Russland modernisiert Atom-U-Boot-Flotte

Begonnen von Albatros, 30 Mai 2009, 23:27:34

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Albatros

Ich stelle die Frage mal hier obwohl sie sich nicht nur auf die Atom-U-Boot-Flotte bezieht.

Besitzen die U-Boote neueren Datums der Russischen Marine eigentlich Gas-Erzeuger als Notanblasesystem ?

:MG:

Manfred

olpe

Zitat von: Albatros am 28 Juni 2013, 21:32:45
Besitzen die U-Boote neueren Datums der Russischen Marine eigentlich Gas-Erzeuger als Notanblasesystem ?
Hallo,
... davon ist auszugehen. Bekannt wurde dieses System für 'beschleunigtes Auftauchen' durch das Unglück von K-141 "KURSK", welches über Gasdruck auf mehrere Ballastwasserzellen wirkt. Die eher allgemeine russische Bezeichnung lautet пороховой аккумулятор давления = porokhovoy Akumulator Davlenya = Gasdruckakkumulator ... allgemein deswegen, da diese Bezeichnung auch für Gasgeneratoren für den Startvorgang von Flugkörpern bis hin zu ballistische Interkontinentalraketen aus Containern bzw. Starttuben verwandt wird ...
Grüsse
OLPE

Albatros

Hallo,

Wenn ich Nachfragen darf, inwiefern wurde das System durch das  Unglück der K-141 "KURSK" bekannt?

:MG:

Manfred

olpe

Zitat von: Albatros am 28 Juni 2013, 23:11:20
... inwiefern wurde das System durch das  Unglück der K-141 "KURSK" bekannt?
Hallo,
nun, im Zuge des Unglücks, der Rettungsaktionen und der Bergung des U-Bootes wurde nicht wenig über das Projekt 949A ANTEY und die "KURSK" im speziellen bekannt und veröffentlicht ... so auch die Ausstattung an Gerätschaften und Systemen sowie deren Anordnung in den einzelnen Abteilungen. In diesem Zusammenhang wurde auch das o.a. System für 'beschleunigtes Auftauchen' erwähnt ...
Grüsse
OLPE

Albatros

Zitat von: olpe am 29 Juni 2013, 09:25:32
Zitat von: Albatros am 28 Juni 2013, 23:11:20
... inwiefern wurde das System durch das  Unglück der K-141 "KURSK" bekannt?
Hallo,
nun, im Zuge des Unglücks, der Rettungsaktionen und der Bergung des U-Bootes wurde nicht wenig über das Projekt 949A ANTEY und die "KURSK" im speziellen bekannt und veröffentlicht ... In diesem Zusammenhang wurde auch das o.a. System für 'beschleunigtes Auftauchen' erwähnt ...
Grüsse
OLPE

Danke Dir, bei der Kursk hatte das System durch die katastrophalen Schäden dann wohl keine Wirkung mehr erzeugen können.

:MG:

Manfred

olpe

Zitat von: Albatros am 29 Juni 2013, 10:08:39
Danke Dir, bei der Kursk hatte das System durch die katastrophalen Schäden dann wohl keine Wirkung mehr erzeugen können.
Hallo,
nach der bisherigen Rekonstruktion der Ereignisse um die "KURSK" war das U-Boot nach der Initialexplosion im Torpedorohr Nr. 4 (hervorgerufen durch die Torpedotreibstoffkomponente Wasserstoffperoxyd 298APV eines der 65-76 KIT-Torpedos) noch steuerbar ... Kommandant Gennadi Lyachin und seine Offiziere besaßen die Möglichkeit, die Tiefenruder nach oben zu legen, um das U-Boot auf normalem Wege an die Wasseroberfläche zu bringen ... der Reaktor lief, der Antrieb ebenso ... Erst nach 2'15" erfolgte die zweite, vernichtende Detonation von 4 Gefechtsköpfen der 22 im Torpedoraum gelagerten Unterwasserwaffen, deren Auswirkungen den sofortigen Tod der Besatzung bis zur Abteilung V-bis (die vor der Reaktorabteilung) zur Folge hatte ... sowie die Zerstörung des Bugbereiches mit der Folge eines verheerenden Wassereinbruches ... Das Boot ging daraufhin sofort nach unten und schlug bei 108m auf dem Grund der Barentssee auf ...
Nach der ersten Explosion war eine Nutzung des 'Systems zum beschleunigten Auftauchen' (Notanblasen) nicht notwendig ...nach der zweiten nicht mehr möglich ...
Grüsse
OLPE

Albatros

Laut RIA Novosti legt Russland noch im Juli ein drittes Atom-U-Boot die ,,Nowosibirsk" der Jassen-Klasse auf Kiel.

http://de.ria.ru/security_and_military/20130704/266428199.html

:MG:

Manfred

hillus

#112
Hallo Manfred,

Du warst etwas schneller als ich. top
Das Verwirrende dabei ist jedoch, als drittes Boot des Projektes 08851 YASEN-M wurde UFA bekanntgegeben.
Obwohl mir beide Namen, also NOVOSIBIRSK und UFA,  schon längere Zeit bekannt sind, so ist das doch überraschend. Es könnte darin begründet sein, dass das in der NORD FLOTTE noch vorhandene KILO-Boot (Projekt 877) NOVOSIBIRSK sich im Reservestatus II befindet und die Stadt Nowosibirsk den Antrag gestellt hat, das Boot als Museumsboot zu übernehmen.
Reservestatus II heisst, für das Boot ist noch nicht die Entscheidung getroffen, ob es evtl. doch noch einmal eine Werftzeit bekommt, oder der Verwertung zugeführt wird. Zumindest ist die NOVOSIBIRSK in einem recht schlechten Zustand und ich wage mal die Prognose, das Boot kommt nicht wieder in Dienst.

Bis bald!

Jochen

olpe

#113
Zitat von: hillus am 05 Juli 2013, 12:37:20
... als drittes Boot des Projektes 08851 YASEN-M wurde UFA bekanntgegeben.
Obwohl mir beide Namen, also NOVOSIBIRSK und UFA, schon längere Zeit bekannt sind, so ist das doch überraschend.
Hallo,
genau so, wie Jochen es oben schrieb, ist mir die Sachlage auch bekannt  :MG:
Mal schauen, was im Hinblick auf die Bau-#3 weiter passiert ...  :-)

Hier ein Bild von der K-560 "SEVERODVINSK" (hinten) und der K-535 "YURIY DOLGORUKIY" an der
Ausrüstungspier der Marinewerft SSZ 402 SevMashPrepriyatie in Severodvinsk Mai 2013:

Beide U-Boote bei der Schiffbauhalle Nr. 40

Grüsse
OLPE

Harry64

Hallo,

eine Frage an unsere Spezialisten bezüglich der jetzigen russischen U-bootflotte.

Welche und wie viele russische U-Boote und U-Schiffe (konventionell und atomar) der verschiedenen Klassen befinden sich momentan in Russland...für die russische Marine im Bau, bzw. sind geplant.
Durch die vielen Meldungen darüber, komm ich irgendwo nicht mehr ganz durch.

Grüße und Danke vorab.

Harry

hillus

#115
Lieber Harry,

jetzt muss der demnächst erscheinende Band 2 Teil III " Die U-Boote der Nord Flotte vom 01.01.1992 bis 2012" herhalten, aber vielleicht muss ich doch noch ändern, weil das russische Verteidigungsministerium vielleicht schon wieder neue Dinge ausheckt. Aber da haben sie nicht viel Spielraum, weil die notwendigen neuen U-Bootsprojekte der U-Boote der 4. Generation bereits ausgereizt sind und die U-Boote der 5. Generation, so wurde verlautet, kommen nicht vor 2030! Da bin ich 87 Jahre alt und werde es, so Gott will, vielleicht noch wahrnehmen, aber wohl kaum im FMA mich zucken!! :MG:

Woran wird im Moment gearbeitet:
1. Strategische atomare Raketen-U-Boote Projekt 955 BOREY
Davon sind bis vor kurzer Zeit noch acht Boote geplant gewesen, aber inzwischen auf 7 Boote eingekürzt. Während die K-535 YURIY DOLGORUKIY, die K-550 ALEKSANDER NEVSKIY und K-551 VLADIMIR MONOMAKH über 16 BULAVA Starttuben verfügen, sollten die restlichen Boote mit 20 Starttuben ausgerüstet werden. Auch das wurde fallengelassen und es bleibt bei 16 Starttuben oder Startschächten, wie man auch sagt. Die K-535 ist am 07.01.2013 in Dienst gegangen und K-550 bzw. K-551 sollen nach dem erfolgreichen Bulava-Start auf K-550 (zwei Raketen geplant) noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden.
Das 4. Boot, KNYAZ VLADIMIR (PN noch unbekannt!), wurde nach dreimaligem Anlauf am 20.07.2012 auf Kiel gelegt.
Die nächsten geplanten Bootsnamen werden ALEKSANDER SUVOROV und MIKHAIL KUTUZOV sein. Der Name des 7. Bootes ist bisher unbekannt.

2. Atomare Mehrzweck-U-Boote mit Flügelraketenkomplex ONYX und KALIBR Projekt 885 YASEN
Davon sollen 8 Boote gebaut werden, was jetzt nochmals betont wurde, obwohl es mit der K-560 SEVERODVINSK tüchtige Probleme gab. Da sie nun behoben sein sollen, z.B. die Soll-Leistung des Reaktors und damit der Geschwindigkeit, ist das Boot z.Zt. in der See-Erprobung und hat auch schon im Dezember 2012 Probestarts mit den FK-Komplex erfolgreich durchgeführt.
Dieses Projekt 885 wurde modifiziert zum Projekt 885-M bzw. auch 08851 genannt. Nach diesem Projekt wurde am 24.07.2009 die KAZAN auf Kiel gelegt. Im Mai kam dann die Meldung, dass als nächstes Boot die UFA auf Kiel gelegt werden soll, aber dem war wieder einmal nicht so, denn am Tag der Seekriegflotte, 2013 am 28. Juli, soll nun als 3. Boot die NOVOSIBIRSK auf Kiel gelegt werden.

Ich meine, dass langt erst mal und ich kann mir etwas Ruhe gönnen. Morgen zu den Diesel-U-Booten und den ATOM-U-Booten spezieller Bestimmung K-64 und BELGOROD!

hillus

Harry64

Hans-Joachim,

schon hierfür vielen herzlichen Dank...und für den kommenden Überblick der konventionellen U-Boote.

Du sprachst U-Boote der 5. Generation an...gibt es hierzu schon irgendwelche Aussagen, Darstellungen oder Absichtserklärungen?

Beste Grüße

Harry

hillus

#117
Hallo Harry und Mitleser,

heute nun zu den Bauvorhaben von atomaren U-Booten spezieller Bestimmung. Hinter der sowjetisch-russischen Klassifizierung ,,Atomares U-Boot mit spezieller Bestimmung" (russ. ПЛAСН - deutsch PLSN) verbargen sich in der NATO-Klassifizierung vor allem Spionage U-Boote.

Als Unterwasserträger von Kleinkampfmiiteln wurden in der Vergangenheit vor allem bekannt:
Die BS-86 lasse ich mal so im Raum stehen, obwohl mit diesem U-Boote die ersten Anfänge stattfanden.

KS-411 ORENBURG ex K-411 (Projekt 09774 - NATO Code YANKEE STRETCH), alte Projektbezeichnung 667-A
BS-136 ORENBURG ex K-129 (Projekt 09786 - NATO Code DELTA STRETCH), alte Projektbezeichnung 667-BDR - NATO Code DELTA III

1. BS-64 PODMOSKOVYE ex K-64 
(Der auch genannte Name VLADIMIR ist falsch!)
Projekt 09787 NATO Code unbekannt), altes Projekt 667-BDRM - NATO Code DELTA IV
06.1999 Beginn des Umbau zu einem Atom-U-Boot mit spezieller Bestimmung (PLASN) bei der FGUP MP ZVEZDOCHKA
2002 Herausschneiden der Raketenabteilung
...2002 Abbruch des Umbaus und Terminverschiebung auf unbestimmte Zeit wegen fehlender finanzieller Mittel im Militärhaushalt.
...2002 neue taktische Nummer BS-64
...2002 als Auflieger mit zusammengechweißtem
Bug- und Heckteil unfertig bei ZVEZDOCHKA
2006 sollen die Arbeiten zum Umbau von BS-64 ex K-64 wieder begonnen worden sein
2009 neuer Name PODMOSKOVYE
06.2011 noch in der Bauhalle bei OAO TsS ZVEZDOCHKA         
10.12.2012 zur Wiederherstellung der durch Brand beschädigten K-84 YEKATERINBURG wurde der Sonarkomplexes SKAT-BDRM demontiert und
in K-84 remontiert.
Ob BS-64 PODMOSKOVSKYE einen neuen Sonarkomplex bekommt, ist bisher noch nicht ersichtlich.
Ende 2014 geplante Fertigstellung des Umbaus und wieder Indienststellung in der Seekriegsflotte.      
Anmerkung:
1. Die mittleren Abteilungen von KS-411 ORENBURG mit ihrer Spezialbewaff-
nung und –ausrüstung sowie die Unterkünfte für die Besatzungen der Kleinkampfmittel und Froschmänner wurden herausgeschnitten und sollten bei K-64 wieder montiert werden, was bis heute nicht er-
folgt ist!!!

2. 04.12.2012 berichtet die IZVESTIYA, der Träger des neuen LOSHARIK soll das umgebaute Atomunterseeboot BS-64 ex K-64 PODMOSKOVYE werden. Es durchläuft seit dem Jahre 1998 eine ,,tiefgreifende Modernisierung" im TsS ZVEZDOCHKA. Es ist bekannt, dass dem U-Boot bereits die Abteilung für die Interkontinentalraketen ,,Sineva" ausgebaut wurde und gegenwärtig wird an seiner Stelle der Platz für eine Dockanlage für Mini-Unterseeboote geschaffen. Gemäß den Flottenplänen sollen alle Arbeiten an der BS-64 PODMOSKOVYE bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Weiterhin sollte vom in der Verwertung befindlichen BS-136 ORENBURG (I) das Trägerteil für die Mini-U-Boote demontiert und für K-64 verwendet werden.


Zum zweiten PLASN:
K-329 BELGOROD ex K-139 (Projekt 09852), altes Projekt 949-A OSCAR II
02.10.1992 auf Stapel bei der GP SEVMASH als PLAK
06.04.1993 Name BELGOROD
1997 bei einem Ausrüstungsstand von 75% wegen fehlender finanzieller Mittel Baustop, aus der Schiffsliste der SKF gestrichen und Konservierung
in Sewerodwinsk, Auflösung der Besatzung
09.2000 bis 04.2002 geplante Fertigstellung nach geändertem Projekt 949-AM nicht realisiert
22.07.2006 Planung einer eventuellen Fertigstellung nach anderer Variante bzw. Nutzungsvertrag mit Indien
2008 auf Beschluß des Ministeriums für Verteidigung kein Fertigbau und Zuführung zur Verwertung nach Ausbau aller noch für die vorhandenen Boote zu verwendenden Teile und Mechanismen.
Bis Mitte 2011 war keine Demontage erkennbar.
In einem Interview mit dem damailigen Oberbefehlshaber der SKF, Admiral W. S. Wysozkij, am 02.02.2012 soll das Schwesterschiff der untergegangenen K-141 KURSK, K-139 BELGOROD, als spezielles Projekt
fertiggebaut werden.
20.12.2012 symbolische 2. Kiellegung von BELGOROD gemäss Projekt 098520 bei der OAO PO SEVMASH  als Träger von Unterwasser-Klein-U-Booten unter Anwesenheit des Obfh. der SKF, Admiral Wiktor Tschirkow, dem Chef der Hauptverwaltung Tiefseeforschung des Ministeriums für Verteidigung, Vizeadmiral Alexej Burilitschew,
und anderen hohen Gästen. Als neue taktische Nummer wurde K-329 bekannt, die bis dahin an das neue APL SEVERODVINSK vergeben war!


Das reicht, denn morgen wollt Ihr ja noch die Diesel-U-Boote!

Bis morgen

hillus

P.S Sorry, das Foto von der ORENBURG habe ich in die Antwort über die strategischen U-Boote befördert. Wenn ein Moderator es in meinen heutigen Beitrag legen würde, wäre recht gut! Danke!









Albatros

Zitat von: hillus am 10 Juli 2013, 21:21:42
Hinter der sowjetisch-russischen Klassifizierung ,,Atomares U-Boot mit spezieller Bestimmung" (russ. ПЛAСН - deutsch PLSN) verbargen sich in der NATO-Klassifizierung vor allem Spionage U-Boote.

Moin Jochen,

also das Pendant von dem hier..... :MZ: http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,19828.msg221664.html#msg221664

:MG:

Manfred


der erste

Nicht unbedingt. Sie können auch Träger von Rettungs-U-Booten sein. Hier ist noch was dazu http://militaryrussia.ru/blog/topic-708.html

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