kriegsmeilenfahrten mit deutscher Kohle.

Diese Aussage steht im Gegensatz zu
Harald FOCK, Schwarze Gesellen - Zerstörer bis 1914, ISBN 3-7822-0206-6, Seite 243:

Bei den Probefahrten der deutschen Marine wurde westfälische Kohle mit mindestens 8,3-facher Verdampfung verwandt, d.h. 1 kg dieser Kohle mußte im Versuchskessel der Kaiserlichen Werft mindestens 8,3 kg Wasser von 0° C in Dampf von 100° V bei Atmosphärendruck verwandeln.

Gibt es eine Quelle für die Verwendung walisischer Kohle zu diesem Zweck?

Die Quelle würde mich auch interessieren. Wenn mir mein Gedächtnis keinen Streich spielt, sprechen alle BBVs, die ich kenne (also ab Nassau), sowie die einschlägigen ABBs immer von westfälischer Kohle.
Gruß Marc

Matrose71

Salve,

ist diese Quelle das Forum, aus meiner Erinnerung Thomas (Spee) und Delcyros, mehrfach diskutiert als es um die forcierten Leistungen von Kaiser und v.d.T bei ihren Meilenfahrten vor dem Krieg ging.
Ich suche noch, bin aber sicher, fündig zu werden.
Viele Grüße

Carsten

bodrog

Bezieht sich das "Welsh-Kohle" vielleicht auf zivile Schnelldampfer oder Exportboote?

Weil auch die deutschen T-Boote ihre Abnahmefahrten mit deutscher Kohle machten (Fock, Schwarze Gesellen Bd. 2 S. 149 zur forcierten Fahrt von V 162)

Sven L.

Für diejenigen die nicht an der Excel-Tabelle interessiert sind hier eine Tabelle deutscher Steinkohlen:

Der Heizwert h der jeweiligen Kohlensorte läßt sich mit folgender Formel berechnen:

h = 81 C + 290 (H - O/8) + 25 S - 6 W

Der Luftbedarf L, später für die Berechnung der erforderlichen Lüfterleistung erforderlich, läßt sich mit Hilfe der folgenden Formel berechnen:

L =  (8/3 C + 8 H + S - O) / 23 kg

Wenn das Luftvolumen benötigt wird, muss das Ergebnis für die Temperatur 0°C durch 1,293dividiert werden. Für andere Lufttemperaturen durch einen entsprechenden Wert.

Falls die Einzelwerte aus obiger Tabelle für andere Kohlesorten nicht zur Verfügung stehen, jedoch der Heizwert bekannt ist, kann das Luftgewicht mit folgender Annäherungsformel ermittelt werden:

L = 0,135 h / 100 kg

Ich habe festgestellt, das, zumindest für die Kohlesorten der obigen Tabelle, der Faktor 0,14 ein besseres Ergebnis liefert.

Die in der Anlage enthaltene Tabelle wird sukzessive erweitert und dann hier in aktualisierter Form präsentiert werden.

Tabelle und Formeln entstammen: Fr. Barth, Die Dampfkessel I+II
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Huszar

Nur so nebenbei:
Es sind noch einige Fragen im Raum, auf denen eine Antwort "vergessen" wurde. Ich verweise auf Thor's sachliche Beiträge, aber auch auf andere, die wahrscheinlich als "polemisierend" gelten, und deshalb ignoriert wurden.
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Peter K.

ZitatDer Heizwert h der jeweiligen Kohlensorte läßt sich mit folgender Formel berechnen:
h = 81 C + 290 (H - O/8) + 25 S - 6 W
Hier wäre der Hinweis von BARTH interessant gewesen, dass diese analytische Ermittlung des Heizwertes weniger genau als jene mit dem Kalorimeter ist. Schön wären dazu die vergleichenden Angaben von BARTH auf Seite 28 gewesen.

ZitatL =  (8/3 C + 8 H + S - O) / 23 kg
Eine Erklärung dieser Formel (Seite 31) hätte geholfen deinen weiteren Ausführungen zu folgen.

ZitatWenn das Luftvolumen benötigt wird, muss das Ergebnis für die Temperatur 0°C durch 1,293dividiert werden.
Wieso? Erklärung (Seite 32)?, Einfluß des Luftdrucks (in der genannten Quelle in mmHg abgegeben) ...

In dieser Präsentationsform kann wohl mit einer regen Diskussionsbeteiligung nicht gerechnet werden ...
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

FAUN

Da stimme ich Dir zu, eine weitere Erläuterung wäre sicherlich hilfreich. Was mich aber interessieren würde, ist, wenn doch die theoretische  Ermittlung und die kalorimetrische vorhanden war, Harald Fock in seinem Buch "Schwarze Gesellen", nach Deinem Zitat, den Versuchskessel der Kaiserlichen Werft benötigt? Traute man den Lieferantenangaben nicht? Eine kalorimetrische Untersuchung hätte man doch auch selber machen können.

Peter K.

BARTH (erschienen 1911) schreibt ... in den Normen (ist) die kalorimetrische Ermittlung vorgeschrieben.
Ansonsten habe ich dazu derzeit keine belegbaren Informationen.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Sven L.

Hallo Peter

da uns die Möglichkeit der kalorimetrischen Ermittlung des Heizwertes nicht möglich ist, habe ich es nicht erwähnt. Zumal die Ergebnisse durch o.g. Ermittlung und der durch Berechnung mittels Formel sehr Nahe beieinnander liegen. Zwecks besseren Vergleichs werde ich die Werte durch kalorimetrischer Ermittlung der Tabelle bei der nächsten Überarbeitung hinzufügen.
Für die Berechnung des erforderlichen Luftvolumens um die Leistung der Luftzufuhr zu berechnen mag die Tabelle für's erste genügen.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Huszar

Nur so nebenbei:
Es sind noch einige Fragen im Raum, auf denen eine Antwort "vergessen" wurde. Ich verweise auf Thor's sachliche Beiträge, aber auch auf andere, die wahrscheinlich als "polemisierend" gelten, und deshalb ignoriert wurden.
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Sven L.

Zitat von: Huszar am 23 August 2016, 18:02:19
Nur so nebenbei:
Es sind noch einige Fragen im Raum, auf denen eine Antwort "vergessen" wurde. Ich verweise auf Thor's sachliche Beiträge,
So weit es zum jeweiligen Zeitpunkt möglich war, siehe Post #78 letzten Satz.

Zitat von: Huszar am 23 August 2016, 18:02:19
aber auch auf andere, die wahrscheinlich als "polemisierend" gelten, und deshalb ignoriert wurden.
Ersetze "andere" durch "meine [anderen]" und "wurden" durch "wurden und werden" und die Antwort lautet: Ja

Sachlich, OHNE jede Polemik, spitzen Bemerkungen oder sonstiges, gestellten Fragen werden von mir, soweit es eine Antwort darauf gibt, beantwortet.
Da meine Freizeit beschränkt ist und die gesamte Recherche, Berechnungen und sonstiges, einen enormen Zeitaufwand bedeuten, so dass ich noch auf Monate hinaus beschäftigt sein werde, gedenke ich nicht mich in Seitenlange Diskussionen über richtig oder falsch stürzen zu lassen, solange die negative Kritik sich ausschließlich auf "grob geschätzt", "Pi mal Daumen", oder "im Vergleich zu",stützt.

Ich empfehle, als sehr Lehr- und Hilfreich, die Threads von TurboGeorg zu lesen. Dort finden sich auch interessante Hinweise auf Dampfkessel.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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