Das Ende der S.M.S. Geier

Begonnen von Mario, 15 März 2007, 19:53:20

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Mario

Soeben bin ich in einem Buch über ein Bild des kleinen ungeschützten Kreuzers Geier gestoßen. Laut der Bildunterschrift wurde dieser Kreuzer von der US-Navy im Jahr 1917 übernommen. Recherchen im netz ergaben, daß sich der Kreuzer im Jahr 1914 in Hawaii befand und dort von den Amerikaner gemäß dem Völkerrecht interniert wurde.
Aber wie kam es, daß dieser Kreuzer bei Kriegsausbruch dort lag ? Absichtlich werden die Deutschen doch nicht eines ihrer Schiffe hergegeben haben. Hat jemand nähere Hintergründe zu diesem Schiff ? ??

Peter K.

#1
SMS GEIER befand sich ab 1913 in Daressalam und begann kurz vor Kriegsausbruch mit dem Verlegungsmarsch nach Tsingtau, da das Schiff der Ostasiatischen Station zugeteilt wurde.

Am 29.07.1914 lief SMS GEIER aus Singapur aus. Ein Treffen mit dem Versorger TANNENFELS, der am 02.08.1914 ebenfalls aus Singapur ausgelaufen war und 6.500 t Kohle geladen hatte, bei Batavia, dann bei Timor, kam nicht zustande.
Aber am 06.08.1914 traf SMS GEIER bei der Insel Jampea auf die Versorger EMSHORN mit 1.300 t Kohle und BOCHUM mit 1.700 t Kohle, beide von der Etappe Batavia.
Am 21.08.1914 trafen SMS GEIER und BOCHUM in See auf SMS EMDEN und deren Versorger MARKOMANNIA.
Am 22.08.1914 wurde die leere BOCHUM als Versorger abgelöst, als sich SMS GEIER bei Angaur (Palau-Inseln) mit TSINGTAU (2.300 t Kohle) und LOCKSUN (2.000 t Kohle) von der Etape Manila traf. Letztere wurde zum Majuro-Atoll (Marshall-Inseln) vorausgeschickt und TSINGTAU begleitete den Kreuzer über Neu-Hannover (Bismarck-Archipel) und die Insel Kusaie östlich der Ost-Karolinen eben dorthin. Beim Majuro-Atoll übernahm am 22.09.1914 die LOCKSUN die Versorgungsaufgabe für SMS GEIER und lief mit diesem zusammen am 15.10.1914 in Honolulu ein.

Bei TSINGTAU war problematisch gewesen, daß das Schiff nur beschränkte Proviantvorräte und keine eigene Destillieranlage hatte, also zur Trinkwasserversorgung stets auf SMS GEIER angewiesen war.
Die LOCKSUN nahm auf dem weiteren Weg Richtung Hawai die GEIER zur Kohlenersparnis mehrfach in Schlepp, eine Kohlenübernahme in See mußte aber wegen zu hohen Seegangs entfallen. Da mit dem Vorrat an schlechter japanischer Kohle das eigentlich favorisierte San Francisco nicht erreicht werden konnte, marschierte man eben nach Honolulu, wo bereits eine größere Anzahl weiterer deutscher Etappenschiffe lag.

Ab 21.10.1914 blockierte dann das japanische Linienschiff HIZEN, ab 31.10.1914 zusätzlich der Panzerkreuzer ASAMA den Hafen. Daraufhin wurde die LOCKSUN am 07.11. und SMS GEIER am 08.11.1914 vor Ort interniert.

SMS GEIER wurde dann am 04.02.1917 von Amerikanern besatzt und am 22.05.1917 offiziell beschlagnahmt und später von der U.S. Navy als USS SCHURZ wieder in Dienst gestellt. Es sank am 21.06.1918 nach einer Kollision mit dem Dampfer FLORIDA.

Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Zerstörerfahrer

Wieder mal sehr ausführlich, danke Peter.

Wobei noch gesagt werden muss, das aufgrund der langsamen Geschwindigkeit der Geier, es günstiger gewesen wäre,  ihre Besatzung und Bewaffnung zur Ausrüstung eines Hilfskreuzers zu verwenden. Eine der Emden Prisen hätte sich da sicherlich angeboten. Die Frage wäre nur, wann und wo ?

Leutnant Werner

Ich wollt auch was machen, Peter war aber wie immer schneller :-D

Die Kreuzer der BUSSARD-Klasse waren typische Kolonialfahrzeuge, Artillerie im Schwalbennest angeordnet. Kampfkraft war mit 8 x 105 mm gar nicht mal so schlecht, 4 der 6 Kreuzer hatten überdies eine Torpedobewaffnung. Aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von bestenfalls 15,5 Knoten und einer maximalen Reichweite von 3000 Sm waren diese Schiffe in keiner Weise geeignet, anderes zu tun, als unbotmäßige Kolonialuntertanen zu züchtigen. Deshalb hätte Geier auch einen Hilfskreuzer ausrüsten sollen. Was nicht geklappt hat. Die meisten dieser Einheiten, auch GEIER erhielten zu Anfang des letzten Jahrhunderts eine Generalüberholung. Trotz des Alters von fast 20 Jahren sollte sich GEIER in einem passablen Zustand befunden haben.

Gruß
Lt.

Ferenc


Hallo
Interessante Geschichte.
Weiss man auch wo der genauere Untergangsort der Geier ist?

Grüße
Ferenc

Peter K.

Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Hastei

Hallo, das ist eine interessante Geschichte, mit SMS Geier.
"20 Jahre und noch ein guter Zustand ? Seht mal unsere Schiffe an , 30 Jahre und immer noch im Einsatz. Das spicht für den deutschen Schiffbau, denke ich.

Gruß Hastei

Ferenc


Hallo
@ Peter
Gigantisch, alles schon erledigt. Und Du kennst die web-sites alle schon.

Das Wrack liegt also im 30-Meter Bereich, man kann es für 95.- $ betauchen. Und  U-352 liegt unter anderen auch gleich in der Nähe.
Beaufort wäre einmal eine Wracktauchreise wert.

mfg
Ferenc
:-)

Mario

Sehr interessant Peter, und wie immer sehr ausführlich.
Jetzt stellen sich mir aber zwei Fragen. Warum lief die S.M.S. Geier nicht direkt nach Tsingtau, sondern nach Süden und dann Richtung Osten quer durch den halben Pazifik, bevor sie amerikanische Gewässer erreichte ? Und warum lief sie überhaupt zu den Amerikanern, wo sie doch sofort interniert werden würde. Hatte man das Schiff bereits aufgegeben ?

Leutnant Werner

Zitat:
"31:07.1914: Der Kleine Kreuzer S. M. S. Geiererhält auf dem Wege von Deutsch-Ostafrika nach Australien (!) vom Admiralstab den Befehl, zunächst nach Jap (Karolinen) zu gehen und im Kriegsfalle einen Hilfskreuzer auszurüsten. S. M. S. Planeterhält vom Admiralstab den Befehl, den Schutz der Funk- und Kabelstation Jap (Karolinen) zu übernehmen."
aus Röhr, Albert: Handbuch der deutschen Marinegeschichte, Oldenburg, 1963, S. 121.

Corbett hat mehr Info über Geier -> Stell ich rein, sobald ich Zeit habe.

PLANET soll Yap schützen? Mit drei Revolverkanönchen? Generell bin ich interessiert an mehr Info über PLANET und KOMET

Leutnant Werner

Mal gucken, was Sir Julian Corbett so sagt:
"(30.07.1914) According to his (Admiral Jerrams) latest intelligence there was nothing in Tsingtao except the cruiser Emden , four German gunboats (Iltis, Tiger,Luchs and Cormoran) an one old Austrian cruiser (Kaiserin Elisabeth). The gunboat Jaguar was at Shanghai. Neither of the two powerful units of the enemy´s squadron was located; the Scharnhorst (flag) was believed to be out in the Pacific somewhere near Yap, and the Gneisenau was reported just to have left Singapore, but the intelligence was discredited and was in fact an error; the ship in question was really the gunboat GEIER, and the Gneisenau´swhereabouts was quite unknown."
Corbett: Naval Operations, Vol. 1, p. 137 f.

To be continued...

Leutnant Werner

15.08.1914: "For trade protection Admiral Peirse had therefore nothing left but the Fox (gesch. Kreuzer, Astraea-Klasse), 1893, 4450 t, 20 Sm, 2 x 15, 8 x 12, 8 x 5,7, 3 TT, PzDeck 25-51mm) and the Espiegle (Sloop, Odin-Klasse, 1070 t, 13 Sm, 6 x 10) in the Colombo-Area, while that of Singapore had to be left to the old french torpedo gun vessel D´Iberville (1893, 952 t, 22 sm, 1 x 10) and three french destroyers, which were then searching for the GEIER in the vicinity of the Malacca Strait."

Corbett, a.a.O., p 154-155

Leutnant Werner

Ende August 1914: "Neither the Admiralty nor the Admirals on the spot had much doubt that, with th Fleet of Japan thrown in the scale, the main German Squadron must be driven sooner or later across the Pacific. Their concern was rather how to deal with the detached cruisers which were an abiding menace to trade and still more to the troop convoys. Of these cruisers there were two at large in the area, Königsberg and Emden, besides Prinz Eitel Friedrich and the GEIER."

Corbett, a.a.O., p 278

Leutnant Werner

12.09.1914: " Next morning there was a report that the missing GEIER was at Kawieng on the north coast of New Guinea with a large merchant cruiser, and as the Melbourne was about to start for Sydney she was ordered to examine the place with the destroyer Warrego.

Corbett, a.a.O., p 285

Leutnant Werner

12.09.1914: "So far was all well, but the success of the day was marred by an unhappy accident. The Admiral had sent out the destroyer Paramatta and the submarine AE 1 (Lieut.-Commander T. F. Besant) to patrol east of Cape Gazelle. In the evening according to orders the Paramatta returned, but she returned alone and nothing was ever heard of the submarine. A prolonged search failed to find any trace of her and so the first exploit of the Australian Navy was clouded by the loss of their first submarine, with her commander, two lieutenants and thirty-two men.
For some time there was doubt about the Governor´s (of Rabaul) good faith. Information was obtained that there was a road which led from Toma westward to the coast of Pondo, and that he was propably intending to escape that way in the GEIER or the Komet. As a precaution the Sydney was sent round to clear  the matter up."

Corbett, a.a.O., p 286

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