Günther Lütjens - wie Francois-Emmanuel Brézet ihn sieht: Guck an!

Begonnen von Leutnant Werner, 15 Februar 2009, 20:49:21

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Huszar

Hallo,

Hier im Büro hab ich leider keinen Zugriff auf meine Bücher, und auch nicht auf Google Earth, kann also zZ nur aus dem Gedächtnis argumentieren.

1, Ein Tanker (Weissenburg?) stand im Nordmeer bereit, die Kampfgruppe vor dem Durchbruch zu beölen. Dies hätte zumindest dem Prinzen enorm geholfen, und somit auch der Kampfgruppe weitere Möglichkeiten gegeben. Die Beölung wurde ausgeschlagen
2, in der Danemarkstrasse wurde erkannt, dass die Kampfgruppe entdeckt wurde - mindestens ein, womöglich gleich zwei Kreuzer. Durch diese Entdeckung wurde der Auftrag kompromitiert, es war zu erwarten, dass die HF auf den Verband angesetzt wird (NICHT bekannt war, dass das Auslaufen schon mehrmals entdeckt wurde, Skagerrak und Norwegen). Es wurden weder Schritte unternommen, die Fühlungshalter abzuschütteln, noch sie zu vernichten. Ein Rückzug zu dem Tanker, Beölung, und Abwarten wären zu diesem Zeitpunkt noch möglich gewesen. Auch ein kompletter Abbruch, und Zurücklaufen nach Norwegen.
3, Im Gefacht in der Dänemarkstrasse und nach der Versenkung der Hood sollte klar gewesen sein, dass die HF schon alarmiert ist, und mit weiteren Jagdgruppen zu rechnen ist. Ein Durchbrechen nach Frankreich ist zwar für die Zukunft wünschenswert, aber mit den Jagdgruppen und Fühlungshalter im Nacken kaum zu bewerkstelligen (Tankstop für den Prinzen! Englische Basen rundherum). Die Operation ist endgültig kompromitiert. In diesem Fall wäre mM ein Zurückkehren die beste Möglichkeit, damit man den Ausbruch später ein weiteres Mal versuchen kann (und hoffen, man wird nicht entdeckt - vielleicht mit einer gleichzeitigen Diversion der Schwestern?). Wenn die Operation sowieso kompromitiert ist, man sowieso nach Hause fährt, wäre es logisch, die Fühlungshalter/das übrig gebliebene Schlachtschiff zu versenken, oder zumindest schwer zu beschädigen. Soviel Zeit sollte schon sein.
4, WENN man trotz alledem lieber nach Frnakreich fährt, ist ein Abschütteln der Fühlungshalter ebenfalls ein Muss. So viel sollte schon über die gegnerischen Schiffe bekannt gewesen sein, dass sie schneller/etwa gleichschnell sind, man also nicht "einfach" ablaufen kann. Das irgendwelche Tricks funktionieren, ist nicht gesichert (ich denke jetzt an die beiden Abschüttelungsversuche), bei mindestens zwei, eher 3 Schiffen ist es auch nicht unbedingt möglich. Es wäre vorteilhaft, wenn man zumindest versucht die Fühlungshalter zu Klump zu schiessen. Mit den Fühlungshaltern im Nacken kann man fast sicher sein, dass man sowieso noch einmal kämpfen muss, wieso es nicht gegen die vorhandenen Schiffe machen?

Ich habe vor einiger Zeit die zurückgelegte Strecke (PE) auf Google Earth nachgemessen, und es mit den Entfernungen Dänemarkstrasse-Norwegen verglichen. Wenn ich mich recht erinnere, waren diese Entfernungen vergleichbar. (keine Garantie, war vor einigen Monaten).
Eine Frage in die Transleithanische Reichshälfte: ginge diesbezüglich eine schöne Grafik?  :-D

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Rymon

Zitat von: Spee am 19 Februar 2009, 11:15:23
Servus Rymon,

Eine derartige Schwächung des Feindes hätte das Verfehlen des operativen Zieles zweifellos überkompensiert und die eigene Kampfgruppe für spätere Einsätze bewahrt.

Wer garantiert denn, daß "Bismarck" oder gar "Prinz Eugen" ohne Treffer bleiben? Hat "Prince of Wales" denn nicht schon 2 Treffer auf "Bismarck" gelandet? Wie würde die Frage nach Treffer 3, 4, oder 5 aussehen?


Hallo Spee,

das garantiert Dir natürlich keiner, aber der Krieg zur See wäre um einiges übersichtlicher verlaufen, wenn man alle Angriffsoperationen, bei denen man mit Beschädigungen rechnen mußte unterlassen hätte. Eine bessere Gelegenheit einen Gegner zu vernichten konnte es doch eigentlich kaum geben. Man bekam ein Gefecht aufgezwungen, dem man nicht ausweichen konnte, hat das feindliche Flagschiff versenkt, die Durchbruchsoperation ist aufgrund der Lageentwicklung hinfällig, der Weg in sichere Gewässer ist frei, der Gegner angeschlagen und feuert ungenau und unregelmäßig, man hat bis jetzt kaum Munition verbraucht, der Gegner ist nicht schneller als die eigene Kampfgruppe. Wieviel Zeit man sich mit der Bekämpfung läßt ergibt sich aus dem Gefechtsverlauf. Wenn man sich lösen will, macht man es einfach. Viel weniger Risiko wird man im Krieg kaum erwarten können.

Liebe Grüße

Stefan






Spee

Mal was zum nachdenken:

Vortrag Ob. d. M. beim Führer am 6.6.1941 auf dem Berghof

Führer fragt: Warum Flottenchef nicht nach dem Gefecht mit "Hood" den Rückmarsch angetreten habe.

Ob.d.M.: Durchbruch durch nördliche Engen sei mit viel größeren Gefahren verbunden als Absetzen in die Weite des Atlantik, das der Flottenchef - auch bei Endziel St. Nazaire - bei Abschütteln der Führungshalter zweifellos erstrebte, solange sein Brennstoffvorrat es zuließ. Tanker standen dort zur Verfügung. Rückdurchbruch nach Norden war mit großer Gefahr des Angriffs zahlreicher leichter Streitkräfte und Luftstreitkräfte verbunden. Daß Flottenchef ursprünglich keineswegs auf direktem Wege nach St. Nazaire marschieren wollte, geht aus seiner Absicht hervor, den Gegner über die von Gruppe West und B.d.U. aufgestellte U-Bootslinie am 25.5. zu ziehen. Diese Absicht mußte aufgegeben werden, als sich herausstellte, daß der Ölverlust zu groß war, um ein solches Ausholen zu gestatten. Auch die Anregung der Gruppe West, nach Abschütteln des Gegners im abgelegenen Seeraum längere Zeit zu warten, konnte nicht Folge geleistet werden.

Führer fragte ferner: Warum hat "Bismarck" nicht nach der Versenkung der "Hood" im Vertrauen auf seine Gefechtsstärke den "Prince of Wales" erneut angegriffen, um ihn - auch unter vollem Einsatz - niederzukämpfen. Selbst bei Verlust des "Bismarck" nach solchem Kampf wäre das Endergebnis dann 2 engl. Verluste gegen einen deutschen gewesen.

Ob.d.M.: "Bismarck" hat den "Prince of Wales" am 24.5. 1944Uhr erneut angegriffen, um das Absetzen des "Prinz Eugen" zu ermöglichen. "Prince of Wales" entzog sich aber nach dem Untergang der "Hood" sorgfältig weiterer wirksamer Beschießung (Bismarck nur 28sm), wie offenbar auch später die anderen schweren Schiffe des Gegners. Abgesehen davon aber hatte Flottenchef sein Hauptziel "Schädigung des feindl. Handels" im Auge zu behalten, solange "Bismarck" und "Prinz Eugen" dazu noch in der Lage waren. Hätte er ein Gefecht gegen "Prince of Wales" durchgeschlagen, so hätte er selbst bei günstigem Erfolg mit schweren Beschädigungen rechnen müssen, die ihm die Weiterführung des Handelskriegs unmöglich machten. Zu kämpfen hatte er nur, soweit der Gegner ihm die Aufnahme des Handelskrieges verwehrte. Ohne den verhängnisvollen Rudertreffer hätte er aller Wahrscheinlichkeit nach den Bereich wirksamer Unterstützung durch deutsche Luftstreitkräfte erreicht und seine Reparaturen in St. Nazaire ausführen können. Nachträglich gesehen* war natürlich ein Niederkämpfen des "Prince of Wales" ein größerer Erfolg als der heldenmütige Untergang ohne Versenkung eines zweiten Gegners.

(*Hervorhebung im Skript)

Quelle: Lagevorträge des Ob.d.M. vor Hitler

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Spee

Servus Rymon,

..der Gegner angeschlagen und feuert ungenau und unregelmäßig, man hat bis jetzt kaum Munition verbraucht, der Gegner ist nicht schneller als die eigene Kampfgruppe..

Wie weit "Prince of Wales" angeschlagen war, konnte Admiral Lütjens nicht wissen. Ungenau geschossen? 2 Treffer und 1 Naheinschlag würde ich nicht so bewerten. Bis zum Zeitpunkt des Gefechtsabbruches feuerte nur Turm "A" der "Prince of Wales" unregelmäßig (bis gar nicht), was man aber auch auf den spitzen Anlaufwinkel schieben konnte. Gewissheit konnte man auf deutscher Seite nicht haben. Bei einem Verfolgungsgefecht hätte "Bismarck" nur ihre 2 Fronttürme einsetzen können, also 4 Rohre gegen 4. Turm "Y" fiel erst 4 Minuten nach Gefechtsabbruch aus!
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

t-geronimo

Jau, feine Diskussionkultur bisher! :TU:)

Mal einige Anmerkungen von t-lütjens.  :-D

Mir liegt etwas zu viel Augenmerk auf Versenken-nicht versenken und mir ist nach wie vor etwas zu viel Wissen von heute im Spiel.
Daher mal einige meiner Gedanken, ohne namentlich auf die Vorschreiber einzugehen.

- Kein Nachbunkern in Bergen: selbstverständlich eine unverzeihliche Unterlassung. Keine Erklärung dafür, Zeit wäre gewesen, da PG eh' bunkern mußte.

- kein Nachbunkern von Weissenburg: Hätte man tatsächlich machen können. Vielleicht hat Lütjens die Wetterprognose davon abgehalten: beim Durchmarsch schlechtes Wetter, droht aber aufzuklaren (siehe späteres Gefecht: relativ sichtiges Wetter). Hätte Zeit gekostet, die Nachtlänge in der DK-Str. nahm um diese Jahreszeit schnell ab.
Außerdem hatte er (falsche) Meldungen, daß die gesamte Home Fleet (HF) noch in Scapa sei. Also anscheinend nix bemerkt hatte bis dahin.
Da hat Lütjens wohl tatsächlich noch auf einen unbemerkten oder zumindest unverfolgten Durchbruch gehofft.

-erster Kontakt: Warum abbrechen? Auch bei OP Berlin gab es Feindkontakt, und doch konnte der Gegner gemieden bzw. abgeschüttelt werden.
Der Versuch dazu wurde unternommen (Angriff auf Norfolk), dann wurde versucht, die massiv schlechte Sicht zu nutzen (Nacht, Regen, Nebel) um sich abzusetzen. Das war kein Wetter, um sich lange mit Torpedo-Trägern in engen Gewässern rumzuschlagen und viel wichtiger: es hat ja zuerst sogar geklappt!!
Die Zeit, bis die Briten die dt. Kampfgruppe nach dem Kontaktverlust wiederfanden, hat Holland später seinen Erfolg gekostet, weil er seinen Kurs alternieren mußte und so von der Seite statt von vorn kam.
Und am wichtigsten: Lütjens Informationsstand war nach wie vor: HF ist in Scapa!!!

- die britischen Kreuzer sind wieder dran: spätestens JETZT war klar: die scheinen Radar zu haben!!!!!
Anders war das kaum zu erklären.
Befürchtet worden war das ja schon länger, nun schien es Gewißheit zu sein.
Damit dürfte Lütjens auch klar gewesen sein, daß er gerade den letzten Ausbruch deutscher schwerer Einheiten befehligt, der eventuell noch klappen könnte, weil man fast durch war und immer noch dachte, HF ist in Scapa oder gerade erst ausgelaufen.
Diese Erkenntnis über britisches Radar dürfte für einen Flottenchef vielleicht die bis dahin dramatischste Erkenntnis überhaupt gewesen sein, könnte ich mir vorstellen!! Ist aber etwas Spekulation, weil darüber eben nicht viel überliefert ist und alle Unterlagen mit untergingen.

-Gefecht in der DK-Str.: Mit dem Auftauchen schwerer brit. Einheiten war klar, daß die ganzen Scapa-Meldungen des B-Dienstes nicht stimmten. Zwei hatte man vor sich, wo war der Rest?
Nach Untergang Hood dachte man außerdem nach wie vor, die voll eingefahrene KGV vor sich zu haben, auch wenn sie beschädigt abdrehte, und nicht die noch grüne POW (die sich dafür herausragend geschlagen hatte!!!).
Zum Nachsetzen sagte ich ja bereits, das hätte massiv Zeit gekostet und wohin würde KGV denn ablaufen? wohl doch vermutlich dahin, wo Hilfe zu erwarten ist - der Rest der HF oder zumindest Victorious?
Und die Schadenslage war zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung Abbruch/nicht-Abbruch noch nicht bekannt!!!

Und PG hatte immerhin genug Sprit, um knapp bis zu den Azoren zu kommen - also noch mindestens zwei Nächte Zeit, weitere Absetzversuche zu unternehmen.
Und wie weiter oben schon gesagt: Man war erstmal durch, wenn auch mit Fühlunghaltern im Nacken (die auch mal tanken müssen, und das konnten die Briten nicht auf See!!), UND es war der vielleicht letzte Versuch, in den Atlantik zu kommen - der Sommer mit kurzen Nächten war da und die britishcen Radar-Kreuzer in den Ausbruchswegen würden bestimmt nicht weniger werden!!!


Und nun Feuer frei!!  :MG:
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Spee

@T(horsten)-G(ünther) Lütjens,

In Anlage 1 des Vortrages vom 6.6.1941 steht dazu folgendes:

"Das Auftreffen auf eine gegnerische Kreuzerbewachung in der Dänemarkstraße kam nach der gesamten Feindlagebeurteilung zwar für den Flottenchef in gewisser Beziehung überraschend, ließ aber bei der völligen Ruhe im feindlichen Funkbetrieb ohne weiteres noch keine Rückschlüsse zu auf ein umfassendere Operation des Gegners zur Verhinderung eines von deutscher Seite erwarteten Atlantikvorstoßes. Auch die Kreuzer "Scheer" und "Hipper" hatten bei ihrem Durchbruch durch die Dänemarkstraße auf Rückmarsch vom Atlantik schwere Kreuzer in der Überwachung festgestellt und sich der Sichtung des Gegners rechtzeitig entziehen können. Für den Flottenchef lag daher beim Sichten des schweren Kreuzers noch kein Grund vor, die Unternehmung abzubrechen und sich nach Osten wieder abzusetzen, zumal die sehr unsichtige Wetterlage die Möglichkeit zu einem längeren Fühlungshalten oder zum Ansatz von Aufklärungsflugzeugen als sehr gering erscheinen lies. Besonders überraschend und von entscheidender Bedeutung für die weitere Operation war aber die erstmalig festgestellte Wahrscheinlichkeit von dem Vorhandensein eines offenbar sehr gut arbeitenden Dete-Gerätes, das die Gunst der unsichtigen Wetterlage für den Durchbruch der Kampfgruppe zunichte machte und eine schnelle Lösung vom Gegner verhinderte."
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Spee

@Marc,

nochmal kurz zu Kapitän Lindemann. Wer verbürgt sich für seinen Spruch gegenüber Admiral Lütjens, zwecks eigenes Boot unterm Popo  wegschiessen?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

t-geronimo

Müllenheim-Rechberg hörte im Telefon mehrfach die Stimme Schneiders "Frage Feuererlaubnis?" Dazu: "Gegnersalven liegen gut!"
Und dann kam laut MR der Spruch Lindemanns, der an die Adresse Lütjens' gerichtet war.

Er schreibt allerdings nicht wortwörtlich, daß er ihn auch genau so wortwörtlich gehört habe.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Spee

Alles klar. Könnte also auch nur ein Mythos sein.

Danke T-Lütjens
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Urs Heßling

Hi

Thorsten, gute Kurskorrektur und Zusammenfassung  top

Das nicht-Tanken im Grimstadfjord sehe ich auch als schweren Fehler.

Von einem anderen Marineoffizier hörte ich einmal (und vergaß, ihn nach der Quelle zu fragen  :](*,) ), Lütjens habe nach dem Gefecht und der Schadensmeldung auf die Frage "Umkehren ?" geantwortet "Ich bin doch nicht Marschall".
Das bezieht sich auf die im Nachhinein von Raeder verrissene Entscheidung M.´s, nach Versenkung der "Glorious" und der Beschädigung der "Scharnhorst" durch Torpedotreffer am 8.6.40 das Unternehmen "Juno" abzubrechen)

Alex@Es wurden weder Schritte unternommen, die Fühlungshalter abzuschütteln, noch sie zu vernichten.
Wie denn bitte, bei Kreuzern, die über 30 Kn laufen können und Radar haben ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Spee

Servus,

nachtanken wohin?
Üblicherweise wurden doch erst die Tanks im Bug leergefahren. Wenn man in Norwegen dann die Bugtanks komplett aufgetankt hätte, wäre das nach dem Treffer im Bug so oder so hinfällig. Gibt es dazu Informationen?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Huszar

Hallo, Leute,

Ich versuche mal mit Google Earth etwas. Ich möchte unterstreichen, dass ich zu diesem Zeitpunkt die englische Disposition NICHT nachgesehen habe!

1, Entfernung Scapa-Gefechtsort beträgt 885sm. Es ist nicht zu erwarten, dass Hood und KGV (POW) mehr, als 25 Kn auf dem Weg gelaufen sind, allerdings auch nicht weniger, als ca 23 (sonst wäre die komplette HF mit im Schlepptau gewesen!). Die Zeit, um diese Entfernung zurückzulegen, beträgt bei 25Kn ca 35,4 Stunden.
Der Rest der HF (R und QU-Klassen, die 16"-Bügeleisen) kann bestenfalls 23Kn laufen, wahrscheinlich weniger, allerdings nicht unter 18Kn. Ich rechne mal mit ca. 20Kn. In 35,4 Stunden steht also der Rest der HF noch gut 175sm weg, knapp 9 Stunden. Kurs wahrscheinlich westlich, um den dt. Verband den Weg abzuschneiden.
PE hat noch für etwa 1300sm Brennstoff (bei hohen Fahrtstufen - ca 26-28Kn).
(Force H jetzt ausgeklammert!)

Anhang 1

2, Entfernung Gefechtsort-Trondheim durch die Dänemarkstrasse beträgt ca. 2250sm. Insofern die Fühlungshalter Versenkt/beschädigt/vertieben sind, kann die dt. Kampfgruppe in gemütlichem Tempo Ablaufen - dh. etwa 23-25Kn. Somit hätte der Rest der HF keine Chance, aufzuholen. Bei 24Kn erhöht sich die Reichweite der PE auf ca. 1700sm, bei 23Kn auf ca. 1800sm. Um ohne Nachtanken nach Hause fahren zu können, müsste man ca. 20Kn halten. In ca. 113 Stunden wäre man zu Hause. Die HF würde mM einen Suchstreifen nach Westen fahren, und dann versuchen, südlich Island vorbeifahrend den Weg der dt. Kampfgruppe abzuschneiden. Entfernung etwa 1700sm (gelbe Linie). Problem ist aber, dass identische Geschwindigkeiten vorausgesetz, BM und PE schon ca. 200sm weiter im Osten stehen...

Anhang 2

3, Entfernung Gefechtsort-Trondheim südlich von Island beträgt ca. 2200sm. Egal, was mit den Fühlungshaltern geschieht, die dt. Kampfgruppe müsste sich mit ziemlich hoher Geschwindigkeit absetzen, um der HF zu entkommen - also 25+Kn. Mit dieser Geschwindigkeit hat aber PE keine Chance, Trondheim zu erreichen, etwa auf Höhe der Faeroers geht der Sprit aus. Schieben ist angesagt  :-D
Auch wenn die HF einen kleinen Abstecher nach Westen macht, besteht eine ziemlich grosse Chance, dass sich die beiden Geschwader treffen...

Anhnag 3

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

ufo

Zitat von: t-geronimo am 19 Februar 2009, 17:13:53
...
- Kein Nachbunkern in Bergen: selbstverständlich eine unverzeihliche Unterlassung. Keine Erklärung dafür, Zeit wäre gewesen, da PG eh' bunkern mußte.

- kein Nachbunkern von Weissenburg: Hätte man tatsächlich machen können. Vielleicht hat Lütjens die Wetterprognose davon abgehalten: beim Durchmarsch schlechtes Wetter, droht aber aufzuklaren (siehe späteres Gefecht: relativ sichtiges Wetter). Hätte Zeit gekostet, die Nachtlänge in der DK-Str. nahm um diese Jahreszeit schnell ab.
Außerdem hatte er (falsche) Meldungen, daß die gesamte Home Fleet (HF) noch in Scapa sei. Also anscheinend nix bemerkt hatte bis dahin.
Da hat Lütjens wohl tatsächlich noch auf einen unbemerkten oder zumindest unverfolgten Durchbruch gehofft.

...
Und nun Feuer frei!!  :MG:


Nachbunkern ... hmm ... das klingt so eindeutig bei Dir. War das wirklich so unverstaendlich? War das wirklich unverzeihlich?

Setz Dich doch mal in den Admiralssessel da vor all den Jahrzehnten in Norwegen. Ist das wirklich soo eindeutig?

Du hast einen Kreuzer bei Dir. Der saeuft wie ein Loch und rennt wie ein Haase. Eine Hipper Class kann Deinem Schlachtaschiff selbst dann noch wegfahren, wenn der Wasserpass bis zu den Bullaugen weg ist. Also tankt man den Prinzen doch voll. Bis zum Stehkragen. Und wenn die an Bord leere Kartuschen finden, werden die an die Reling gelascht und auch gleich noch mit Treiboel befuellt.
Tja – und Dein Schlachtschiff? Das hat Oel bis zum Abwerfen. Jede Tonne, die Du da reifuellst, laesst den Zosen tiefer tauchen, macht ihn langsamer ... und langsamer.
Oel ist nicht knapp. Im ganzen Atlantik stehen Deine Tanker rum. Geschwindigkeit ist knapp. Du must moeglichst so schnell sein wie der Prinz. Wenn es beim Durchbruch um Abhaengen oder beschattet werden geht, zaehlt jeder halbe Knoten. Also faehrt man doch die Bismarck mit soviel Oel wie unbedingt noeting und so geleichtert wie irgend moeglich.  Volltanken kann man im Atlantik. Bismarck vor dem Durchbruch tanken verbraucht kostbare Geschwindigkeit.

Macht das nicht auch Sinn so als Gedanke?

Bestimmt findest Du hier im Forum den einen oder anderen, der Dir Zahlen liefern kann: VauMax fuer ein Bismarck vollbeladen und um tausen Tonnen geleichtert? Da kommen schon Differenzen bei raus. Nicht umsonst wurden Italienische Kreuzer bei der Werftprobefahrt nur in Unterwaesche gefahren. Laenge laeuft aber Gewicht laeuft nicht. 

Ufo

Herr Nilsson

@Spee

die Herkunft von Lindemanns angeblichen Spruch habe ich nie nachverfolgt. Das ist für mich eine nette Anekdote. Mehr nicht.

Über die nicht erfolgte Beölung im Grimstadfjord habe ich mich zufällig gestern abend kurz mit Josef unterhalten. Ich fasse das mal zusammen. Laut Operationsbefehl Nr. 16 war schlicht keine Beölung für Bismarck geplant und es stand daher kein Tanker bereit. Eine Beölung war nur durch den bei Spitzbergen stehenden Tanker ,,Weißenburg" vorgesehen, wenn der Durchbruch in den Nordatlantik nicht sofort möglich war. Wie wir wissen, erschien die Lage der Gruppe Nord damals aber günstig. Lütjens hätte natürlich trotzdem die Möglichkeiten gehabt trotzdem einen Tanker in Norwegen für Bismarck vorzusehen. Hat er aber nicht. Ob man ihm daraus einen Strick drehen kann, weiß ich nicht. Nachher ist man immer schlauer. UFOs Argument ist in dem Zusammenhang meiner Meinung nach auch ganz wichtig. Wenn man schnell sein will, sollte man nicht zu schwer sein, allerdings ist es dann unverständlich, dass angeblich Heizöl im Bug belassen wurde, was zu einer - nach allem was ich gelernt habe - eher ungüstigen Trimmlage führt, was Höchstgeschwindigkeit betrifft.

Die Verhältnisse bezüglich der Reservetanks in Abteilung XX und XXI sind so oder so in vielerelei Beziehung rätselhaft (vor allen Dingen in Bezug auf vorhandene Aussagen zum Trefferbild und den daraus resultierenden Konsequenzen). Wie auch immer. Wenn man diese in Norwegen vollgetankt hätte, wären sie vor Island sicherlich auch wieder leerer gewesen, wenn man sich an die Vorschriften gehalten hätte. Der Legende nach sollen aber dort auch ohne ein Nachtanken Heizölbestände abgeschnitten gewesen sein. Ist schon tragisch, wenn Treffer volle Bunker beeinträchtigen und nicht leere. Aber über das Phänomen, dass Treffer seltsamerweise im dort sind wo es richtig weh tut, haben wir beide uns ja schonmal unterhalten. Murphy's Law ist schon zuverlässig.
Gruß Marc

Spee

Servus Marc,

ja, Murphy ist sehr zuverlässig.
Ich versuche mir die Sache so zu erklären. Bis Norwegen wurden nur die Bugtanks benutzt, zumindest wäre das der Vorschrift entsprechend. Also hätte ein Tanker auch nur Bugtanks befüllen können. Dies wiederum hätte nach dem Treffer im Bug nur dazu geführt, daß noch mehr Öl im Bug abgeschnitten und nutzlos ist, da man ja auf Bugtanks fuhr (sonst wären sie leer gewesen oder man fuhr gegen Vorschrift). Damit ist die Frage, ob in Norwegen beölen oder nicht , völlig irrelevant. Es hätte an der späteren Lage der "Bismarck" nichts geändert.

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

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