Wilhelm Spahr

Begonnen von Andreas A, 28 Juli 2026, 17:55:23

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Andreas A

Hallo !

Da habe ich wieder so einen Kandidaten. Crew 35 eingegliedert. Aber laut Angaben war er bis Februar 1940 noch Obersteuermann auf U 47. Bzw. 01.01.1940 - Leutnant zur See. Der Offiziershauptlehrgang für die Crew 35 war 06.07.1936 - 31.03.1937. Also müßte er 1937 wenigsten schon Fähnrich oder Oberfähnrich gewesen sein.

https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/u_boot_kommandanten/ausgabe.php?where_value=1263&lang=1

Kann man Fragen wer eure Kommandanten-Liste erstellt hat. Ich habe fast die gleiche in mehreren E-Mails bekommen. Vielleicht kann man sich mal austauschen. Leider konnte ich nie herausbekommen aus welcher Quelle meine Liste stammt. Naja.

Andreas

Andreas A

Hallo !

Gleich noch ein Kandidat. Hans Steen. Crew 37a eingegliedert. Leutnant zur See 01.05.1940. Aber bis Februar soll er noch Oberbootsmann auf der Gneisenau gewesen sein ? Auch paßt dann der Hauptlehrgang nicht zum Datum (29.04.1938 - 25.11.1938) da er da ja noch auf der Gneisenau gewesen sein soll.

https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/u_boot_kommandanten/ausgabe.php?where_value=1273&lang=1

Violoncello

Hallo Andreas,

die Frage ist schwer zu verstehen: Spahr war Berufssoldat zunächst in der Unteroffizierslaufbahn. Als Obersteuermann ("Oberfeldwebel") wurde er unmittelbar in die Offizierlaufbahn übernommen und rückwirkend in die Crew eingegliedert. Gleiches gilt für Steen. Dieses Vorgehen war nicht ungewöhnlich und rechtlich eindeutig geregelt.

Viele Grüße

Violoncello   

Urs Heßling

moin, Andreas,

Die Eingliederung in eine Crew bedeutet NICHT, daß derjenige am Fähnrichs-Hauptlehrgang dieser Crew teilgenommen hat

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Andreas A

Danke. Man lernt eben nicht aus.

 :TU:)

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Andreas A am 28 Juli 2026, 18:30:23https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/u_boot_kommandanten/ausgabe.php?where_value=1273&lang=1
Ich riskiere einmal die Vermutung, daß hier ein Fehler vorliegt, denn an einen nur 6-monatigen Einsatz als Lehrer an der MSM mag ich nicht glauben.
 
Ich vermute, daß hier anstelle von "Lehrer" eher "Lehrgangsteilnehmer" stehen müßte

In diesem Zeitraum, genauer 01.05.1940-23.08.1940, fand der Offizierslehrgang der Crew X/39 statt

Vorher, im Zeitraum 01.03.1940 - 30.04.1940, fand die "Erweiterte Fachausbildung" (Waffen- bzw. Nachrichtenlehrgang SAS, TS, NS, SpS (alternativ)) der Crew X/38 statt

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Violoncello

Hallo Andreas,

ergänzend zu #2 und#3 noch einige Konkretisierungen:

Die Regelungen zur Beförderung von Unteroffizieren zu Offizieren ohne jede Ausbildung an der Marineschule Mürwik / Eingliederung in die Fähnrichsausbildung galt nur für Unteroffiziere der Gruppe B (Oberfeldwebel). Es musste sich um Oberfeldwebel im aktiven Dienst handeln (12 Jahre Dienstverpflichtung oder bereits in der Dienstzeitverlängerung). Die Beförderung unmittelbar zum Kriegsoffizier konnte nur auf Vorschlag der Marinestation der Ostsee oder der Nordsee erfolgen. Zuvor mussten die Oberfeldwebel sich bereits (in der Regel zwei Jahre) in diesem Dienstgrad und der entsprechenden fachlichen Dienststellung bewährt haben. Die Zuordnung zu einem Offiziersjahrgang war erforderlich, um die Kriegsoffiziere "passend" in der Rangliste, die die weitere Beförderung bestimmte, unterbringen zu können. Für Oberfeldwebel mit mehr als zwölf Dienstjahren kam allerdings bereits nach 1 1/2 Jahren die Beförderung zum Oberleutnant in Betracht.
(MVBl. 1942, S. 629, Nr. 525)

Viele Grüße

Violoncello

 

Andreas A

#7
Hallo !

Danke.

Was ich noch bemerkt habe ist, das viele Kommandanten nach der Offiziersausbildung (vor allem in der Vorkriegszeit) eine größere Lücke aufweisen. Also vom Ende der Ausbildung (Fähnrichslehrgänge) bis zum erneuten Einsatz in der Marine. Das geht von mehreren Wochen bis zu mehreren Jahren. Kann es sein, daß sie in dieser Zeit nicht mehr in Dienst waren ?
Als Beispiel nehme ich mal Horst Wellner:

01.10.1932 - 25.09.1934 - Praktische Bordausbildung und Divisionsleutnant auf dem Schulschiff Schleswig-Holstein.

26.09.1934 - 31.03.1935 - Nicht ermittelt. Das ist so eine Lücke die ich bei vielen Kommandanten gefunden habe.

01.04.1935 - 10.09.1935 U-Lehrgang an der [[U-Schule]], Kiel-Wik.

Noch ein Beispiel:

Hans Wengel

20.06.1936 - 31.03.1937 - Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik.

01.04.1937 - 02.10.1937 - Fähnrichslehrgänge.

03.10.1937 - 00.04.1941 - Nicht ermittelt.

00.04.1941 - 29.08.1943 - Bootskommandant in der 3. Vorpostenflottille.


Danke

Andreas


Urs Heßling

#8
moin, Andreas,

Zitat von: Andreas A am 30 Juli 2026, 10:05:44Hans Wengel
20.06.1936 - 31.03.1937 - Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik.
Wenn das zuträfe, müßte er zumindest in der Rangliste 1936 aufgeführt sein; ist er aber nicht.

Er ist auch in der RL 1942 nicht genannt.
RL 1943 habe ich nicht
In RL 1944 ist er als Angehöriger der Crew 1935 genannt, anhand der Reihung klar erkennbar als nachträglich eingereiht.

Gruß, Urs
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Violoncello

Hallo zusammen,

zu #7 und #8:

Die militärischen Werdegänge scheinen von der Deutschen Dienststelle (WASt) zusammengestellt worden zu sein (Hinweis "Nicht ermittelt"). Hier lohnt sich ggf. eine Gegenprüfung der Marinepersonalakten, die allerdings häufig erstaunlich unvollständig sind.

Die Hinweise von Urs sprechen dafür, dass der Betroffene für die Beförderung zum Leutnant nicht oder
noch nicht für geeignet gehalten wurde. Er könnte daher zunächst in die Unteroffizierslaufbahn überführt worden sein, um hier die erkannten Mängel der Eignung abzustellen. Wir hatten im FMA schon einmal einen solchen Fall diskutiert. Über die Hinderungsgründe kann die MPA mit einiger Sicherheit Auskunft geben. 

Viele Grüße

Violoncello

Urs Heßling

#10
moin,

Zitat von: Violoncello am 30 Juli 2026, 17:01:27Hinweise von Urs sprechen dafür, dass der Betroffene für die Beförderung zum Leutnant nicht oder noch nicht für geeignet gehalten wurde.
Nicht einmal das: Er ist in der RL 1935 als Angehöriger der Crew 35 (derzeitiger Rang: Seekadett) NICHT aufgeführt.

Schluss: Unteroffizierslaufbahn oder Reserveoffizier (die o.a. Lehrgänge sind ja bereits ausgeschlossen)

Zitat von: Andreas A am 30 Juli 2026, 10:05:44Hans Wengel
00.04.1941 - 29.08.1943 - Bootskommandant in der 3. Vorpostenflottille
Nun wird es interessant : bei NARA gibt es ein KTB der 3. Vorpostenflottille ab 1.1.1943
Zu diesem Zeitpunkt hat Wengel als Kommandant des Boots V 313 den Rang eines Leutnants zur See der Reserve, im März auch noch (1 + 2)
Ab 1.5.1943 ist er Oblt.z.S.d.R. (3)
Im Juni ist er Oblt.z.S. (4 + 5)
Am 31.7.1943 wird er als Kommandant V 313 in Gotenhafen abgelöst (6, rechte Seite)

In der Rangliste 1944 wird er aber mit Datum 1.1.1943 der Beförderung zum Kapitänleutnant aufgeführt (zurückdatiert ?)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

joern

Auch in der Rangliste 43 vom Stande 1.12.1943 wird Hans Wengel als Kapitänleutnant (1.1.1943) geführt.
Er war nach dem Krieg übrigens Kapitän der Reederei Richard Schröder , Hamburg.
Grüße Joern

Axel Niestlé

Zitat von: Violoncello am 28 Juli 2026, 18:39:58Hallo Andreas,

die Frage ist schwer zu verstehen: Spahr war Berufssoldat zunächst in der Unteroffizierslaufbahn. Als Obersteuermann ("Oberfeldwebel") wurde er unmittelbar in die Offizierlaufbahn übernommen und rückwirkend in die Crew eingegliedert. Gleiches gilt für Steen. Dieses Vorgehen war nicht ungewöhnlich und rechtlich eindeutig geregelt.

Viele Grüße

Violoncello   
Zitat von: Andreas A am 28 Juli 2026, 17:55:23Hallo !

Da habe ich wieder so einen Kandidaten. Crew 35 eingegliedert. Aber laut Angaben war er bis Februar 1940 noch Obersteuermann auf U 47. Bzw. 01.01.1940 - Leutnant zur See. Der Offiziershauptlehrgang für die Crew 35 war 06.07.1936 - 31.03.1937. Also müßte er 1937 wenigsten schon Fähnrich oder Oberfähnrich gewesen sein.

https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/u_boot_kommandanten/ausgabe.php?where_value=1263&lang=1

Kann man Fragen wer eure Kommandanten-Liste erstellt hat. Ich habe fast die gleiche in mehreren E-Mails bekommen. Vielleicht kann man sich mal austauschen. Leider konnte ich nie herausbekommen aus welcher Quelle meine Liste stammt. Naja.

Andreas

Die Angaben wurden von Fernando Almeida zur Verfügung gestellt. Er hat diese in jahrzehntelanger Arbeit zusamengetragen, vielfach auf der Grundlage von militärischen Lebensläufen, die von Mitarbeitern der ehemaligen WASt erstellt wurden.

In Falle von Wilhelm Spahr fällt allerdings auf, dass die Angaben zum Teil erheblich von den Einträgen im Personalnachweis seiner Personalakte abweichen. Hierzu einige Beispiele:

Spahr trat am 10.11.1921 als Matrose der Signal-Laufbahn in die Reichsmarine ein. Am 1.3.1927 zum Steuermannsmaat umernannt. Spahr wurde am 31.3.1934 als Steuermann nach 12-jähriger Dienstzeit ehrenhaft entlassen. Mit dem 1.1.35 Wiedereintritt in die Reichsmarine als Berufssoldat als überz. Obersteuermann. Ab 6.6.35 bei der UAS (Vorläufer der U-Schule), dort als Obersteuermann auf Versuchsboot Welle. Ab 1.10.35 dann Obersteuermann auf U 12 u.a. Ab 30.10.38 Baubelehrung für U 47, ab 17.12.38 Steuermann und WO auf U 47. Am 1.1.39 Stabsobersteuermann. Bis 5.2.40 auf U 47, ab 6.2.40 Navigationslehrer bei der 1.ULD.

Das Ernennungsdatum zum Leutnant zur See am 1.1.40 ist sicher rückdatiert. Lt. Rangliste nach dem Stand vom 1.6.40 gehörte Spahr zur Crew IV/37 (eingereiht). Nach der Rangliste vom 1.6.41 wurde er in der Crew 36 geführt. Spätestens zum 1.12.43 gehörte er zur Crew 35. Eine Begründung für das Crew-Hopping ist mir nicht bekannt. Möglicherweise hängt es mit seinem (Wieder-)Eintrittsdatum zusammen.

t-geronimo

Vielen Dank Axel.  :TU:)

Ich ändere das in der kommenden Woche soweit möglich in der Datenbank.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Axel Niestlé am 01 August 2026, 18:03:13Spätestens zum 1.12.43 gehörte er zur Crew 35. Eine Begründung für das Crew-Hopping ist mir nicht bekannt.
Es könnte (!!) einen Zusammenhang mit der Kommandoübernahme U 178 am 25.11.1943 geben.

Bei sehr erfolgreichen Schnellbootskommandanten (Christiansen, Feldt, Fimmen, von Mirbach, Töniges) gab es eine "Ernennung" in eine Vor-Crew als besondere Auszeichnung.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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