Versenkung Frachter am 06.05.45 vor Kiel

Begonnen von kalli, 17 Dezember 2019, 14:38:42

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kalli

Ich habe hier eine etwas vage Angabe:
Am 06 (?).05.1945 lief ein Frachtschiff unter anderem mit Marineangehörigen der Lützow und mit Munition beladen von Swinemünde in Richtung Kiel. Vor der Kieler Förde wurde es am 06.05.1945 durch Fliegerangriff versenkt.
Besteht die Möglichkeit, etwas zur Identifizierung des Schiffes herauszufinden?

Axel Niestlé

Hallo Kalli,

am 06.05.1945 war der Krieg vor Kiel zum Glück zu Ende, da Waffenstillstand südlich von 55°30 N seit dem Vortag ab 08.00 Uhr. Deshalb gab es auch keine Luftangriffe mehr dort. Ergo sollte die Datumsangabe überprüft werden.

Beste Grüße

Axel

kalli

Genau diese Datumsangabe hat mich stutzig gemacht.

Erlbon

Ich wurde auf IRMGARD  REINERS / IRMTRAUT CORDS tippen, 02.05.1945 von Swinemünde abgelaufen, am 03.05.1945 von Hawker Typhoons versenkt im Kieler Bucht.

ZitatAm 2. Mai 1945 trat das Schiff von Swinemünde  mit  2814  Soldaten  und  den  zivilen  Passagieren  seine  Reise  nach  Kiel  an.  Zu  diesem  Zeitpunkt  ahnte noch niemand, dass es die letz-te  Reise  der  IRMGARD  REINERS  ex  IRMTRAUT CORDS sein würde

https://studylibde.com/doc/7110832/aus-der-geschichte-der-marinebordflak

Allerdings gibt es keine Information zum verbindung zum Lutzow in meinen quellen.
Mfg. Erlend Bonderud

kalli

Es ist durch Beobachtung aus der Ferne überliefert, dass der Frachter wohl explodiert sei.

Rudergänger

Hallo,
die Irmtraut Cords hat am 30.04.1945 273 Mann der Lützow in Swinemünde an Bord genommen.
Ausgelaufen ist die Irmtraut Cords am 30.04.1945 um 18:00 Uhr aus Swinemünde.
Quelle: H. G. Prager Panzerschiff Deutschland / Schwerer Kreuzer Lützow Seiten 471, 473,

Harald

SchlPr11

Hallo,
lt. "Von Rostock nach See":
IRMTRAUT CORD - am 3.5.1945 auf Reise Swinemünde-Kiel mit Munition westlich Fehmarn auf ca. 54°31'N/10°32'O britische Flugzeuge durch Bomben versenkt (10 Tote).
An Bord des Schiffes wurden die Effekten der LÜTZOW-Besatzung nach Westen gebracht. Mein Freund Jürgen Richter (+) brachte seinen Seesack an Bord. Darin Weyer, Marinerundschau usw. aus seiner Tätigkeit im S.E.D. (...ich war schon vor 1945 in der SED, und er meinte den Schiffserkennungsdienst). Alles verloren, er war Jahrzehnte später noch todtraurig über den Verlust und glücklich manches vorher nach Haus expediert zu haben. Selbst gehörte er zum Sprengkommando und drückte so dem Schiff die Augen zu. Selbst ging es dann mit einem R-Boot westwärts.
REINHARD

hoch-am-wind

Noch ein kleiner Nachsatz:
das Wrack der Irmtraud Cords wurde 1953 gehoben und verschrottet.
Viele Grüße,
Ralf

kalli

Hallo Reinhard,
waren nur Effekten oder auch Besatzungsmitglieder der Lützow an Bord?

Rudergänger


SchlPr11

Hallo Kalli,
ja, auch Besatzungsteile im Abschub gen Westen. Jürgen Richter sah sich eigentlich auch an Bord, blieb aber dann bis kurz vor der Sprengung an Bord. Leider hat er vor seinem Tod den Nachlaß ziemlich "ausgedünnt"...
REINHARD

kalli

Zitat von: Rudergänger am 17 Dezember 2019, 19:41:41
Hallo Kalli,
siehe Antwort 5

Harald

Sorry Harald, hatte ich übersehen - Danke.

kalli

Damit dürfte die Identität des Frachters geklärt sein. Warum ich nicht bei Prager nachgeschaut habe, weiß ich nicht. Wahrscheinlich dachte ich, dass ich alles kannte. Man wird vergesslich....
Hier die Passage, die der Grund meiner Fragestellung und mich an der Datumsangabe zweifeln ließ:

...Die Artilleristen mussten an noch gefechtsklaren Geschützen des halb-gesunkenen Schiffes zum ,,Empfang" der Russen bleiben. Auch ich, der die Schiffsnebelanlage unter sich hatte, war für die Einnebelung bei unserer späteren Flucht bestimmt. Nach der letzten Schießerei retteten wir uns vor den Russen in ein bereitgestelltes Landungsboot. Es brachte uns zur Reede von Swinemünde. Dort bestiegen wir einen Frachtdampfer der mit Munition und Bomben voll beladen war. Der Fluchtweg führte mit zahlreichen anderen Schiffen in Richtung Kiel. Am 6. (!) Mai 1945 konnten wir schon die Kieler Förde erkennen, als ein Fliegerangriff unser Schiff bombardierte. Deutsche Gegenwehr gab es nicht. Wir hatten viele Schwerverletzte. Der Kapitän rief uns zu ,,Rette sich wer kann". Mit einigen Besonnenen warf ich Ladeluken-Holzabdeckungen ins Wasser und wir sprangen hinterher. Jeder hatte 2 dieser Bretter unter sich geschoben, paddelte mit den Händen in aller hast und ,,Gott befohlen" vom brennenden Schiff weg. Ein kleiner Frachter fischte mich und etwa 6 Mann steifgefroren aus dem Wasser. Dann sahen und hörten wir aus sicherer Entfernung die Explosion unserer Transporters und seiner zerstörerischen Fracht. Als sich der Rauch verzogen hatte, war er versunken. Unser Retter nahm weiter Kurs auf Dänemark als Fluchtweg vor den Russen. Der Kapitän hatte nichts zum Essen für uns, aber überließ uns ein Ruderboot mit dem wir bei Flensburg Land erreichen konnten...

SchlPr11

Hallo,
am 16.04.1945 ist LÜTZOW schwer beschädigtworden. Es begann sofort die Ausdünnung der Besatzung, welche nicht mehr für die Bemannung noch kampffähiger Technik benötigt wurde. Flak wurde an andere Einheiten abgegeben.
Es dürften verschiedene Schiffe gewesen sein, die in den Westen führten.
Prager, leider auch nicht mehr unter uns, dürfte auf einen anderen Transporter bis nahe Kiel gekommen sein. Mit Sprengung LÜTZOW am 04.05.1945 ist nur ein Restkommando abgelaufen. Dieses wird am 06.05.1945 nicht vor Kiel angekommen sein. Also ist Prager schon früher von Bord gegangen. Es geht also um ein zweites Schiff mit Verlust vor Kiel.
REINHARD

bettika61

Zitat von: kalli am 17 Dezember 2019, 20:12:56

Hier die Passage, die der Grund meiner Fragestellung und mich an der Datumsangabe zweifeln ließ:

...Die Artilleristen mussten an noch gefechtsklaren Geschützen des halb-gesunkenen Schiffes zum ,,Empfang" der Russen bleiben. Auch ich, der die Schiffsnebelanlage unter sich hatte, war für die Einnebelung bei unserer späteren Flucht bestimmt. Nach der letzten Schießerei retteten wir uns vor den Russen in ein bereitgestelltes Landungsboot. Es brachte uns zur Reede von Swinemünde. Dort bestiegen wir einen Frachtdampfer der mit Munition und Bomben voll beladen war. Der Fluchtweg führte mit zahlreichen anderen Schiffen in Richtung Kiel. Am 6. (!) Mai 1945 konnten wir schon die Kieler Förde erkennen, als ein Fliegerangriff unser Schiff bombardierte. Deutsche Gegenwehr gab es nicht. Wir hatten viele Schwerverletzte. Der Kapitän rief uns zu ,,Rette sich wer kann". Mit einigen Besonnenen warf ich Ladeluken-Holzabdeckungen ins Wasser und wir sprangen hinterher. Jeder hatte 2 dieser Bretter unter sich geschoben, paddelte mit den Händen in aller hast und ,,Gott befohlen" vom brennenden Schiff weg. Ein kleiner Frachter fischte mich und etwa 6 Mann steifgefroren aus dem Wasser. Dann sahen und hörten wir aus sicherer Entfernung die Explosion unserer Transporters und seiner zerstörerischen Fracht. Als sich der Rauch verzogen hatte, war er versunken. Unser Retter nahm weiter Kurs auf Dänemark als Fluchtweg vor den Russen. Der Kapitän hatte nichts zum Essen für uns, aber überließ uns ein Ruderboot mit dem wir bei Flensburg Land erreichen konnten...

Hallo,
genauere Angaben zu  den Fahrten und Untergang der IRMTRAUT CORDS" müsste stehen in
"Cords-eine Reedersfamilie" von Hans-Günther Wentzel, darin sind auch Auszüge aus Tagebuch des Schiffes bis zum Untergang 3.5.45 enthalten.

Ich habe die Auszüge Tagebuch 2.5-3.5.45  in einem anderen Buch mit o.g. Quellenangabe gelesen.
Ein Schiff das vor dem Untergang und anschließender Explosion zur Stelle war, ist Vorpostenboot VP 314
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

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