Das Ende der deutschen Beute-U-Boote in der sowjetischen Seekriegsflotte

Begonnen von hillus, 22 Februar 2012, 16:13:26

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hillus

Hallo,

nachdem im Thread "Acht U-Boote nach 1945 von Stapel?" darüber berichtet wurde, welche deutschen U-Boote von der Roten Armee im Bereich der Ostsee vorgefunden wurden und nicht in Dienst kamen, ein paar Info's von den Booten, die tatsächlich in Dienst kamen. Die bei der Baltischen Flotte in Dienst gekommenen deutschen Beute-U-Boote erhielten die Pennant Numbers N-22 bis N-31. Das "N" stand für "nemez"-kyrillisch нeмeц, in deutscher Übersetzung "DEUTSCHER". Damit waren diese Boote eindeutig als ex deutsche U-Boote erkennbar. Ich fange mit dem VIIC-Boot U 1057 an.

N-22
Typ VIIC deutsch U-1057
letzter deutscher Kommandant: Günther Lüth bis 10.05.1945
30.05.1945 Übernahme in Loch Ryan in Schottland von den Alliierten
05.11.1945 zum Bestand der SKF und dann der Baltischen Flotte
13.02.1946 taktische Nummer N-22
15.02.1946 Übernahme durch sowjetische Besatzung und in Dienst der Nord Baltischen Flotte
25.02.1946 zur 4. Abteilung der 2. Brigade der Nord Baltischen Flotte
01.1947 zur 4. Abteilung der 2. Brigade der 8. Flotte
12.01.1949 Klassifizierung als mittleres U-Boot
09.06.1949 neue taktische Nummer S-81
...1949 zur 1. Abteilung der 1. Rotbannerbrigade der 4. Flotte (Ostsee)
03.1951 zur 158. Brigade der 27. Rotbannerdivision der 4. Flotte
04.1955 zur 241. Brigade Versuchsschiffe der Nord Flotte
09.1955 bei Atomwaffenversuchen mit dem atomar bestzückten Torpedo T-V in der Tschernyj Bucht in Überwasserlage und 600 Meter Entfernung vom Epizentrum schwer beschädigt und gesunken
(Es werden auch 1000 Meter vom Epizentrum angegeben.) (Vgl. Podwodnyj flot N° 6)
30.12.1955 noch im gesunkenem Zustand für Versuche im Gebiet von Nowaja Semlja genutzt

Bekannt gewordener Kommandant:
Korvettenkapitän   G.S. Maschnyj (...05.1955 bis 09.1955)

Es sind insgesamt elf ex deutsche U-Boote bei der Baltischen Flotte in Dienst gegangen, d. h. es kommen in den nächsten 10 Tagen noch die restlichen 10 Boote. Jeden Tag ein Boot. Wir wollen ja nichts übertreiben.

Grüße aus Braunschweig

hillus




F.B.

Hallo,

Danke für die Infos!!! :O/Y Eine Frage hätte ich, sind das die Beuteboote welche einmal zur Übergabe an die Volksmarine vorgesehen waren?

MfG

Frank

hillus

Hallo Frank,

das Beste haben sie für sich behalten. Von den insgesamt 11 Booten war keines für die VM vorgesehen, zumindest ist dafür nichts in meinen Unterlagen enthalten.
Für 1953 war die Übergabe von fünf ehemaligen VIIC-Booten an die Volkspolizei-See geplant. Es wurden jedoch keine Bootsnummern bekannt.
Bei Mehl/Schäfer in "Die andere deutsche Marine". Berlin 1992, S.17 werden diese 5 Boote auch angegeben. Sie schreiben, für Mitte Juni 1953 war das Eintreffen der ersten Boote aus Kronstadt avisiert und die Boote seien bereits ausgelaufen. Angekommen sind sie nie. Sie schreiben, dass bereits im Vorfeld des 17. Juni 1953, den damaligen politischen Unruhen in der DDR, die Überführung gestoppt worden sei. Soweit Mehl/Schäfer.
Ihre Ausführungen sind dahingehend vage, weil die Sowjetunion insgesamt nur 5 VIIC-Boote in den verschiedenen Modifikationen erhielt. Ich glaube nicht, dass sie bereit waren, alle 5 Boote der DDR zu überlassen.
Welche VIIC-boote an die SU gingen, wird Dich in den nächsten Tagen überraschen oder Du bist darüber bereits in Deinem Archiv informiert.

Grüße aus Braunschweig

Jochen

Ralph

Hallo,
Im sogenannten "Dokument Zeuthen" ist von 14 Booten von 750 t die Rede. Was davon Altbestand von der SU geliefert und was als Neubau geplant war geht aus diesen Dokument meines Wissens nicht hervor. Im Februar 1953 wurde vor Warnemünde ein U-Boot geborgen. Dieses sollte als Vorlage für eventuelle Neubauten dienen.
Gruß Buschi

Trimmer

Wenn alles so stimmt sollten wohl 5 Boote aus Beutebeständen der SU kommen. Dazu 2 noch zu hebende Boote -U-1308 Typ VII C/41 und U-2344 Typ XXIII  sowie 2 sowj. Boote vom Typ M / Serie XV " M "

Soweit habe ich es hier in meinen Unterlagen.
Jochen - bitte wenn falsch richtig stellen

Gruß - Achim-Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

F.B.

@ Jochen,

Welche Boote kann ich nachvollziehen (soweit das die übliche Literatur hergib!!), nur die genaue Verwendung, da hab ich keine genaue Infos dazu. Das ändert sich aber gerade!!!! :-D

@ alle,

Danke für die Informationen und Antworten.

MfG

Frank 

hillus

Hallo Bushi und Achim,

scheint ein gutes Thema zu sein. Viele wissen etwas, aber alle wissen zu wenig. gemeinsam wollen wir Licht hineinbringen.

Also im sogenannten "Dokument Zeuthen" sind wohl 14 Boote aufgeführt, aber es ist eben als Planungsdokument zu verstehen. So viele 750 Tonnen Boote waren gar nicht mehr vorhanden, geschweige denn aufzutreiben. Die deutschen U-Boote waren aufgeteilt bzw. versenkt in der Operation DEADLIGHT der Royal Navy. Planung ist immer die eine Sache, was letztlich dann realisiert wird ist die andere Sache. Natürlich ist nicht zu verhehlen, dass die Russen durchaus die noch vorhandenen Erfahrungen z. B. der Neptunwerft Rostock nutzen wollten.

Zu den anderen Fragen. Jetzt bist Du dran, Achim!
Wie sagt Paul Panzer: Riiichtig!!!

U 1308, ein VIIC/41-Boot sollte im Herbst 1952 vor Warnemünde gehoben werden, aber es war schwerer als gedacht. Die Bergungsarbeiten waren erst im Februar 1953 zu Ende. Es zeigte sich sehr schnell, dass die großen Beschädigungen es schwer machen würden, es wieder für die Volkspolizei-See in Dienst zu stellen. Dazu befragte man sogar ehemalige VIIC-Fahrer!! Sie hatten alle so tüchtig ihre Bedenken. Hinzukommende finanzielle Probleme ließen schließlich U 1308 nur noch den Weg zum Schneidbrenner.   

U 2344, ein Typ XXIII-Boot lag vor Heiligendamm und die Sowjets ließen nochmals das U-Bootproblem für die Volkspolizei-See scharf machen. Deshalb kam es dann 1955 zur Hebung des Bootes. Nach dem Schlepp zur Neptunwerft unterzog man es bis 1956 ebenfalls einer gründlichen Untersuchung im Dock. Aber auch hier waren die Schäden und die Wiederherstellungskosten zu groß und ab ging es 1957 zu den Schneidbrennern.

Geplant war, wie Du richtig schreibst, auch die Übergabe von zwei sogenannten MALYUTKA's. Das waren kleine U-Boote, die in vier Serientypen, Serie VI, VI-bis (heißt extra), XII und XV gebaut wurden.
Was die von Dir genannten Boote der Serie XV angeht, werden diese heute als Typ M V Projekt 96 in der russischen Periodika geführt. Ein Teil von ihnen wurde erst nach 1945 fertiggestellt. Welche MALYUTKA's die DDR bekommen sollte, ist mir bisher nicht bekannt.

Grüße aus Braunschweig

hillus



smutje505


hillus

Hallo Hartmut,

das Foto ist ja Goldstaub. Man kann ja richtig neidisch werden. top top top
Große Klasse!!

Gruß

Jochen

habichtnorbert

Hallo

bei der Aufzählung wurde ein U-Boot vergessen, es waren im ganzen:
zur Zeit der Seepolizei und der VP-See 2 Uboote vom Typ VIIC/41:
1.) Typ VIIC/41 - U 345 wurde 1952/53 gehoben, und 1953 in Warnemünde verschrottet,
2.) Typ VIIC/41 - U 1308 wurde 1953/53 gehoben, und 1953/54 in der Volkswerft Stralsund verschrottet,

und zur Zeit der Seestreitkräfte, 1 U-Boot Typ XXIII:
1.) Typ XXIII - U 2344, 1955 gehoben, sollte Zielboot für die U-Bootjäger werden, wurde aber 1958 in der Neptun Werft im Dock verschrottet,
Gruß Norbert

Wo die Flotte hinfährt, sind die Minensucher schon gewesen

Das Historische Marinearchiv: www.historisches-marinearchiv.de

hillus

Hallo Norbert,

alle Ergänzungen und Neuigkeiten sind immer willkommen. Danke für Deinen Beitrag und Deinen "Goldstaub". top top top

Anfangs nur den kleinen Hinweis, dass weiter oben schon U 2344 erwähnt wurde. Das Boot U 345 war nicht für eine Übernahme vorgesehen und stand nur zum Verschrotten zur Verfügung weshalb es nicht erwähnt wurde. Es bestätigt aber , wie gut das Gefallen am Tread ist. Diese Beiwerk ist notwendig und man staunt, aus welchen Richtungen mitgemacht wird. Einfach gut.

Spätabendliche Grüße aus Braunschweig

hillus

P.S. Morgen kommt N-23 ex U 1058

SchlPr11

Hallo,
das Foto in Antwort 7 zeigt das im Auftrag der Seepolizei durch den VEB Schiffsbergung und Taucherei Stralsund als "Objekt U" geborgene U 345 bei der Sicherung vor der Hohen Düne. Im Hintergrund die Warnemünder Molen. Die Bergungsgruppe bestand aus dem Bäderschiff UNDINE mit einer bis dahin wenig erprbten Hebezylindergruppe. Mehrmals gab es dabei Fehlschläge und Zeitverzögerungen. Das Foto ist vom Aufbaudeck der sichernden UNDINE aufgenommen.
Zur Entschlammung ging es danach in die Warnowwerft.
U 345 war es auch, welches im weiteren Verlauf in Stralsund die Slipanlage zertrümmert hat.

U 1308 wurde nicht in einer Ganzbergung, sondern als Schrott geborgen.

Somit bleibt es mit U 345 bei einem VIIc-Boot in Verbindung zur Seepolizei, und damit sogar bei  einem ganz außergewöhnlichen!

Reinhard

Trimmer

Hallo Jochen - nun möchte ich es doch "genauer " wissen  :-D Laut einschläglicher Literatur waren doch einige U- Boote noch bis 1973 im Bestand der sowj. Marine.
U-1231  Typ Ix C/40    sowj. N 25    bis 1960
U-2353  Typ XXIII                          bis  1963
U-3035  Typ XXI                  B 29    bis 1958
U-3041  Typ XXI                  B 30  bzw. PZS 35  bis 1959
U-3515  Typ XXI                  B 27 -dann BS 28 dann UTS 3  bis 1973

Nun mußte ich schon so oft Änderungen in meiner Literatur vornehmen  - stimmt das hier wenigstens  :/DK: 

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

hillus

Moin,

es folgt das 2. Boot der Serie. Zunächst aber Danke auch an Reinhard für seine Richtigstellung des Fotos. Ich bin der festen Überzeugung, Du hast bestimmt auch Fotos für diesen Thread!

N-23
Typ VIIC deutsch U-1058
letzter deutscher Kommandant: Hermann Bruder bis 10.05.1945
10.05.1945 Übernahme in Loch Eribol in Schottland von den Alliierten
05.11.1945 zum Bestand der SKF und dann der Baltischen Flotte
13.02.1946 taktische Nummer N-23
15.02.1946 Übernahme durch sowjetische Besatzung und in Dienst der Nord Baltischen Flotte
25.02.1946 zur 4. Abteilung der 2. Brigade der Nord Baltischen Flotte
05.11.1946 in Dienst der Baltischen Flotte
01.1947 zur 4. Abteilung der 2. Brigade der 8. Flotte
12.01.1949 Klassifizierung als mittleres U-Boot
09.06.1949 taktische Nummer S-82
03.1951 zur 156. Brigade der 17. Division der 8. Flotte (Ostsee)
29.12.1955 außer Dienst gestellt, Demontage der Bewaffnung, Umbau zur schwimmenden Ladestation PZS-32
04.01.1956 zur 156. Brigade der 27. Rotbannerdivision der Baltischen Flotte
03.1956 zur 156. Brigade der 27. Rotbannerdivision der Verwaltung Unterwasserstreitkräfte der Baltischen Flotte
25.03.1958 aus der Schiffsliste der SKF gestrichen
01.10.1958 Auflösung der sowjetischen Besatzung

Bekannt gewordener Kommandant:
Korvettenkapitän M. I. Chomjakow  (03.1946 bis 08.1946)
Korvettenkapitän N.I. Balin  (08.1946 bis 02.1948)
(Hinweis: Bei N.I. Balin streiten sich noch die Historiker, ob er seine Kommandantenzeit auf N-23 oder auf N-25 verbrachte

hillus

Moin Achim,

ich werde Dich Dich foltern. Jeden Tag ein Boot! Kannst Du das aushalten?? :MLL:

Aber Du bist nahe dran, wie die beiden Volkspolizisten, die zur Prüfung müssen und gefragt werden, wieviel ist 2x 2. Der Erste antwortet, das ist genau 6. Der Zweite kommt auf 5. Der Zweite schafft die Prüfung, er war am nächsten dran!!! :MLL: :MLL: :MLL: Achim, bitte nochmals lachen.

Bis morgen!

Jochen

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