III. W.O. auf einem U-Boot - Anforderungen

Begonnen von Violoncello, 23 Februar 2026, 11:16:07

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Violoncello

Hallo zusammen,

im Zusammenhang mit der Einordnung des militärischen Werdegangs eines am 1.11.1942 zum Leutnant d.R. beförderten späteren Offiziers eines Marineeinsatzkommandos folgender Sachverhalt:

1. Der Betroffene diente als III. W.O. ab dem 16.6.1942 in der 29. und ab dem 30.7.1943 in der 5. Unterseebootsflottille.
2. Die 5. Unterseebootsflottille, mutmaßlich Fregattenkapitän Friedrich Karl Schünemann, urteilte im Anschluss laut Personalakte "Eignung MA-Offz".

Unabhängig davon, dass der Urteilende, unabhängig von seiner Persönlichkeit, objektiv gar nicht in der Lage war, dieses Urteil zu treffen, folgende Fragen:

1. War es ungewöhnlich, dass ein III. W.O. erst in einer Front- und dann in einer Schulflottille eingesetzt wurde?

2. Über welche Eignungen und Fähigkeiten musste ein Offiziersanwärter verfügen, der auf einem U-Boot eingesetzt werden sollte, deren Vorhandensein nicht bereits bei der Musterung / ärztlichen Untersuchung festzustellen war?

Viele Grüße

Violoncello

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Violoncello am 23 Februar 2026, 11:16:07Unabhängig davon, dass der Urteilende, unabhängig von seiner Persönlichkeit, objektiv gar nicht in der Lage war, dieses Urteil zu treffen,
Den Satz verstehe ich nicht.
Ein Vorgesetzter muß (!) seine Untergebenen beurteilen und nimmt damit Einfluß auf die weitere Verwendung und (Be-)Förderung.
Der Flottillenkommandeur kann die Vorschläge des Kommandanten umsetzten und sich ggf. ein eigenes Urteil bilden

Zitat von: Violoncello am 23 Februar 2026, 11:16:071. War es ungewöhnlich, dass ein III. W.O. erst in einer Front- und dann in einer Schulflottille eingesetzt wurde?
Der Posten III WO war meines Wissens auf deutschen U-Booten normalerweise vom Obersteuermann besetzt, der gleichzeitig als Navigationsoffizier fungierte.
Warum sollte ein solcher Mann bei Bewährung nicht zur Schulflottille wechseln ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Violoncello

Hallo Urs,

danke für die Bemerkungen.

Zur Verständnisfrage: Beurteilen muss er selbstverständlich. Das Urteil hätte aber am Ende nur lauten können "für die Laufbahn I (= als Seeoffizier) nicht geeignet" oder, schlimmer, "als Offizier nicht geeignet". Zur Eignung für die Laufbahn XIV (Marineartillerie) konnte sich Schünemann nach seinem militärischen Werdegang m.E. kaum sachkundig äußern.

Das Argument, dass es sinnvoll sein kann, einen bewährten III. W.O. aus einer Front- in eine Schulflottille zu kommandieren, leuchtet mir ein. Im vorliegenden Fall müsste der Betroffene dann aber in der Frontflottille unzutreffend beurteilt worden sein. Aus der Marinepersonalakte sind die Entscheidungsprozesse leider nicht nachzuvollziehen, daher meine Fragen.

Viele Grüße

Violoncello 

 

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Violoncello am 23 Februar 2026, 17:29:32Zur Eignung für die Laufbahn XIV (Marineartillerie) konnte sich Schünemann nach seinem militärischen Werdegang m.E. kaum sachkundig äußern.
Ah, ja ... vielleicht liegt da das Mißverständnis ... ich habe "MA" als "Marine-Ausbildung" gelesen
Von daher machte die Versetzung zur Schulflottille auch Sinn für mich.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Axel Niestlé

Hallo Hartwig,

ich hätte zunächst ein paar Anmerkungen bzw. Verständnisfragen, da der Name des Offiziers ja bisher nicht genannt wurde.

Die 5. U-Fl. war eine Ausbildungs-, Ausrüstungs- bzw. Durchgangsflottille, jedoch keine Schulflottille. Alle Boote der 5. U-Fl. waren für späteren Fronteinsatz bestimmt. Insofern wäre die Kommandierung eines fronterfahrenen Offiziers durchaus sinnvoll.

Der fragliche Mann war während seiner Zeit bei der 29. Ufl. ja noch kein Offizier, sondern wohl in der Laufbahn I oder III. Somit ist eine damalige Verwendung als III.WO eher unwahrscheinlich. Aber selbst wenn er überzähliger Bootsmann oder Obersteuermann war, ist eine Verwendung in dieser Form kaum vorstellbar, da auf Typ VII-Booten zu dieser Zeit der etatmäßige Obersteuermann diese Dienststellung ausfüllte. Im Mittelmeer geizte man zudem aufgrund der langen Unterwasserzeiten mit überplanmäßigem Personal, das die kostbare Luft veratmete.

Zuletzt, wer soll der genannte FK Schünemann gewesen sein? Der ranghöchste Offizier bei der 5. Ufl. war im Sommer 1943 der Flo-Chef KK Moehle. Der Name Schünemann taucht in der Offiziersliste der Flottille nicht auf. In welcher Dienststelle war er also?

Neben den einschlägigen gesundheitlichen und Ausbildungsgang-typischen Qualitäten sollte ein Offizier auf einem U-Boot die Dienstposition an Bord mit Fleiß und Können ausfüllen, um einen geordneten Bootsbetrieb zu gewährleisten. Die Vorstellungen darüber waren allerdings z.T. von Kommandant zu Kommandant verschieden. Nicht wenige Offiziere kamen miteinander oft auch rein menschlich nicht miteinander aus und gewöhnlich musste dann der Rangniedere weichen. Wer dienstlich im Frontdienst schlecht beurteilt wurde, landete üblicherweise zur "Bewährung" bei einer Schulflottille, bevor er vielleicht nochmal auf ein designiertes Frontboot kam.

Vielfach kamen Offiziere aber auch als überzähliche Offiziere für eine gewisse Zeit zur Ausbildung an Bord, die dann in Personalakten als III.WO geführt werden, obwohl es auf Typ VII-Booten diese Dienststellung etatmäßig bis zum Herbst 1943 nicht gab.

Wenn ich Deine Ausführungen richtig lese, war der Mann ja offenkundig nicht zum Seeoffizier geeignet. Damit war eine Verwendung als MA-Offizier ja praktisch die ultima ratio. Dies insbesondere in Zeiten, in denen die U-Bootwaffe begann, auch die M.A.-Laufbahn auszuplündern auf der Suche nach Ersatz.

Mit einem Namen könnte man allerdings zielgerichteter antworten!

Beste Grüße

Axel

 

Violoncello

Hallo Axel,

zunächst herzlichen Dank für die intensive Auseinandersetzung mit der Personalie, die mir sehr wichtig ist. Um die Frage nach Schünemann gleich zu klären: Mea culpa, so etwas passiert, wenn man sich als U-Boot-Laie zu flüchtig in den Lohmann/Hildebrand einliest. Schünemann war demnach in den fraglichen Zeiträumen nacheinander der 2. und der 1. U.A.A. (Lohmann/Hildebrand Gliederungsnummer 291, S. 345). Dies hat mich auf die falsche Spur gesetzt. Gliederungs-Nummer 74, S. 4 weist zutreffend, wie von dir festgestellt, Moehle als Flottillenchef aus.

Deine Ausführungen deuten die Lösung an: Ich hatte bei der Nennung des Beförderungsdatums zum Leutnant d.R. nicht die Laufbahn angegeben, weil es mir zu unwahrscheinlich erschien, dass ein Leutnant (MA) d.R. in der Funktion eines Offiziers der Laufbahn I eingesetzt worden sein könnte.

Es handelt sich um den am 22.5.1922 geborenen Helmut Golla. Die, wie bei Offizieren des KdK häufiger vorkommend, lückenhafte Marinepersonalakte Gollas (BArch PERS 17/SPO-G/36 Golla) weist nicht einmal das Datum seiner Beförderung zum Oberleutnant (MA) d.R. aus, die aber nach den Beispielen anderer Offiziere unmittelbar nach seiner Kommandierung in das KdK im März oder April 1944 erfolgt sein dürfte. Golla fiel am 25.11.1944 als Angehöriger des MEK 40 bei einem für ein MEK untypischen (Groß-) Einsatz mit etwa 30 der ihm unterstellten Männer auf Nord-Beveland. Auch vorher verlief sein Werdegang im KdK vorsichtig formuliert wohl nicht problemlos.

Es wäre schön, wenn sich noch nähere Informationen zum militärischen Werdegang finden ließen, insbesondere, was die Beurteilung der Eignung betrifft.

Mit besten Grüßen

Violoncello     

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