Vor 50 Jahren, am 22. 10. 1962,der wahre Held der Kubakrise Wassili Archipow

Begonnen von Albatros, 13 Oktober 2012, 20:55:23

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Kaschube_29

Moin Manfred,

zu den Aktivitäten der russischen Unterseeboote der "Foxtrot"-Klasse im Rahmen der Kuba-Krise 1962 (firmiert in Rußland unter dem Begriff "Karibikkrise" ["Карибский кризис"]) urden in der Russischen Föderation nach der Perestrojka viele Meldungen veröffentlicht.

Aus der russischen (fast täglich erscheinenden) Armeezeitung ,,Krasnaya Zvezda" (,,Kрасная Звезда"),
der russischen (monatlich erscheinenden) Marinezeitschrift ,,Morskoy Sbornik" (,,Морской Сборник") und einigen seit 1994 in Rußland erschienen (und von mir erworbenen) russischsprachigen Marinebüchern habe ich in den vergangenen Jahren einmal die russischen Darstellungen zu den Aktivitäten der russischen Unterwasserflotte gesammelt.

Eine von mir gefertigte deutschsprachige Übersetzung/Auswertung dieser (teilweise recht unkritischen) russischen Darstellungen habe ich diesem Beitrag in einer elfseitigen Datei angehängt.

Im Nachhinein betrachtet ist es fast ein Wunder, dass es durch die russischen dieselgetriebenen Unterseeboote, die jeweils einen Torpedo mit Kernsprengladung mitführten (was die Amerikaner seinerzeit nicht vermuteten), nicht zu einem atomaren Schlagabtausch auf See kam.

Einen schönen Abend wünscht

Kaschube_29
Immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel (Bcегда семь футов под кильем)!

olpe

Hallo,
@Kaschube_29 ... top ... für die Ausarbeitung ...

Hier noch einige Ergänzungen über Vasili Alexandrovich Arkhipov incl. Bilder:
Der Lebenslauf und die Ereignisse mit K-19 sowie während der Kuba-Krise sind in kurzer und prägnanter Form dargstellt.
Grüsse
OLPE

der erste

Ja, Archipow war ein ruhiger und sachlicher Offizier. Vor allen Dingen, und das kann Olaf sicher auch bestätigen, ein bescheidener. Ich seh ihn noch vor mir, wie er die Formationen abging oder uns begrüßte. Oder wenn wir an der Bierbude standen und er vorbeiging, überhaupt nicht Admiral und Chef, sonder normaler Bürger. Von seinem Leben haben wir erst nach der Wende erfahren, auch wenn er schon damals, bzw einige Offiziere in Baku, mal so nebenbei von seinem Leben berichtet haben. In den neunziger Jahren hat er für sein damaliges Verhalten an Bord eine italienische Auszeichnung erhalten.
Warum allerdings einige Zeitschriften, so auch "TV - Sehen und Hören" 36/12, berichten, er sei 2. Offizier gewesen, ist mir unklar.

Albatros

Hallo Kaschube_29

ganz großen Dank das Du uns Deine Übersetzung/Auswertung der Ereignisse hier zur Verfügung gestellt hast.
Unglaublich was die Besatzungen der U-boote ertragen mussten und die Welt war wohl nie so nahe an einem Atomkrieg gewesen wie zu dieser Zeit der Kubakrise.

Auch ist es interessant zu erfahren das es hier Mitglieder im Forum gibt die den Konteradmiral Archipov persönlich kennen gelernt haben.

:MG:

Manfred

olpe

Zitat von: der erste am 15 Oktober 2012, 08:45:16
Ja, Archipow war ein ruhiger und sachlicher Offizier. Vor allen Dingen, und das kann Olaf sicher auch bestätigen, ein bescheidener. Ich seh ihn noch vor mir, wie er die Formationen abging oder uns begrüßte.
Hallo,
jo, da kann ich Hogo (@ der erste) nur zustimmen ...
Ein - wenn auch kleines - --/>/> Bild von Konteradmiral Archipov vor der angetretenen Gruppe der Volksmarinekursanten (Offiziersschüler) an der Kaspischen Höheren Schule der Seestreitkräfte in Baku um 1980 ...
(kleines Kuriosum mit Schmunzeleffekt: die Flagge hängt so, als ob es sich um die der Bundesrepublik handelt ... der s.g. "Werkzeugkasten", Hammer-Zirkel-Ährenkranz, ist nicht zu erkennen ... ein frühes Ohmen auf spätere Entwicklungen ... ?  :-D)
Grüsse
OLPE


olpe

Zitat von: Albatros am 15 Oktober 2012, 21:23:02
Ist zwar die Bildzeitung aber es geht hier um die Fotostrecke zu Wassili Archipow
Hallo,
...  top :MG: ... besten Dank, Manfred ... schöne Bilder ...
Grüsse
OLPE

olpe

Zitat von: der erste am 15 Oktober 2012, 08:45:16
Oder wenn wir an der Bierbude standen und er vorbeiging, überhaupt nicht Admiral und Chef, sonder normaler Bürger.
Hallo,
...  :-D :-D ... Diese Szene muss man sich jetzt mal richtig auf der Zunge zergehen lassen: vor dem Haupteingang der o.g. Marineschule stand eine recht schäbige Bierbude ... die einzige Tränke weit und breit ... sonst kaum durstige Typen vor dem Tresen ... das Bier schmeckte scheußlich ... Aber: zur 'Landgangszeit' meist eine kleine Traube von german seamen von der anderen Feldpostnummer in Zivil vor der Hütte ... Bierbämbel in der Kralle, lustige Gesichter, nette Unterhaltung, Gelächter ... Dieser Anblick war sprichwörtlich ... Und dann geht - in Uniform - der Schulchef höchstpersönlich an der Lasterhöhle vorbei ...
Nun muß Hogo weiterhelfen ... mir ist nicht bekannt, ob Konteradmiral Archipov, später Vizeadmiral - vielleicht noch freundlich lächelnd - sich die Szene reingezogen hat ... bierschlürfende deutsche Kursanten vor seiner Schule ...!  :-D :-D
Der Betreiber der Bierbude nannte sich übrigens 'Borja' ... jeder kannte ihn, ein Wahrzeichen dieses Vorortes von Baku und aller Marineleute dort ...
Grüsse
OLPE

der erste

Und vor allem bei jedem Wetter. Archipov ließ überhaupt nicht den Chef raushängen, er grinste immer nur. Andere Offiziere übrigens auch nicht, wenn sie mit uns zusammen da rumhingen, bzw. hinten bei Borja in der Hütte saßen und bei kaltem Wetter angewärmtes Bier aus dem Teekessel tranken. Aber sowie man durch den KDL war, mußte man schon mit einer Taschenkontrolle rechnen.

Ferenc

Naja,
alte Osterfahrene, wenn man so liest.
Bitte mehr, bitte genauer, Bin zu jung, bin ein Ösi, aber diese Geschichten sind schon interessant. Der Mensch Archipow ist mir unbekannt, aber sicher sehr bemerkenswert.
Wenns diesen Krieg gegeben hätte, wäre ich nicht oder nur atomar mutantiert auf der Welt. Dewegen bin ich ausgesprochen dankbar, das es Menschen wie Archipow gegeben hat.
Grüße
Ferenc

hillus

Moin,

das ist wieder einmal eine interessante Seite und sie trifft genau meine Linie der Kommandeure in der ehemaligen sowjetischen Seekriegsflotte.

Die Biographie von Wasilij Alexandrowitsch Archipow
(nur der militärische Werdegang!)

- 195? bis 03.1958 Kommandant S-150 Projekt 613 (WHISKEY-Klasse)
- Sommer 1961 Teilnahme an Fernfahrt K-19 Projekt 658 (HOTEL-Klasse) als Fregattenkapitän und Doubler-Kommandant gemeinsam mit dem Kommandanten Fregattenkapitän N.W. Satejew. Am 03.07.1961 schwere Reaktorhavarie mit 6 Toten, später starben noch zwei Besatzungsmitglieder. Im Schlepp auf die Reede der Sapadnaja Liza Bucht. 07.1961 bis 12.1961 sechs Monate zur Deaktivierung
der Radioaktivität am dortigen Platz.
- 12.1961 bis 11.1964 Chef des Stabes der 69. Brigade der 4. Rotbannereskadra
- 12.1961 bis 01.1963 Chef des Stabes der 69. Brigade der 20. Eskadra, der extra zur Kuba-Krise gebildeten Eskadra.
- 11.1964 bis 11.1967 Brigadechef der 69. Brigade der 4. Rotbannereskadra
- 01.1968 bis 1971 Chef des Stabes der 37. Rotbannerdivision der Baltischen Flotte
- 1971 bis 11.1975 Divisionschef der 37. Rotbannerdivision der Baltischen Flotte
- 12.1975 bis 09.1985 Kommandeur der Höheren Seeoffiziersschule "imeni S.M. KIROW" in Baku
- 1973? Konteradmiral
  10.02.1981 Vizeadmiral

P.S. Anmerkung
In meinem Buch "Schiffe in diplomatischer Mission" S. 30 wird diese Operation von mir erwähnt, wobei die vier FOXTROT-Boote in keinen kubanischen Hafen einliefen, obwohl auch Cienfuegos angegeben wurde. Das ist aber nicht richtig, wie ich heute weiß!

Das U-Boot B-75 der ZULU II-Klasse unter dem Kommando von Fregattenkapitän Nikolaj Iwanowitsch Natnenkow war ab 01.07.1962 in der 69. Brigade, in die es aus der 161. Brigade abgestellt wurde. Im Dezember 1962 verlegte es wieder zurück in diese Brigade.

Interessant ist nun hinzufügend an den Artikel von Kaschube_29:
Am 29.08.1962 auslaufend aus Poljarnyj und bis 10.1962 Aufklä-
rung für die U-Boote der 69.Brigade während der Kuba-Krise im Bereich der US-Küste und Guantanamo. Am 10.11.1962 wieder eintreffend in Poljarnyj.

Grüße aus Braunschweig

hillus


Urs Heßling

moin,

Zitat von: hillus am 16 Oktober 2012, 14:35:25
...
- Sommer 1961 Teilnahme an Fernfahrt K-19 Projekt 658 (HOTEL-Klasse) als Fregattenkapitän ...
- 12.1961 bis 11.1964 Chef des Stabes der 69. Brigade der 4. Rotbannereskadra
- 12.1961 bis 01.1963 Chef des Stabes der 69. Brigade der 20. Eskadra, der extra zur Kuba-Krise gebildeten Eskadra.

das paßt aber nicht mit der a.a.O. angegebenen Information "Erster Offizier" oder "Second-in-Command" zusammen. Deinen Angaben nach wäre er als Vorgesetzter des Kommandanten an Bord gewesen.
Hat da evt. jemand wieder "Second-in-Command" mit "Kapitän 2. Ranges" verwechselt ?

@ der erste: ach ja, by the way, da uns Bundesmarinern immer die Abkürzitis vorgeworfen wurde ... eine Frage: was heißt "KDL" ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

der erste


der erste

Nochmal zu den Unterstellungsverhältnis. Archipov war Chef des Stabes der Brigade. Vorgesetzter des Kommandanten war aber der Brigadechef, der sicherlich auf einem anderen Boot mit dabei war(?). Auf alle Fälle oblag die Kommandogewalt auf dem Boot beim Kommandanten. Der SCH hätte nur Rat geben können. Hätte er einen Befehl erteilt, hätte in die Schiffsführung eingegriffen, wäre ihm sofort die Schiffsführung übertragen worden und er stände dann in der Verantwortung. So war das auch bei uns.

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