Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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Gabler

Zitat von: PS am 03 April 2026, 22:11:41Hello
Two photos from my area, Grimstad fjord and Skålevik in Bergen.(photos own collection)
regards
PS

Hello PS,

thank you very much for sharing these interesting fotos! If I may give a guess:

The first foto seems to show a torpedoboat (T-Boot). Regarding size, aspect und silhouette, the antenna should belong to a FuMO 63 K "Hohenwiel" radar device, manufactured by Lorenz, Berlin. Afaik these radar systems were not equipped onboard until early 1944. So the foto should be taken in 1944, or even 1945.

The second foto shows an earlier radar onboard the left destroyer - a so called "Seetakt" radar, manufactured by Gema, in Berlin, too. The antenna mattress has a size of 2x4 meter with two rows of vertikal dipoles - what cannot be seen, because there ist a wire camouflage pattern mounted in front of the antenna, what was used to be equipped only till mid-1941. Therefore I would estimate the destroyer having an early FuMG39 G (gL) = FuMO 21 type radar :-)

As every destroyer should have been equipped with a radar device till the end of 1941, the foto is probably taken earlier, perhaps in 1940 or 1941. This is what I can read out of these fotos.

Greetings - to Norway, I guess

Gabler

Gabler

Zitat von: Gabler am 09 April 2026, 16:06:42The first foto seems to show a torpedoboat (T-Boot). Regarding size, aspect und silhouette, the antenna should belong to a FuMO 63 K "Hohenwiel" radar device, manufactured by Lorenz, Berlin. Afaik these radar systems were not equipped onboard until early 1944. So the foto should be taken in 1944, or even 1945.
This assesment must be corrected, I´m sorry. It´s now clear that we see only the left half of an arrowed double fixed antenna construction which was mounted in combination with a GEMA FuMG 40 G (gS) radar device = FUMO 28. Credit goes to Hägar, who who pointed that out. Thank you Hägar! Thus, my data estimate went obsolete, too.

Greetings

Gabler

PS

ZitatQuote from: Gabler on 09 April 2026, 16:06:42
The first foto seems to show a torpedoboat (T-Boot). Regarding size, aspect und silhouette, the antenna should belong to a FuMO 63 K "Hohenwiel" radar device, manufactured by Lorenz, Berlin. Afaik these radar systems were not equipped onboard until early 1944. So the foto should be taken in 1944, or even 1945.
This assesment must be corrected, I´m sorry. It´s now clear that we see only the left half of an arrowed double fixed antenna construction which was mounted in combination with a GEMA FuMG 40 G (gS) radar device = FUMO 28. Credit goes to Hägar, who who pointed that out. Thank you Hägar! Thus, my data estimate went obsolete, too.
Greetings
Gabler
Thank you for your information :-)
Regards
PS

olpe

Hallo,
... Aufnahmen vom FuMO 28 (FMG 40 G (gS)) sind eher rar.
Hier eine Aufnahme von T 17. Die beiden Festspiegel sind recht gut zu erkennen:
Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.
(Q Bild: Slg. OLPE, deutschesatlantiwallarchiv.de)

Grüsse
OLPE

SchlPr11

Hallo,
eigentlich nicht, ich mußte ein wenig danach forsten in den Beständen, somit heute die Ergänzungen, teils sogar mit Datum -> Dateinamen. Insbesondere die Antenne auf T 13 dürfte erfreuen. Wissende sind gefragt die anderen Boote  neben T 14bei Torpedoausbildung vor Travemünde zuzuordnen. T 20 und T 21 liegen im Sommer 1942 längseits TIRPITZ.
Schönes Wochenende - REINHARD

olpe

Hallo Reinhard,
... ganz großes Kino! ... :TU:) ... Besten Dank für's teilen ... :MG: ... Immer wieder erstaunlich, was an Unterlagen und Dokumenten noch so vorhanden ist ... Das Bild der Antenne von T 13 ist super ... 

Grüsse
OLPE

Sven L.

Hallo Forumsfreunde,

meine Frage hat zwar nichts mit dem Thread-Titel zu tun, aber das Thema Radar passt.

Meine Frage btrifft den Träger Graf Zeppelin.

Laut den Zeichnungen (RM 25/11623) sind zwei Radarantennen am Hauptmast eingezeichnet. Ein Zeichnungsdatum ist nicht eingetragen. Am oberen Ende des Hauptmastes befinden sich ein Bedienungsstand (geschlossen) für FuMG. Der Hauptmast hat einen Durchmesser von 1,8 m. Die "Matratzen" haben beide die Abmessungen von 4x2 m.

Meine Frage ist nun, um welche Radartypen kann es sich handeln bzw. kann es sein, das zweimal Freya installiert worden ist. Dazu die Nebenfrage, ob ein Mast mit 1,8 m Durchmesser die Blickrichtung des Radars stören kann.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Solange man seinen Gegner nicht bezwungen hat, läuft man Gefahr, selbst bezwungen zu werden.
Clausewitz - Vom Kriege

olpe

Hallo,
Zitat von: Sven L. am 17 April 2026, 09:20:25Laut den Zeichnungen (RM 25/11623) sind zwei Radarantennen am Hauptmast eingezeichnet.
... nun, ich denke, dass in der Zeichnung die Funkmessanlagen eher Platzhalter darstellen, als bereits konkret zu benennende Stationen. Ansonsten ist m.E. davon auszugehen, dass Dezimeter-Standardanlagen zur Einrüstung gekommen wären, vielleicht mit der Option des Wechsels auf Zentimeter-FuMO's. Wünschenswert wäre eine Rundumsichtfähigkeit (Panoramasicht) ähnlich der FuMG 404 ,,Jagdschloss" sowie eine zumindest grobe Höhenermittlung von Luftzielen.

Unten Skizzen und eine phantasiereiche artist's impression aus östlicher Quelle ... allerdings mit erkennbaren Antennen, die auswertbar erscheinen. Die Antenne auf dem Vormast würde ich als eine 2mx6m-(Seetakt)Antenne mit schwerer Drehsäule, aufgesetzt auf Mastausleger, ansprechen. Weiter achtern, auf dem Hauptmast, eine 2mx4m-(Seetakt)Antenne mit (leichter) Drehsäule und diejenige noch weiter hinten sieht einer FuMO 63 ,,Hohentwiel K"-Antenne nicht unähnlich, scheint aber größer zu sein.


Zitat von: Sven L. am 17 April 2026, 09:20:25... kann es sein, das zweimal Freya installiert worden ist.
Inwieweit ein oder zwei ,,Freya"-Gerät(e) in der Marineversion, z.B. FuMO 321-328 (FMG (Flum) 42 T (cM)), in Frage käme(n): jo, why not, das ist sicherlich nicht auszuschließen. Für die Luftortung auf mittleren und größeren Entfernungen waren ,,Freya's" ja prädestiniert, trotz der größeren Antennen, allerdings auch ohne Flughöhenermittlung. Bei der hinteren Antenne kann es sich vielleicht sogar um eine "Freya" handeln (??)

Zitat von: Sven L. am 17 April 2026, 09:20:25Dazu die Nebenfrage, ob ein Mast mit 1,8 m Durchmesser die Blickrichtung des Radars stören kann.
Davon ist auszugehen. Eine Beeinträchtigung im Sektor wird es geben bis dahin, dass Ziele auf dem Screen nicht mehr sichtbar sind.
Soweit einige Gedanken.

(Q Bilder: fai.org.ru, historius.narod.ru, war-book.ru, Slg. OLPE)

Grüsse
OLPE


Sven L.

Hallo OLPE,

das es sich um Platzhalter handelt ziehe ich stark in Zweifel. Es handelt sich hierbei um Änderungszeichnungen der Bauwerft. Die Ausleger auf denen die Radar-Antennen stehen, lassen auch keine größeren Abmessungen zu.

Was deine netten Grafiken mit den Radar-Antennen am Vorderen Mast betrifft - nun ja, da hat jemand seine Fantasie spielen lassen. Ich habe drei Bücher über den Grafen. Israel, Wilske und Hadeler. Die ersten beiden ergänzen sich ganz gut was die Beschreibung der Technik betrifft. Da steht etwas von einem Umbau der Masten, aber nichts davon, dass am vorderen Mast Antennen für Radare angebaut werden sollten. Bei 80 cm Durchmesser desselbigen halte ich dies auch für eher unwahrscheinlich.

Ich füge einen Ausschnitt der besagten Zeichnung RM 25/11623 bei.

Um meine Frage etwas zu präzisieren. Was für Radare auf Schiffen, speziell für die Luftraumüberwachung, wären um 1943 möglich gewesen?
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Clausewitz - Vom Kriege

Gabler

Hallo Allerseits,

die Einschätzung von Olpe teile ich, und zwar sowohl was die Dimensionen als auch die Platzhalterfunktion der Antennen in der Werftzeichnung betrifft. Gleiches gilt für die Identifizierung der Antennen auf den Zeichnungen. Platzhalter sieht man bspw. auch bei Gneisenau und der Versuchsantenne von 1938. Wenn die Dimensionen 2x4m betragen, dann wurde für die Bemaßung der Ausleger offensichtlich eine Seetakt-Antenne verwendet, die aber nicht von der Bauwerft hergestellt wurde, sondern vom NVK - daher die nur grobe Darstellung der Außenmaße. Hingegen sind bei Prinz Eugen oder Tirpitz die Funkmess-Antennen sehr detailliert dargestellt, weil man zu dem Zeitpunkt wußte, welche Antennen dort montiert werden würden.

Die Werftzeichnung dürfte daher auch aus der ersten Bauphase, so ab  Mitte 1938 (vorher gab es noch keine 2x4m-Seetakt-Antenne) bis Mitte 1940 (Baustop) stammen. Gegen Ende des Krieges ab ca. 1943 wurden dann größere Antennen (2x6m oder 3x6m) für seetaktische und -artilleristische Zwecke verwendet. Diese würden sich bei diesen Auslegern nicht mehr drehen lassen - es sei denn, man vergrößert sie, so wie bei PG -  oder man baut einen Tormasten  :-o

Es ist aber mit ziemlicher Sicherheit keine Dete-f-(Freya-)-Anlage, denn deren Antennen wären mindestens doppelt so groß und ich kenne kein einziges Schiff außer versuchsweise Strahl mit allerdings Yagi-Antennen, das mit einer Flum-Anlage ausgestattet worden wäre, und schon gar nicht mit einer 4x6m-Freya-Antenne. Auch in der einschlägigen Fachliteratur gibt es keine Hinweise auf die Verwendung von Dete-II- also Flum- oder Freya-Geräten für Bordanlagen. Die Gründe für die mangelhafte Flugwarnung werden seit Jahrzehnten diskutiert.

Eine plausible Ausrüstung wären also zwei Seetakt-Antennen wegen der Abschattung durch den Turm, als Redundanz und zudem zur Halbierung der Umlaufdauer, alles nachvollziehbar von anderen Schiffen - und nachzulesen hier. Das Dete-Gerät wäre also ein FuMG 40, in Kombination mit den beiden Auslegern somit als FuMO25 anzusprechen. Jedoch, bei einer möglichen Fertigstellung in der zweiten Hälfte des Krieges wäre dies keine adäquate Ausstattung mehr gewesen.

Zum fraglichen Zeitpunkt 1943 hatte man den Einsatz eigener Funkmessortung maximal restriktiv bis hin zur völligen Wertlosigkeit gehandhabt (s. Regenbogen oder Ostfront) und die einzig verwendeten funkmesstechnichen Geräte zur Luftaufklärung waren passive FuMB-Anlagen, wie Bali-, Sumatra- und Naxos-Antennen in Kombination mit Samos-, Borkum- und Zypern-Geräten.

Im Idealfall hätte Graf Zeppelin 1944 als Luftwarngeräte ein hochwirksames und reichweitenstarkes Naxos ZM4, kombiniert mit den diversen Dezi-Warnanlagen und dazu als taktisches Luftzielgerät ein Hohentwiel K bekommen, also so, wie in den Farbbild, das mir damit als durchaus plausibel für eine späte Ausstattung erscheint. Als rein seetaktisches Gerät wäre ab 1944 noch ein Berlin S, besser K verbaut worden und im Idealfall als Feuerleitgerät ein Euklid anstelle des Gema-Geräts. Als Artillerie-Feuerleitgeräte der Gema kommt noch allenfalls eine Calais-Anlage auf dem vorderem Mast in Frage, wie in der Zeichnung dargestellt, aber wohl keine 3x6m-SeeArt-Antenne und sicherlich keine Freyas. Allerdings erscheint mir die Antenne auf dem vorderem Mast genau so groß bzw. klein wie die die anderen beiden - also auch eher 2x4m Seetakt...

Grüße

Gabler

Sven L.

Hallo Gabler,

es gibt noch Jahreszahl 1938 die Zeichnung RM 25/22534. Hier sind Radarantennen in etwas "gröberer" Form eingezeichnet. Hier ist auch die Lage der FuMG Bedienstandes anders bzw. wurde in der von mir eingestellten obigen Zeichnung geändert.
Im übrigen sollte erkennbar sein, das die Antenne vor dem Mast keine größeren Abmessungen zuläßt.

Also frage ich nochmal etwas anders: Welches deutsche Radar wäre um die Mitte 1943 für die Luftraumüberwachung möglich gewesen und wie wären die Antennenabmessungen gewesen. 

Dein Ausführungen sind sehr ausführlich - danke dafür - aber um mich da so ausführlich mit auseinanderzusetzen um die für mich relevanten Angaben zu bekommen, fehlt mir leider gerade die Zeit.

Und nochmal, die hübschen Zeichnungen sind etwas für das Auge, aber mit Sicherheit nicht realen Ursprungs.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Clausewitz - Vom Kriege

Leopard2A6EX

Bzgl des vorderen Mastes ist mit Änderung vom 18.11.42 eine Doppelanlage analog Prinz Eugen zu erkennen - also schon recht spezifisch finde ich. Also ein 26 mit den beiden markanten Höhenfindern?

Das würde dann auch zu Sven's Frage nach seegestützter Luftraumüberwachung '43 passen - soviel mehr wie die normalen Seetakt war da ja nicht. Nur hier der Vorteil von anscheinend 360Grad Drehsäulen - ohne das Handicap der schweren FuMO-Hauben auf den anderen Einheiten. Die Ausleger scheinen ja alle für die alten 2x4m Geräte ausgelegt.

Trenkle schreibt zudem auf S.185 dass Sommer43 von Telefunken ein modifiziertes Würzburg mit halber Wellenlänge a 27cm / 1100Mhz entwickelt wurde und - wenn ich das richtig verstehe - mit einem 3m Spiegel. Das könnte 1943 noch gerade so für zumindest einen kompletten, modifizierten SL8-Stand reichen - wie auf Tirpitz ab 03/44? Das Teil ohne Radattel auf dem FMG-Bedienhaus in der Höhe (wenn der Gerätesatz da noch mit rauf/rein passt) eventuell auch noch?

Damit stünden (aktiv) Ende 1943 zur Verfügung:

- See/Luftraumüberwachung: 3x FuMO26/27 a 360° - davon 1x mit extra Höhenmessern, evtl 1x modifiziertes Würzburg auf FMG-Haus (meine Fanatsie jetzt)

- Feuerleitung 15cm Batterie: 3x 26/27 mit Fein(Radattel) - zumindest Nahbereich, 10,5cm: 1 - 4x modifizierter SL8-Stand mit Würzburg Komponenten und Radattel

Soweit meine Gedanken - Gruß Frank

Edit: ich bin von der Funktion "ziehen Sie Ihre Dateien hinein" irritiert. Diese setzt die Bilder anscheinend übergroß in das Textfeld. Ohne diese Funktion werden sie dann doch wie gewohnt unten beigefügt.. 🤔

Gabler

#972
In der Mastzeichnung RM25/22534 von 1938 sind die Änderungen blau eingetragen, der Mast mit den beiden Dete-Antennen scheint also zu dem Zeitpunkt hinzugekommen zu sein, was die vorgenannte Zeiteinschätzung bestätigt. Die Zeichnung RM25/11623 scheint etwas später erstellt worden zu sein - aber nicht viel. Die ehemals blauen Änderungen sind nun übernommen und zudem bspw. ein weiterer Scheinwerfer hinter dem Schornstein ist hinzugekommen. Sie zeigt dieselben Antennen wie die vorangegangene Version. Das Höhen-/Breitenverhältnis beträgt 1:2, das ist typisch nur für die Seetakt-Antenne, die auch wie geschrieben die einzige Bordantenne überhaupt zu diesem Zeitpunkt war. Auch war noch bis Kriegsbeginn geplant, jede größere Einheit mit zwei Geräten auszustatten, das passt also alles in die (Vorkriegs-)Planungen. Zum Zeitpunkt 1938 wurden die Seetaktgeräte noch auf 60cm Wellenlänge betrieben, die Umstellung auf 80cm erfolgte erst etwa im Januar 1939. Die Antennen waren aber so konzipiert, daß sie umgerüstet werden konnten, man mußte sie nicht im Ganzen austauschen, wenn die Wellenlänge und damit die Dipole geändert wurden.

Hierzu:
Zitat von: Sven L. am 21 April 2026, 18:52:48Welches deutsche Radar wäre um die Mitte 1943 für die Luftraumüberwachung möglich gewesen und wie wären die Antennenabmessungen gewesen. 
war die Antwort eigentlich schon gegeben, so unbefriedigend sie auch sein mag: Es gab keine spezielle bordgestützte Luftziel-Radaranlage, man hat sich mit passiven Geräten beholfen.

Die beiden Geräteklassen der Gema, die als einzige zur Verfügung standen, waren das Dete-I und das Dete-II-Gerät, also das Seetakt- und das Flum-bzw. Freya-Gerät. Das Seetaktgerät war ein bordgestütztes Seezielgerät und das Freya ein landgestütztes Flugzielgerät. Die beiden anderen deutschen bedeutenden Hersteller von Radargeräten, Lorenz und Telefunken haben bis etwa Ende 1943 exklusiv die Luftwaffe beliefert. Selbst die Hohentwiel-Anlagen, die die Marine ab Ende 1943 erhalten sollte, waren ausgemusterte Altbestände von der Luftwaffe, sie kamen nicht direkt von Lorenz.

Mit dem Hohentwiel-Gerät konnte man ebenso wie mit dem Seetakt-Gerät AUCH Flugzeuge orten, aber nur solange sie sich innerhalb der Radarkeule oder zufällig in einer Nebenkeule der horizontal ausgerichteten Antennen befanden. Man konnte die Antennen nicht nach oben aufrichten und man konnte auch die Flughöhe nicht messen, es waren eben keine Lufzielgeräte. Das galt auch für die späte große SeeArt-Antenne. Selbst Prinz Eugen hatte nach jetzigem Kenntnisstand bis 1945 keinen Höhenpeilzusatz erhalten, obwohl die Gema einen solchen etwa um 1943 schon entwickelt hatte.

Am ehesten geeignet als Luftzielgerät war m.M.n. das Hohentwiel-Gerät von Lorenz (also in dem Fall ein FuMO 63 K, Maße 2,4m x 2,0m), aufgrund seiner kompakten Bauweise, der Agiliät der Antenne (gut geeignet auch zum Verfolgen schneller Ziele) und auch aufgrund Auflösung und passabler Reichweite, obwohl die Marineausführung nur nach dem einfachen Maximumverfahren arbeitete. Ein 1943 ebenso mögliches Gema-Gerät mit Calais-Antenne hätte die Maße 2,0m x 6,4m, würde aber wie geschrieben nicht auf die kurzen Ausleger passen.

Allerdings, und das macht es dann doch wieder etwas spannend, kann man in der Zeichnung, die Leopard dankenswerterweise hochgeladen hat, auf dem vorderen Mast oberhalb der Seetaktantenne tatsächlich eine Versuchsantenne für Höhenpeilung erkennen, gleich der Versuchsanordnung auf Prinz Eugen im Sommer 1942! Sehr gut erkannt, Frank! Allerdings ist das kein FuMO26, da keine Drehhaube wie auf Prinz Eugen, sondern ein FuMO25, also Drehsäule auf Ausleger, die Bediengeräte vmtl. unterhalb des Masts in den Aufbauten. Die Höhenpeilantenne besteht aus zwei hochkant fest links und rechts der Drehsäule angebrachten Antennenspiegeln, wobei der linke senkrecht und der rechte um 45° nach oben geneigt steht. Eingezeichnet ist die Seitenansicht der Antennen, zudem als gestrichelte Silhouetten die Vorderansicht. Die rechte Antenne (in der Vorderansicht links) ist nur scheinbar kleiner, eben weil sie geneigt ist. Als Vergleich habe ich eine Aufnahme der Höhenpeil-Versuchsanordnung auf Prinz-Eugen und zudem ebenfalls einen Ausschnitt der Werftzeichnung von Prinz Eugen beigefügt, die den identischen Aufbau zeigt.

Schaut es Euch an, das Prinzip scheint dasselbe zu sein! Mittlerweile scheint sich auch herauszukristallisieren, daß diese Antennen die Höhe mit Hilfe einer Vergleichspeilung ermittelt haben und nicht etwa über eine Antennenumtastung verfügten wie bspw. die FuMO28-Antennen auf den T-Booten. Deshalb hat man die beiden Antennen so versetzt montiert: Um einen größeren Höhenwinkel zu erreichen! Jedoch muß man leider Wasser in den Wein gießen: Diese Versuchsanordnung hat sich offenbar nicht bewährt, sie wurde etwa im September 1942 nach nur drei Monaten aus Prinz Eugen wieder ausgebaut, und auch nirgends anders so verbaut und auch nicht in der FuMO-Typisierung der MDV 950 erwähnt. Also, es bleibt dabei: Kein explizites Flugzielradar 1943 bei der deutschen Kriegsmarine.

Leopard:

Die Drehsäulen waren wahrscheinlich nicht komplett drehbar, sondern nur bis zu einem bestimmten Bereich schwenkbar und mußten zurück geschwenkt werden, um den gesamten Horizont abzusuchen. So war es bei dem achteren FuMO25 auf Prinz Eugen, das erst im Juni 1944 montiert wurde. Es ist also sehr unwahrscheinlich, daß fast zwei Jahre früher komplett drehbare Säulen vorhanden waren - Stichwort Schleifringe.

Die Telefunken-Entwicklung  war wohl ein Vorgänger für das - allererste - Flakzielgerät Euklid, das tatsächlich etwa im Januar 1945 dann doch an die Marine geliefert wurde - viel zu spät. Ob das genannte Gerät mit 3m-Parabolspiegel auch nur versuchsweise an die Marine geliefert und vor allem eingebaut und getestet wurde? Bin skeptisch, aber man soll ja nie nie sagen, vor allem bei diesem Thema, das noch voller Überraschungen steckt ;-)


Es bleibt trotzdem spannend!

Grüße und schönen Abend

Gabler


Leopard2A6EX

#973
Hallo Gabler,

danke für deine Erklärung! Recht hast du natürlich - FuMO25. Wo wir schon beim Prinzen abgucken. Und Stichwort Schleifringe - jetzt machts wieder click. Und interessant der kurze Zeitraum, in dem der Höhenpeiler vorne  nur installiert war!

Das 25er auf seinem Ausleger war, wenn recht erinnert, von 45 - 315° schwenkbar. Es fehlten also 90°. Da wir aber 2 Geräte zumindest am Hauptmast haben, sollte sich das gut überlappen? 1943 können wir auch annehmen, dass erste TS60 Röhren eingebaut werden um quasi das Letzte aus diesen alten Antennen rauszuholen?
Ich gehe jetzt mal von einer fiktiven Indienststellung des Trägers Ende 43 aus - für die dann alles besorgt wird, was gerade das Reißbrett verlassen hat.

Laut FMG-Report Rheinübung wurde dort eine Sunderland auf 276hm erfasst - mit demselben Gerätetyp quasi, allerdings maximal mit TS6 bestückt, wahrscheinlich geringerer BauHöhe und etwas undynamisch durch die Drehhauben-Platzierung.

Ein erstes Hohentwiel-K könnte tatsächlich auch schon Ende 43 bordverfügbar sein wenn ich das jetzt richtig überblicke. Bzgl des Würzburg - in der Marinenomenklatur ja mit FuMO 212/13 (C/D) bezeichnet: wie ist Tirpitz eigentlich zu diesem achternen Leitstand gekommen? Wie kam der nach Norwegen? Und wieviel hatte der noch mit einem SL8 gemeinsam? Und rein theoretisch: falls Zeppelin noch in der Bauwerft, wäre der schon ein halbes Jahr früher verfügbar evtl? Bis der bei Tirpitz war, hat es doch sicherlich etliche Wochen gedauert.

Um mich jetzt nicht zu sehr zu verzetteln: bzgl Flum-Kapazität wäre Zeppelin mit den 3 Seetakt in der Höhe und den Bestreichungswinkeln und mehr Leistung so schlecht garnicht unterwegs?

1 - 2 Jahre später, mit den 9 / 3cm Geräten hätte die Welt sicher etwas anders ausgesehen. 1943 aber ist es noch spannend ☺️

Edit: diese FMG-Anlage wurde offenbar im November 42 nachgetragen. Wenn wir jetzt ein Jahr weiter gehen, denke ich dass es für die Bau- oder Ausrüstungswerft ein Leichtes wäre, längere Antennenträger zu installieren, um die größeren Calais-Antennen einrüsten zu können.


Thorsten Wahl

"Laut FMG-Report Rheinübung wurde dort eine Sunderland auf 276hm erfasst - mit demselben Gerätetyp quasi, allerdings maximal mit TS6"

Hast du mal die Fundstelle?

Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

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