Die Versenkung des schweren Kreuzers Kako

Begonnen von Mario, 26 März 2005, 19:14:11

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Mario

Damit ihr über Ostern etwas zu lesen habt ...  :lol:
Ich empfehle Euch, den Text auszudrucken.

Leutnant Kurato Takasato blickte durch sein Fernglas nach vorn. Einige hundert Meter vor seinem Schiff konnte er das Heck des schweren Kreuzers Furutaka erkennen, der vor ihnen durch die ruhige See glitt. Auf der Backbordseite liefen die beiden schweren Kreuzer Aoba und Kinugasa. Die vier Kreuzer bildeten die 6. japanische Kreuzerdivision und gehörten zur 8. japanischen Flotte. Sie befanden sich an diesem Morgen auf dem Wege nach Kavieng, einem japanischem Marinestützpunkt nördlich der Salomonen.
Takasato war ausgesprochen gut gelaunt, obwohl er in den letzten drei Tagen so gut wie gar nicht geschlafen hatte. Drei Tage zuvor hatte sein Schiff, der schwerer Kreuzer Kako, zusammen mit der gesamten 8. Flotte, den japanischen Marinestützpunkt Rabaul verlassen, um die amerikanische Invasionsstreitmacht vor Guadalcanal anzugreifen. Alle Mann in dieser japanischen Marinebasis hatten sich an  diesem frühem Morgen im August 1942 auf einen ruhigen Tag gefreut, als der Funkspruch vom Stützpunkt Tulagi eintraf und von starken feindlichen Seestreitkräften berichtet hatte, die Tulagi angriffen hätten und zeitgleich an der Nordküste Guadalcanals gelandet wären. Vizeadmiral Gunichi Mikawa hatte sofort reagiert und schon wenige Stunden später befand sich ein japanischer Verband mit sieben Kreuzern und einem Zerstörer auf See mit Kurs auf Guadalcanal. In der Nacht vom 08. auf den 09. August 1942 waren sie dann in den Sund eingelaufen und hatten nacheinander mehrere amerikanische Kreuzer angegriffen, die scheinbar all zu sorglos die alliierten Landungsschiffe bewacht hatten. Am Morgen danach hatte der Kommandant in einer Ansprache an die Besatzung mitgeteilt, dass sie insgesamt fünf Kreuzer und sieben Zerstörer versenkt hatten und damit den größten Sieg seit dem Angriff auf Pearl Harbor im vorigem Jahr errungen hatten. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Japaner nicht wissen, dass sie nur vier schwere Kreuzer versenkt hatten, aber das minderte ihren Erfolg nicht im geringsten.
Es würde wieder einmal einen begeisterten Empfang geben, wenn die Kreuzer in den Hafen einliefen. Takasato freute sich schon auf das nächste Treffen mit seinen beiden Freunden, die er vor ein paar Wochen in Rabaul wiedergetroffen hatte. Vor ein paar Jahren hatten sie sich gemeinsam zur Marine gemeldet, aber nur er hatte das Glück gehabt, einen der begehrten Posten auf einem großem Kriegsschiff zu bekommen. Er konnte sich noch gut an die neidvollen Blicke der beiden erinnern, als er sie in Rabaul überraschend wiedertraf und von seinen Einsätzen berichtet hatte. Die beiden dienten auf kleinen Vorpostenbooten und hatten noch keinen einzigen Feind zu Gesicht bekommen.

Seit über 30 Stunden befanden sich die japanischen Kreuzer nun schon auf dem Rückmarsch. Den ganzen Tag über hatten sie auf den Angriff amerikanischer Trägerflugzeuge gewartet, aber kein feindliches Flugzeug hatte sich blicken lassen. Nachdem es endlich dunkel geworden war, konnten sie aufatmen. Am Morgen, bei Sonnenaufgang, würden sie außerhalb der Reichweite der US-Trägerflugzeuge sein. Leutnant Takasato konnte nicht wissen, dass die drei amerikanischen Flugzeugträger das Gebiet südlich von Guadalcanal bereits vor zwei Tagen verlassen hatten und gar nicht in der Lage waren, die ablaufenden japanischen Kriegsschiffe zu bombardieren.
Am 10. August, kurz nach Mitternacht näherte sich der siegreiche japanische Kreuzerverband der Zufahrt nach Rabaul. Hier hatte der Oberbefehlshaber, Vizeadmiral Mikawa, die vier schweren Kreuzer nach Kavieng beordert, er selber war mit seinem Flaggschiff und drei weiteren Kriegsschiffen in Rabaul eingelaufen. Allerdings hatte Kapitän Takahashi, der Kommandant der Kako, schwere Bedenken geäußert, als er den Befehl auf der Brücke des Kreuzers entgegengenommen hatte. Er hielt es für zu gefährlich, ohne Sicherungsstreitkräfte weiter zu fahren. Es war bekannt, dass amerikanische U-Boote gern auf den Zufahrten zu den japanischen Flottenstützpunkten lauerten. Aber der Admiral hatte einen eindeutigen Befehl gegeben und jeder Widerspruch war zwecklos. Also fügten sich die Männer auf den vier Kreuzern in ihr Schicksal.
Kurato Takasato freute sich schon auf die wohlverdiente Ruhe. Es waren noch ungefähr 100 Seemeilen bis zum Flottenstützpunkt Kavieng an der Nordspitze von Neu Irland, eine Distanz, die in etwas mehr als fünf Stunden zurückgelegt sein dürfte. Jeden Augenblick müssten jetzt die ersten Vorpostenboote eintreffen, die der Verbandschef, Konteradmiral Goto, über Funk vom Stützpunkt angefordert hatte. Takasato hatte auch schon die ersten Patrouillenflugzeuge am blauen Himmel gesichtet.

Zur selben Zeit gab Lieutenant Commander John R. Moore an Bord des amerikanischen Unterseebootes S-44 Befehl, auf Seerohrtiefe zu gehen. Am frühen Morgen hatten sie vor einem japanischem Flugzeug tauchen müssen und nun meldete der Horchraum schnelle Schraubengeräusche. Als der 1. Wachoffizier das Boot in Seerohrtiefe meldete, fuhr er langsam das Seerohr aus. Zunächst suchte er den Horizont im Westen ab, aber als er das Rohr langsam nach Osten dreht, stockte ihm der Atem. ,,Heilige..." Den Rest des Fluchs verkniff er sich.
S-44 war eines der ältesten Boote der US-Navy. Vor mehr als 17 Jahren war es in Dienst gestellt worden. Es verdrängte kaum mehr als 1100 Tonnen und bei einem Angriff konnten lediglich vier Torpedos gleichzeitig abgeschossen werden. S-44 war eines der kleinen S-Klasse Boote, die eigentlich für den Einsatz in den tropischen Gewässern des Südpazifiks völlig ungeeignet waren. Aber von den größeren Flottenbooten, die alle mit Klimaanlage, Torpedozielrechner und weiteren unverzichtbaren Dingen ausgerüstet wurden, waren noch nicht genügend vorhanden.
John R. Moores U-Boot hatte am 24. Juli 1942 den Stützpunkt in Brisbane an der Ostküste Australiens verlassen und zunächst in den Gewässern der Salomonen auf der Lauer gelegen. Als am Morgen des 31. Juli ein japanischer Konvoi in Sicht kam, hatte er versucht, in Angriffsposition zu kommen, doch der schwere Seegang machte dem kleinem Boot zu schaffen. Tief enttäuscht, gab er Befehl, den Angriff abzubrechen und lief nach Norden an die Nordostküste von Neu Irland im Bismarck-Archipel. Seit einige Tage lagen sie nun schon vergeblich auf der Lauer, aber am Vortag hatten sie mehrere Funksprüche aufgefangen, worin von einer großen Seeschlacht bei Guadalcanal berichtet worden war und Moore spekulierte jetzt darauf, dass die heimkehrenden japanischen Kriegsschiffe irgendwann hier in der Nähe ihrer Stützpunkte auftauchen würden. Die vergangene Nacht hatte S-44 nordöstlich der kleinen Insel Simberi Island verbracht.

Was Lieutenant Commander Moore an diesem Morgen um 06.50 Uhr im Okular seines Seerohrs erblickte, davon träumte jeder U-Boot-Kommandant. Nicht allzu weit von seinem Boot liefen vier große japanische Kriegsschiffe durch die ruhige See und Moore konnte an der Anordnung der Geschütztürme und der Schornsteine erkennen, dass es sich mit Sicherheit um schwere Kreuzer handeln musste. Die Entfernung war so gering, dass er jede Einzelheit an ihren pagodenförmigen Aufbauten problemlos erkennen konnte. Viel Zeit zum Betrachten des Gegners nahm er sich jedoch nicht, denn er musste das verräterische Seerohr schnell wieder einziehen. Mit ruhiger, aber fester Stimme gab er die Kommandos zur Steuerung des Bootes. Die 43 Mann seiner eingespielten Besatzung funktionierten wie ein Uhrwerk. Zunächst ließ Moore die Maschinen stoppen und gab dann Befehl mit voller Kraft rückwärts zu laufen. Die feindlichen Kreuzer würden ansonsten zu dicht am Bug vorbeilaufen, auf kurzer Entfernung war kein gezielter Torpedoabschuss möglich. Anschließend steuerte er sein Boot in die richtige Angriffsposition. Langsam drehte das Boot auf die feindlichen Kreuzer zu und die Torpedoluken öffneten sich. Der Kommandant fuhr noch einige Male kurz das Seerohr aus, um Entfernung und Geschwindigkeit des Ziels zu prüfen. Ein Unteroffizier an seiner Seite las die Angaben von der Skala auf dem Seerohr ab und gab die Daten direkt an den Offizier weiter, der den alten Vorhaltrechner bediente. Nach wenige Augenblicken hatte die Rechenmaschine den Winkel berechnet und das U-Boot steuerte auf den neuberechneten Kurs. Ein U-Boot kann seine Torpedos nicht einfach drauflos schießen. Aufgrund der Entfernung zum Ziel und der Geschwindigkeit des Gegners muss ein bestimmter Vorhalt berechnet werden. Außerdem muss die Tiefe am Torpedo manuell eingestellt werden, je nachdem, ob ein flachgehendes feindliches Kriegsschiff, oder ein tiefgehender Dampfer torpediert werden soll.
John R. Moore hatte sich den letzten Kreuzer in der Reihe als Angriffsziel ausgesucht. Um 07.06 Uhr, fünfzehn Minuten nach der ersten Sichtung gab er den Feuerbefehl für den ersten der vier Torpedos, in kurzen Zeitabständen folgten Nummer zwei, drei und vier. Mit der Stoppuhr in der Hand zählte der 2. Wachoffizier die Sekunden herunter, die bis zur Detonation vergehen mussten. Nach 35 Sekunden war die Laufzeit des ersten Torpedos zu Ende, aber nichts geschah. Weitere fünf Sekunden später jedoch traf der zweite Torpedo sein Ziel, dichtgefolgt von zwei weiteren Explosionen.
Die aufgestaute Spannung entlud sich in einem lautem Aufschrei, aber danach kehrte sofort wieder Ruhe ein. Der feindliche Kreuzer musste schwer getroffen sein, die U-Boot Männer konnten das schreckliche Knirschen von berstendem Metall und das Gurgeln des in den Rumpf hineinströmenden Wassers hören.
Der Horchraum meldete schon den ersten japanischen U-Boot-Jäger, der sich näherte. Jetzt begann die Zeit der Abrechnung. An dieser Stelle betrug die Wassertiefe nur 40 Meter, Moore ließ das Boot deshalb knapp über dem Meeresboden dahingleiten. Nur die E-Motoren summten kaum hörbar, die Besatzung lief auf Strümpfen durchs Boot. Ober über der Wasseroberfläche liefen einige japanische Zerstörer durch die See und versuchten das Boot zu orten. Mehrmals wurde S-44 von Wasserbomben durchgeschüttelt, die ziemlich nah am Boot detonierten, aber nach einige Stunden waren sie ihren Verfolgern entkommen.

Leutnant Kurato Takasato konnte ein zufriedenes Lächeln nicht verbergen, als der Ausguck oben über der Brücke meldete, dass sich von Westen her einige Zerstörer und Vorpostenboote näherten. In wenige Minuten würden sie einen undurchdringlichen Schirm um die Kreuzer bilden und diese vor U-Boot Angriffen sichern. Gerade, als er dem Rudergänger ein aufmunterndes Lächeln zuwerfen wollte, wurde sein Schiff von einer Erschütterung erfasst, die ihn zu Boden warf. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, spürte er, dass sein Schiff kaum noch Fahrt machte. Um ihn herum war dichter Rauch, der ihm die Sicht raubte, das halbe Schiff stand in Flammen. Alarmglocken schrillten und er hörte das Stöhnen und Schreien von schwerverletzten Männern. Ihm war sofort klar, dass die Ursache dieser Explosion nur ein Torpedotreffer gewesen sein konnte.
An der Außenseite der Brücke waren die Fenster gesplittert, der Rudergänger blutete aus mehreren Wunden im Gesicht und am Hals. Innerhalb weniger Sekunden trafen die ersten Schadensmeldungen auf der Brücke ein. Demnach musste der Kreuzer wohl von mindestens drei Torpedos getroffen worden sein. Der erste hatte an Steuerbord etwa auf Höhe des vordersten Geschützturms getroffen und die Hydraulik des Turms außer Gefecht gesetzt. Etwas weiter hinten hatten zwei weitere Torpedos auf Höhe der Munitionskammer und der ersten beiden Kesselräume das Schiff getroffen. Die Maschinen waren augenblicklich ausgefallen, der Kreuzer hatte sofort starke Schlagseite bekommen und Kommandant, Kapitän Takahashi, zögerte keinen Moment, als er den Befehl zum Verlassen des Schiffes gab.
Die anderen drei Kreuzer waren unterdessen schon über eine Seemeile entfernt, aber als klar wurde, das die Kako tödlich getroffen war, drehte sie um und liefen auf die Untergangsstelle zu. Aber noch bevor sie den schwer getroffenen Kreuzer erreichen konnten,  versank er mit dem Bug voran. Die meisten Matrosen und Offiziere wurden von den drei Kreuzern aus dem Wasser gefischt, am nächsten Morgen suchte der Zerstörer Uzuki das Gebiet nach weiteren Überlebenden ab. Für 74 Mann der Besatzung kam jede Rettung zu spät. Sie ruhen seitdem auf dem Grund des Meeres.

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Scharnhorst66

Hallo Mario,
unterhaltsamer Beitrag !!

Irgendwie haben die Japaner so ihre Schwierigkeiten mit den Ami-Ubooten gehabt .. !!
Glaube die Gefahr , die so ein Uboot so darstellt , wurden nicht richtig erkannt ( oder sollten nicht erkannt werden !?? Ignoranz nach den anfänglichen Erfolgen !??  ) .

Wenn man sich mal anschaut , was von der Japanischen Handelsflotte durch Uboote versenkt wurde ... ( was aber auch hier an der Ignoranz der Japanischen Führung lag , - immer viele Einzelfahrer , immer die selben Routen usw. , hat lange gedauert , bis man auf Konvoi / mit Begleitschutz umstieg )


Zu Deiner Frage :

wie Du sicher schon in Erfahrung gebracht hast  , gehörten  Kakao , Furutaka , Aoba und Kinugasa zum 6. Kreuzergeschwader. ( 1941 ) .
Bei Ausbruch des Pazifikkrieges wurde dieses der 8 . Flotte zugeteilt.

Alle vier Einheiten erhielten in den Jahren 1936 / 37 ihre grossen Modifizierungen wobei die der Aoba und Kinugasa geringer ausfielen,
so wurde z.B. die Kesselanlage nicht ausgetauscht , sondern nur überholt , aber kpl. auf Ölfeuerung umgestellt - was wiederum eine Gewichtszunahme bedeutete und die Stabilität des Rumpfes durch grössere Torpedowülste hergestellt werden musste.

Im JUNI 1942 erfuhren alle vier noch einmal eine kurze Überholung ,
nach den Einsätzen bei Wake , Rabaul , Kavieng , Nördl. Solomonen und der Seeschlacht bei der Korallensee.
Laut meinen Unterlagen fanden keine gravierenden Modifizierungen statt , eher wohl die Beseitung von kleinen Schäden  ..
" Fehler sind normal , Irrtümer üblich , Informationen selten vollständig , oft unzutreffend und häufig irreführend "
Sound Military Decision 1936
Gruss Micha

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