(Reichs-)Adler auf Kriegsmarine Dienstschriften

Begonnen von ufo, 26 März 2019, 10:47:31

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ufo

Eine etwas kuriosere Frage aus der Vogelkunde:

Die Kriegsmarine hat soweit ich weiss ab 1941 (1940?) die Heftreihe "Wehrgeistige Erziehung zur Kriegsmarine" herausgegeben.

Da sind die Hefte 3,4,5 ... "Mathematik und Kriegsmarine, Chemie und Kriegsmarine, Physik und Kriegsmarine" mit gelehrten Vortraegen drin aber zum Beispiel auch der "Schiffsmodellbau in der Deutschen Schule" als Heft Nummer 8 oder die "Stoffe und Anregungen für die Pflege des Seegeltungsgedankens im Deutsch-Kunde-Unterricht der Haupt- und Volksschule" als Heft Nummer 12 aus dem Jahre 1944.

All diese Hefte tragen – soweit ich das bisher gesehen habe – auf einem typischen Kriegsmarine Diensteinband den Adler der Republik.

Weiss jemand warum?

Ich hatte bisher vom Durchsehen anderer Dienstschriften (Artillerieunterricht, Dienstkenntnis) immer angenommen, dass der republikanische Adler mit dem Uebergang von Reichs- zur Kriegsmarine in Rente geschickt wurde.

Ist das eine Fehlinterpretation?

Ist der republikanische Adler fuer "zivile" Schriften verwended worden, waehrend der Reichsadler fuer originaer militaerische Schriften genutzt wurde oder hat da schlicht jemand beim Verlag geschlampt oder hatte das nicht so mit dem Hakenkreuz?

Waere aber ja schon drollig, wenn da ueber allerlei Jahre so hartnaeckig der falsche Adler genutzt worden waere.

Kennt jemand andere Verwendungen des republikanischen Adlers in der Kriegsmarine?
Oder gibt es eine Marinedienstvorschrift – Wehrmachtsdienstvorschrift zur Nutzung der Voegel? 

Ufo

Schorsch

#1
Hallo zusammen!

Es ist immer wieder interessant, was für Aspekte der Kriegsmarine hier so angerissen werden! :TU:)

Leider kann ich zu ufos Ausgangsfrage nichts beitragen, hoffe aber, dass meine Anschlussfrage nicht zu frech daherkommt oder gar den Rahmen des Themas unzulässig sprengt: Kennt jemand den Titel des elften Hefte der von ufo angesprochenen Heftserie?

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium, ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

ufo

Tja, so recht voran komme ich nicht mit meiner Frage aus der Ornithologie.

Soweit ich bisher weiss war der Adler mit dem Anker, welcher dann spaeter auch der Wappenvogel der Bundesrepublik geworden ist, im Dritten Reich mit der "Systemzeit" der Weimarer Republik verknuepft und damit eigentlich verpoent.

Seltsam.

Was den Band 11 der Buchreihe betrifft ... keine Bundeswehrbibliothek und keine im KVK verlinkte Bibliothek besitzt einen obwohl gerade bei den Bundeswehrbibliotheken alle anderen Baende der Reihe meist vollzaehlig vorhanden sind.
Damit darf man fast sicher annehmen, dass der Band nie erschienen ist.

Hier muesse man jetzt einen Zufallstreffer in NARA Dokumenten landen, um vielleicht einen Hinweis auf den geplanten Titel zu finden.   

Ufo

Schorsch

Hallo ufo,

danke für die Nachsuche in Bezug auf den elften Band der Reihe. Es ist immer gut zu wissen, dass auch andere zu einem gleichen Ergebnis gekommen sind, und man nicht an seinen eigenen Fähigkeiten zweifeln muss.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium, ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Schorsch

#4
Hallo zusammen!

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich noch einmal bei ufo für den Hinweis auf diese Heftreihe zu bedanken. Inzwischen habe ich einige dieser Materialsammlungen und Vorträge vorliegen. Man mag vom Sinn dieser Mittel zur Indoktrinierung Jugendlicher halten, was man möchte, aber diese Verknüpfung von oftmals trocken daherkommenden mathematischen und/oder physikalischen Inhalten mit realen Anwendungsmöglichkeiten, das hat schon was.

Auch sind die Probleme der Schüler der Marineschulen z.B. in der Arithmetik, über die sich einer der Autoren von Heft 3, namentlich Günther Ohnesorge, seinerzeit Marineoberstudiendirektor an der Marineschule Kiel, echauffiert, auch in der heutigen Zeit fast 1:1 wiederzufinden. Beachtlich auch der folgende kleine Absatz, den man durchaus als den Aufschrei einer gequälten Lehrerseele interpretieren kann:
ZitatFerner ist sehr stark die schlechte Handschrift zu bemängeln. Es ist dies offenbar eine Folge der Einführung der Sütterlinschrift. Von ferne gesehen sieht das Gesamtbild der Schrift ganz geschlossen und gut aus. Bei näherem Zusehen ist aber das einzelne Wort kaum zu entziffern. Dies ist schon bei der gut geschriebenen Sütterlinschrift der Fall. Nachdem aber mit der Zeit sich die Handschrift etwas ausprägen möchte und die Schreibgeschwindigkeit sich erhöht, wird die Schrift völlig unleserlich. Welche Gefahren darin für die schriftliche Befehlsübermittlung liegen, ist klar.
Ich liebe ja solche Momente, da man auch einmal ein Blick hinter die Kulissen geboten bekommt. Und, ehrlich gesagt, kann ich auch hier Entsprechendes nachfühlen, leben wir doch momentan in der Zeit, da die ehemaligen Grundschüler, die das Schreiben --/>/> ,,nach Gehör" erlernen mussten, die weiterführenden Schulen durchlaufen.

Bezüglich des ominösen elften Heftes der Reihe ist zu sagen, dass in den Klappentexten der Hefte 9 und 10 die Titel der Vorgänger und der Titel eines angekündigten zwölften Heftes erwähnt werden. Der Titel eines elften Heftes fehlt aber. Möglicherweise tatsächlich ein Hinweis darauf, dass dieses Heft tatsächlich nicht geschrieben oder gedruckt wurde. Allerdings fehlen auch die Titel der Hefte 4 und 6, die wiederum erschienen sind. Es bleibt räselhaft...

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium, ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

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