Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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Gabler

Hallo Allerseits, und speziell an Leopard:

ZitatNun wird die Minimumpeilung im Net aber, egal wie oft ich gegoogelt habe, immer mit dem "Conical Scan"-Verfahren gleich gesetzt. Mit Parabolantennen wie der Würzburg-Serie oder dem SRC584 zB. Nicht aber mit der Verwendung in Rahmenantennen wie den Seetakt's. Wie "fachübersetzt" man denn dieses Prinzip ins Englische?

Das lobe-switching-Verfahren (=beam-switching anscheinend) scheint dem Vergleichsverfahren - also der LeitlinienPeilung im Deutschen zu entsprechen. Womit ab 01/1935 begonnen wurde (GEMA). Die Briten wendeten das System uA beim 284 von Beginn an (offenbar) an und behielten es bis zu den letzten Versionen des 274 bei. So mein derzeitiges Verständnis.

Genau wie Dir ging es mir auch. Nach Lektüre der Fachbeiträge hier und etwas Inet-Nachlese scheint es offenbar dieselbe Bezeichnung für zwei unterschiedliche Verfahren zu geben, wobei mir jedenfalls nicht klar ist, ob der Begriff "Minimumpeilung" im englischen überhaupt wörtlich für das "Conical Scan"-Verfahren verwendet wird oder ob es sich nicht vielleicht um eine unqualifizierte deutsche (Rück-)Übersetzung handelt. olpe hat da glaube ich den richtigen Riecher.

Unter generell meßtechnischer Betrachtungsweise muß man unterscheiden zum einen zwischen der Art und Weise, wie der gerichtete elektromagnetische Radarstrahl erzeugt wird und zum anderen, wie dieser mit Hilfe eines Ausgabegeräts wahrnehmbar und bspw. die Peilung einstellbar gemacht wird.

Zum ersten Punkt: Die Matratzenantennen erzeugen sowohl horizontal als auch vertikal ein tropfenförmiges Antennendiagramm, das im Raum wie eine Keule aussieht, daher auch die Bezeichnung "Antennenkeule". Bei zwei nebeneinander angeordneten Empfangsantennen für Vergleichspeilung wird ein überlappendes Doppelkeulendiagramm erzeugt. Der Schnittbereich ist so schmal, daß mit diesem Leitstrahl- oder Leitlinienverfahren wie v. Kroge schon schrieb, eine 10 mal höhere Peilgenauigkeit erzielt werden konnte als mit der einfachen Maximumpeilung.

Die beiden Antennenhälften wurden zu Anfangs an zwei Empfänger angeschlossen. Weil diese aber schwer zu synchronisieren waren, hat man einen Antennenumschalter konstruiert, der zunächst händisch, später motorisch beide Antennen abwechselnd anschloß. Nach meinen Dafürhalten entspricht dies der englischen Bezeichnung "lobe switching" oder "beam switching", wörtlich eher: "Diagrammumschaltung". Dieses technische Verfahren der Antennenteilung wurde bei der Gema Leitstrahl- oder Leitlinienverfahren genannt, die Bezeichnungen können nach meinem Dafürhalten synonym verwendet werden.

Die Telefunken-Antenne ist anders konstruiert: Der rotierende Dipol im Brennpunkt der Parabolantenne erzeugt wie beschrieben ein kegelförmiges (konisches) Antennendiagramm, das aber anders als die Keulen der Matratzenantennen nicht "gefüllt" ist, sondern im Zentrum offenbar eine Nullstelle, zumindest ein Minimum aufweist. Genau genommen entspricht das Diagramm einem Hohlkegelstumpf. Diese Diagrammform wird im demnach als "conical scan" bezeichnet.

Der zweite Punkt ist die optische Ausgabe des Empfangssignals auf der Braunschen Röhre. Chronologisch gab es in der deutschen Entwicklung so, wie ich das bisher aufgefasst habe, folgende Entwicklung (mit zunehmender Peilgenauigkeit):

1934: Maximumverfahren
1935: Leitlinien-(Vergleichs-)verfahren mit Kehrbildanzeige (=Kehrbildverfahren)
1940: Vergleichsfahren mit Schnittbild-(A/N-)Anzeige (=Schnittbildverfahren)
1941: Minimumverfahren
1943: Süselverfahren

Das Minimumverfahren oder die Minimumpeilung wird in den deutschen zeitgenössischen technischen Dokumenten nur für das Anzeigeverfahren verwendet, jedenfalls habe ich noch nichts anderes gelesen. Um allerdings noch etwas beckmesserich zu werden: Schaut man sich das Keulendiagramm der Gema-Matratzenantenne auf dem Bild von olpe (#1048) an, so liegt an der Stelle, an der die Antennennormale genau auf das Ziel gerichtet ist, auch ein lokales Minimum vor. Wir wissen aus den Versuchen von Gema und NVK, daß die Reichweite bei Vergleichspeilung bzw. Feinpeilung um etwa ein Drittel geringer war als bei Maximumpeilung. Das erkennt man an genau diesem Minimum. Man könnte als auch dieses technische Verfahren als Minimumverfahren bezeichnen ;-)

Das englische 284-Feuerleit-Radar wiederum hatte aber noch eine andere Darstellungsform: Nachdem zunächst nur nach dem Maximumverfahren gepeilt wurde, hat man mit einer Antennenteilung nebst -Umschaltung (also lobe switching) etwa 1940/41 ebenfalls das Vergleichsverfahren eingeführt. Die Anzeige sah aber aus wie eine "normale" Zackenanzeige, also ein "A-Scope", wobei die Zeitlinie in abwechselnden Segmenten dargestellt wurde. Bei außermittiger Peilung hat die Anzeige geflackert oder geblinkt und nur wenn das Ziel genau eingepeilt war, war ein kontinuierlicher Strahl zu sehen. Wie sich diese Anzeige in der Genauigkeit im Vergleich zu den deutschen Geräten verhielt, ist mir jedenfalls noch unklar. Die insgesamt höhere Seitenpeilgenauigkeit des englischen Geräts ist nach meinem Dafürhalten eher der Antennenkonstruktion zuzuschreiben als dieser Anzeige. Die Antennen waren ein ganzes Stück breiter und da mit dem Abstand der beiden Empfangsantennenschwerpunkte die Genauigkeit zunimmt, wird wohl eher dort die Ursache für die genaueren Peilwerte liegen.

Ja, und weil wir gerade wieder beim Thema Antennen sind, noch etwas zum verkomplizieren, einfach weil es gerade passt: Möglicherweise sind im deutschen die Bezeichnungen "Feinpeilung" und "Peilung fein" doch nicht identisch  :laugh:  (fsimon hat vor längerer Zeit einmal danach gefragt)

Als "Feinpeilung" wird generell die Vergleichspeilung bezeichnet im Unterschied zur "Grobpeilung", also dem Maximumverfahren. Bekanntlich wurden aber die Feinpeilzusätze der Gema für die Luftwaffe mit zwei Röhren geliefert, bei dem die obere Röhre eine senkrechte Zeitlinie mit Kehrbildverfahren aufwies, während die untere Röhre eine horizontale Zeitlinie schrieb und die beiden (phasenverschobenen) Echozacken in dieselbe Richtung nach oben zeigten, also das Schnittbild- oder A/N-Verfahren darstellen. Da das Schnittbildverfahren etwas genauer ist als das Kehrbildverfahren, wurde diese Anzeige als "Peilung fein" bezeichnet und die obere als "Peilung grob", obwohl doch beide Verfahren Feinpeilverfahren sind! Alles klar  :-D   :BangHead:

Grüße und gute Nacht

Gabler

olpe

Hallo,
ein Ausriss aus RM-45/II 505 ,,Pläne für neue Zerstörersäule (Konstruktion 43)". Recht interessante Details, so u.a. neben den eigentlichen Antennen die Anordnung der Geräte, die Schleifringkonstruktion u.v.a.m. Ein Download der RM lohnt sich ... :-) ...
Unten einige Ansichten (bildverbessert, tonwertkorrigiert, geschnitten). 

Soweit.
Grüsse
OLPE

Leopard2A6EX

Sehr interessant Olpe!

@Frank: danke für deine Antwort - habe sie natürlich längst gelesen und gespeichert. War die letzte Zeit nur etwas gesundheitlich be/verhindert für eine Reaktion.

Gabler

#1053
Olaf: Ja Wahnsinn, was da noch so alles zutage tritt! Erneut toller Fund, vielen Dank fürs Teilen!  :MG:
Bein Einblick in aller gebotenen Kürze folgende Erkenntnisse:

1. Die Dimensionen. Nun schwarz auf weiß die Konstruktionsmaße:
- Für die kleine 2x10-Dipol-Seetakt-Antenne: 1,9m x 4,0m
- Für die breite 2x16-Dipol-Calais-Antennne: 1,9m x 6,3m (genau 6,268m)
- Für die große 8x8-Dipol-SeeArt-Antenne: 3,26m x 6,48m (falls richtig entziffert)

Daß die (Calais-)Landgeräte nur 6,2m breit waren, das war zwar bekannt, aber warum der Überstand nicht mit Lambda-Viertel bemaßt wurde (also Breite 6,4m), erschließt sich mir nicht. Damit hatten die äußeren Dipole eine kleinere Reflexionsfläche als die anderen, mit entsprechend geringerem Antennengewinn. Vielleicht war das das maximale Verlademaß.

2. Die Anordnung von Sende- und Empfangsantenne ergibt sich aus den Anschlüssen: Während für die Sendeantenne nur ein Anschluß erforderlich war, der an diese runden Flansche angeschraubt wurde, brauchte man für die Empfangsantenne zwei Anschlüsse, um das Vergleichsverfahren realisieren zu können. Die Empfangsantenne befindet sich also bei beiden Antennen unten, die Sendeantenne darüber. Das habe ich bislang bei allen Bordantennen so gesehen, nur bei den Drehständen (FuMO 1/2) wurde die Empfängerantenne über der Sendeantenne angeordnet. Dort gab es aber auch keine Antennenteilung!

3. Der innere Aufbau des "Hochfrequenz-Dreifach-Kontaktsatzes" erschließt sich mir noch nicht, obwohl der Leitungsverlauf klar ist. Jedenfalls soll die Antenne damit voll durchdrehbar sein. Ein Herstellername ist nicht angegeben. Auf der Zusammenbauzeichnung ist der Name SAM für den Kontaktsatz angegeben. Die Zuschreibung der "SAM-Säule" zu den Hochfrequenz-Schleifringen, die olpe schon früher vorgenommen hatte, wird damit bestätigt. Chapeau!

Die Antennen, die mit dieser SAM-Säule ausgestattet waren, sollten also voll drehbar sein. Jedoch ausgerechnet die Calais-Antennen auf den Auslegern für die beiden großen Einheiten Prinz Eugen und Nürnberg scheinen trotz SAM-Säule nicht voll durchdrehbar gewesen zu sein. Die Vermutung, daß der eingeschränkte Erfassungsbereich nur auf Abschattung durch Aufbauten zurückzuführen wäre, kann nicht zutreffen, da dies auch für die Zerstörer-Antennen (mit SAM-Säule) gelten müßte. Dort sind aber keine Einschränkungen der Erfassungsbereichs angegeben. Hm.

Nebenbemerkung: Es gab noch einen Zwischenschritt zwischen "alter" und "neuer" Antennenform, bei der nicht der komplette Sender nach innen wanderte, sondern nur die Bauteile der unteren Hälfte des T-Geräteschranks, namentlich das Netzteil TN und das Steuerteil TS, während das Ultrateil TU nach wie vor direkt hinter der Sendeantenne verblieb, des besseren Wirkungsgrades wegen. Das ist bei der gezeigten Anordnung in den Bedienräumen nicht mehr der Fall.

4. Die Antennenzeichnungen stammen vom Februar 1944, die Einbauzeichnungen für die aufgesetzte Zerstörersäule (FuMO24) vom Dezember 1943, für die abgesetzte Säule (FuMO 25) auch von Februar 1944. Das ist ganz hilfreich zur zeitlichen Einordnung.

5. Erneut kein Hinweis auf die Verwendung eines Hochleistungssenders. Die Darstellung der Geräte ist zwar vereinfacht, aber es hätte ja sein können...

PS Leopard: Kein Ding, mußt Dich nicht erklären.  :TU:)

Gabler

Ach, 6.:

Eine solche Antenne mit diesem Hochfrequenz-Dreifach-Kontaktsatz benötigt man, um mit Hilfe der Antennenteilung ein Vergleichsverfahren für die Feinpeilung zu realisieren. Mittels der Minimumpeilung (Sattelanzeige) der Kriegsmarine ließen sich nach NVK-Angaben bei der breiten Antenne Peilwerte von +/- 1-2/16 Grad realisieren. Die damit ab Anfang 1944 ausgerüsteten Einheiten wurden somit blindschießfähig, der Feinpeilzusatz (P-Gerät) ist in beiden Einbauzeichnungen zu sehen. Da kann man jetzt auch mal einen sicheren Haken dranmachen.

Grüße

Gabler

Thorsten Wahl

SAM - Siemens Anlagenbau (Berlin) Marienfelde
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

Gabler

Hallo Allerseits,

habe die große Antenne vergessen und die Maße unter Punkt 1 (#1053) nachgetragen.
Dies Antenne verfügt über gleich 4 Anschlüsse, sie in 4 gleich große Segmente geteilt. Das war der Überlegung geschuldet, die gesamte Antenne im Rahmen des Simultanbetriebs auch als Empfangsantenne verwenden zu können. Es gab somit mehrere mögliche Schaltungen:

1. Konventionelle Groppeilung: Sendung oben (2x), Empfang unten (2x)
2. Konventionelle Feinpeilung: Sendung oben (2x), Empfang unten geteilt links 1x, rechts 1x
3. Simultanbetrieb Grobpeilung: 4x Sendung, 4x Empfang
4. Simultanbetrieb Feinpeilung: 4x Sendung, Empfang links 2x, rechts 2x
5. Höhenpeilung: 4x Sendung, 2x Empfang oben, 2x Empfang unten

Das Problem war, daß es für diese Anwendungen noch keine entsprechende Steuerung gab.

Anbei noch ein Bild eines FuMO 4 mit 3x6m-SeeArt-Antenne von der gyges-Seite, die die kreisrunden Antennenanschlüsse gut erkennen läßt.
Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

Grüße und schönes Wochenende

Gabler

PS: Exakt diese Antenne war ab Juni 1944 auch auf Prinz Eugen verbaut, auch dort sind die 4 Anschlüsse gut identifizierbar. Prinz Eugen hatte aber nach derzeitigem Wissenstand keinen Simultanzusatz, die Antenne diente also lediglich der Reichweitenerhöhung und Verbesserung der Peilgenauikgeit für die Feuerleitung.

fsimon

Oh, wow, das ist spannend. Simultanbetrieb hatte Dave Saxton vor Jahren schon ins Spiel gebracht. Dass die Anschlüsse dafür auf Prinz Eugen vorhanden waren, ist sehr interessant. Jetzt fehlt nur noch, dass das auch genutzt wurde. 
Frank 

Leopard2A6EX

Hallo Frank (Gabler) - hier Frank Nr3. Sehr interessant wieder!

Bzgl Simultanbetrieb: also war die große Antenne trotz konstruktiver Vorbereitung nicht serienmäßig auf gleichzeitiges senden/empfangen ausgelegt?

Im Kroge auf S143 wird eine frühe Version für eine Mammut-Variante erwähnt, die mittels Funkenstrecke den Empfangsweg kurzschloss wenn gesendet wurde.

Auf S179 wird ein neuer Zusatz ab Mitte 43 names DS erwähnt - nun auch für unsymetrische Speiseleitungen. Die schweren Flum-Anlagen wurden zu dem Zeitpunkt schon allesamt mit der 1. Variante betrieben wenn richtig verstanden.

In NVK-Chronik und Trenkle (S.182) wird die große Antenne scheinbar zwangsläufig mit Simultanbetrieb beschrieben (und scheinbar als erste der Seetakt-Reihe). Galt das erstmal nur für die Landanlagen? Und hatten die dieses Zusatzmodul in ihrem Gerätesatz mit der Bezeichnung DS? Welches der Prinz nicht hatte - zumindest nicht auf den verfügbaren USN-Fotos. Evtl in einer nicht fotografisch erfassten Ecke bzw draußen?

Gabler

Hallo Ihr zwei Franks ;-)

Die Marine hat von Anbeginn an gefordert, daß die Reichweite der Funkmessgeräte der der optischen E-Meßgeräte entsprechen müsse. Die optische Sicht aber ist bekanntlich durch die Erdkrümmung begrenzt. Der Sichtkreis vom Vormars eines Schlachtschiffs (35m) zum entsprechenden Pendant liegt bei etwa 35-40km, je nachdem, welche Rechenparameter man ansetzt. D.h. die maximal erzielbare Reichweite für Bodenwellen ist in etwa begrenzt auf die optische Sicht, den Bodeneffekt mal ausgeklammert. Den Nachweis, daß die Funkwellen des Gema-Geräts sich als Bodenwellen ausbreiten, hat Dr. Krautwig in seinem EM-II-Bericht geführt.

Ziel des Simultanbetriebs war es ja, durch Zusammenschluß und gemeinsamer Nutzung von Empfangs- und Sendeantenne die Reichweite zu erhöhen. Sicher bekannt ist mir, daß Lorenz für das Hohentwielgerät schon 1943 einen Simultanzusatz entwickelt hat, der dann zumindest auf den U-Booten gegen Ende des Krieges noch eingebaut wurde. Bei Telefunken weiß ich es zwar nur für das Berlin-Gerät, gehe aber sicher davon aus, daß die sowas auch für andere Geräte (Würzburg?) hatten, Telefunken war seinerzeit die führende Firma in der Funktechnik. Die Gema hat ebenfalls 1943 (lt. v. Kroge) einen Simultanzusatz entwickelt, der aber nach unseren gemeinsamen Quellen offenbar nur bei den Landgeräten (Freya, Wassermann u. Jagdschloß) nachgewiesen ist, weil vor allem für die Flugzeug-Frühwarnung von Bedeutung.

Das Zusammenschließen von Sende- und Empfangsantennen, bzw. der Antennenfelder an sich ist kein Hexenwert, das war für alle Antennenformen leicht realisierbar, aber das Problem war die Gleichzeitigkeit von Simultanbetrieb und Feinpeilung (nach Seite und Höhe für artilleristische Zwecke), welche für die Flugzeug-Frühwarngeräte nicht erforderlich war, da es dort v.a. auf Reichweite ankam. Mir ist nicht bekannt, daß ein entsprechendes Steuergerät für den Feinpeilzweck zum Einsatz kam, auch ich habe bislang weder textliche noch fotografische Nachweise entdeckt.

Aber da wir ja kürzlich überraschenderweise für die Nicht-Verwendung des Hochleistungssenders als Bordgerät eine technisch plausible Erklärung gefunden haben, kann man sich nun dieselbe Frage auch für den Simultanbetrieb stellen: Brauchte man diesen bei den Bordgeräten überhaupt, um die geforderten Reichweiten zu erzielen?

Ich würde sagen, zumindest für die Anlagen mit der großen 3x6m-SeeArt-Antenne nicht unbedingt! Durch die große Antenne erhöhte sich die sichere bzw. Auffassreichweite auf etwa 30km (die maximale Meßreichweite lag bei bis zu 40km) und entsprach damit ungefähr der optischen Sicht. Thoddy hat mehrfach auf einen KTB-Eintrag von PG hingewiesen, nach dem im Sommer 1944 (mit der neuen 3x6m-Antenne) Zerstörer auf 30km Entfernung geortet wurden. Das war womöglich sogar außerhalb des Sichtkreises (Messung erfolgte wohl bei Tageslicht), und der Bodeneffekt ist vielleicht da zutage getreten. Muss man mal Auges- und Zielhöhe genau recherchieren und dann nachrechnen.

Für die Einheiten mit kleiner Antenne und / oder niedriger Antennenaufstellhöhe wäre der Simultanzusatz sicher eine Verbesserung gewesen, aber man hatte mit dem Hohentwiel-Gerät ab 1944 bereits eine reichweitenstärkere Frühwarnanlage, so daß das Gema-Gerät lediglich als Feuerleitgerät verwendet werden konnte. Da lag die erforderliche Reichweite nicht bei der Sichtgrenze, sondern bei der maximalen Schußweite der Artillerie. Und die war in der Regel deutlich kleiner. Dr. Röhrl erwähnt für das artilleristische Küstengerät mit Seeart-Antenne (FuMO 4) jedenfalls keine Simultanschaltung (S.141 d. Chronik). Aber wer weiß, was sich noch alles auftut, bin hier sehr zuversichtlich ;-)

Grüße

Gabler

fsimon

#1060
Bei Simultanbetrieb würde die Reichweite im Fein-Peil-Betrieb, also bei Antennenteilung im Empfang (Radattelpeilung), auf die gleiche Reichweite erhöht, wie ohne Antennenteilung ohne Simulatanbetrieb. Radattelpeilung reduzierte die Reichweite auf 2/3, genauer gesagt auf 70% (um die Wurzel aus 2 bei Halbierung der Antenne). Bei Simultanbetrieb würde man dann wieder 100% erreichen durch die Verdopplung der Antennengröße.
Ohne Radattelpeilung würde die Reichweite um den Faktor 1,41 vergrößert (Wurzel aus 2).
Für die Höhenpeilung für die schwere Flak wäre es auch extrem hilfreich gewesen.
Gruß
Frank

fsimon

Ich verstehe auch nicht wirklich, weshalb die Tastfrequenz von 2000Hz bei FuMG 39 auf 500Hz bei FuMG 40 reduziert wurde, wenn die Reichweite nur die Sichtweite erreichen sollte. 2000Hz erlaubte 75km, 500Hz erlaubt 300km. 75km erachte ich vollkommen ausreichend für die Seeziel-Betrachtung. die Reduzierung von 2000Hz auf 500Hz setzt die durchschnittliche Sendeleistung um den Faktor vier herab und reduziert die Reichweite um die vierte Wurzel daraus, also um 29% auf 0,71 oder um den Faktor 1,41.
Nur um große Landziele Eindeutig auf Überreichweiten messen zu können, halte ich diesen Schritt für falsch. Gab es vielleicht andere Gründe dafür , wie z.B weniger internes Rauschen?

Gruß
Frank

Leopard2A6EX

Danke ihr zwei für die Erklärungen! Und Gabler: danke nochmal für den 4. Teil des AVKS-Berichtes - super Arbeit + eine super Ergänzung zum Original!

Gabler

Leopard:  :TU:)

Zitat von: fsimon am 11 Juli 2026, 18:38:34Ich verstehe auch nicht wirklich, weshalb die Tastfrequenz von 2000Hz bei FuMG 39 auf 500Hz bei FuMG 40 reduziert wurde, wenn die Reichweite nur die Sichtweite erreichen sollte. 2000Hz erlaubte 75km, 500Hz erlaubt 300km. 75km erachte ich vollkommen ausreichend für die Seeziel-Betrachtung. die Reduzierung von 2000Hz auf 500Hz setzt die durchschnittliche Sendeleistung um den Faktor vier herab und reduziert die Reichweite um die vierte Wurzel daraus, also um 29% auf 0,71 oder um den Faktor 1,41.
Nur um große Landziele Eindeutig auf Überreichweiten messen zu können, halte ich diesen Schritt für falsch. Gab es vielleicht andere Gründe dafür , wie z.B weniger internes Rauschen

V. Kroge erklärt dies mit vereinheitlichter Produktion: Beide Serienfertigungen der 2,4m-Flum-(Freya-)Geräte und der 80cm-Seetakt-Geräte sollten möglichst viele Gleichteile enthalten. Zur Erinnerung: In den 6 Jahren von den allerersten Reflexionsversuchen 1934 bis zur Aufnahme der Serienproduktion 1940 schritt die Entwicklung und damit die Reichweitensteigerung so stürmisch voran, daß die Messbereiche fast jährlich angepasst werden mussten. Schon die allererste Meßkette (10km) für das Versuchsgerät wurde noch im selben Jahr 1935 auf 20km erweitert. Die ersten Prototypen 1936/37 hatten schon einen Meßbereich von 40km (Dete I) bzw. 60km (Dete II). Für die Vorserie 1938/39, also das später so genannte FuMG39 wurden die Meßketten für das Dete I auf 75km bei 2000Hz Tastfrequenz bzw. auf 150km bei 1000Hz Tastfreqeunz für das Dete II ausgelegt.

Unter der Annahme weiterer möglicher Entwicklungssprünge wurde dann bei der Serienfertigung 1940, also beim FuMG40 der gemeinsame Meßbereich für sowohl das Seetakt- als auch das Flum-Gerät auf 200km bei 500Hz Tastfrequenz festgelegt, ein Bereich, der für das Flum-Gerät zunächst ausreichend und nur für das Seetaktgerät im Prinzip überdimensioniert war. Bei 500 Hz Tastfrequenz verblieb eine Entwicklungsreserve auf 300km Meßbereich, die nicht viel später auch ausgenutzt wurde, indem man die Vorseriengeräte für 150km mit einem "Messkettenzusatz +150km" versah, so daß diese Geräte sodann auch Entfernungen bis zu 300km messen konnten.

Mit der Vereinheitlichung der Gerätebestandteile wurde nicht nur eine Produktionslinie eingespart, sondern man konnte auch die Ersatzteilbevorratung reduzieren. Die Gema hat eigene Reparaturtrupps zusammengestellt, die mit Lkws ausgestattet waren, in denen Meß- und Prüfgeräte und ein vollständiges Ersatzteillager enthalten waren, wobei im übrigen die Prüfgeräte nicht im Kaufhaus erworben werden konnten sondern komplett selbst von der Gema entwickelt werden mußten. Das Gerät "Puck" z.B. ist vielleicht dem ein oder anderen schon einmal zumindest textlich begegnet. Wartung, Instandhaltung und Reparatur waren also ein zweiter Punkt, der der Tastfrequenzverminderung und damit einhergehender Energie-, bzw. Leistungs-, bzw. Reichweitenminderung entgegenzustellen waren.

Schließlich war der riesige Meßbereich von 200km für die Bordgeräte ja nicht nur unerheblich für die Meßgenauigkeit, denn im Rohr gezeigt wurde ja stets nur ein 25km-Ausschnitt und die Meßgenauigkeit der Kette blieb über den gesamten Meßbereich gleich, was ja die sensationell genauen Meßwerte von Landzeichen im Mittelatlantik erklärt, die Hunderte Kilometer entfernt waren.

Da Gneisenau Anfang 1941 noch mit einem Vorseriengerät FuMG 39 bzw. FuMO 22 ausgestattet war, bei dem der Meßbereich "nur" 75km betrug, konnte man die Landzeichen im Norden (100km gegen den norwegische Küste in der Nordsee) oder 160km gegen den Bärenberg auf der Bäreninsel ja nicht direkt ablesen (wie auch bei 75km Meßbereich), sondern das Zeichen lag im ersten Fall bei nur 25km und Krautwig kam aufgrund seines technischen Verständnisses auf den Gedanken, daß es sich nicht um irgendein Naturphänomen oder technisches Fehlzeichen handelte, sondern er hat messerscharf geschlossen, daß dies ein Landecho war, das erst nach zweiten Umlauf (also eine 1/2000-stel Sekunde später) reflektiert wurde. Er mußte also nur eine Umlaufentfernung von 75km hinzuaddieren und kam so auf 100km Entfernung zur Küste, was durch Kopplung der Brücke bestätigt wurde.

Nun hat nicht jeder Radarbediener einen Doktor der Physik in der Tasche, und so war die Erweiterung der Meßkette auf 200km auch für navigatorische Zwecke eine Erleichterung für die Bediener. Ein 100km oder auch 160km entferntes Landzeichen konnte mit dem FuMG 40 direkt gemessen und abgelesen werden, ohne daß man über einen Frequenzwechsel und Umrechnung die wahre Entfernung ermitteln mußte, so wie Krautwig das noch getan hat. Ein solches Zeichen konnte auch nicht mehr mißinterpretiert werden, das war schon ein erheblicher Vorteil. Klar war das nicht eigentlicher Entwicklungszweck, aber wer hätte geahnt, daß solche kolossalen Reichweiten erzielt wurden?

Als letzten Vermerk vielleicht noch einmal einen Blick in die E-Meßtabelle von Prinz Eugen, die von Januar bis April 1941 reicht und die hier schon häufiger behandelt wurde, diesmal aber mit dem Augenmerk nicht auf die See- sondern auf die Landzeichen: Die aufgeführten insgesamt 21 Messwerte gegen Land haben allesamt hohe Beträge, z.T. über 70km, wobei der höchste Wert bei genau 75km liegt (20. u. 22.04.41). Der Grund ist, richtig: Das ist der maximale Messwert der Kette, die zu dem Zeitpunkt noch auf PG verbaut war. Bezeichnung und genauer Aufbau sind bekannt, komme ev. noch darauf zurück. Es ist möglich bis sogar wahrscheinlich, daß auch bei den Erprobungen in der Ostsee Echozeichen aus größeren Entfernungen als 75km angezeigt wurden, diese aber auf PG nicht als solche identifiziert bzw, richtig zugeordnet und damit nicht vermessen wurden. Gleiches wird man wohl auch über Bismarck sagen können, der dieselbe Erstausstattung hatte.

Wieder zuviel Text, sorry, aber hoffentlich nicht zu umständlich formuliert.

Beste Grüße

Gabler
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fsimon

Danke für die Erklärung. Aber man kaufte sich damit kleinere Reichweiten gegen kleine Ziele ein, z.B. bei der Aufschlagmessung, wo die 75km keinerlei Relevanz haben. Und wie Du richtig erwähnt hast, hatte Krautwig eine Tabelle entwickelt, die Überreichweiten gegen Berge nutzen konnte auch über 75km. 2000Hz hätten eine bessere Reichweite bei der Aufschlagmessung ergeben, eine bessere Reichweite bei Fein-Peilung, bessere Reichweite gegen Zerstörer im Anlauf, also bei kleinerer Rückstrahlfläche als bei Breitseite. In Anbetracht der Beschwerden über die unzureichende Reichweite der Seetakt-Geräte erschließt sich mir nicht, warum nicht mit 2000Hz gearbeitet wurde, nachdem man dies vorher schon tat.
Flugziele könnten vielleicht der Grund sein, die man unbedingt außerhalb 75km entdecken wollte. Aber wieso dann gleich 500Hz.? Hätten 1000Hz nicht gereich, also 150km?

Frank

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