Mob-FD 1

Begonnen von Violoncello, 25 April 2023, 17:08:29

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Violoncello

Hallo zusammen,

Gröner Band 8 weist für Mob-FD 1 zwei unterschiedliche Kennungen während der Verwendung in der Hafenschutzflottille Narvik aus. Nach der Auflistung der Fahrzeuge der Flottille (S. 517) handelte es sich um die Kennung "NN 11" ("NN 10" im Falle von Mob-FD 2).

Nach dem "Lebenslauf" (S. 164) führte Mob-FD 1 dagegen zumindest am 6.6.1943 die Kennung "NN 12" (Mob-FD 2 am 8.6.1943 "NN 11").

Kann dies jemand aufklären?

Viele Grüße

Violoncello

HJH

Nach meinen Unterlagen sieht es so aus:
MOB. F. D. 1                                 1940 - 1945

...., ab 47: U S M D

1940 Norderwerft Köser & Meyer, Hamburg (738)
510 BRT, 160 NRT
53,35 x 8,40 x 4,03 m (zdL x aS x Tfg), 4,90 m
M= ...., III Abd., 750 PS, 350 x 550 x 900 mm, 650 mm
K= ....,  16,  205,  13 kn
55 Mann


   1938/39  Baunummer bereits belegt mit Fischdampfer für
            Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG,
            Hamburg                                         (Ge)
   09.1939  Auftrag zurückgezogen
25./30.09.1939  Bauauftrag erteilt von Kriegsmarine
03.03.1940  Kiellegung
27.06.1940  Stapellauf
10.10.1940  Probefahrt
27.10.1940  Indienststellung
      1940  MOB. F. D. 1 = SATURN
            Kriegsmarine:                                   (Ge)
            SCHIFF 13 bei 2. Vorpostenflottille
18.02.1941  B. S. W.
14.02.1942  Admiral Norwegen
01.06.1943  NN 12
15.05.1944  V 6302 (irrtümlich erteilt)
26.07.1944  V 6308
22.10.1944  schwer beschädigt Syltefjord durch sowjetische
            FliBos
            behelfsmäßig repariert
27.11.1944  11.00 Uhr, erneut schwer beschädigt nahe
            Hamnesleira durch Artillerie Flugzeuge brit.
            Träger IMPLACABLE, aufgesetzt
21.12.1944  abgeschleppt
            Reparatur in Bergen
      1945  GMSA
19.02.1946  abgeliefert an USSR
      1946  RUMB
            sowjetische Marine                              (SR)
11.04.1946  Indienststellung
30.11.1946  abgegeben an Trawlerflotte
   01.1947  SALYUT = RT 110
            USSR, Murmansk                                  (SR)
            Vermessung: 550 BRT, 252 NRT
            57,80 x 8,40 x 4,24 m
      195.  SALYUT = M 110
            USSR, Murmansk                                  (SR)
26.08.1965  Außerdienststellung
            abgebrochen

Gruß Hans

Violoncello

Hallo Hans,

herzlichen Dank für den ausführliche Chronologie mit der Bestätigung "NN 12".

Viele Grüße

Violoncello

Violoncello

Hallo zusammen,

am 18.3.1940 bat das Marinekommandoamt in der Seekriegsleitung um "Herrichtung von Fischdampfern für (die) S-Gruppe". Dabei sollten die "Mob-FD 1 bis 3" "nicht artgleich, sondern in Aufbauten englischem, norwegischem und isländischem Dampfertyp angepasst werden".
(BArch RM 7/1216 1/Skl IIa - 13 Rüstungsforderungen "Seestreitkräfte" Band 2 1.10.1937-27.12.1940)

Meine Fragen hierzu:

1. Lässt sich z.B. aus den Skizzen im Gröner Bd. 8/1, S. 165 oben links ableiten, welchem Typ "Mob-FD 1 bis 3" entsprachen?

2. Kann mir jemand die Archivalie benennen, in der die grundsätzlichen Überlegungen der Kriegsmarine zum Einsatz von Sonderschiffen der S-Gruppe enthalten sind?

Viele Grüße

Violoncello

Violoncello

Hallo zusammen,

ich möchte doch noch einmal meine

Frage 1 den Rätsel geschulten Schiffsverstehern und

Frage 2 den Archivkundigen

zur Prüfung anempfehlen...

Viele Grüße

Violoncello

TW

Hallo Violoncello
Ich weiß leider nicht einmal, wer oder was die "S-Gruppe" ist.
Aber der Satz "nicht artgleich, sondern in Aufbauten englischem, norwegischem und isländischem Dampfertyp angepasst" hört sich so an, als wenn hier U-Boot-Fallen geplant sind.
Gruß, Thomas
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Violoncello

Hallo Thomas,

danke für die Einordnung. Ja, die Fischdampfer der S-Gruppe waren zweifellos auch als U-Boot-Fallen konzipiert. Hinsichtlich des Einsatzes dürfte man ursprünglich zudem an eine Verwendung als Handelsstörer (!) im küstennahen Bereich gedacht zu haben.

Viele Grüße

Violoncello

TW

Zitat von: Violoncello am 27 August 2023, 11:19:55Verwendung als Handelsstörer (!) im küstennahen Bereich gedacht.

Wieso küstennah? Welche Schiffe sind besser geeignet, Stürme und hohe See abzureiten, als Fischdampfer.
Große Fischdampfer sieht man ja viel eher in entfernten Gefilden als vor der eigenen Küste.
Gruß, Thomas

Zitatwelchem Typ "Mob-FD 1 bis 3" entsprachen?
So eine Analyse kann Dir  m.E. nur Hansjürgen Heise (HJH) liefern. Der kennt sich da richtig gut mit aus.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Violoncello

Hallo Thomas,

deine Argumentation überzeugt mich sehr. Mir ist aber tatsächlich nur der Einsatz von "Schiff 13" im Februar 1941 als Handelsstörer vor der nordspanischen Küste bekannt. Daher meine zurückhaltende Äußerung - und die Suche nach den grundsätzlichen Überlegungen in der Kriegsmarine für den Einsatz der Schiffe der "S-Gruppe".

Viele Grüße

Violoncello

Darius

Hallo zusammen,

wenn ich die Liste der "Sonderschiffe" mir anschaue, dann wird für SATURN, MARS und JUPITER der Einsatzzweck "Ubootfalle" geführt.

Für den Zweck der Handelsstörer oder Minenschiffe waren m.M.n. eher größere Dampfer / Motorschiffe geplant.

Genauere Akten habe ich aktuell nicht zur Hand.


:MG:

Darius

Violoncello

Hallo Darius,

danke für den Hinweis! Die Auflistung enthält in der Sache, nicht über den zeitlichen Verlauf, nur die halbe Wahrheit an. "Schiff 13" wurde vom 2.-22.2.1941 durch das Marinegruppenkommando West wenn auch erfolglos zu einem "Vorstoß zum Handelskrieg im Seegebiet Finisterre" eingesetzt. Zu diesem Einsatz ist im BArch eine eigene Akte überliefert (BArch RM 35II/270 (Operationen Sonderfahrzeuge -Schiff 13- Band 1)). Die in der der Akte enthaltenen, bis zum 30.3.ein 1941 gehenden Dokumente lassen darauf schließen, dass ein zweiter Einsatz vorgesehen war, zu dem es nicht mehr gekommen ist. Für Schiff 24 und Schiff 31 habe ich etwas Vergleichbares nicht gefunden.

Viele Grüße

Violoncello



Strandurlauber

#11
Moin,

im Zusammenhang mit Schiff 13 Fischdampfer Saturn (Mobilmachungs-Fischdampfer 1), bzw. Schiff 24 Fischdampfer Mars (Mobilmachungs-Fischdampfer 2) und Schiff 31 Fischdampfer Jupiter (Mobilmachungs-Fischdampfer 3) hatte ich mich  erinnert, dass diese offenbar neben 8,8- und 2-cm Geschützen für den Einsatz als "Handelsstörkreuzer" / U-Bootfalle auch mit 2 einzelnen Torpedorohren im Bug ausgerüstet wurden.

Zu Schiff 13 soll es auf Rolle 2944 in PG 70845-848 KTB Jan 1941 bis Apr 1943 geben (liegt mir nicht vor), zu Schiff 24 hab ich noch nichts gefunden und zu Schiff 31 gibt es auf Rolle 3132-33 in PG 70918-70922 KTB für den Zeitraum Apr 1941 bis Mar 1943.

Darin u.a. auch eine Bestätigung für die Torpedowaffe (s.u.).

Gruß Ulf

Nachtrag: und hier noch das man versuchte dem Aussehen britischer Fischdampfer nahe zu kommen ...
"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

Darius

Hallo Ulf,

prima - vielen Dank für Deine Ergänzungen.


 :MG:

Darius

Violoncello

Hallo Ulf,

herzlichen Dank für die aufschlussreichen Hinweise zu Schiff 31! Auch hier also zumindest 1941 ein Einsatz als "Handelsstörer".

Viele Grüße

Violoncello

Strandurlauber

Moin Violoncello,

Offenbar ja, und im August 1942 gab es Planungen zu einem weiteren Sondereinsatz zusammen mit Schiff 24, der wurde aber schon nach überraschend kurzer Zeit abgesagt.
Hab noch ein paar Funde aus einigen KTB des Zeitraums 1941/1942 (s.u.), bereits 1941 hautsächlich Einsatz als U-Jäger und Geleitdienst, es wird erwähnt, dass 1941 (noch als Sonderschiff) zeitweise ein Flammwerfer als letzte Verteidigung gegen Enterkommandos an Bord war, für die beiden Bugrohre zusammen 8 Torpedos an Bord waren (auch 1942) und mindestens 15 Wabos mitgeführt werden konnten.

Viele Grüße Ulf
"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

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