Schlacht am La Plata - Optionen?

Begonnen von Huszar, 06 August 2006, 12:41:27

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Spee

@Kalli,

auf Verdacht ablaufen, weil man nicht genau sieht wer gegenüber ist, wäre für einen starken Raider wie "Admiral Graf Spee" aber auch keine Option. Dann müßte er fast vor jeden Rauchwolke fliehen. Die Chance auf einen der 5 stärkeren und schnelleren Gegner zu treffen ist relativ klein, einen anderen Gegner kann man abschütteln oder bekämpfen. Wie soll man handeln? Ich habe eine Sichtung und damit auch ein Ziel. Die SKL meldete einen Geleitzug, der durchaus auch von Kampfschiffen gedeckt sein kann. Auftrag erfüllen oder lieber Hacken in die Hand? Eine solche Entscheidung kann man doch erst klar fällen, wenn man der Gegner genau identifiziert hat, oder?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Mario

Michal Powell schreibt in seinem Buch, daß der britische Beobachter aus seinem Flugzeug mit Unbehagen erkennen konnte, wie auf der Spee das Jagdflugzeug zum Start fertiggemacht wurde. Er selber war ja unbewaffnet. Kurz darauf schlug jedoch eine Granate in den deutschen Katapult und beendete die deutschen Startversuche.

Übrigens fiel mir soeben mal auf, das Comodore Harwood mit der Exeter sein Schlussschiff zur Aufklärung aussandte. Normalerweise wäre es doch logischer, wenn er das Führungsschiff vorraussenden würde. Außerdem schickt man doch normalerweise eine leichtere Einheit nach vorne, nicht sein stärkstes Schiff.
Möglicherweise rechnete Harwood in diesem Augenblick mit dem Auftauchen des Panzerschiffes und ging sofort an die Umsetzung seiner Taktik, den Gegner in die Zange zu nehmen.

kalli

Da hat sich der Pilot versehen. Am 11.12. hatte das Bordflugzeug der GS eine Bruchlandung, die zum Totalausfall führte. Es steht dann zwar noch auf dem Katapult, aber nur noch als Skelett.
Dieses Detail konnte der Pilot sicher nicht erkennen. Für die Aufklärung war der Ausfall aber verhängnisvoll.

t-geronimo

@ Mario:

Natürlich rechnete Harwood mit dem Auftauchen.
All seine Maßnahmen, Übungen etc. in den Vortagen waren doch darauf abgerichtet, das GS irgendwann zwischen dem 12. und 14. vor dem La Plata auftauchen würde.

Warum Exeter zur Aufklärung?
Weil sie das Schiff war, das am nächsten zur verdächtigen Rauchwolke stand? Von der Geschwindigkeit haben sich die Kreuzer alle nicht groß unterschieden.
Und vielleicht auch, weil Exeter die besseren Optiken hatte? Sie hatte einen 15-ft-Entfernungsmesser. Was hatten die Leichten Kreuzer?
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Mario

@ t-geronimo
Liefen die vier Kreuzer nicht spitz aufeinander zu ? ? ?`Dann müßte aber die Ajax das Schiff gewesen sein, das am nächsten dran war.
Das Argument mit den besseren Optiken zieht natürlich.
Vieleicht hatte Harwood auch gehofft, das sein Verband noch nicht entdeckt worden war und daß dann die Spee nur die Exeter ausmachen würde. Dann wäre der schwere Kreuzer der Köder gewesen und die beiden leichten Kreuzer hätten ausholen können und dann aus der Zangenposition angreifen können. Tatsächlich kam es ja dann auch so, obwohl die Deutschen ihre Gegner ja zuerst gesichtet hatten.

t-geronimo

Nee, nicht spitz aufeinander zu.
Eher lief GS im Winkel von ca. 90° von Backbord (aus britischer Sicht) auf die Force G zu.
Schau mal in harolds posting, das dritte auf Seite 2 in diesem Thema.

Das Exeter am nächsten stand, habe ich frei daraus geschlossen, daß sie als erstes von GS identifiziert wurde. Und soviel größer als die anderen beiden Kreuzer war sie ja nicht.
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Woelfchen

Noch ein kleiner Einwurf.
Die 28cm Geschütze haben eine größere Reichweite, aber treffen muß man auch.  :wink:
Gefechte über große Distanzen sind Munitiosverschwendung.
Und wenn die leer ist, ist die leer...

Bei der 28er könnte das zum Problem werden.

Huszar

Hallo,

Wie ich sehe, entwickelt sich meine "verkaterte" Idee doch zu einer (zwei) interessanten Diskussion :))

Bezüglich der engl. Einheiten steht im Rasenack zwischen den Zeilen, dass die Dt. recht gut über die Positionen der einzelnen Schiffe Bescheid wussten - und zwar weniger durch die SKL, als durch den eigenen B-Dienst.

Gehen wir zurück zum Anfang:
GS identifiziert die Exeter und zwei Zerstörer. SChon diese Gegner sid für die GS gefährlich, vor allem, wenn nicht mit AK gelaufen werden kann. Sicherlich, GS kann den schweren Kreuzer zusammenschiessen (wie auch geschehen), doch bis Kiel ist es noch ein langer Weg! In diesem Sinne sollte man vorsichtig sein, mit wem man sich anbändelt! Auch 1-2 Treffer können zum Soft-Kill führen (wie auch vorgemacht). Sprich: wenn ich drei feindliche SChiffe identifiziere - darunter einen fast ebenbürtigen Gegener - würde ich pers. lieber die Mun für später aufheben.

Mal eine Frage: konnten die engl. Kreuzer Höchstfahrt laufen, oder hatten sie auch Bewuchs? Die sollten doch ebenfalls einige Zeit in warmen Gewässern verbracht haben!

SChäden:
15cm Mun-Aufzüge, Stb-Zielgeber, Scheinwerfer III waren vor erreichen Montevideos wieder in Ordnung, der grosse Rest (inkl die 15 und 10,5cm) wurde in den ersten beiden Tagen in Montevideo wieder hergerichtet.

(wenn wir schon einen Fehler bei Langsdorff haben, dann die Scheinwerferübeung, und das nich-Aufbringen des Norwegers...)

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Mario

Laut dem Roman von Powell lief die HMS Ajax 28 knoten. Das entspräche wohl in etwa der Einbuße, die auch die Spee hinnehmen mußte.
Übrigens hatte Langsdorff noch eine weitere Chance zum Entkommen. Als die HMS Ajax zweimal schwer getroffen wurde und dabei unter anderem ihre achtere Artillerie verlor, zogen sich die beiden leichten Kreuzer kurzzeitig Richtung Osten zurück. HMS Exeter war ja bereits Richtung Süden unterwegs. In diesem Moment hätte Langsdorff nach Norden schwenken können. Allerdings hatte er zu disem Zeitpunkt schon die bekannten Schäden erlitten, die ihn Montevideo anlaufen ließen.
Und dann hätte unser Daniel heute nichts weiter zu tun, als mit seiner Frau nett Kaffee zu trinken.  :wink: :-D :-D

Langensiepen

#54
Die Ölfrage von Wolfgang ( Schiffbauer ) beantworten zu lassen, geht mir echt gegen den Strich. :MS: Wozu bin ( war ) ich den maritimer Schlosser. :-D Außerdem habe ich seit einem Jahr ständig mit HGO und  MDO zu tun. Also erklären ich das mal so: Je langsamer ein Diesel läuft je dicker der Brennstoff bis hin zu klebrig . Schnelläufer ( mit drei L ohne mich ), ergo etwas dünneren Kram. Wichtig ist, das das Zeug immer schön warm ist. Also z.B. wird MDO bei ca. 25-30 Grad C , HGO bei bis zu 50 Grad C in den Landtank und auf den Bunkerbooten gehalten. Das Zeug flockt sofort. Ist mir im Winter mal auf einem Hochtank passiert , daß ich die Probe nicht aus der Flasche bekam. Also das Bunkerboot bring den Stoff, der geht ab in den Tank ( Bunker ) und wird hier schön auf Temperatur gehalten. Nun geht's los: Über die Brennstoffleitungen zum Sammler, dort befindet sich ( hoffentlich gut zugänglich ) der erste Filter. Meist ein Korb , der schnell zu wechseln ist. Weiter geht es zur Einspritzpumpe , er oft noch ein Filter vorgeschaltet ist. So müsste das Zeug problemlos an die Einspritzdüsen kommen. Die Dinger sind bei einem 10.000PS Motor so schwer wie ne 10cm Granate mit Kartusche. Wir armen Lehrlingen mussten die Dinger immer vom Maschinenraum nach draußen tragen! Ja, so waren die Zeiten. Heute müsste man dazu polnische Helfer arrangieren. Das System muß schon echt versagt haben bevor die Ventile verstopfen. Ich hab so was nie erlebt. War aber auch nie in einem Krieg. Das Wechseln der Düsen erfolgt regelmäßig, da die Dichtflächen sehr beansprucht werden. Wichtig also das die Heizung nicht ausfällt.  So jetzt könnt ihr euere Seeschlacht weiterführen . Und? Ja, immer auf saubere Leitungen und die richtige Temperatur achten. Ist irgendwo anders auch der Fall!  Für die Theoretiker als Beispiel HGO ,letzte Woche gebunkert,  Viskosität bei 50/40 grad C = 21,27 /  Flammpunkt: 75  C   / Spez. Gew. 0,9759  / Temperatur im Tank= 46,7  C./
So, das reicht!

t-geronimo

Ich hab mal ein wenig in John's Forum gestöbert, da dort die AGS-Operation auch seitenlang durchgekaut wurde/wird.
Dort schreiben auch einige Leute, die wirklich ein wenig Ahnung haben. Genaue Quellen (also wo die ihre Infos herhaben) kann ich aber nicht direkt geben. Vielleicht später, weil z. Zt. das Nachrichten-System in jenem Forum deaktiviert ist.

Demnach hatte AGS noch gereinigtes Treiböl für maximal 16 Stunden, je nach Fahrtstufe.
Durch einen Treffer im Vorschiff wurden die vorderen Bunker und das dort befindliche Treiböl mit Seewasser kontaminiert sowie die dafür zuständige Reinigungsanlage (die wohl per Zentrifugen-Prinzip arbeitete) außer Gefecht gesetzt.
Zwischen 07.30 und 07.45 Uhr erhielt Langsdorff die Meldung seines LI (bei John "Koepnler" geschrieben, Schreibweise wohl nicht ganz richtig), daß diese mit Bordmitteln nicht zu reparieren seien.
Man ist der Ansicht, daß diese Beurteilung am Ende wahrscheinlich nicht korrekt war, denn ein Kriegsschif wie AGS verfügt sicherlich bei einer solch lebenswichtigen Anlage nicht nur über ein System. Durch Umbauen, umpumpen und sonstige geeignete Maßnahmen hätte man also vermutlich dieses Problem doch mit Bordmitteln beheben können.
Aber wie schon gesagt, dieses stellte sich erst später raus, denn in einem späteren Schadenbericht über Systeme, die nicht mit Bormitteln repariert werden konnten (codiert gesendet an OKM, am Kriegsende gefunden von den Briten), waren die Öl-Reinigungsanlagen nicht erwähnt. Vermutlich wurde aber ein zweiter Bericht gesendet, der dieses Systeme erwähnte. Dieser war in Wirklichkeit für die Briten bestimmt, um ihnen ein falsches Bild zu geben.
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Huszar

Wenn ich das also richtig verstehe, hatte GS ca. 16 Stunden Zeit, um die Ölpumpe in Ordnung zu bringen. Sollte doch eigentlich möglich sein, oder?

mfg

alex
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t-geronimo

Maximal. Bei höchster Fahrtstufe sicherlich einiges weniger.
Wenn nicht die Pumpe reparieren, dann Bypässe zu anderen Pumpem bauen.

Aber wenn der LI dem Kommandanten meldet: "Mit Bordmitteln nicht zu reparieren", muß dieser sich erstmal drauf verlassen!!
Gruß, Thorsten

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Huszar

Kommt mir etwas komisch vor...

Dem LI sollten doch die Möglichkeiten bekannt gewesen sein! In 16 Stunden könnte sogar ich eine Benzinpumpe notdürftig flicken (ok, bei einem älteren Wagen...)

mfg

alex
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t-geronimo

Auch, wenn sie zerschossen wurde??
Gruß, Thorsten

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