Bugwellen am Beispiel jap. Schiffe

Begonnen von Huszar, 26 Oktober 2006, 12:20:37

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Peter K.

So, um die Sache jetzt mal abzuschließen ...

Die Aufnahme der NOSHIRO entstand während der Probefahrten im Juni 1943. Ob sie allerdings tatsächlich das Schiff bei 35 kn zeigt, entzieht sich meiner Kenntnis! HAROLD kann das aber bestimmt fix ausrechnen ...  :-D












geplanttatsächlich (SAKAWA)
Probefahrtsverdrängung in t7.7107.895
Länge in der Wasserlinie in m172,0172,00
Breite in der Wasserlinie in m15,2015,20
Tiefe mittlere in m5,635,71
Freibord Bug/mittschiffs/Heck in m7,35/4,54/4,107,27/4,46/4,02
Blockkoeffizient0,5120,520
Zylinderkoeffizient0,6140,610
Hauptspantkoeffizient0,8330,840
Wasserplan0,7440,740

Die Maschinenanlage war konstruktionsmäßig auf 100.000 SHP bei 360 U/min. für 35 kn ausgelegt.

Tatsächlich wurden erreicht:










NameDatumVerdrängung in tLeistung in SHPLeistungsbezeichnungU/min.Geschwindigkeit in kn
AGANO09.09.19427.717105.500Überlast364,835,82
AGANO21.10.19427.839101.30010/10359,034,45
AGANO25.11.19427.212100.17010/10355,033,33
YAHAGI24.11.19437.734101.10010/10357,735,17
YAHAGI10.12.19437.673105.800Überlast360,8?
NOSHIRO06.1943?????
SAKAWA??????

Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Zerstörerfahrer

Zitat von: harold am 27 Oktober 2006, 23:40:12
Vor Zeiten, in einem der letzten Beiträge für's SSF, die ich damals geschrieben habe ...
http://forum.schlachtschiff.com/topic.asp?TOPIC_ID=1407

*OFFTOPIC*

Hallo Harold,

als einer von denen, die nicht von Schlachtschifforum hierher kamen, kannte ich deine damaligen Ausführungen nicht.
Und ich muss wirklich sagen - Respekt, Respekt !!!
In jeder Lektüre kann man lesen, das die Schwestern vorne immer tief eintauchten, aber nie warum. Dank dir weiss ich jetzt um des Rätsels Lösung. Auch die Bismarck-Berechnungen waren sehr lehrreich. Mach bitte weiter so !
- Mal unter uns gesagt, ich empfand an Bord das " nicken " mit dem Bug immer als etwas Beruhigendes, sofern es nicht asynchron wurde. -  :-)

*ENDOFFTOPIC*

harold

@ZF, ja schönen Dank... da werd ich wohl mal einige der alten Artikel mit neuem Material aufbereitet hier reingeben...
@Peter, nun hast du mir schon sooo viel Material gesendet - Geduld bitte bis morgen, heut war "Privattag" :-)

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Peter K.

ZitatPeter, nun hast du mir schon sooo viel Material gesendet
... keine Bange, HAROLD, jetzt kommt eh nix mehr!  :-D
ZitatGeduld bitte bis morgen
... mach´ dir bloß keinen Stress!  :wink:
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Huszar

btw Wulstbug...  :-D

Wie weit bist du, Harold mit der Gascogne?  :-D


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

harold

...oh, oh... so etwa 35% von dem, was man als Bau-Unterlagen hernehmen könnte.

Könnte? -naja, schließlich zeichne ich nicht nur für mich, sondern auch für eine Firma, die die G als 1:700-er-Modell rausbringen möchte, Resin, Photoätzteile, und aller Pi-Pa-Po.
Geht ganz hübsch in die Zeit, das, na dann hab ich mir meine Belegexemplare (ne Clémenceau wirds auch noch...) doch redlich verdient, oder  :-D ).

Schaut allerdings so aus, als ob ich für aufwändige Fachartikel bis Jänner keine Zeit mehr hätte, leider...

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Huszar

*hüstelhüstel*

*neugierdenochamleben*

*abernichthetzentun*

:-D

tschüssl

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

harold

very-british-softcoughing (hfft, hft!) retour - also díesen recht interessanten thread sollten wir sicherlich weitertreiben, klar.

Nur nicht hetzen - in zehn Tagen sitz ich für ne Woche an den Maturaklausuren und korrigier mich deppert, anschließend katapultier ich meine Ratzen von ihrem geschützten Labor-Labyrinth weit hinaus aus der Schul-Käseglocke... und wenn das alles vorbei ist, dann ...!
Aber so einige weiterführende Gedanken dazu hab ich schon im Hinterkopf - schade, dass Schiffbauer als Dialogpartner offensichtlich seit langem schon ausgefallen ist  :-(

Wird noch was draus, versprochen!

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Dominik

*buddel* und *wühl* - hier war doch was   :O/Y

Und nein, ich hetze nicht  :wink:

Gruß

Dominik

harold

...alsdann, nach langer Zeit (better late then never):

Es geht ja um die Unterwasserform, dieses "löffelförmig" weggeschnittene Totholz vorne.
Als Beispiel nehm ich mal die Furutaka (ganz oben).
Bei ihrer Maximalspeed generiert sie eine Welle, die ihrer Länge entspricht ... nicht so gut, das.

Wir wissen allerdings (siehe Form & Berechnung http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,1013.0.html ), dass sich Druckwellen im Medium Wasser mit einem Kegel von ca 19.5° ausbreiten. Nehmen wir Furutakas seltsam geformtes vorderes Unterwasserschiff und zeichen mal gestrichelt die entsprechenden Druckpunkte ein (2. von oben), dann bekommen wir zwei "sekundäre" Bugwellen (ähnlich, als hätte sie einen Bugwulst); diese Wellen überlagern sich über knapp m 14  bis m 28  (zweites Bild von oben)



Wo Druckwellen sich überlagern, können wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf die Bildung von Gischt schließen: die prädestinierten Orte dafür zeigt Bild 3 von oben.
Der Vergleich mit der Fotografie (4. von oben) zeigt dann das Ganze in Realität.

Schlussfolgerung:
das vorn "fehlende" Totholz und die bereits recht große Völligkeit der Spanten so um m 20 herum wirken wie ein "negativer Bugwulst", d.h. sekundär generierte Wellen löschen z.T. die eigentliche Bugwelle und ebenfalls die Hecksee.
Vom Auftriebsverhalten her wird sie -gerade bei kritischen Geschwindigkeiten- stabiler, ihr Wulstanbau liegt vorne genau im Wellenbild, das der "Löffelbug" generiert - insoferne wird noch die Wirkung einer "Schulter" verstärkt.

In den folgenden Zeiten werd ich mir noch die Haguro-, Takao- und Mogami-Rümpfe daraufhin anschaun...

:MG: Harold







4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

harold

...und ein ähnlicher Befund bei Takao:



Auch hier eine Gischt -Druckwellen überlagernd- genau dort, wo wir's vom Unterwasserschiff (3 von oben) her vermuten können.
Interesting, indeed!

4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

mhorgran

Hallo Harold

IMMER wieder höchst interessant und informativ.
Da bekommt man doch tatsächlich ein bißchen Einblick in das Thema.
DANKE

Huszar

Klasse, kann ich nur sagen!

Demnach sind diese riesigen Bugwellen nichts anderes, als Gischt?


Bei den restlichen ist die Situation auch ähnlich?


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Big A

Hätte ich bloss damals beim Offizierslehrgang im Thema Schiffbau diese Fachkenntnisse gehabt :O-_
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

harold

@ BigA ... beim Verneigen aber immer schön Richtung Mekka umklappen, sonst gilt das nix, ja?  :-D
@ Huszar;
ja, die mir damals von euch geschickten Datensätze weisen alle in die gleiche Richtung.

Hier mal ne Suzuya auf Probefahrt (noch ohne T-Wulstanbau, November 35) von OBEN:



Seitenriss zeigt die Wulste nach 37: ignorieren! Nur nach der Bugform bekommen wir wieder n gestaffelten Satz an Druckwellen, die sich bei ca m 18 bis m 36 überlagern (sie macht hier im Bild knapp über 30 kn).
Das Wellenbild drunter: dort wo die einzelnen Wellen zum Druckausgleich gieren: Gischt vorhersagbar; dort wo sie "bündeln", zB auf ca m 75 bis m 100, eher glatter Schwall.
Die Aufnahme korresponiert mit unserem Befund.

Nun aber zur Ausnahme in der ganzen Familie, der Agano-Klasse.
Die hat einen senkrechten Vorsteven bis fast zum Kiel...



...und was sagt uns der Spantriss? Mäßig ausgebildeter Taylor-Bug, d.h. ei guck, Bugwulst! (aus dém thread haben wir die japanischen Schnäuzchen ja auch herausgesondert...)

Beim Material zu Hiryu und Soryu bin ich mir nicht ganz schlüssig, aber die Ryujo scheint mir wieder ins Familienbild zu passen - war das nicht auch ursprünglich mal n Kreuzer-Rumpf, der dann über 2 Planungsetappen zum Träger mutiert ist?

Haguro-Klasse (am Beispiel Myoko), Befund wie gehabt,
Aoba (nur nach Foto-Schätzung) schauts ähnlich aus.

Hier nochmal zum Vergleich:



Inzwischen ist der Blick für die Wellenbilder ja schon geschärft, und das gemeinsame Merkmal fällt auf:
Viel langgezogenes Gegischte nach einer relativ scharf-glatten Bugwelle, und dann ein sehr flach und klar gebündelter Strömungsverlauf am Rumpf als erstes Wellental ... das irgendwie seltsam "nach hinten versetzt" ausschaut.

Warum das so ist, sind wir -denk ich jedenfalls- draufgekommen. :wink:

Warum die das so gemacht haben, und zwar konsequent seit den frühen 20-er-Jahren... ei da bräuchten wir Informationen zu japanischen Hydrodynamik-Versuchsanstalten in diesen Zeiten, und wohér die nehmen... da bin ich mehr als überfragt.-

Aber wer weiß, vielleicht kommt auch dazu noch n Informations-Schwänzchen nach, das wir dann hier einbauen können!

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Impressum & Datenschutzerklärung