Operation Cerberus --- Die Legende vom Risiko

Begonnen von Mario, 16 Mai 2006, 20:23:57

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ufo

@Spee

Wie ich schrieb – ich kenne keinerlei Quelle noch irgend ein Buch wo nahegelegt wird, dass die Briten genau wussten wann die Karavane zieht.
Dass das anstand, muss wohl klar gewesen sein. Den Deutschen gingen einfach die Optionen aus. Schaut man sich die Protokolle zu den Konferenzen zwischen Raeder und Hitler aus der Zeit an, so hat die Seekriegsleitung lange davon geträumt, dass entweder Spanien besetzt wird oder in den Krieg mit eintritt und die Schiffe El Ferrol als Stützpunkt haben können oder aber dass Frankreich in den Krieg mit eintritt und die Schiffe nach Dakar können. Oben rum nach Hause war nie machbar.
Als weder Frankreich noch Spanien gewonnen werden konnten, war neben Abbrechen eigentlich nur Kanalfahrt als Option übrig. 

Letzteres wissend haben die Briten wohl mit einem Durchbruch rechnen können. Ob das für die Briten die bessere Option war? Im Nachhinein unbedingt. Aber war das absehbar? Ausgebrannt in Brest wäre doch allemal besser gewesen als repariert in Deutschland.
Und der Führer wird in den Konferenzen vor dem Durchbruch schon recht deutlich: Die Dampfer können entweder entwischen so wie sie sind. Wenn sie sich aber nochmal Treffer in Brest einfangen, werden sie eben einfach nicht mehr repariert sondern an Ort und Stelle eingestampft.


@Mario

Ich habe den Artikel durchaus mit Interesse gelesen. Es macht mich aber stutzig, dass nirgendwo in dem Artikel Flotteneinheiten aus Ostengland oder Scotland aufgeführt werden (ausgenommen die Schlachtschiffe) . In dem Battle Summary heisst es die hätten gegebenenfalls den Job vor Holland zu Ende bringen sollen. Und der Duke und King George wären sicher nicht ohne ihre Herde Geleitzerstörer nach Holland gelaufen.
Wenn ich das richtig im Kopf habe stand auch Victorious zur Verfügung.

Zur Einsatzbereitschaft des Duke: Der Prince wurde im Januar 1941 in Dienst gestellt und balgte sich vier Monate Später mit Bismarck. Der Duke wurde im November 1941 in Dienst gestellt. Ich bin eigentlich sicher, dass der Dampf aufgemacht hätte, wenn die Meldung über den Ausbruch rechtzig gekommen wäre.
Auch sollte die Home Fleet den einen oder anderen Kreuzer zur Verfügung gehabt haben, was bei einem Show Down im Letzten Akt vor Hollands Küste geholfen haben sollte.

Zumindest Anfang März 42 stand Renown bereit um gegen Tirpitz auszulaufen. Ich denke die war zum Zeitpunkt des Channel Dash in Reichweite. Ihr Convoy hätte halt warten müssen.

Na und auch die U-Boote aus Portsmouth hätten natürlich bei rechtzeitiger Warnung eine ganz, ganz andere Rolle spielen können. Wohingegen ich nicht glaube, dass eine so rechtzeitige Warnung möglich gewesen wäre, um Boote von den Western Approaches noch in den Kanal zu bekommen.

Alles in allem ganz formidable Streitkräfte. 


Von daher denke ich nach wie vor, dass das eben entschieden nicht ausgewogen war und dass die Briten das lediglich mit mangelnder Aufklärung vergeigt haben.

Ich muss gestehen ich vermisse in der Refernzliste zu dem Artikel ein wenig Britische Originalquellen zu Cerberus wie eben das Battle Summary oder die Reports der Boards of Inquiry, die sowohl Air Force (AIR 2/7912) als auch Navy (ADM 116/4529, ADM 1/19325 und andere files) gehalten haben. 



Stimmt – eine kleine Spritztour mit Tirpitz hätte man auf Deutscher Seite noch machen können.
Keine Ahnung, warum man auf Deutscher Seite keine Ablenkungsmassnahmen angestellt hat. Vielleicht meinte man es ist besser, die Hunde schlafen zu lassen, als wenn die kläffend hinter dem falschen Knochen hinterher rennen und nur umdrehen brauchen, wenn da ein anderes Ziel zum Beissen auftaucht?


Ufo

Mario

Eine interessante Frage wäre es, was die deutsche Kampfgruppe gemacht hätte, wenn sie im Laufe des Vormittags davon unterrichtet worden wäre, das die Briten mit zwei dicken Brocken, einem Träger und dem ganzen üblichem Begleittroß Richtung südlicher Nordsee unterweg seien. Ich bin mir ziemlich sicher, das die Deutschen an diesem Tag verstärkt Luftaufklärung geflogen sind, um ein Auslaufen der Home Fleet zu melden.
Ob Cerberus abgebrochen worden wäre ??? Kennt irgendjemand Überlegungen deutscherseit für so ein Szenario ???

Die HMS Repulse war für einen Truppenkonvoi eingeteilt worden, der entweder nach Madagaskar, oder nach Ägypten gehen sollte. In beiden Fällen war ein Aufschub der Abfahrt ausgeschlossen. Madagaskar sollte vor dem Zugriff der Japaner gesichert werden und in Nordafrika stand der Krieg ebenfalls auf der Kippe.

t-geronimo

Potter schreibt nur, daß zumindest Le Havre und Cherbourg als Nothäfen vorgesehen waren, aber eigentlich eher für Havarien bzw. Beschädigungen.

Ansonsten baute die Flottenführung wohl darauf, daß die RN durch den Verlust vom POW und Repulse durch Flugzeuge wohl eher keinen Einsatz von Großkampfschiffen wagen würde.

In der operativen Weisung von Saalwächter ist jedenfalls keine Rede davon, was im Falle des Auslaufens der Home Fleet geschehen sollte.
Aber Potter hat die Weisung leider nicht komplett abgedruckt. :-(
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Scheer

#18
Bestand für GB denn überhaupt die Notwendigkeit ihre Schlachtschiffe in Marsch zu setzen?
Die Schlachtschiffe hätten den deutschen Verband doch erst in Gebieten erreichen können in denen eine Luftüberlegenheit der Deutschen herrschte und es bedingt durch die Reichweite für die englischen Jäger knapp wird. Man kann ja nicht erwarten, ds der deutsche Verband erst einmal einen ausgedehnten "Ausflug" in die Nordsee unternimmt  :-) Sollte sich ein brit. Verband in dieses Risiko begeben?
Im Ärmelkanal sieht es nicht besser, sondern eher noch schlechter aus. Der Ärmelkanal ist kein Gebiet in dem man eine Seeschlacht mit modernen Schlachtschiffen führen sollte. Zu eng und viel zu nahe an den Luftwaffenstützpunkten. Das wahre Einsatzmittel waren hier Flugzeuge und Zerstörer.

Wenn nun die Briten vom Ausbruch Wind bekommen haben, so ist es doch absolut richtig sich auf Flugzeuge und schnelle, kleine Einheiten zu beschränken und die Schlachtflotte weiter ihrer Aufgabe des Schachsetzen der Tirpitz nachkommen zu lassen.
Allerdings, und das ist wohl richtig hätten die Briten weitaus mehr aufbieten müssen. Während Ceberus sind sie etwas halbherzig zur Sache gegangen.
Dies könnte an Selbstüberschätzung liegen, oder aber doch ein Indiz für Unkenntniss über den bevorstehenden Ausbruch sein. 

Ach so, edit//
ZitatIn der operativen Weisung von Saalwächter ist jedenfalls keine Rede davon, was im Falle des Auslaufens der Home Fleet geschehen sollte.
Möglicherweise dachte Saalwächter ähnlich wie ich. GB würde die Home Fleet nicht auslaufen lassen, weil sie dann das Einsatzgebiet der Tirpitz entblösen würden. Ein Einsatz der Home Fleet war also sehr unwahrscheinlich. Sollte es dann doch zu einem Auslaufen kommen, so waren die Wege für die Home Fleet noch recht groß, SH und GU aber schon nahe an den deutschen Häfen. Eine kurzfristige Entscheidung könnte in diesem Falle imer noch fallen.

Thomas

Hallo,

Einiges zu der britischen Seite:
Roskill, The War at Sea 1939-1945, Band II, S. 150ff.:

Die britische Admiralität bemerkte die deutschen Aktivitäten, insbesondere Westverlegungen kleinerer Einheiten und Minensuchen im Kanal. Eine große Operation der drei Schiffe wurde daher erwartet, am 2.2.42 wurden folgende Varianten unterstellt:
1.   Der Durchbruch in den Atlantik für eine Operation ist aufgrund des schlechten Zustandes der Schiffe und der Besatzungen unwahrscheinlich
2.   Die Überführung in ruhige Gewässer wird angenommen
3.   Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist der Kanaldurchbruch.

Die Home Fleet stand wegen Sicherungsaufgaben nicht zur Verfügung.Rodney war für Escortaufgaben am WS.16 gebunden, einem großen Truppentransport, der in Entfernung auch Brest passieren mußte. KGV und Renown sowie Victorious waren an die Tirpitz gebunden. Schließlich wurde die Abfahrtzeit der Schiffe aus Brest falsch geschätzt.

Nach der Rückkehr in Kiel wurden sofort die Aktivitäten des Bomber Commands verstärkt, woraufhin Gneisenau schwer getroffen wurde und ausfiel.

Barnett, Engage the enemy more Closely, S. 444 ff.:

Im Dez.41 und Jan42 kamen Ultra-Meldungen, dass die Geschützbesatzungen der Schiffe in der Ostsee zu Feuer-Übungen eingesetzt würden. Ab dem 24.12.41 lag eine Ausbruchswarnung für die Schiffe vor. Am 3.2.42 wurde der ausbruch als sehr wahrscheinlich prognostiziert. Das Eintreffen im Kanal wurde nachts vermutet, mit Anlauf von 14 Stunden (Prognose Ramsay), gleichzeitig wurde eine Passage bei Hochwasser unterstellt.

Am 11.2. wurde die Prognose für die nächsten drei Tage gestellt, dass nachts die Bedingungen mangels Hochwasser nicht vorlägen. Ein Tagesdurchbruch wurde nicht erwartet. Da Ciliax abends losfuhr, hätte ihn die Nachtpatroullie von zwei Hudsons entdecken müssen. Die Radargeräte beider Maschinen waren jedoch defekt. Bei Tagesanbruch verfehlten ihn dann die zwei suchenden Spitfires. Die 15min-Alarmbereitschaft wurde am 12.2. um 4 Uhr morgens auf eine 4-Stunden-Bereitschaft entschärft. Zudem herrschte über den Norfolk-Flugplätzen dichtes Schneetreiben. Um 10.00 wurde ein Durchbruch der Schiffe am 12.2. als unwahrscheinlich eingestuft.
Um 10.45 kam die erste Radarmeldung herein. Um 10.50 meldete ein Aufklärungsflugzeug 25-30 deutsche Schiffe, darunter evt. Prinz Eugen.


Grüße
Thomas

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