Deutsche Uboote auf verlorenem Posten

Begonnen von byron, 25 Juni 2007, 19:44:09

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byron

Deutsche Uboote auf verlorenem Posten

Aus dem Tagebuch des Admiral Ägäis

08.09.1944

Die Türkei hat den deutschen Vorschlag , die drei deutschen Schwarzmeer-U-Boote in eigenen Besitz zu übernehmen und dafür den Besatzungen freien Durchzug nach Deutschland zu gewähren, abgelehnt.
2 Skl. B.d.U.  hat deshalb folgendes befohlen:

1.)  Boote zwischen türkischer Nordgrenze und Bosporus unbemerkt zu versenken.
2.)  Vorher alle verfügbaren Torpedos verschiessen, wichtige Geheimgeräte und Waffen zerstören und über Bord werfen,
Geheim- und geheime Kommandosachen verbrennen.
3.)  Boote vor Versenken so beschädigen, dass Hebung ausgeschlossen oder wenigstens erschwert.
4.)  Besatzungen in kleine Trupps aufgeteilt mit mindenstens einem Offizier versuchen nach Griechenland durchzuschlagen, bei nicht Gelingen internieren lassen.
5.)  In Dedeagatsch (Alexandrupolis) versuchen Boot zu organisieren und Saloniki zu erreichen.

Der Befehl wird durch FT  an die Schwarzmeerboote übermittelt, die heute den Marsch nach Süden angetreten haben.

10.09.44

Die Schwarzmeer-U-Boote melden, dass befohlene Versenkung vor türkischer Küste heute abend durchgeführt wird und
Besatzungen versuchen werden, sich befehlsgemäß in kleinen Trupps nach Griechenland durchzuschlagen.
Zur Verschleierung des Aussteigens der Besatzungen wird Aufrechterhaltung Funkverkehrs auf U-Bootswelle für noch
etwa 14 Tage  Skl. vorgeschlagen.

Meine Frage:  Welche waren diese drei letzten U-Boote die im Schwarzen Meer in dieser Zeit blieben?
Hat die Selbstversenkung stattgefunden ?  Was wurde aus den Besatzungen?





www.wehrmacht-in-griechenland.de.vu

Peter K.

U20
Olt.z.S. Karl GRAFEN
10.09.44, 21.30, nördlich Karasü selbst versenkt
41°10N30°47E
Qu. CL4679
Besatzung (30 Mann) in der Türkei interniert, keine Toten

U23
Olt.z.S. Rudolf ARENDT
10.09.44, 22.10, bei Agvy westlich von Kefken Adasi selbst versenkt
41°11N30°02E
Qu. CL4589
Besatzung (30 Mann) in der Türkei interniert, keine Toten

U19
Lt.z.S. Hubert VERPOORTEN
10.09.44, 22.35, nordwestlich von Kilimli bei Zonguldak selbst versenkt
41°34N31°50E
Qu. CL7445
Besatzung (18 Mann) in der Türkei interniert, keine Toten
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

byron

Danke Peter,

Also Befehl erfolgreich ausgeführt, die U-Boot-Besatzung mit dem Leben davongekommen, das Wichtigste!


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Peter K.

Grüße aus Österreich
Peter K.

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Achilles

Interessant:

Kretschmer führte U23 vom 1 Oktober 1937 bis zum 1 April 1940!

Leutnant Werner

Zwar wären die Boote im Mittelmeer von keinem besonderen militärischen Wert gewesen, aber wäre ein Durchbruch durch den Bosporus, das Marmarameer und die Dardanellen nicht möglich gewesen?

Sicherlich wäre da die Gefahr eines Minentreffers gewesen, aber ein Durchbruch durch die Minensperren durch das Verfolgen eines eintreffenden Küstengeleits halte ich auf den ersten Blick für machbar. In den Dardanellensperren müßte dann nochmals der liebe Gott helfen, aber es sei der Hinweis erlaubt, dass die Briten mit gleich mehreren U-Booten im 1WK das Marmarameer unsicher machten.

Die U-Abwehr-Möglichkeiten der Türken waren zudem beschränkt. Sie hatten nur 4 halbwegs moderne Zerstörer italienischer Bauart, mit allerdings bescheidener Auswahl an ASW-Sensoren und -Waffen. Diese Schiffe waren zudem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Geleitschutz für das Schlachtschiff YAVUZ eingeteilt.

Und mit Flugzeugen für den Küstenschutz sah es bei den Türken auch nicht so gut aus...

Spee

@Ekke,

warum diplomatische Probleme riskieren, für drei U-Boote, die niemand braucht?
Sollte auch nur eins der Boote beim Durchbruch entdeckt werden, dann könnte das die bis dahin neutrale Haltung der Türkei negativ beeinflussen. Den Briten wäre das nur recht gewesen.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Peter K.

Tatsächlich war die Türkei ob ihrer Chromerzlieferungen für die deutsche Rüstungsindustrie von eminenter Bedeutung, aber zum besagten Zeitpunkt (Anfang September 1944) waren mögliche diplomatische Verwicklungen Deutschlands mit der Türkei irrelevant, da die türkische Regierung bereits am 02.08.1944 die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Berlin abgebrochen hatte!
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Leutnant Werner

@Spee, #6: Militärischen Wert sehe ich bei den Booten in einer Defensiv-Rolle bei der Verteidigung der Ägäis. Zwar sind die Inseln ein diffiziles Einsatzgebiet, sollten aber auch guten Schutz vor Ortung durch Aktiv-Sonar bieten.

@Herrn Kreuzer: Haben die Türken dann nicht kurz darauf ohnehin den Krieg erklärt? Ich meine, in "Kampf um die Ägäis" gelesen zu haben, dass sie es aber mit einer Demonstration der YAVUZ vor Leros beließen und keine sonstigen Kampfhandlungen mehr einleiteten.
Nun stell sich einer vor, da läge ein einsatzbereites IIb-U-Boot in Leros, von dem die Türken nix wissen... :wink:

Woelfchen

Yavuz Torpediert, Türken sehr sauer, sonstige Kampfhandlungen werden doch eingeleitet?  :wink:

Huszar

zB eine Besetzung von Rhodos und den sonstigen italienischen Inseln, usw - die dann nicht an Griechenland abgegeben werden  :-D

Wenn ich mich aber dichtig erinnere, erfolgte die Kriegserklärung entweder im Dezember oder im Januar - eigentlich zu spät, um irgedetwas grossartiges zu machen.

Werden aber die U-Boote beim Durchbruch entdeckt, wäre es vielleicht möglich, dass die Türkei noch im Spätsommer/Herbst den Krieg erklärt - mit allen möglichen Folgen für die Rückzugsoperationen der dt. Garnisonen.

mfg

alex

PS: was mich aber wundert: warum haben die Türken die IIer-Boote nicht akzeptiert? Für etwa 120 Zugticketts (die natürlich Dtl zahlt), drei U-Boote bekommen? Sollte doch ein gutes Geschäft sein.
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

byron

@ Huszar,

Für Griechenland war es seht positiv dass die Wehrmacht die Dodekanes-Inseln wiedereroberte.
Hätten die Engländer mit den verbünteten Italiener dominiert, wären sie entweder weiterhin italienisches Gebiet  geblieben, oder der Türkei versprochen, was England sowieso getan hätte wenn die Türken an ihre Seite gegen Deutschland kämpfen würden.
Die Entschlossenheit der Deutschen und die Eroberung der Inseln nahm der Türkei den Wind aus den Segeln diesen Schritt zu gehen.
Bei der Sache mit den drei U-Booten im September 1944, wo der Untergang Deutschlands schon klar zu erkennen war, wollte die Türkei kein Risiko mehr eingehen sich als deutschfreundlich zu zeigen.


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Woelfchen

Ist das Risiko für die Türkei wirklich so groß gewesen?
Man bekommt 3 U-Boote geschenkt und lässt ein par Leute heimfahren?
Gewinner ist in diesem Fall eindeutig die Türkei, für Deutschland hat es praktisch keinen Nutzen.

byron

Risiko in dem Sinne,

Die Türkei hoffte nach dem Krieg am Tisch der Verteilung teilzunehmen und ein Stück des Kuchens zu bekommen.
Also war sie vorsichtig die Alliierten nicht zu provozieren.


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Spee

Servus,

so kann man das glaube ich nicht stehen lassen.
Fakt ist, die Inseln gehörten bis 1911 zum Osmanischen Reich und wurden im Zuge des italienisch-tükischen Krieges von Italien besetzt. Rechtlich gesehen hätte nach dem Abzug der Italiener die Türkei Anspruch auf die Inseln erheben können. Ebenso wäre es für die Türkei kein Problem gewesen, ab Mitte 1943 Deutschland den Krieg zu erklären und sich mit London zu einigen. Preis der aktiven Kriegsteilnahme wäre die Rückgabe der Inseln gewesen. Glaubt jemand, daß man in London dem nicht zugestimmt hätte? Zudem es 1945 für die Türkei ein leichtes gewesen wäre, die Inseln einzunehmen. Über den Zustand der deutschen Truppen steht hier ja genug geschrieben.
War es nicht Deutschland, daß sich weigerte, der Türkei eine Bestandsgarantie zu geben? Lies nicht Deutschland Italien freie Hand in der Türkeifrage?
Warum hat die Türkei später Deutschland den Krieg erklärt? Nicht weil es etwas zu gewinnen gab, sondern weil sowjetische Truppen in Rumänien und Bulgarien standen. Durch Griechenland zum Bosporus ist es nicht weit. War es nicht schon immer ein russischer/sowjetischer Traum, die Meerengenfrage zu lösen? Wer hätte den Stalin von einem solchen Plan abbringen wollen? Einzig der Status als Verbündeter schützte die Türkei vor einer möglichen Intervention durch die Sowjetunion.
Zu keinem Zeitpunkt hat die Türkei die Besetzung der Inseln erwogen.
Das einzige was die Türkei getan hat, war der Versuch, ihre Neutralität um jeden Preis zu wahren. Das hat sie getan und ist dabei gegenüber Deutschland stets fair geblieben. Nur als Detail, alle Besitz- und Eigentümer, die 1944 von Deutschen beschlagnahmt wurden, gab die Türkei nach Kriegsende den deutschen Eigentümern zurück. Wer hat das sonst noch getan?
Und als Detail zum Inselkrieg, ein großer Teil der Versorgung der Inseln kam aus der Türkei. Dabei handelte es sich um Spenden, die der rote Halbmond zu den Inseln brachte. Ohne diese Spenden wäre es den Bewohnern der Inseln versorgungstechnisch so schlecht wie den deutschen Soldaten ergangen.
Sorry, aber das muß gesagt werden.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

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